USA: BIP Q04-11 +2,8%

Unter der Haube waren die Zahlen aber sehr schwach ...

Weil sich die Zusammensetzung des BIPs von der ersten Schätzung (die es am Freitag gab) bis zur endgültigen Veröffentlichung (in etwa zwei Monaten) noch deutlich ändern kann (und das oft auch tut), möchte ich eigentlich nicht zu viel zu den Details sagen.

Aber im aktuellen Report sind drei Dinge so klar, dass sie sich eigentlich nicht mehr ändern können (aber man weiss nie ...)

a) Die 2,8% Wachstum stammen zu knapp 2,0 Prozentpunkten aus dem Lageraufbau. Damit waren also zwei Drittel des Wachstums NICHT nachhaltig (Lagerbestände kann man ja nicht beliebig erhöhen ...). Das wäre ein sehr dickes Warnzeichen, wenn nicht im Vorquartal das Wachstum um etwa 1,5 Prozentpunkte durch genau den gegenteiligen Effekt gedämpft wurden wäre (damals wurden Lagerbestände abgebaut). Letzteres ist eine Info, die beim ewig negativen Zerohedge natürlich fehlt ... (siehe Q4 GDP Misses Estimates, Inventory Stockpiling Accounts For 1.9% Of 2.8% Q4 US Economic Growth | ZeroHedge)

b) Das vierte Quartal war das letzte, in dem es eine Steuergutschrift für Investitionen gab. Üblicherweise sorgt das für Vorzieheffekte; wer über eine neue Maschine nachgedacht hat, dürfte diese noch schnell im 4. Quartal gekauft haben. Im ersten Halbjahr sollte man aus diesem Bereich also nicht mehr viele positive Nachrichten erwarten. Kleine positive Randnotiz: Der Immobiliensektor sorgt wieder für einen Wachstumsbeitrag, wenngleich auf extrem niedrigen Niveau.

c) Der Wirtschaftsaufschwung bleibt im Vergleich zu den bisherigen Erholungen sehr schwach. Das Wachstum ist mit 2,4% nur etwa halb so hoch wie "normal" (= Durchschnitt der letzten 5 Erholungen). Die UBS hat die Daten auseinandergepflückt und bis auf den Exportsektor (+1,1 Prozentpunkte statt früher 0,6 Pp) findet man reihenweise Enttäuschungen. Vor allem der Konsum steuert mit nur 1,5 Prozentpunkten nur halb so stark zum Wachstum bei wie sonst.

Auch hier sollte man keine weiteren positiven Nachrichten erwarten. Die Sparrate der Verbraucher ist nach einer Phase des Angstsparens in der Rezession (mit Sparquoten von 6 Prozent oder mehr) nun schon wieder zurück auf 3,7% im vierten Quartal gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit dem Ende der Rezession und grob im langjährigen Durchschnitt (lässt man mal die "Wir-leben-mal-alle-extrem-auf-Pump"-Jahre 2005 bis 2007 außen vor; das Ergebnis der Nummer kennen wir ja). Damit dürfte auch aus einem Rückgang der Sparquote kaum noch zusätzliches Wachstum entstehen.


OK, eine Rezession für die USA auszurufen, wäre sicherlich übertrieben. Die Beschäftigung wächst wieder leicht, der Immobilienmarkt hat sich gefangen (vor allem der für das BIP wichtige Neubaubereich), der Autoabsatz brummt (auch hier wegen Nachholeffekten wohl noch länger) und der Export ist ebenfalls stabil. Aber wenn die Amerikaner die Erholung bisher schon "sluggish" fanden ... Ich fürchte, sie wird noch sluggisher ...

FT Alphaville » The missing GDP

Originalquelle: BEA: 
GROSS DOMESTIC PRODUCT: FOURTH QUARTER AND ANNUAL 2011
(ADVANCE ESTIMATE) (PDF!)


Update (14:45):

Im verlinkten FT Alphaville Artikel kommt am Ende übrigens auch noch eine Analyse der Staatsausgaben. Diese sind 2011 so stark gesunken wie seit 1945 nicht mehr. Und da der Staat eher noch mehr sparen muss, wird auch aus dieser Ecke kein Wachstumsimpuls kommen. (Allerdings ist das auch schon ein paar Quartale so ...)

Grüne(!) für Kürzung der Solarförderung

Also zumindest eine Grüne, Bärbel Höhn (aus meiner Heimatstadt übrigens).

