Bertelsmann Stiftung/Prognos: Wie teuer wird der Euro-Ausstieg?

Prognos hat mit dem firmeneigenen Volkswirtschaftssimulationsmodell (was auch immer das taugen mag) versucht, die Kosten für den Euroaustritt der kritischen Länder zu berechnen.

Dabei wurden die direkten Auswirkungen (Ausfälle auf Kredite) und die indirekten (Wachstumsrückgang) berechnet. Das jeweils für die 4 Fälle: Austritt von Griechenland (G),  zusätzlicher Austritt von Portugal (GP), zusätzlicher Austritt von Spanien (GPS) und zusätzlicher Austritt von Italien (GPSI)

Dabei kommt Prognos zu folgenden Schäden:

a) Kreditausfälle:

Hierbei wurden nur die direkten Ausfälle der Kredite aus den jeweiligen Volkswirtschaften berücksichtigt, also Staat+Unternehmen+Private.

G: 198,7 Mrd. Euro (64 davon in Deutschland)
GP:  223,5 Mrd. Euro (99 davon in D)
GPS:  441,6 Mrd. (davon 266 Mrd. in D)
GPSI:  1,14 Billionen Euro (davon 455 Mrd. in D)

Also schon ganz schön viel ... (Auch wenn über die Simpel-Annahmen 60% Haircut und 50% Abwertung der neu eingeführten Währung trefflich streiten mag, weil hier wirklich alles über einen Kamm geschoren wird. Spanien ist nunmal nicht Griechenland. Im Hinblick auf die Staatsverschuldung, das Handelsbilanzdefizit und die Wettbewerbsfähigkeit sieht Spanien schon deutlich anders aus).

b) Wachstumsdämpfung des BIPs:

Hier sind die Auswirkungen logischerweise viel größer, weil sich diese Effekte multiplizieren. Weniger Import in Griechenland bedeutet halt auch weniger Export woanders. Daher leidet in dieser Berechnungsweise auch China und die USA mit, die in der direkten Betrachtung (nur Kreditausfälle) kaum tangiert werden.

G: 674 Mrd. Euro niedrigeres BIP (davon 73 Mrd. in D, 81 Mrd. in China und 93 Mrd. in den USA)
GP: 1,190 Billionen Euro (225 Mrd. in D, 275 Mrd. in China, 365 Mrd. in den USA)
GPS: 3,605 Billionen (850 Mrd. Euro in D, 924 Mrd. in China, 1,244 Billionen in den USA)
GPSI: 17,157 Billionen (1,707 Billionen in D, 1,922 Billionen in China, 2,825 Billionen in den USA)

Die 1,7 Billionen Euro im letzten Fall für Deutschland entsprechen übrigens etwa 70% eines aktuellen Jahres-BIPs. Anders gesagt: 9 Monate Wirtschaften für die Katz.

In allen vier Fällen ist Frankreich übrigens ähnlich stark betroffen wie die USA, also deutlich stärker als Deutschland. Noch größer wird der Unterschied, wenn man das prozentual betrachtet, da die Volkswirtschaft Frankreichs um einiges kleiner ist als die deutsche ... In Prozent des BIPs wäre das im Fall des GPSI-Exits fast 150% eines Jahres-BIPs (also 18 Monate Wirtschaften für die Katz). OK, die Nähe zu den Volkswirtschaften Italiens und Spaniens erklärt das wahrscheinlich.

Was ebenfalls ganz interessant ist: Die Studie berechnet für einige Länder positive Auswirkungen. Italien und Spanien würden zum Beispiel bei einem Austritt Griechenlands profitieren, wenn auch nur sehr leicht.

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-BA7393DC-3B126A95/bst/xcms_bst_dms_36638_36639_2.pdf

Ich hatte eine ähnliche Studie schonmal von der Citigroup (?) gesehen und glaubte auch, die verlinkt zu haben, finde das aber nicht wieder.

Bei aller Kritik, die man an solchen Studien anbringen kann: Ich habe bisher keine gesehen, die errechnet hat, dass man einfach die Länder aus dem Euro wirft und nachher alles magisch gut wird. Deutschland kann fleissig weiter produzieren und verkaufen, Griechenland et al sind wieder wettbewerbsfähig und Bingo! - Alle sind glücklich. Die Studien, die ich kenne, zeigen das genau Gegenteil: Alle leiden und zwar massiv. (Wahrscheinlich wird sich HW-Sinn irgendwann das gewünschte Ergebnis schnitzen ...)

Kommentare :

  1. Eine Sache fehlt in der Studie. Der Austritt von Frankreich, der GPSIF-Exit.
    Bei einem GPSI-Exit ist Frankreich auch dran. Denn die haben das gleiche Problem wie die anderen Südländer, nämlich dass sie nicht wettbewerbsfähig mit Deutschland sind. Denn Deutschland wird seine Wettbeberbsvorteile mit Zähnen und Klauen verteidigen und Frankreich müsste dann auch den Weg der "inneren Abwertung" gehen.
    Und innenpolitisch daran zugrunde gehen.

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    1. Mich hätte Austritt von Deutschland interessiert ...

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    2. ja, das wäre wohl die sauberste Lösung. Ist aber schlecht für den Export und daher politisch gesehen extrem unwahrscheinlich. Eventuell ist es aber das gleiche Szenario wie die Aufspaltung in einen Nord- und einem Südeuro,

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  2. Ich denke, das ist im Endeffekt genau dasselbe Szenario. Es ist undenkbar, dass Deutschland den Euro verlässt, die Niederlande und Österreich - die ja schon zuvor ihre Währungen an die D-Mark gekoppelt hatten - drinnen bleiben. Und Finnland kann ich mir in einem solchen Szenario noch weniger als verbleibend im Euroraum (mit Griechenland, Spanien etc.) vorstellen.

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  3. Man informiere sich einfach mal eingehend bei Wikipedia unter Bertelsmann Stiftung über die Hintermänner der Bertelsmann-Stiftung. Die Studie entlarvt sich dann als offensichtlich gekauftes strategisches Politspiel...

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