Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar

Warum bekomme ich beim Kauf bei Amazon.de eine Rechnung von Amazon Luxemburg? Das habe ich mich beim Blick auf die Rechnungen von Amazon schon häufiger gefragt.

Mein Erklärungsansatz lief immer über die Mehrwertsteuer, die in Luxemburg niedriger ist als in Deutschland und somit irgendwie für Amazon günstig sein könnte. War aber nur ne wirre Idee, zu Details bin ich nie gekommen. Ein einfacher, weithin bekannter Trick (wie die Konstruktion mit Irland und den Niederlanden, die Google, Microsoft und Apple machen) war mir aus Luxemburg nicht bekannt.

Es gibt ihn aber ...

Luxemburg hat einen maximalen Steuersatz für Einnahmen aus "intellectual property" (in etwa "geistigen Eigentumsrechten"; so bekloppt der Begriff auch sein mag) von knapp

6%,

also deutlich weniger als die knapp 30%, die normalerweise auf Unternehmensgewinne anfallen.

Nun bieten sich für Amazon über Luxemburg gleich zwei Wege zum Steuersparen:

a) Rechte für Bücher (Musik, ...) werden über Luxemburg abgewickelt. Die Rechte gehören also immer der Amazon Niederlassung in Luxemburg. Wenn nun ein Buch von Amazon verkauft wird (egal wo auf der Welt), muss immer die Lizenzgebühr an die Tochter in Luxemburg abgeführt werden. Dort wird sie mit 6% versteuert. Weil Luxemburg ehrenwertes Mitglied der internationalen Gemeinschaft ist, war es das mit der Besteuerung (Doppelbesteuerungsabkommen schließen aus, dass bereits versteuertes Geld bei Transfer zum Hauptsitz eines Unternehmens noch einmal versteuert werden muss).

Diese Geschäfte hat Amazon auch in den USA gemacht. Also selbst ein Buch einer amerikanischen Autorin, das über Amazon USA an einen Kunden in den USA verkauft wurde, fiel steuerlich in die Niederlassung in Luxemburg. Kurz: die USA gingen (mehr oder weniger) leer aus. Die US Steueraufsicht IRA ermittelt auch deswegen und prüft die Legalität des Amazon-Modells.

b) Ein ähnliches Konstrukt kann man auch für Lizenzen aufsetzen, also Geschäfte, die dann denen von Google sehr ähneln. Amazon hat für bestimmte Patente (z.B. das One-Click-Patent) von den Töchtern Lizenzgebühren kassiert. Die Einnahmen gingen nach Luxemburg und wurden da versteuert, Steuersatz wie oben, weitere Besteuerung keine (siehe oben).

Die entsprechenden Patente wurden von Amazon aus der Niederlassung in Nevada in die Niederlassung in Luxemburg transferiert, genau wie man für Punkt a die Rechte an den Inhalten (Bücher, etc.) nach Luxemburg geschoben hat. Der effektive Steuersatz aller nicht-amerikanischen Tätigkeiten von Amazon lag in den vergangenen 5 Jahren bei 5,3%.

Ganz so einfach wie das irische Modell ist das Steuersparen über Luxemburg aber nicht, denn in Luxemburg ist es immerhin nötig, dass dort auch wirklich gearbeitet wird. Eine reine Briefkastenfirma geht also nicht. Aber nun ja, das sind Microsoft Europa, Apple Europa und Google Europe in Irland auch nicht ...

Was aber bleibt: Das europäische (und weltweite) Steuersystem funktioniert nicht, wenn ein paar kleine Länder (Irland, Luxemburg, Schweiz) mit bestimmten Löchern im Steuersystem das gesamte weltweite System aushebeln. Ob der effektive Steuersatz der außeramerikanischen Tätigkeiten nun 5,3% bei Amazon liegt oder bei 2,4% wie bei Google: Das ist lächerlich niedrig und kann so einfach nicht in Ordnung sein.

Special Report: Amazon's billion-dollar tax shield | Reuters

Zu den anderen High-Tech-Firmen siehe hier:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neues Produkt von Apple: iSave
Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...

