261 Mrd. Dollar Schwarzgeldabfluss aus Griechenland?

Das hat eine NGO namens Global Financial Integrity berechnet.

Schwarzgeld: Griechen sollen Milliarden ins Ausland geschafft haben - SPIEGEL ONLINE

Leider ist die Zahlenbasis genau so dünn wie vor gut einem Jahr, als eine ähnlich hohe Summe durch die Medien geisterte. Ich habe mir damals ein paar Gedanken gemacht und halte die Summe auch heute noch für unrealistisch hoch.

OK, es mag sein, dass Griechenland historisch immer Geld ins Ausland geschafft hat. Und OK, Griechenland ist um einiges korrupter als Deutschland, daher gibt es auch viel mehr Schwarz- oder Bestechungsgeld, das ins Ausland geschafft werden muss. Aber die Größe der Volkswirtschaft Griechenlands liegt trotzdem bei weniger als einem Zwölftel von Deutschland. Und Deutschland hat geschätzte 140 Mrd. Euro in der Schweiz. Griechenland soll doppelt soviel ins Ausland geschafft haben? Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die Griechen (pro Kopf im Schnitt) 24mal so viel Schwarzgeld versteckt haben wie die Deutschen.

Das glaube ich weiterhin nicht. Die einzig halbwegs offizielle Zahl aus der Schweiz liegt übrigens bei 24 Milliarden Euro. Natürlich werden die Schweizer die Zahl absichtlich niedrig schätzen, um Griechenland nicht zu viel Hoffnung auf viel Geld beim Abschluss eines Steuerabkommens zu machen. Aber ich glaube, dass die Zahl näher an der Wahrheit liegt, als es uns die Schlagzeilen weismachen wollen. In denen schwingt nämlich immer ein ganzes Stückchen "Die korrupten Griechen sollen sich gefälligst selber um ihre Rettung kümmern" mit. (was selbst in diesem Fall Murks ist, denn Deutschland hat es ja auch noch nicht geschafft, mit der Schweiz ein Steuerabkommen zu schließen ...)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Hat Griechenland 280 Mrd. Schwarzgeld in der Schweiz?

Kommentare :

  1. Die Schweiz ist doch nicht das einzige Land, in das Schwarzgeld verschafft werden kann - oder haben die inzwischen das Monopol? Wenn nicht, dann scheint mir die Rechnung (24-fach) nicht ganz zu stimmen ...

    Außerdem: Es wäre ja hilfreich, bei einem Euro-Austritt Geld im Ausland liegen zu haben. Muss man denn wirklich davon ausgehen, dass es sich um Schwarzgeld handelt? Hat Griechenland so restriktive Bestimmungen für den Finanztransfer, dass es sich um Schwarzgeld handeln muss?

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    1. Die Schweiz ist aber dank des Bankgeheimnisses bevorzugtes Ziel. In Griechenland wird sicherlich prozentual mehr Geld nach Zypern geflossen sein als aus Deutschland, aber in Deutschland ist auch lange Geld nach Luxemburg geflossen. Ich gehe davon aus, dass sich das ungefähr die Waage hält.

      Es geht im Artikel um Schwarzgeld. Nicht schwarzes und nicht anonymes Geld ist ja bekannt und wird z.B. von der BIZ halbwegs vernünftig erfasst (jeder Grieche kann sein Geld ja im Ausland anlegen, zumindest in der EU ist er komplett frei). Darüber muss man nicht spekulieren, da weiss man ungefähr wie viel das ist. Allerdings ist dieses Geld ja schon versteuert und bekannt, ergo ist dort nicht viel zu holen. Extraeinnahmen erzielt man nur, wenn man Geld "neu" findet, also Schwarzgeld. Daher ist das der relevante Teil.

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  2. http://ftalphaville.ft.com/blog/2012/09/04/1145251/greek-tax-evasion-mapped-and-crunched/

    FT Alphaville schreibt hier über eine neue Studie zur Schätzung der Steuerhinterziehung in Griechenland.

    Anscheinend haben die Ersteller der Sudie Zugang zu den Krediunterlagen einer grossen griechichen Bank gehabt? Und dabei festgestellt, dass laut den Unterlagen Selbständige in Griechenland rund 82% ihres offiziellen monatlichen Einkommens für die Schuldentilgung ausgeben müssten. Einige Berufe - Rechtsanwälte, Ärzte ..- sogar mehr als 100%.

    Sie schliessen daraus, dass die Bank offensichtlich wusste, wie hoch das tatsächliche Einkommen ihrer Kunden ist. Da der normale, international übliche Standard für die Schuldentilgung maximal 30% des Einkommens beträgt.
    Den Wert haben sie dann benutzt, um das tatsächliche Einkommen der Selbstständigen zu schätzen.
    Und sind auf ca. 28 Milliarden Euro Steuerhinterziehung pro Jahr als Untergrenze gekommen.

    Falls die Schätzung auch nur einigermaßen stimmt, dann dürften über 10-20 Jahren schon einige 100 Milliarden zusammengekommen sein.

    Detlef

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