Grund dieser Forderung: Die Einspeisevergütung ist (mal wieder) zu hoch und zwar deutlich zu hoch. Es wird jetzt nicht mehr nur einmal im Jahr gesenkt, sondern zweimal im Jahr, aber selbst das ist bei den aktuell crashenden Preisen für Solarzellen (und -modulen) noch zu wenig.

Ich unkte schon im Sommer, dass die Solarinstallateure es schaffen könnten, die Anlagen bloß nicht in den drei Monaten zu installieren, die für die Festlegung der Kürzung entscheidend waren. Und das haben sie ja auch tatsächlich (wie auch immer) hinbekommen. Von März bis Mai wurden nur 700 Megawatt (also 0,7 Gigawatt) neue Fotovoltaikleistung installiert (siehe Zusätzliche Kürzung der EEG-Solarförderung im Sommer fällt aus - egghat's not so micro blog). Und dann musste man nicht außerplanmäßig senken, die Förderung blieb also hoch.

Und dann kam das, was immer kommt: Die Preise für die Solaranlagen fielen weiter, die Vergütung blieb hoch. Am Ende des Jahres waren die Renditen, die man mit einer Solaranlage einfahren konnte, wieder so hoch, dass scheinbar jeder mit Geld und Dachfläche sich eine Anlage gekauft und installiert hat. In Zahlen: Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von

3.000 Megawatt (oder 3 Gigawatt)

wurden allein im Dezember in Betrieb genommen! Damit lag die Gesamtleistung, die 2011 neu installiert wurde, bei etwa 7.500 Megawatt, noch etwas mehr als die 7.400 Megawatt, die im bisherigen Rekordjahr 2010 installiert wurden.

Bundesnetzagentur: Zubau an Photovoltaik-Anlagen 2011 noch höher als im Rekordjahr 2010

Das kommt alles wenig überraschend. Wacker Chemie, ein Unternehmen aus der Branche (das sicherlich kein Interesse hat, die Branche schlecht zu machen), hat schon im letzten Herbst ausgerechnet, dass in Deutschland Solarstrom problemlos für 15 Cent auf freier Fläche und 22 Cent auf dem Dach produziert werden kann. Mit einer angemessenen Rendite! (siehe
Chemiekonzern Wacker: Solarstrom viel billiger als gedacht | Energie - Frankfurter Rundschau
). Über das EEG werden aber ca. 20 bis 30 Prozent mehr gezahlt. Das ist die sinnlose Extrarendite für Dachflächenbesitzer, die alle anderen Stromverbraucher bezahlen müssen.

Das Schlussquartal 2011 zählt übrigens schon zu den Monaten, die die nächste Senkung im Sommer mitbestimmen. Weil der Zuwachs so groß war, wird diese Kürzung wohl das Maximalvolumen von 15% ausschöpfen. (Was aber auch noch zu wenig sein könnte. Es soll eine halbe Jahresproduktion in den Lagern der Hersteller liegen, was für weiteren massiven Druck auf die Preise sorgen dürfte. Die Rohpreise für die Zellen sollen sich zwischen September 2010 und September 2011 halbiert haben; die Modulpreise sind zwischen Januar 2011 und 2012 um etwa 25% gesunken (siehe Solarbuzz)).

Meine Güte, ist das ein Trauerspiel! Warum wird die Förderung nicht fortlaufend angepasst und vor allem variabel? Es ist doch hirnrissig, diese Stufen zu vereinbaren, ab denen die Förderung um einen bestimmten (festen) Prozentsatz sinkt. Die Preise sinken manchmal halt noch schneller. Es geht doch nicht vorrangig darum, irgendeine fixe Menge festzulegen (seien es nun 1 GW, wie z.B. Wirtschaftsminister Rösler es fordert, seien es 5 GW, wie die Grünen vorschlagen), es geht vor allem darum, die Preise so schnell wie möglich in den Keller zu treiben. Damit die Solarenergie wettbewerbsfähig wird. Und zwar am besten ohne staatliche Förderung, mindestens aber ohne eine sinnlose Subvention für Dachflächenbesitzer (vor allem im Süden Deutschlands).

Der "atmende Deckel", den wir jetzt haben, ist ja nicht ganz falsch. Dieses Verfahren ist schon um einiges besser als die Vorgehensweise zuvor (einfach jedes Jahr fix um x Prozent senken, ohne die Menge der Neuinstallationen zu berücksichtigen). Aber es war ein halber, ein inkonsequenter Schritt. Die Förderung muss häufiger und variabel angepasst werden. Das können mal 2% im Monat sein, mal 5 oder auch mal 10%. Oder auch mal gar nichts.

