Benzin ist (immer noch) teuer, Öl aber nicht. Warum?

Hint: Es ist nicht nur der Euro.

Die Frage hat die EZB auseinandergedröselt und die FTD fasst die Gründe zusammen.
In der Spitze lag der Ölpreis 2008 bei 134 Dollar, heute kostet ein Fass Öl etwa 110 Dollar. Ein Liter Super kostete damals 1,46€, heute jedoch 1,60€.

Es gibt im Wesentlichen drei Gründe für den Benzinpreisanstieg (jeweils europäische Durchschnittspreise):
  1. Der schwächere Euro. In Euro gerechnet ist der Ölpreis nämlich nicht gesunken (siehe oben minus 24 Dollar), sondern um 4 Euro gestiegen. Auf den Preis eines Liters Benzin umgerechnet ergibt das 2,4 Cent Plus.
  2. Die Raffinerien arbeiten wieder mit Gewinn. 2008 arbeiteten sie mit einem Minus von 0,4 Cent je Liter, jetzt mit einem relativ kräftigen Gewinn von 9,8 Cent je Liter.
    Zusammengenommen sind die Spritpreise um 12,6 Cent gestiegen.
  3. Steuern: Statt 79,9 Cent (2008) werden in Europa jetzt durchschnittlich 92,4 Cent auf einen Liter Benzin erhoben. Das macht weitere 12,5 Cent aus.
Insgesamt geht also eine Hälfte des Gesamtanstiegs von 25,1 Cent je Liter Benzin auf den Ölpreis und die Ölbranche zurück, die andere Hälfte auf den Staat.

Die deutlich höheren Gewinne der Raffinerien werden auf einen kräftigen Kapazitätsabbau zurückgeführt. Aber davon ab: Die Argumentation der Ölkonzerne, man würde an einem Liter Sprit nichts verdienen und die Tankstellen wären nur Plus-Minus-Nullgeschäfte, lenkt natürlich ab: Denn das Geld wird bereits (von den gleichen Konzernen) früher in der Produktionskette verdient: Nämlich der Raffinerie (und der Förderung natürlich ebenfalls).

Daher ist es auch kein Wunder, dass sich die Ermittlungen der Kartellbehörden im Ölmarkt schon seit einiger Zeit mehr gegen die Raffinerien und weniger gegen die Tankstellen richten ...

Beim Diesel ist die Rechnung übrigens ganz anders. Hier ist die Marge der Raffinerien gesunken (von 13,2 auf 8,9 Cent). Dafür stiegen die Verkaufskosten um 2,4 Cent (das ist die Marge der Tankstellen. Bei Benzin war diese unverändert). Inklusive der Preiserhöhung des Ausgangsprodukts Öl gab es beim Diesel so nur einen leichten Anstieg der Vorsteuerpreises um 0,5 Cent.

Die Steuererhöhungen schlugen aber fast so stark zu wie beim Benzin und hoben den Endpreis um 8,5 Cent an. Insgesamt stieg der Preis von Diesel aber "nur" um 9,1 Cent.

Alles das gibt es bei der EZB in Form einer Tabelle (Flüssiggas ist auch noch drin, da hat sich dank fast vollständig ausgebliebener Steuererhöhungen kaum was am Preis getan):



Die FTD hat daraus noch ein paar schöne Infografiken gebastelt:

Trotz günstigem Öl: Warum Benzin so teuer ist | FTD.de

und für die ganz Harten gibt es natürlich auch noch die Quelle (was die FTD mal wieder nicht geschafft hat ...)

ECB: MONTHLY BULLETIN OCTOBER (PDF) (ab Seite 38)

(Das ganze Thema ist übrigens ziemlich kompliziert, weil man aus einem Liter Rohöl nur eine genau definierte Menge Benzin und Diesel raffinieren kann. (Es gibt übrigens einen sehr tollen Erklärfilm aus der Sendung mit der Maus dazu, der aber nur gegen Geld erhältlich ist). Das Verhältnis von Benzin und Diesel (und Teer und was da sonst noch rauskommt) ist fix. Man kann also bei steigender Nachfrage von Diesel nicht einfach mehr Diesel herstellen, ohne gleichzeitig auch mehr Benzin zu bekommen. Das beeinflusst die beiden Preise manchmal extrem. Es gibt eine Reihe Händler an den Öl- und Benzinbörsen, die ausschließlich auf diese Preisschwankungen spekulieren ... Ob und wie die EZB das in ihrer Berechnung berücksichtigt hat, kann ich leider nicht sagen)

Kommentare :

  1. "Das Verhältnis von Benzin und Diesel (und Teer und was da sonst noch rauskommt) ist fix."

    Das stimmt nicht ganz - ein bißchen "verschieben" kann man die Fraktionen in der Raffinerie. Zudem kann man höherkettige Verbindungen zu nierigkettigen spalten, lautmalerisch nennt man das dann "Cracken". Zuletzt kann (und wird) bereits beim Einkauf an das herzustellende Produkt gedacht, sprich: In Sommer und Winter werden anders zusammengesetzte Rohöle zum Raffinieren eingekauft.

    Gruß,

    Hardy

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    1. Man kann natürlich auch komplett synthetisieren (aus Gas Benzin machen). Lohnt sich aber nur bei relativ großen Preisabständen. Das stimmt natürlich, aber ich wollte das in der Anmerkung am Ende nicht vertiefen)

      Dass aus unterschiedlichen Rohölsorten unterschiedliche Verhältnisse von Benzin zu Diesel rauskommen, wusste ich nicht. Das ist ja noch komplizierter ..

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  2. Wie es zum Kapazitätsabbau kam wurde übrigens auf alphaville angesprochen:

    http://ftalphaville.ft.com/2012/10/02/1187961/charting-the-refining-capacity-shortfall/

    So komme ich auf knapp 11% geringere Raffineriekapazität seit 2009.

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  3. Das ist schon sehr interessant, tolle Infos.

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