Update (09.12.12):

Dieser Artikel ist auch bei Carta erschienen:

Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar — Carta

Dort gab es einen interessanten Kommentar zu Punkt a).

Erstens der Hinweis daraus, dass es sich bei diesem Rechteverkauf nur um Ausnahmefälle handelt, denn normalerweise liegen die Rechte an einem Buch ja nicht bei Amazon, sondern bei einem Verlag. Das beschriebene Verfahren gilt also nur für Bücher, die Amazon selber verlegt. Also das was passiert, wenn Otto-Normal-Verbraucher über Amazon ein eBook verkauft. In den USA ist das schon relativ üblich, aber nun ja, der größte Teil des Markts ist das bestimmt nicht.

Interessanter dürfte aber der zweite Hinweis sein, nämlich dass Amazon in Luxemburg nur 3% Mehrwertsteuer auf eBooks bezahlen muss. Und zwar auch für Bücher, die in andere Ländern verkauft werden. Wenn ich in Deutschland ein eBook bei Amazon kaufe und 10 Euro bezahle, landen aktuell netto 9,71 bei Amazon. Wird das Buch zum gleichen Preis von 10 Euro von einem Händler in Deutschland verkauft, kommen nur 8,40 Euro beim Händler an.

Je nach Betrachtungsweise gewinnt Amazon also entweder auf Kosten der Konkurrenz Wettbewerbsfähigkeit (Amazon könnte ja immer preiswerter sein als ein Händler, der in Deutschland seinen Sitz hat) oder Amazon führt zu wenig Steuern an den Fiskus ab.

Apple nutzt für seinen eBook Verkauf auch die Niederlassung in Luxemburg.

2015 erledigt sich aber dieses Steuerschlupfloch, weil dann die Steuersätze für das Zielland gelten. Egal aus welchem Land Amazon ein Buch verkauft, muss bei einer Lieferung nach Deutschland die hier übliche Mehrwertsteuer abgeführt werden.

EU prüft E-Book-Steuervorteil in Luxemburg und Frankreich | heise online

Update 2 (10.12.12):

Wer sich für's Thema interessiert: Google macht es ähnlich (siehe auch den Artikel oben).

Google verschiebt 10 Mrd. Dollar aus Europa auf die Bermudas

Kommentare :

  1. Sehe ich nicht so. Vor allem Google verteilt via Adsense viel von den gesparten Steuern an Kleinstunternehmer zu sehr fairen Konditionen und ermöglicht damit den Partnern aktive Teilnahme am Wirtschaftskreislauf.

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    1. Gewinn ist das, was nach allen Ausschüttungen überbleibt. Wenn Google so supernett zu den Kleinstunternehmern wäre, gäbe es keinen Gewinn ...

      Google macht Gewinn. Auch in Europa. Mit dem gleichen Geschäftsmodell wie in den USA. In den USA zahlt Google 25 oder 30% Steuern, außerhalb der USA 2,3%. Das liegt an einem kaputten Steuersystem, denn es gibt keinen Grund, warum der effektive Steuersatz sich zwischen den USA und Rest-der-Welt so krass unterscheidet, obowhl die Steuersätze auf dem Papier relativ ähnlich sind.

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  2. Wissen Sie, wie viel % der Einnahmen Adsense an die Partner auszahlt?