Die Bundesagentur müsste für eine Berechnung nur die Kosten für die neuen Anlagen einsammeln. Danach kennt sie die Kosten der Anlage und die Erlöse (letztere werden eh gesammelt). Beide Seiten führt man zusammen und kann dann fortlaufend die Preise für die Vergütung anpassen.

Das ist doch nicht so magisch, sollte man meinen ... Ich habe das vor zwei Jahren schon alles zusammengeschrieben:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Vorschlag: Einspeisevergütung für EEG dynamisch und automatisch anpassen

Immerhin sind die Politiker 2010 auf die Idee gekommen, die Förderung häufiger (alle 6 Monate) und etwas variabler (3 bis 15%) zu senken. Jetzt soll die Frequenz noch weiter erhöht werden. Und irgendwann wird dann dynamisch gesenkt, abhängig von den Kosten der Anlage und nicht abhängig von der Menge. Und so 2015 oder 2018 haben wir dann eine Regelung, die so sinnvoll ist wie mein Vorschlag.

Hämisch könnte ich auch sagen: Wahrscheinlich genau zu dem Zeitpunkt, ab dem die Fotovoltaik keine Förderung mehr benötigt ... (Der Zeitpunkt ist auch nicht mehr so weit entfernt. Solarstrom ist bereits heute preiswerter als Strom aus dem Netz. Solarstrom rechnet sich also nicht mehr nur über die Einspeisevergütung, sondern auch über den Eigenverbrauch. Da der Strompreis immer weiter steigt, wird der Kostenvorteil durch den Eigenverbrauch auch immer höher).

Streit der Woche: Grüne will Solarausbau bremsen - taz.de

Veilleicht in diesem Zusammenhang auch noch ganz interessant der FAZ-Artikel, der diesen politisch verursachten Boom-Bust-Zyklus etwas genauer unter die Lupe nimmt:

Gepäppelte Branche : Die Solarindustrie ist auch ein Förderopfer - Wirtschaftspolitik - FAZ

Eigentlich wäre es für mich mal wieder Zeit, die Solarschulden-Seite zu aktualisieren. Aber darauf muss ich mich gut vorbereiten, sonst bekomme ich vom Wirtschaftswurm wieder Haue ;-)

Update (08.02.12):

Vielleicht noch eine kurze Ergänzung dazu, weil das Thema auch in den Kommentaren angesprochen wurde:


Warum sind Nutten so teuer? Ökonomen erklären.

Die Frage ist durchaus spannend: Wieso sind Prostituierte so vergleichsweise teuer, obwohl keine Ausbildung nötig ist und es damit eigentlich jeder machen kann.
"Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? "
Wie würde man das als Ökonomie-Laie erklären? Klar: Angebot und Nachfrage. Der Job macht halt (bis auf gaaaaant seltene Ausnahmen) niemandem Spaß, ist gesellschaftlich geächtet und auch aus gesundheitlicher Sicht unter Umständen nicht ganz ungefährlich. Ergo: Das Angebot an Arbeitskräften ist gering.
"Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet."
Aber wenn man erst mal richtig studiert hat und man richtig lange im Wissenschaftsbetrieb steckt, reicht eine solche Simpel-Erklärung natürlich nicht.

Es werden jede Menge andere mögliche Ursachen untersucht (schenke ich mir hier, dazu bitte den Artikel lesen, ist nicht sehr lang), was natürlich völlig richtig ist. Wenn man am Ende nicht einen der anderen, wesentlich unwichtigeren Effekte zum entscheidenden erklären würde und diesen - man ist ja Wissenschaftler - auch gleich in ein Modell mit 14 Gleichungen (das auf 19 Seiten erklärt wird)  gießen würde.

Der angeblich wichtige Zusammenhang ist übrigens dieser: Prostituierte senken ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt. Diese gesenkten Chancen (auch auf zukünftige Einkommen) werden über das hohe Einkommen bei Prostitution ausgeglichen.

Gesundheitliche Gefahren? Nicht existent.
Ekel? Nicht existent.
Zuhälter, die sich die Taschen voll machen? Nicht existent! Unter Umständen stimmt die Grundannahme, dass Prostituierte sehr viel verdienen, nämlich gar nicht, weil nur ein Bruchteil des Gelds bei ihnen ankommt. Wurde hier empirisch nachgeforscht?

