USA: Arbeitslosenquote 08/12: 8,1% (-0,2 Vm, -1,0 Vj)

(So nach zwei Monaten Sommerpause mal wieder ein Arbeitsmarktposting von mir ... )

Für den August gab es einen durchweg enttäuschenden Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den August 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -250.000 auf 12,544 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -368.000 auf 142,101 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,1% (-0,2 zum Vormonat, -1,0 unter dem Vorjahresmonat).

OK, sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken. Die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, warum auch immer), gab es im August plötzlich 581.000 mehr. Das ist mindestens der dritte Monat in diesem Jahr, in dem die Zahl der NILFs um mehr als eine halbe Millionen schwankt. Solch extreme Schwankungen lassen einen natürlich schon an der Aussagekraft der Statistik zweifeln ... Daher hilft ein Vergleich mit dem Vorjahr: Im August 2011 waren 86,2 Millionen als NILF "aussortiert", also gut 2,7 Millionen weniger als heute.

Ein guter Check ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese sank im August auf 58,3% (-0,1) und liegt damit wieder genau auf dem Vorjahreswert (das sah in den vergangenen Monaten besser aus).
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,1 auf 8,1% kräftig zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht verbessert. Damit muss man die Erholung, die im Winter und Frühjahr zu beobachten war, als beendet ansehen.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im August ebenfalls enttäuschend.

Anzahl der Jobs: +96.000 gegenüber dem Vormonat auf 133,300 Millionen. Dem Plus von 103.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 16.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate zeigen ebenfalls deutlich nach unten: Der Juni wurde um 19.000 auf +45.000 nach unten korrigiert, der Juli um 22.000 nach unten auf 141.000. Insgesamt sind durch die Korrekturen also 41.000 Jobs verloren gegangen. Zieht man diese vom eh schon schwachen Monatsplus von 96.000 ab, bleiben real nur noch 55.000 neue Arbeitsplätze übrig.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Vergleich zum Vormonat stabil bei 34,4 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 0,1 Stunden plus. Die Zahl der Überstunden blieb gegenüber dem Vormonat und Vorjahresmonat unverändert bei 3,2 Stunden. Das deckt die Interpretation der Stagnation für den US-Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank - seltenes Hoffnungszeichen im August  - von 15,0 auf 14,7%. Das ist übrigens auch weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (16,2%). (Wie bei der allgemeinen Arbeitslosenquote muss man hier aber die NILFs berücksichtigen, die diese Quote möglicherweise deutlicher drücken).

Zusammenfassend: Ein schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote (immerhin eine der zwei Zahlen, die üblicherweise in den Überschriften der Zeitungen auftauchen) sank zwar, dies ging aber allein auf die massiven Umbuchungen in die NILFs zurück.

Die Zahl der neuen Arbeitsplätze blieb mit 96.000 extrem kräftig unter den Erwartungen, die bei ungefähr 150.000 lagen. Wenn man die Abwärtskorrekturen der zwei Vormonate berücksichtigt, blieben vom Plus von 96.000 sogar nur 55.000 übrig.

Auch wenn die Arbeitslosenquote sowohl im Vergleich zum Vormonat (-0,2) und zum Vorjahr (-1,0) eine deutlich Verbesserung anzeigt, bleibt nach genauerem Studium der Zahl davon nichts übrig. Die Anzahl der Arbeitsplätze in den USA wächst in den letzten Monaten wieder schwächer als die Bevölkerung, auf Jahressicht kann man nur noch Stagnation feststellen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – August 2012

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