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  3. Uh das ist krass. Irland kannte ich ja (auch teils dank dir) schon als Steueroase, aber das - gerade mit so einem recht komplizierten Gebilde - ist auch nicht ohne. Ich versteh bei diesen Konstrukten immer nicht, wieso das funktioniert. Logisch, dass Irland und Luxemburg das toll finden, aber die anderen Länder müssten doch auf die Barrikaden gehen. Gerade wenn man überlegt, dass dauernd davon gesprochen wird, alles zu vereinheitlichen und das wäre so wichtig und jeder braucht einen Fiskalpakt usw, aber an die offensichtlichen Gefälle geht man nicht ran. Das ist ja meist nicht mal in der Diskussion. Und gerade bei Irland hätte man ja mit dem Rettungsprogramm sogar ein Druckmittel gehabt (glaub das war ganz zu Anfang sogar eine Forderung, aus der dann nichts geworden ist?)
    Gut an der EU ist ja eh vieles unverständlich, aber das finde ich schon krass und verstehe es nciht, gerade weil es ja auch ziemlich unwahrscheinlich ist, dass Google/Amazon oder sonstwer sich ganz aus Europa zurückziehen würde. Irgendwo müssen sie ja hin. Eventuell wäre da ein Verteilungssystem auch eine gute Idee, damit so ein Länderkampf gar nicht erst entstehen könnte.

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    1. OMG - Verteilungssystem. Länderkampf. Warum nicht gleich 99% Steuersatz weltweit?

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    2. Hö? Mir gehts gar nicht hauptsächlich um den Steuersatz (obwohl der natürlich absurd niedrig ist). Ich finde es aber schlimmer, dass so etwas gerade in einem Verbund wie der EU überhaupt möglich ist. V.a. wo man doch die ganze Zeit von Vereinheitlichung von allem Möglichen träumt. Die Unternehmen lachen sich schlapp und Europa steht da wie der letzte Trottel.
      Außerdem halte ich diesen Länderkampf oder wie du es nennen magst für ineffizient. Nehmen wir an, Google müsste nach Europa und 30% Steuern zahlen, selbst bei einem Verteilungssystem, wo ein Teil in einen EU-Topf oder sowas abwandern würde, würden alle mehr dran verdienen als jetzt. Und Google oder auch Amazon würden nicht pleite gehen.
      Dazu kommt, dass ich es gesellschaftlich für ungesund halte. Ich arbeite in einer Branche mit vielen Kleinstbetrieben, da herrscht jedes Mal helle Panik, wenn das Finanzamt anklopft, weil die nicht solche Löcher nutzen können. Und nein, die profitieren kein Stück von Google oder Amazon.

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  4. Hö ja. Der Länderkampf findet z.b. in der Schweiz zwischen den Kantonen statt, und das funktioniert einfach gut. Gesellschaftlich gesund wäre meines Erachtens ein einheitlich niedriger Steuersatz (Flattax) von ca. 17%; dann bräuchte überhaupt niemand tricksen - keine Panik bei Kleinstbetrieben; kein taktieren von Google, Amazon & Co. Und die Unternehmen sollten einen Teil der Gewinne an die Mitarbeiter weiter geben. Das werden sie aber nur machen, wenn sie keine Steuer-Panik haben.

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    1. der andere Andreas07 Dezember, 2012 12:03

      das ausschütten von gewinnen an mitarbeiter machen unternehmen/unternehmer nur wenn sie sich was für den nettogewinn versprechen - höhere produktivität oder geringe fluktuation beim personal o.ä. - das hat mit steuern nicht direkt was zu tun.

      die 17% haben irgendeinen hintergrund oder sind nur nach dem bauchgefühl? immerhin müsste jeder der steuern sagt auch subventionen sagen. womit wir dann über eine nettoabgabenquote diskutieren würden...

      andere frage: wie kann man eigentlich so "einfach" solche mengen geldwerter lizensen hin- und hertransferieren - sollte da nicht auch irgendwas anfallen?

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    2. Was löst eine Flattax am Problem? So lange die nicht unter 5% liegt, werden Amazon und Co immer noch Steuersparlöcher nutzen, weil es sich lohnt.

      Das Problem ist das Steuersparloch, nicht der Steuersatz. In den USA, dem gepriesenen Land für alle Steuerkritiker, zahlen alle in meinem Artikel aufgeführten Firmen 25 % Steuern oder mehr.

      Und? Sind sie dort abgewandert? Haben sie sich deswegen nicht gegründet? Hat das ihr Wachstum verhindert?