Das ist sicherlich ein außergewöhnlich schlimmes Beispiel für das Elfenbeinturmdenken in der Ökonomie. Man zerbricht sich den Kopf über ein Problem, beleuchtet es von allen Seiten, macht ein paar unrealistische Annahmen und kann dann einen unwichtigen Nebeneffekt in hochkomplexe Gleichungssysteme gießen. Damit kommt man in die angesehenen Fachjournale und wird berühmt. Am besten ist es, wenn sich jede Menge weiterer Wissenschaftler auf die eigene Arbeit beziehen, weil dann der wissenschaftliche Wert weiter steigt.

Leider - für den Stand der Ökonomie - ist das in diesem Fall passiert. Es gab zwar auch Kritik, wenn auch nicht die (IMHO angebrachte) vernichtende, aber vielfach wurde auf den "hochinteressanten Erkenntnissen" weiter geforscht.

Warum sagt da nicht einfach einer mal laut: UNFUG!

Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Sind die Annahmen realistisch? Kann das Modell so noch einen Sinn ergeben?

Irgendwie erinnert das alles - wenn auch auf höherem Niveau - an die Kapitänsfrage. Dabei werden Kinder gefragt, wie alt ein Kapitän ist, der auf seinem Schiff 26 Ziegen und 10 Schafe transportiert. Der Anteil der Kinder, der die Frage völlig sinnfrei ausrechnet (Alter = 26 + 10), steigt mit der Zeit in der Schule deutlich an (siehe Spiegel). Hauptsache, es wird irgendwas gerechnet, man ist ja im Matheunterricht. Und so ähnlich scheint es mir in der Ökonomie zu sein: Hauptsache man kann irgendeinen Zusammenhang finden (egal wie unwichtig der ist) und diesen in eine (oder mehrere) Formeln gießen. Sicherlich nicht immer (es rechnen ja auch nicht alle Kinder Ziegen und Schafe zusammen), aber eben doch noch viel zu oft ...

Ökonomenstimme: Wie die Uni-Ökonomen versagen – die Theorie der Prostitution als Mahnmal

(Das war ein Wettbewerb für Attention grabbing Headlines ;-) )

Update (21:47)

In den Kommentaren hat Venus (laut eigener Aussage aus dem Gewerbe) ein paar interessante Anmerkungen gemacht:

a) Nicht nur junge Frauen sind Huren.
b) Es gibt verheiratete Frauen.

Das sind Punkte als Kritik an der Studie, das scheint alles nicht drin zu sein.

Und dann noch drei Punkte, die sich auf meinen Artikel beziehen:

c) Es gibt Huren, die Spaß am Job haben.
d) Zuhälter sind nicht so üblich wie allgemein angenommen wird.
e) Ekel ist kein Kriterium, Huren können auch Nein sagen.

Die Einschätzung muss man sicher nicht teilen, aber auch die letzten Punkte stimmen sicherlich für einige (viele?) Huren und zeigen eigentlich auch nochmal, wie stark die Studie die Wirklichkeit vereinfacht. So stark, dass sie eigentlich zu nichts mehr taugt ...

Update (21.01.12):

Beim Wirtschaftwurm gibt es noch einen ganz interessanten Kurzcheck der anderenVorwürfe an die Ökonomik: Die Forschung sei zu theoretisch, zu wenig empirisch, fast ausschließlich neoklassischen Denkmodellen verpflichtet und nicht zuletzt zu amerikanisch.



S&P mit Massendowngrade in Europa

So, jetzt ist es raus. Standard & Poors hat zwar angekündigt, die Ratings zeitnah nach dem Euro-Krisengipfel am 9.12. zu aktualisieren, das hat sich dann aber doch etwas hingezogen.

Ex-Triple-A-Länder:

Frankreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Österreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Das Triple-A-Rating des EFSF ist damit auch Geschichte, was ich aber nicht für so tragisch halte. Bald gibt es nichts mehr mit AAA-Rating, dann kann man eben auch eine Stufe drunter sein. Offiziell gibt es zum EFSF nichts, aber das kam früher auch immer erst ein paar Tage später.

2 Stufen runter:

Italien: Jetzt BBB+, zwei Stufen runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Spanien: Jetzt A, zwei Stufen runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal: Jetzt BB, zwei Stufen runter von BBB-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Zypern: Jetzt BB+, zwei Stufen runter von BBB. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Portugal und Zypern sind damit nun offiziell Junk.

