Griechenland BIP Q-03-2012: -6,9% zum Vorjahr

Der Vergleich mit dem Vorquartal lohnt sich nicht, weil durch den starken Einfluss des Tourismus die Quartale wenig vergleichbar sind. Sinnvoll ist nur der Vergleich mit dem Vorquartal und die Betrachtung der Jahresraten.

Bei der Jahresrate sehen wir leider keine Verbesserung. Nach 6,7% Minus im ersten Quartal und 6,3% im zweiten sind es jetzt erneut 6,x%. Das ist zwar etwas besser als die 7,2%, die in der Vorabschätzung genannt wurden, aber von einer Stabilisierung sind wir weit entfernt. Der Hoffnungsschimmer, der sich im dritten Quartal des Vorjahres (Jahresrate -4,0%) hat sich leider als Fata Morgana herausgestellt. Statt einer Abschwächung des Abwärtstrends verzeichnen wir weiterhin hohes Tempo und nun schon das 17. Quartal in Folge mit Wirtschaftsschrumpfung ...

Dabei verbessert sich an den für die Krise entscheidenden Ungleichgewichten durchaus etwas. Die Exporte sind in den letzten zwei Jahren etwa stabil geblieben (13,7 runter auf 13,6 Mrd. Euro), die Importe von 14,8 Mrd. auf 11,4 Mrd. gefallen (-23%). Damit ist die Handelsbilanz zum ersten Mal seit dem Krieg (grobe Schätzung) wieder positiv.

Zu stark jubeln sollte man nicht, denn das dritte Quartal eines Jahres ist für Griechenland *das* Quartal für den Tourismus. Das Schlussquartal wird - wie das erste und zweite - wieder ins Minus abrutschen. Aber immerhin: Es gab mal wieder ein Plus, wenn auch nicht auf Jahressicht.

Wie desaströs die Lage ist, zeigen die Investitionen. Diese haben sich in den letzten 2 Jahren um 32% gefallen. Statt 7,9 Mrd. Euro 2010 wurden im dritten Quartal 2012 nur noch 5,4 Mrd. in Investitionen gesteckt. Gerade der Staat steht auf der Bremse.

Einzige positive Zahl: Um 1,4 Mrd. Euro sank die Wirtschaftsleistung, weil die Lagerbestände reduziert wurden. Das sind immerhin 2,8% der gesamten Wirtschaftsleistung. Sollte dieser Lagerbestandsabbau aufhören (und irgendwann muss er es ja ...), könnte allein durch diesen Effekt das Minus bei der BIP-Jahresrate deutlich schrumpfen.

ELSTAT: QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 3 rd Quarter 2012 (Provisional) PDF

Dass das Wirtschaftswachstum so schwach ausfiel, liegt vor allem am Tourismussektor. Dieser für die griechische Wirtschaft so wichtige Sektor musste im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 11,5% im Vergleich zum Vorjahresquartal hinnehmen. Und das im mit Abstand wichtigsten Quartal (etwa 40% der gesamten Tourismuseinnahmen eines Jahres stammen aus dem dritten Quartal).

Da Griechenland keine Industrie- und auch keine Exportnation ist (und auch nie sein wird), ist dieser Einbruch um so dramatischer. Nichts bringt Griechenland so viel Devisen wie der Tourismus. Auf das Gesamtjahr gesehen könnten die Umsätze im Tourismussektor um satte 20% fallen. Damit wäre das Minus allein in 2012 annähernd so groß wie in den drei Jahren zuvor zusammen.

ELSTAT: TURNOVER INDEX IN TOURISM SECTOR: 3rd Quarter 2012 (PDF)

Executive Summary: 

Die griechische Wirtschaft sinkt mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Im wichtigsten Sektor (Tourismus) sogar mit zunehmender Geschwindigkeit :-(

Kommentare :

  1. Ist schon traurig, wenn die einzige positive Meldung eine ist, die nicht Nachhaltig sein kann, vor allem nicht aus Sicht der EU.

    Da ja alle Handelsbilanzdifferenzen in der Summe Null ergeben, muss es zwangsläufig Länder geben, bei denen die Handelsbilanz weniger positiv ausgefallen ist.

    Nun ist die Differenz bei Griechenland in Euro nicht gerade hoch, dennoch sind es knackige 20%.

    Jetzt könnte man sagen, Griechenland könnte den Handelsbilanzüberschuss ganz gut gebrauchen und gut ist. Wenn man aber schaut, wie er Zustande kommt, dann sieht man, dass das Quatsch ist. Die Griechen sparen wie sonst keiner und in der Folge fällt der Konsum. Das muss sich auch bei den Importen auswirken. Und genau so ist es: es wird weniger importiert, aber nicht mehr exportiert, sondern auch ein klein wenig weniger.

