ManU Börsengang: Nicht kaufen!

a) Kurzfristig:

Die Einnahmen aus dem Börsengang von Manchester United dienen vor allem der Tilgung der Anleihen des hoch verschuldeten Fußballvereins, gehen also an die Gläubiger und nicht in das zukünftige Wachstum (also potenziell an die Aktionäre).

b) Langfristig:

Im Fußball gilt die Regel: Geld schießt Tore. Europameister wurde nicht ganz zufällig mit Spanien die Mannschaft mit den teuersten Spielern, die auch die höchsten Gehälter einstreichen dürften. Ergo: Erfolg gibt es (bis auf Aufnahmen) nur, wenn man ausreichend viel Geld in die Hand nimmt.

Das nächste Problem ist, dass die Ausgabenseite mit dem Erfolg wächst. Die Spieler bekommen hohe Prämien, wenn sie erfolgreich sind. Das führt im Extremfall dazu, dass die Vereine beim einem Erfolg schlechtere Zahlen schreiben und es (rein wirtschaftlich gesehen) besser wäre, ein Finale NICHT zu gewinnen. Manchmal sichern die Vereine dieses Risiko bei Versicherungen ab, aber auch das kostet Geld.

Kurz: Die Einnahmen (TV, Werbung, Trikots, Tickets, ...) steigen nur mit dem Erfolg. Den Erfolg bekommt man aber nur über teurere Spieler. Das Geschäft wird also niemals richtig hohe Margen abwerfen, weil der Großteil der Einnahmen für die Spieler drauf geht. Da gilt für Fußballvereine die gleiche Regel wie für alle mitarbeitergetriebenen Unternehmen: Diese haben keinen Hebel.

Als Gegenbeispiel: Wenn Oracle oder Microsoft eine zusätzliche Lizenz einer Software verkaufen, stellt diese Einnahme nahezu ein Reingewinn dar. Kosten entstehen Oracle oder Microsoft (für die zusätzliche Lizenz) fast keine. In solchen Geschäften steckt ein Hebel! Wenn eine Mannschaft aber mit guten Spielern einen (Überraschungs-) Erfolg landet (man denke an Gladbach im letzten Jahr), muss der Verein entweder den Spielern schnell deutlich höher dotierte Verträge anbieten (also die zusätzlichen Einnahmen gleich wieder ausgeben) oder die Spieler sind halt weg (Reuss, Dante, ...).

Ganz nebenbei ist das internationale Fußballgeschäft ziemlich im Eimer. Weil immer mehr Scheichs und sonstige Multimilliardäre sich einen Fußballverein kaufen (in der internationalen Spitzenklasse fällt mir mit dem FC Bayern exakt ein Verein ein, der profitabel und unabhängig von einem Geldgeber aus der Multimilliardärsklasse ist. Barça ist ist zwar unabhängig, aber eben defizitär), sind die Preise für neue Spieler in schwindelerregenden Höhen. Irgendwo ist immer jemand Neues, der den Spielern viel zu viel Geld zahlt und sich den Erfolg zusammenkauft. Dessen Verein später aber nie profitabel werden wird. Das hat der AC Milan getan (Berlusconi), das hat der FC Chelsea getan (Abramovic), das hat Real Madrid getan, das hat Manchester City getan und das Spiel setzt sich gerade bei Paris Saint Germain fort. Die gesamte Branche steckt im Durchschnitt klar in den roten Zahlen. Man kann und muss froh sein, wenn man als Verein eine schwarze Null schreibt.

Die Gesamtlage *mag* sich bessern, wenn demnächst die Financial Fair Play Regeln der UEFA greifen. Vereine, die unsolide wirtschaften, sollen dann von den internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden. Wie konsequent das umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Aber selbst dann gilt die Grundregel noch, dass von den zusätzlichen Einnahmen, die die Erfolge bringen, ein großer Teil über Prämien an die Spieler abfließt. Für die Aktionäre bleibt selten was übrig. Die Spieler sitzen im Fußballgeschäft eindeutig am längeren Hebel.

Kurz vorm Börsengang: ManU hofft auf Geldsegen | FTD.de

Update (02.08.12):

Ein paar Ergänzungen und Korrekturen aus den Kommentaren:

a) Gegen den Kauf von ManU-Aktien spricht auch noch, dass die Stimmrechtsmehrheit bei der Besitzerfamilie bleibt, obwohl deutlich mehr Aktien verkauft werden.

b) Gegen Fußballaktien generell spricht auch noch die Unsicherheit der Geschäftsaussichten. 50% des Erfolgs sind schließlich Zufall.

c) Barça war zwar im Jahr des CL-Gewinns (2010/11) defizitär, in der Saison danach (ohne Titel) aber ziemlich profitabel (Rohgewinn über 50 Millionen).

d) Die gute Lage des FC Bayerns beruht auch darauf, dass mit Audi und Adidas zwei Partner eingestiegen sind, die für die Betieligungen jeweils eine dreistellige Millionensumme auf den Tisch gelegt haben. Bayern hat also quasi einen außerbörslichen Börsengang gemacht ... Das verbessert die Ausgangslage natürlich enorm.