Eine Stufe runter:

Malta: Jetzt A-, eine Stufe runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Slowakei: Jetzt A, eine Stufe runter von A+. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Slowenien: Jetzt AA, eine Stufe runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Stabil:

Belgien:Weiterhin AA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Estland: Weiterhin AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Irland: Weiterhin BBB+. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)


Stabil und auf AAA bleiben:

Finnland: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Deutschland: AAA. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Niederlande: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Luxemburg: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)


S&P | Standard & Poor's Takes Various Rating Actions On 16 Eurozone Sovereign Governments | Europe


Und keine Panik: Es gibt wichtigeres, dieser Planet bleibt der schönste, den ich kenne ;-)



Update (14.01.12):

Sehr interessante Grafik, die die aktuellen Ratings der Länder (jeweils den Durchschnitt der drei großen Ratingagenturen vermute ich) und die am Markt bezahlten Preise für Kreditausfallversicherungen vergleicht.

Die Linie in der Mitte ist der Durchschnitt. An der Vertikalen sind die Ratings eingetragen (unten ist AAA, oben ist Junk), an der Horizontalen sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen eingetragen.

Alle Länder, die unten rechts unterhalb der Linie sind, werden vom Markt negativer gesehen als von den Ratingagenturen, Länder links oberhalb sieht der Markt besser als die Ratingagenturen. Oben vor allem Emerging Markets (Vietnam, Türkei, Indonesien, Brasilien, ...), unten vor allem Europa ... Am weitesten weg von der Linie (hier ist die positive Abweichung der Ratingagenturen von der Marktmeinung am größten) sind:

Frankreich,
Belgien,
Spanien,
Italien,
Irland.

Huih, kein gutes Zeichen ...



Danke an @TeraEuro für den Hinweis.

Update 2 (18:38):

Die FAQ von S&P ist ganz cool ...  Also eigentlich eine Watschn für die gesammelten EU-Politiker ...

Die Gefahren:

(1) tightening credit conditions,
(2) an increase in risk premiums for a widening group of eurozone issuers,
(3) a simultaneous attempt to delever by governments and households,
(4) weakening economic growth prospects, and
(5) an open and prolonged dispute among European policymakers over the proper approach to address challenges.

Besonders Punkt 5 sollte den Politikern zu denken geben.

Es geht dann weiter: Der EU-Gipfel hätte keinen Durchbruch gebracht und schlimmer noch: Die Gründe der Krisen wären nur teilweise verstanden worden. Deshalb hat S&P das Rating für die Politik gesenkt, das eines der fünf entscheidenden für das Gesamtrating ist. Die Effektivität, Stabilität und Berechenbarkeit seit nicht so hoch wie bisher geschätzt, so S&P.

Egal wie viel man über Ratingagenturen meckern möchte, diese Watschn sitzt IMHO.

S&P | Credit FAQ: Factors Behind Our Rating Actions On Eurozone Sovereign Governments | Americas

Update 3 (16.01.12):

Nett von S&P: Heute haben die Ratingexperten den europäischen Politikern das Nachdenken über den EFSF abgenommen. Dort war die Frage, ob die Garantien, die die verbleibenden Triple-A- Länder vergeben haben, aufgestockt werden, ob die Vergabesumme gesenkt werden soll oder ob der EFSF einfach abgewertet werden soll (was wohl Merkels bevorzugte Alternative war). Nun gut, jetzt ist das Dingen auf auf AA+ herabgestuft und damit hat sich dieses Problem erledigt. Auch mal was. Die FAZ nimmt's sportlich ... (man achte auf die Rubrik ;-) ):

Euro-Rettungsfonds: S&P stuft auch EFSF herab - Sport - FAZ

Update 4 (xx.01.12):

Heute hat S&P auch noch einen Haufen Banken aus den Ländern herabgestuft, die ihren Sitz in den Ländern haben, die am Freitag herabgestuft wurden.

Datum, Zahl der Banken und etwas panikschürenden Text an dieser Stelle einsetzen ;-)

Update 5 (16.01.12):

Ach so, erwähnen wollte ich noch, dass nach Fitch (vor ein paar Tagen) heute auch die dritte große Ratingagentur Moody's das Rating Frankreichs explizit bestätigt hat.

Ratingagenturen: Moody's hält zu Frankreich - zumindest vorerst | FTD.de

Generell gingen die Abwertungen an den Finanzmärkten ohne größere Verwerfungen vorüber. Bei den großen Ländern tat sich kaum etwas. Auch die Aktien ließen sich nicht beeindrucken.

Ein Land war allerdings eine Ausnahme: Portugal. Hier explodierte die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe von 12,7 auf 15,8%. 310 Basispunkte an einem Tag sind natürlich dramatisch, allerdings warf die Anleihe vor weniger als drei Monaten auch schonmal mehr als 20 Prozent ab.