    Bleibt die Frage, warum Handelsbilanzüberschüsse so positiv gesehen werden, obwohl so wenig positives dran ist? Weil kaum eine Sau verstanden hat, dass ein Land weder ein Unternehmen und schon gar kein Privathaushalt ist.

    Was bedeutet es also, wenn ein Land wie Deutschland jedes Jahr aufs Neue Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaftet? Die Deutschen exportieren mehr Güter als sie importieren. D.h. sie arbeiten für und produzieren mehr Güter, als sie im Gegenzug erhalten. In diesem Jahr sollen es 170 Mrd. werden. Das sind pro Kopf (vom Säugling bis zum Greis) und Jahr 2125€ für die ein Deutscher arbeitet und im Gegenzug aber nichts erhält, da dafür ja nichts importiert wird. Und auch nie importiert werden wird, da Deutschland seit Ewigkeiten Überschüsse erzeugt. Bezogen auf eine 4-Köpfige Familie sind das im Monat Waren und Dienstlesitungen im Wert von 700€, die sie nicht abrufen kann, obwohl sie erwirtschaftet wurden. Wie gesagt, Monat für Monat 700€.

    Da muss man sich schon fragen, was daran "positiv" sein soll?

    Und dann stellt sich die Frage, was aus dem erwirtschafteten Geld wird, wenn es hierzulande nicht dem Konsum dienen soll, also dem Sinn und Zweck allen wirtschaftlichen Handelns? Was machen also die Leute damit, die dieses Geld bekommen und die es nie für den eigenen Konsum ausgeben werden?

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    1. Die Antwort ist ganz einfach: Das "überschüssige" wird angelegt. Es landet dann dort, wo es hohe Renditen bei niedrigen Risiken verspricht. Also in hypothekenbesicherten Anleihen (oder ABS, CDOs, etc) oder in Staatsanleihen von Ländern, die zwar mehr Rendite zahlen, aber scheinbar kein höheres Risiko haben (weil sie ja im Euro sind ...).

      Das stellt sich dann irgendwann als falsch heraus und man wundert sich, dass das Geld dann doch nicht zurück kommt und weg ist. Das Geld erst gar nicht zu erwirtschaften und sich nicht kaputtzumalochen (oder es einfach auszugeben) wäre im Nachhinein deutlich cleverer gewesen ...

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    2. Das Problem ist doch nicht, dass sich im Nachhinein herausstellt, dass Geld nicht zurückommt, weil es falsch angelegt war. Wenn ein Land darauf abzielt, auf Dauer Handelsüberschüsse zu erzielen und eine entsprechende Wirtschaftspolitik betreibt, dann ist ist von vorne herein absehbar, dass eine entsprechende Gegenleistung nie erbracht werden soll und auch nicht erwartet wird. Das ist die genaue Bedeutung eines dauerhaften Handelsbilanzüberschusses.

      Was in diesem Fall aus dem Geld wird, also ob es gut oder schlecht angelegt ist, ist dann erst einmal vollkommen irrelevant, weil es niemals für Importe aufgewendet werden wird.

      Und es scheint bislang noch niemand wirklich verstanden zu haben, dass sich das als falsch herausgestellt hat und noch scheint sich kaum einer wirklich zu wundern, denn gerade dieses Jahr erzielen wir einen besonders hohen Handelsüberschuss und unsere Art zu wirtschaften wird gerade als Modell für die "Pleitestaaten" angeführt.

      Und es ist ja nun nicht so, dass diejenigen, bei denen dieses überschüssige Geld auf den Konten landet, diejenigen sind, die sich dafür kaputtarbeiten müssten und die Wahl hätten, das Geld stattdessen zu konsumieren. Der Konsum wird sich hier schon auf sehr hohem bis aller höchstem Niveau befinden. D.h. es dürfte kaum ein anderes Interesse bestehen, als das Geld anzulegen zu wollen.

      Deswegen sollte man sich eher die Frage stellen, was dazu geführt hat, dass das Geld gerade bei denen landet, die die geringste bis gar keine Verwendung dafür haben, statt bei denjenigen, die das Geld zum einen erwirtschaften haben und zum zweiten auch ausgeben würden.

      Und es stellt sich die Frage, ob zu erwarten ist, dass mit wachsendem Anlagekapital zwangsläufig auch die Zahl der Anlagemöglichkeiten steigen werden? Und damit meine ich keine Schneeballsysteme und andere Anlagemöglichkeiten, die nur auf dem Papier existieren.