      Sorry, aber man muss nicht grundsätzlich über das Steuersystem diskutieren um festzustellen, dass 5% oder weniger pervers sind. Damit kann man keinen Staat finanzieren und man kann es auch einem Privatmann mit 35% Steuersatz nicht erklären ...

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  5. Andererseits profitieren auch viele Rheinland-Pfälzische und Saarländische Einzelhändler davon dass sie erheblich niedrigere Löhne als ihre Luxemburger Kollegen zahlen müssen, und locken so Luxemburgische Kaufkraft nach Trier, Saarburg, Bitburg, Saarbrücken, usw. Dadurch entgehen dem Luxemburger Fiskus auch hohe Beträge. Ein Umstand der in deutschen Medien kaum Erwägung findet.

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    1. Nun ja, die Deutschen fahren nach Luxemburg zum Tanken ...

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    2. Anders gesagt: Dass in Luxemburg so höhe Löhne gezahlt werden, liegt daran, dass dort so viel Geld verdient wird. Und warum wird da so viel geld verdient? Weil da so viel Geld verwaltet wird. Und das geht wiederum auf ein paar Vorschriften zurück, die es bei einer weitergehenden Steuerharmonisierung nicht gäbe.

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    3. Erstens mal hat das mit der Thematik hier überhaupt nix zutun und zweitens, wenn Luxembourg seinen Einzelhandel stärken wollte, wäre es durch entsprechende Steuerpolitik überhaupt kein Problem den marginalen Preisunterschied auszugleichen...Beispiel Tanken oder Apotheken!

      Was hier im großen passiert ist eine Frechheit der Politik, die den Unternehmen auf Kosten der Steuerzahler diesen Spielraum lässt...denn die fehlenden Gelder werden gerade die Klein- und Kleinstunternehmen zahlen dürfen sowie die Arbeitnehmer! Also die Gesellschaftsschicht, die immer mehr arbeiten muss um immer weniger in der eigenen Tasche zu haben...während die Wenigen, die Millionen und Milliarden haben, ihr Kapital von Jahr zu Jahr deutlich steigern dürfen -- und dafür praktisch keinen gesellschaftlichen Mehrwert entrichten!
      Die hier von "Geldgeschenke für Kleinunternehmen durch Google AdSense" oder "Amazon als super klasse Verkaufshilfe für Internethändler"sehen, die haben meiner Meinung nach den Schuss noch nicht gehört...

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  6. saugeiler artikel zum thema. dachte erst, es wär satire, ist es vielleicht auch, ist aber nicht als solche gekennzeichnet. und im deutschsprachigen raum müßte er das doch sein, oder?

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-ueber-den-kampf-gegen-steuerhinterziehung-a-871136.html

    beste grüße!
    rase

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    1. Von Steuererhöhung durch Steuerfahndung kann aber wohl kaum die Rede sein und noch weniger davon, dass das einen negativen Einfluss auf die Konjunktur hat.

      Denn dazu müsste erst einmal ein positiver Effekt durch Steuerhinterziehung belegt werden.

      Faktisch handelt es sich hier aber meist um Geld, das nicht konsumiert werden soll, d.h. das dem Konsum entzogen wird. In der Folge kann mit diesem Geld auch keine Nachfrage und damit Investitionsimpulse ausgelöst werden. An sich wäre dieses Geld von vorne herein in irgendwelchen Lohntüten besser aufgehoben gewesen als bei Leuten, die nichts damit anzufangen wissen. Stattdessen gährt es wie Hefe in den Bereichen der Finanzindustrie, die dann Blasen schlagen.

      Wenn der Staat dieses Geld nun einnimmt, schafft er damit wieder eine Nachfrage. Bereits Steuerbeamte müssen essen und trinken, fahren Auto usw. Erst recht gilt das für die Bereiche, in denen das Geld dann ausgegeben wird. Und es schlägt weniger Blasen an den Finanzmärkten und provoziert somit weniger Rezessionen und Depressionen.

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    2. selber schuld, wenn du solche konzerne unterstützt, eigentlich müsste man dich anzeigen. ich kauf bei mir um die ecke. lg

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