Grund für den extremen Sprung heute: Mit der Abwertung auf Junk fliegen die portugiesischen Staatsanleihen nun aus allen großen Rentenindizes. Viele große Anleger orientieren sich daran und sind nun zum Verkauf gezwungen.

gefunden über FT Alphaville » See, ratings do matter

Update 6 (17.01.12):

Der Einbruch bei den portugiesischen Staatsanleihen geht übrigens auch darauf zurück, dass Portugal mit der Herabstufung durch S&P jetzt bei keiner der drei großen Ratingagenturen mehr Investmentqualität hat. Damit sind die Anleihen eigentlich nicht mehr der EZB als Sicherheit hinterlegbar, man bekommt also als Bank für portugiesische Staatsanleihen kein Geld mehr bei der EZB. Weil die portugiesischen Banken vor allem portugiesische Staatsanleihen halten, sind diese damit defakto von der Refinanzierung durch die EZB abgeschnitten.

Wenn nicht die EZB seit der Krise beschlossen hätte, dass auch die Ratings der kanadischen Ratingagentur DBRS "gültig" sind und diese hat Portugal noch auf BBB (neg), also ganz knapp Noch-Investmentqualität. Dass diese vierte Ratingagentur von der EZB anerkannt wird, ist mir ganz entgangen. DBRS hat eine Überprüfung der Euroländer für den 19. Januar angekündigt.

Trinkaus: Der Markt Heute - 17.01.12 (PDF)

Allerdings sollte man das auch nicht zu hoch aufhängen, denn griechische Staatsanleihen akzeptiert die EZB auch noch. Als dort das letzte Investmentqualitätsrating verloren ging, schaffte die EZB schnell eine Sonderregelung. Das wird im Fall von Portugal auch passieren ...

Worüber man sich eher Sorgen machen sollte, ist die Qualität der Assets bei der EZB. Das wird nicht nur immer mehr, sondern auch immer schlechter. Aber das ist dann wirklich ein Thema für ein neues Posting ...

Trinkaus fragt sich übrigens auch, ob die europäischen Banken herabgestuft werden, also z.B. die Europäische Investmentbank (EIB).

Update 7 (19.01.12).

Die im Satz zuvor "angekündigte" Herabstufung der EIB gab's übrigens gestern:


Herdentrieb: Griechenland wird in ungeordnete Insolvenz gehen

und neun weitere Prognosen für 2012.

Der Herdentrieb ja eines der lesenswertesten Wirtschaftsblogs in Deutschland und eigentlich kommentiere ich die Wetten am Jahresanfang immer, manchmal dort, manchmal hier. Dieses Jahr mal hier (auch, weil ich wohl kein zweites längeres Posting heute mehr schaffe). Kursiv ist jeweils meine Einschätzung, die ausführliche Begründung für die Herdentrieb-Einschätzung gibt's dort drüben.

1. Griechenland gerät in ungeordnete Insolvenz


Nein, glaube ich nicht. Das Land ist und bleibt zu klein, um es nicht irgendwie retten zu können. Es wird IMHO einen Haircut für die privaten Gläubiger geben, dem ein noch tieferer Haircut der öffentlichen Gläubiger folgt. Aber alles geordnet. NACK.

2. Bilanzsumme der EZB steigt auf mehr als 4 Billionen Euro


Kein Contra von mir, das könnte gut so enden. Dazu bedarf es aber auch keiner ungeordneten Insolvenz Griechenlands. Die Bilanzsumme stieg 2011 von etwa 2 auf 2,7 Billionen. Ob es 4 am Ende des Jahres werden? Keine Ahnung, aber alles unter 3,5 Billionen würde mich überraschen. Eher ein ACK.

3. Leitzinsen in Euroland sinken auf 0,50%


ACK.

4. Euroland BIP wird 2012 um 0,5% sinken.


ACK für die Richtung, NACK für die Summe, das wird mehr. Das Deutschland BIP 2012 sieht der Herdentrieb bei +0,5, da bin ich bekanntlich ja auch pessimistischer ...

5. Inflation in Euroland: 2,0%


ACK. Auf jeden Fall bis auf weiteres keine Inflationsgefahr.