Update 3 (10.08.12):

Heute wurde der Emissionspreis bekanntgegeben: Es sind 14 Dollar. Das ist spürbar unterhalb der Spanne von 16 bis 20, die die Emissionsbanken (und die Altbesitzer) angestrebt haben.

Manchester United wird damit mit 2,3 Milliarden Dollar bewertet, etwa eine Milliarde wenige als die Besitzerfamilie Glazer. Auch der Verein wird das zu spüren bekommen, denn nun fließen durch die neuen Aktien nur noch 232 Millionen Dollar in die eigenen Kassen. Damit stehen ungefähr 100 Millionen Dollar weniger zur Schuldentilgung zur Verfügung als geplant.

ntv: ManU floppt an der Börse

Immerhin gab es eine gute Nachricht in der Zwischenzeit: Der neue Hauptsponsor Chevrolet zahlt ab der Saison 2014/15 knapp 70 Millionen Dollar pro Saison.

Ziemlich viel Geld fand wohl auch GM (die Mutter von Chevrolet) und hat den verantwortlichen Werbemenschen schnell entlassen ... OK, es ist nicht wirklich klar, ob er wegen des ManU-Sponsorings gefeuert wurde oder wegen der vorherigen Millionen-Sponsorings.

ntv: GM zahlt ManU Rekordsumme

Kommentare :

  1. Dass die Spieler profitieren finde ich ja grundsätzlich mal gut. Dass die das meiste bekommen die auch die Leistung erbringen ist ja in der Wirtschaft nicht überall selbstverständlich.
    Und wenn man Aktionär bei solch einem Verein wird, dann sollte man das tun weil man Fan ist und den Verein unterstützen will und nicht weil man Gewinn machen will, denk ich.

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    1. Dann kann man sich aber auch ne Karte für's Stadion oder ein Trikot kaufen. Davon hat man wenigstens was ...

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    2. Aber du hast mit der Grundaussage "nur was für Fans" natürlich recht.

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    3. Nun ich würde mir die Aktie meines Lieblingsklubs als Papier geben und an die Wand hängen.
      Da hat man dann im schlimmsten Fall immer noch was herzuzeigen auch wenn die Aktie nur noch Penny Stock ist. ;-)
      Aber jetzt im ernst, Fussballaktien laufen meistens immer schlecht wie die Geschichte zeigt.

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  2. Die Argumentation ist gut, aber ich würde Aktien von Fußballclubs grundsätzlich nicht kaufen, denn die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich viel schwerer abschätzen als bei normalen Unternehmen. Aktien vom Verein zu besitzen ist dann eher was für die ganz großen Fans.

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  3. Die Argumentation finde ich gut und eigentlich muss man noch drastischer sein. Denn es verdient kaum ein Verein richtig Geld, also netto - unterm Strich. Bei Bayern darf man nicht vergessen, dass Audi und Adidas jeweils 10% gekauft haben und zusammen 250 bis 300 Mio. auf den Tisch legten (Zahl aus der Erinnerung). Davon zehrt Herr Hoeneß Festgeldkonto heute noch. Klar ist aber auch, dass die profitabel arbeiten, wenn das Stadion abbezahlt ist. Bei Barcelona muss ich widersprechen. Die sind nicht defizitär! Die haben zwar Schulden von 320 Mio. Euro, aber bei einem Nettogewinn von fast 50 Mio. Euro im vergangenen Jahr ist das ein absolut akzeptbaler Wert. Die gesamten Barca-Zahlen gibt es ausführlich hier: http://www.fussball-tuerkei.de/index.php/nachrichten-leser/items/fc-barcelona-rekord-umsatz-gewinn-100928.html
    Dass die Scheichs und Investoren wie die Glazers bei Manchester die Preise kapuzttmachen ist klar. Aber gegen die United-Aktie spricht noch etwas. Der Glazer behält die Stimmenmehrheit, obwohl er 50% der Aktien abgeben will. Bei einem normalen Unternehmen wäre der Börsengang jetzt tot! Oder spätestens dann, wenn jemand die Bewertung von Forbes nimmt, die United um ein Drittel niedriger bewerten. Leider nur als Klickstrecke :-( http://www.handelsblatt.com/sport/sonstige-sportarten/forbes-liste-das-sind-die-wertvollsten-sportklubs-der-welt/6893796.html

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    1. Gute Ergänzungen.

      Im Endeffekt hat Bayern einen außerbörslichen IPO gemacht :-)

      Barca hat aber (IIRC) im Jahr des CL-Siegs (2010/11) Miese gemacht. Dass das im Jahr danach anders war, ist mir entgangen. Danke für die Ergänzung.

      Und mit dem behalten der Stimmrechtsmehrheit für Glazer hast du ebenfalls recht.

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