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    3. Doch, es kann schon sinnvoll sein, Exportüberschüsse zu erwirtschaften und anzulegen. Genauso kann das Gegenteil sinnvoll sein. Wenn man nämlich ein relativ armes, junges, wachsendes Land ist und Geld für Investitionen und Wachstum braucht. Und daraus ergibt sich das Gegenteil: Ein altes Land mit einer schrumpfenden Bevölkerung kann durchaus Exportüberschüsse erwirtschaften und die für's Alter anlegen.

      Die Frage ist wie viel gut ist. Und Griechenland ist halt auch kein junges Land ...

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    4. Wo soll denn das Geld angelegt werden? Bei denen, die man niederkonkurriert? Das scheint offensichtlich nicht zu funktionieren.

      Zudem fehlt bei der Überlegung vollkommen eine Vorstellung davon, wer die Akteure sind. Es ist doch nicht Deutschland als Kollektiv, dass gemeinsam Überschüsse erwirtschaftet und auf ein gemeinsames Konto für schlechtere Zeiten für alle seine Bürger zurücklegt. Das Geld, das da erwirtschaftet wird, wird diesem Land nie zur Verfügung stehen, weil es in den Händen weniger bleibt.

      Ganz abgesehen davon, geht der politische Wille in die Richtung Handelsbilanzdefizite zu vermeiden. Sobald wir uns auf eine ausgeglichene Handelsbilanz zubewegen, werden, so wie in der Vergangenheit, Einkommen und Renten gekürzt und eben nicht auf das vermeintlich angesparte Geld zurückgegriffen. Das ginge nur über Enteignung in sozialistischem Ausmaß. Denn, wenn Handelsbilanzüberschüsse "positiv" sind, so Ihre Ausgangsthese, dann sind Handelsbilanzdefizite "negativ" und erfordern entsprechende Maßnahmen. In der aktuellen Eurokrise wird vorexerziert, wie diese aussehen.

      Außerdem gehört schon viel Aberglaube zu der Vorstellung, man könne von jahrzehntelang angespartem Geld die Waren und Dienstleistungen erwerben, von denen man befürchtet, dass sie nicht in ausreichendem produziert werden, wenn man alt ist. Und warum ausgerechnet andere Länder hier einspringen sollen, statt ihre Wirtschaftsleistung in den Dienst für die eigene Bevölkerung zu stellen, muss auch erst noch beantwortet werden. Man sollte nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass die anderen noch blöder sind, als man selbst.

      Es ist auch nicht eine Frage der Menge. Ginge es wirklich um die Absicherung einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft, dann müsste die Menge schon beträchtlich sein, d.h. die Handelsbilanzüberschüsse auf Dauer erheblich. Die Wirkung wäre aber destabilisierend, da den Abnehmerländern der Waren ihre Entwicklungsmöglichkeit genommen werden, zum einen, weil sie mit Waren überflutet werden, und zum anderen, weil in den Überschussländern die Überschüsse nur dadurch möglich gemacht werden, dass man den Arbeitnehmern einen Teil ihres Lohns, der ihnen zusteht, nicht auszahlt, d.h. hier mangelt es relativ an Kaufkraft. Das bedeutet, die Abnehmerländern fehlt es dadurch an Abnehmern für die eigenen Produkte im eigenen Land und den Überschussländern. Gleichzeitig kumuliert sich das Kapital aus den Überschüssen in wenigen Händen. Wo soll es investieren? Es bleibt nur der private Konsum, in den investiert werden kann und zwar dort, wo die Güter abgenommen werden sollen. Es ist absurd zu glauben, dass so eine Investition als Altersicherung funktionieren kann, weil dieses System zwangläufig kollabieren muss.

      Ist die Menge eher gering, dann sprechen wir von einer nahezu ausgeglichenen Handelbilanz und diese Diskussion erübrigt sich.

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    5. Das Geld muss natürlich in Ländern angelegt werden, in denen die Demografie anders herum ist ... Brasilien. Afrika. Indien.

      Ich will nur eines sagen: In gewissem Maße können Handelsbilanzüberschüsse OK sein. Wer diese perse und immer verdammt, darf auch nirgendwo Handelsbilanzdefizite akzeptieren. Auch in Afrika, Brasilien, Indien, Osteuropa, etc. nicht. Wenn diese Länder aber nicht von außen Geld bekommen, können sie nicht investieren. Für arme/junge/wachsende Volkswirtschaften sind Handelsbilanzdefizite notwendig, um Wachstum zu produzieren. 1 oder 2 Jahrzehnte Defizite, die klug investiert werden, sind für solche Länder völlig akzeptabel. Und dafür braucht es irgendwo auch Überschüsse ...

      Ich will damit die geradezu manische Fixierung von Politik und Wirtschaft auf die Exportüberschüsse Deutschlands schön reden. Noch will ich das Ausmaß der Exportüberschüsse verteidigen. Ich will nur sagen, dass es IMHO sehr wohl eine Frage der Menge ist.

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