6. Rohstoffpreise gemessen am GSCI sinken um 15%


Hier würde ich ja fast widersprechen, weil ich glaube, dass die Rohstoffpreise schon vergleichsweise viel Deleveraging und Wirtschaftsabkühlung einpreisen. Vor allem aber wird dort eine Menge des um den Globus vagabondieren Geldes dort landen. Allerdings ist meine Wachstumsprognose so viel pessimistischer, dass ich da eigentlich nicht gegenhalten kann. Da der GSCI überwiegend aus Öl besteht, hängt die Wette am Ölpreis. Ich gebe mal ein nicht wirklich überzeugtes NACK, die Rohstoffpreise bleiben stabil, weil die Weltkonjunktur auch stabil bleibt.

7. Euro fällt auf 1,20 zum Dollar


Auch hier widersprechen sich meine fundamentale und meine markttechnische Einschätzung. Fundamental müsste der Euro natürlich sinken (bei Rezession in Euroland und stabilem Wachstum in den USA), allerdings glaube ich, dass der Markt davon schon viel eingepreist hat. OK, hier halte ich insgesamt dagegen. Der Euro wird eher bei 1,30 als bei 1,20 liegen. Ergo: NACK.

8. Rendite der Bundesanleihen sinkt weiter auf 1,5% (aktuell 1,9%).


In Zeiten, in denen Deflation droht oder herrscht, können Renditen wesentlich tiefer sinken als man sich das am Anfang vorstellen kann (siehe Japan). Allerdings glaube ich, dass in den deutschen Anleihen aktuell sehr viel Sicherheitsbonus steckt, der sich im Laufe des Jahres verflüchtigen wird. Weil die Anleger merken, dass Deutschland nicht unangreifbar ist und 83% Staatsschulden/BIP so wenig auch nicht sind. Das werden die zurückgehenden Inflationserwartungen nicht aufwiegen, so dass ich mir kein weiteres deutliches Absinken der Renditen vorstellen kann. Also: NACK.

9. DAX sinkt auf 5.500 (aktuell 6.100), S&P auf 1.200 (aktuell 1.280).


Als wenn Konjunkturwetten nicht schon schwierig genug wären ... Börsenkurse vorhersagen geht doch noch weniger ... Deutsche Aktien sind sehr preiswert, wenn die Wirtschaft nicht einbrechen sollte. Dummerweise erwarte ich das ... Daher: Ich habe keine Ahnung, wo der DAX am Ende des Jahres steht, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn er entgegen der aktuellen Erwartungen steigt. Denn Ende 2012 zählt ja auch nicht, was 2012 war, sondern was 2013 oder 2014 erwartet wird. Und das weiss der Teufel ... Ich tippe aber eher auf Aufhellung und das werden die Börsenkurse zum Jahresende bereits vorwegnehmen. Außerdem ist genug Geld da. Auch hier gebe ich ein (weil sich Börsenkurse nicht vorhersagen lassen) unsicheres NACK. Der DAX bleibt stabil oder steigt sogar.


10. Die Koalition in Berlin überlebt 2012 nicht.


Lieblingswette der Herdentrieb-Jungs. Die gab's 2011 schon. Damals habe ich dagegen gehalten, dieses Mal bin ich mir weniger sicher. Aus der extrem schwachen FDP kann man den sprichwörtlichen angeschlagenen und daher unberechenbaren Boxer machen. Andererseits kann man auch eine Partei sehen, die einfach keinen großen Widerstand mehr leisten kann (Neuwahl=Weg vom Fenster). Ich tippe auf letzteres und sage: Schwarz-Gelb überlebt auch 2012 noch. Deutschland ist nicht Griechenland. Hier schweissen Krisen Koalitionen zusammen ... (Pathetische Worte ...). Also: NACK.


So viele NACKs (steht übrigens für "not acknowledged", nicht bestätigt) hatte ich noch nie. Ganz schon frech bin ich heute ;-)


Was meint denn ihr? (Wenn ihr ACK/NACK schreibt, dann bitte auf die Einschätzung im Herdentrieb bezogen. Sonst kommen wir durcheinander)


Ich wette mal wieder was

Ich hatte gar keine Lust mehr zu bloggen so ganz ohne Wette ... Also sammle ich die zwei Wetten mal kurz  ein, die ich in den letzten Wochen in die Diskussion geworfen habe. Sie passen inhaltlich eh zusammen. Grundidee ist, dass die Konjunktur deutlich schwächer wird als es die Mehrheit erwartet.

1.) Das deutsche Haushaltsdefizit 2012 fällt höher als erwartet. Der Bund plant laut Haushaltsansatz mit 26 Milliarden Euro Minus. Darauf schlage ich nochmal ein Drittel für die Länder und Kommunen auf. Umgerechnet auf's BIP 2012 macht das etwa 1,3% des BIPs.

Ich drücke das noch etwas hoch und setze auf: Wird größer als 1,5%. Es gilt die erste Zahl, die an die EU gemeldet wird (nur da gibt es die Sammlung von Bund+Ländern+Gemeinden) und nicht als vorläufig gilt (das kann etwas dauern ...).

Die Wette angenommen hat bereits MacT. Ich bitte aber nochmal um Bestätigung.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: 2012 1,3% Haushaltsminus in Deutschland?

2.) Das BIP in der Eurozone (EU17) wird im dritten Quartal 2012 niedriger sei als im vierten Quartal 2011.  Natürlich auf preisbereinigter Basis. Es gilt die zweite Veröffentlichung, nicht die Vorabschätzung.

Die Wette angenommen hat Hias. Ich bitte ebenfalls um Bestätigung.

Zweifelt noch jemand an der Rezession? Der HARPEX... - egghat's not so micro blog

In beiden Wetten ist jeweils ein zweiter Slot frei, also insgesamt 4.

Der Wetteinsatz ist wie üblich eine Flasche Wein in der Nicht-Mehr-Beim-Discounter-Klasse (8 bis 10 Euro) oder ein Sechserpack Bier, bevorzugt von einer lokalen Brauerei, deren Biere ich hier in OB nicht käuflich erwerben kann.

Was für meine Wette (also die pessimistische Konjunkturprognose) spricht:

  • Die letzten Konjunkturzahlen aus Europa waren eher schwach.  
  • Die Stimmungsindikatoren waren überwiegend schwach.
  • Die Sparprogramme in weiten Teilen der EU werden Spuren hinterlassen. 
  • Die Indices für die Frachtraten sind beide schwach (HARPEX und Baltic Dry). 
  • Die Immobilienpreise in den USA sinken weiter. 
  • Citigroup: Eurozone vor langer Rezession.
  • Wer weiss, vielleicht implodiert die Eurozone (oder der Euro) 2012 und lässt die Konjunktur vollends abstürzen
  • Meine bisherige Wettbilanz ;-)


Dagegen spricht

  • die weiterhin relativ stabile Weltkonjunktur. 
  • China schwächelt zwar leicht, hat aber mit einer Leitzinssenkung bereits gegen den Abschwung gehandelt. 
  • Die USA (immer noch mit großem Abstand wichtigste Volkswirtschaft der Welt) scheint stabil zu sein. Der Arbeitsmarkt verbessert sich langsam und die Wachstumserwartungen für 2012 liegen im Konsens bei cirka 2 Prozent. 
  • Auch das Schwergewicht Deutschland scheint sich noch ganz gut zu halten.
  • Japan hat nach dem Tsunami Nachholbedarf.
  • In Europa steht die Notenbank zunehmend auf dem Gaspedal. 
  • In den USA und Frankreich sind 2012 Wahlen, die Politiker werden alles machen, um die Konjunktur in Schwung zu bringen.
  • Der geradezu greifbare Pessimismus könnte übertrieben sein.
  • Meine letzte Rezessionswette (2007), die ich (wenn auch tragisch) verloren habe.
  • Robert von Heusinger vom Herdentrieb ist optimistisch (Heusinger ist optimistisch: D-BIP 2012 1,0% - egghat's not so micro blog)

Und Euch fallen bestimmt noch viele weitere Gründe pro oder kontra tiefe Rezession ein.

Update (10.01.12):

Hias und MacT haben ihre Wette bestätigt. Das heisst, es ist in jedem "Slot" noch ein Platz frei ... In der BIP-Wette drängt es etwas, da kommt in dieser Woche (IIRC) schon die erste Vorabschätzung für's vierte Quartal 2011.

Update 2 (18:42):

Niemand mehr? Ich würde bei Wette 2 sogar noch etwas nachlegen ...

Update 3 (21:43):

OK. Wette 2 erhöhe ich ... Ich mach aus EU17 Deutschland. Also auch Deutschland wird von Q4-11 bis Q3-12 inflationsbereinigt NICHT wachsen. In Europa ist das fast keine Wette wert ...

An Wette 1 ändere ich nichts, denn die ist gar nicht so unmutig. Steuereinnahmen brechen nämlich erst mit ziemlicher zeitlicher Verzögerung ein.

Update 4 (11.01.12):

Mit den BIP-Zahlen von heute schließe ich die Wette. Zwei unbesetzte Slots, ihr Weicheier.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore