Warum die Finanzmärkte nicht auf das EFSF Urteil reagieren

Eigentlich müsste man sagen: Sowas von gar nicht.

Vor ein paar Monaten wäre das Urteil, dass zu EFSF-Aktionen ein Votum des gesamten Bundestags (oder zumindest eines größeren Gremiums als den Neun, die aktuell entscheiden) eingeholt werden muss, ein Grund für ein paar Tage heftigster Börsenturbulenzen gewesen

Heute passiert nichts, gar nichts.

Warum? Die FTD hat es sehr gut erklärt: Der EFSF ist nicht mehr wirklich relevant. Huh? Dieses Abermilliardenmonster soll unwichtig sein? Ja doch, ist es. Denn in der Zwischenzeit hat die EZB den Finanzsektor Europas mit so viel Geld geflutet, dass die Banken selber wieder Staatsanleihen kaufen. Von Spanien, von Italien (Irland, Portugal und Griechenland sind faktisch vom Markt verschwunden).
Damit braucht der EFSF diese Stützungsfunktion nicht mehr zu übernehmen.

Draghi hat damit - radikal - auf die möglichen demokratischen "Verzögerungen" reagiert. Er hat das Heft des Handelns vollständig in die eigene Hand genommen.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das heute ergangen ist (siehe hier: Dokumentation: Bundesverfassungsgerichts-Urteil in Sachen „Beteiligungsrechte des Bundestages zum EFSF ( Link zum Urteil im Volltext)), ist damit möglicherweise eher ein Pyrrhussieg. Auf den ersten Blick war es ein Urteil für mehr Demokratie (obwohl es IMHO egal ist, ob 9 oder 600 Leute entscheiden, die nicken eh nur ab), auf den zweiten Blick ist es aber schlichtweg herzlich egal.

Im Zweifelsfall flutet die EZB eben nochmal die Märkte mit Geld. Irgendwann nehmen die Banken den risikolosen Carrytrade (billig Geld bei der EZB leihen, zu hohen Zinsen in Italien und Spanien anlegen) gerne in Anspruch.

Aus dem Blickwinkel der Demokratie, aus der Sicht einer durch den Wählerwillen legitimierten Politik, ist das Vorgehen der EZB natürlich äußerst fragwürdig. Ist die EZB doch eine der Institutionen in Europa, die am wenigsten unter einer demokratischen Kontrolle steht. Sie soll unabhängig sein. Und dass sie unabhängig handeln kann, zeigt sie gerade eindrucksvoll ...

Verfassungsgerichtsurteil: Döst weiter, Finanzmärkte! | FTD.de

Wenn ihr heute noch Kommentare hört, dass das Urteil ein Sieg der Demokratie, ein Sieg für das Parlament war (siehe als nur ein Beispiel DerWesten). Ja stimmt. IMHO ist das aber nur ein Nebenaspekt. Den wesentlich wichtigeren Aspekt hat die FTD wunderschön herausgearbeitet.

Mehr als die Hälfte des 2. Rettungspakets geht an die Banken

Ergo gut 85 Milliarden der insgesamt fließenden knapp 165 Milliarden Euro (inkl. Rest aus dem 1. Paket).
Nur knapp 55 Milliarden kommen überhaupt im griechischen Haushalt an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant.

Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine gerettet werden. Sollten mit dem EU-Rettungspaket II wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften, wäre das ein dicker Skandal.

OK, jetzt kann man sagen: Eine Rettung der Griechen ist es trotzdem, denn eine Pleite der griechischen Banken wäre sicherlich nicht gut für Griechenland (siehe auch Kippt das Land, kippen die Banken.). Nur zeigt die Reihenfolge exemplarische die Präferenz der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk. Das wäre ja auch vielleicht OK, denn Banken sind ja wichtig für eine Volkswirtschaft. Aber man sollte das dann nicht dauernd als Rettung der Griechen verkaufen. Nennt es doch Bankenrettung, nicht Griechenrettung. Das wäre den Griechen gegenüber wenigstens mal ausnahmsweise fair.

Dass Schäuble ein drittes Rettungspaket nicht ausschließt, ist auch nur zu logisch. Denn helfen tut dieses Paket "den Griechen" ja kaum. Griechenland hat danach nur geringfügig niedrigere Schulden, das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der Gläubiger. Die Schulden liegen nach dem zweiten Rettungspaket nämlich zu noch größeren Teilen in den Händen öffentlicher Gläubiger (sprich der EU). (Die Verteilung der Schulden nach der Umschuldung wäre ein Thema für ein neues Posting).

Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Im privaten Sektor liegen bald kaum noch Griechenbonds. Damit glaube ich inzwischen auch wieder, dass meine Uraltprognose, dass am Ende der Großteil der griechischen Schulden (von der EU) sozialisiert werden dürfte, doch noch eintreffen wird.

Wunderschön auseinandergedröselt hat das aktuelle Rettungspaket und die Mittelverwendung Andre Kühnlenz, zum Glück nach Vorankündigung über Twitter. Sonst hätte ich die Arbeit doppelt gemacht ...

Eigentlich sollte der Artikel heute jedem der Politiker im Bundestag vorliegen, denn die +700 Seiten, die der Antrag zur Griechenlandhilfe hat (siehe Finanzhilfen zugunsten der Hellenischen Republik; Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 1 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes (StabMechG) für Notmaßnahmen der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität zugunsten der Hellenischen Republik - egghat's not so micro blog), kann eh kein Mensch lesen und verstehen ...

Deshalb das lesen:
[MarktWirtschaft] Absurdes Umschuldungstheater « Wirtschaftswunder

Update (15:08):

Als höherwertige Version meines Rants von gestern Abend zur Unmöglichkeit der heutigen Abstimmung im Bundestag noch eine Leseempfehlung im Blicklog:

Wie soll der Bundestag heute über Finanzhilfen für Griechenland abstimmen? Am besten gar nicht.

Der Moody's Ratingdowngrade-Rundumschlag im Überblick (inkl. Begründung)

Hatte es gestern Abend schon kurz im Zweitblog erwähnt (Moody's senkt Ausblick für UK, Frankreich und Österreich - egghat's not so micro blog), bringe es hier aber nochmal komplett und inklusive Begründungen.

Bleiben auf AAA, Ausblick aber auf negativ gesenkt:
  • Großbritannien
  • Österreich
  • Frankreich
Eine Stufe runter:
  • Italien: A3, Ausblick negativ
  • Malta: ebenfalls A3, Ausblick negativ
  • Portugal: Ba3, Ausblick negativ
  • Slowakei: A2, Ausblick negativ
Zwei Stufen runter:
  • Spanien: A3, Ausblick negativ
Das Rating für den EFSF bleibt stabil auf AAA.

Auch die Rating für Deutschland (Aaa), Finnland (Aaa), Dänemark (Aaa), Luxemburg (Aaa), Niederlande (Aaa), Schweden (Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) and Irland (Ba1) wurden bestätigt.

Und noch ein paar Snippets aus den Begründungen:

Im Fall Österreich bereiten das vergleichsweise hohe Gewicht des Bankensektors (Bilanzsumme der Banken bei 390% des BIPs) und dessen Kredite in Osteuropa (75% des BIPs) Sorgen. Den Bankensektor sieht Moody's schwächer als in anderen Aaa-Ländern. Das ist alles nicht neu, aber der Schuldenstand des Landes ist 2012 (75%) auch um einiges höher als 2008. Der Hochstand wird 2013 bei 80% des BIPs gesehen. Das ist deutlich über den 52%, die die Aaa Länder im Schnitt aufweisen.


Frankreich hat ein zu hohes Haushaltsdefizit, zu hohe Schulden und gleichzeitig ein Leistungsbilanzdefizit. Moody's nennt leider keine Defizitprognose.

In Großbritannien sieht Moody's deutlich schwächeres Wachstum. Damit wird die bisher gesehene Haushaltskonsolidierung schwieriger. Der Anstieg der Schuldenquote könne sich länger fortsetzen als 2014/2015. Bisher steht die Prognose eines Hochs des Schuldenstands bei 95% des BIPs 2014/2015 aber noch, allerdings mit höherem Risiko. Daher bleibt auch das Aaa, wenn auch jetzt mit negativem Ausblick. Auf der Habenseite verbucht Moody's übrigens die Stabilisierung des Bankensektors, der in Großbritannien ziemlich früh zu höheren Eigenkapitalquoten verdammt wurden. Außerdem muss sich Großbritannien nur in sehr kleinem Umfang neu am Kapitalmarkt verschulden. Die Staatsanleihen laufen durchschnittlich 14 Jahre.


Italien hat natürlich zu hohe Schulden, selbst in der Vergleichsgruppe der Länder mit einem einfachen A. Die Prognosen aus dem Sparplan werden (auch wegen des schwachen Wachstums) angezweifelt. Die geplanten Primärüberschüsse (Haushaltsdefizit exkl. Zinsen) von 5% des BIPs seien uhm ambitioniert.


Spanien sieht Moody's (im Gegensatz zu S&P) nach der Herabstufung um 2 Punkte nun auf der gleichen Ratingstufe wie Italien. Spanien hat die Haushaltsziele 2011 deutlich verpasst. Statt 6% des BIPs wurden es 8. Die Planung von 4,4% für 2012 wurde beibehalten, Moody's glaubt aber (wie ich auch) nicht daran. Dazu müssten 40 Mrd. in einem Jahr gespart werden (nach 28 Mrd. in den beiden letzten Jahren zusammen). Eine Einsparung in dieser Größenordnung wäre "unprecedented", ergo einmalig. Moody's erwartet realistisch 5,5 bis 6% Haushaltsdefizit/BIP und einen Anstieg des Schuldenstands auf 75% mit Richtung auf 80%. Die Wachstumsprognose hat Moody's von plus 1% bei der letzten Ratingüberprüfung auf minus 1,0 bis 1,5% gesenkt. Das könne auch weitere Löcher in den spanischen Bankbilanzen verursachen. Die Gefahr weiterer Staatshilfen für den Bankensektor sei daher groß.

Die kleineren Länder spare ich mir. Interessierte finden die Details bei Zerohedge, wo es die gesamten Begründungen gesammelt gibt: http://www.zerohedge.com/news/moodys-downgrades-italy-spain-portugal-and-other-puts-uk-france-outlook-negative-full-statement

200 Mrd. Euro "Free Lunch" für die Banken durch EZB-Tender?

Sehr schöne Idee von Dirk Elsner, das mal durchzurechnen.

Wie viel Gewinn gibt es, wenn die europäischen Banken das Geld, das im EZB Tender zur Verfügung gestellt wurde, in die Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder reinvestieren?

Also zu 1% Geld in Frankfurt leihen und dann zum Beispiel zu 6,5% in Italien wieder anlegen? Oder zu 7,7% in Irland. Oder 5,4% in Spanien.

Dazu hat sich Dirk Elsner angeschaut, wie viel Geld sich die Bankensysteme der Länder beim letzten Tender von 498 Mrd. Euro genehmigt haben. Die italienischen Banken haben sich zum Beispiel im ersten großen Drei-Jahres-Tender 161,7 Mrd. Euro geliehen. Im zweiten Tender, der noch diesen Monat folgt, könnten es 264 Mrd. werden (Dirk nimmt einen noch größeren Tender von 800 Mrd. € an). Das ergibt zusammen bei 6,5% Zinsen für italienische Staatsanleihen 27,64 Mrd. Euro Zinseinnahmen. Davon muss dann noch die 1%-Zinsen an die EZB abgezogen werden, was dann immer noch gut 23 Mrd. "Free Lunch" ergibt.

Die gesamte Rechnung gibt's hier:

Ich habe vier Anmerkungen zur Rechnung:

  1. Die 498 Mrd. Euro waren damals der Bruttozufluss, es war defakto aber weniger neues Geld, weil auch alte Geschäfte ausgelaufen sind. IIRC habe ich das auch mal verbloggt, finde es aber nicht wieder. Es waren netto IIRC eher 300 Milliarden Euro. Und noch IIRCiger: Alex Kniss André Kühnlenz von der FTD kam (glaube ich) sogar nur auf etwa 200 Milliarden Euro, die netto zugeflossen sind. Ich weiss nicht, ob es sinnvoller wäre, die Rechnung nur mit dem zusätzlichen Zufluss zu machen, vielleicht aber auch nicht, denn:
  2. Diese grundsätzliche Subvention gibt es immer. Banken leihen sich immer zu wenig Prozent Geld bei der EZB und verleihen es zu viel Prozent weiter. (Zugegeben, sie leihen sich nicht nur bei der EZB Geld, sondern auch am Kapitalmarkt, weil es bei der EZB nur kurzfristig Geld gibt). Man kann darüber streiten, ob man das Subvention nennt oder nicht. Und genauso, ob mit dem oben genannten Ablauf nicht das gesamte System der Geldschöpfung über Noten- und Geschäftsbanken in Frage stellen sollte.
  3. Das Aufpäppeln der Banken über niedrige Leitzinsen wurde schon immer so gemacht. Auch in der Vergangenheit dienten Zinssenkungen der Notenbank (auch) dazu, den Banken unter die Arme zu greifen.
    In einer Rezession sinkt auch immer die Qualität der Kredite, die Banken müssen mehr Kreditausfälle verkraften. In quasi jeder Rezession entstehen mehr oder weniger tiefe Löcher in den Bankbilanzen. Nichts kann diese Löcher besser stopfen als ein niedriger Leitzins. Es wird zwar oft auf die simple Gleichung "niedrige Zinsen kurbeln die Konjunktur an" verwiesen, aber die Banken spielen eine wesentliche Rolle in diesem Ablauf. Und davon profitieren die Banken auch jedes Mal. Letzteres wird aber nur relativ selten thematisiert.
  4. Auch über den Zins in der Rechnung kann man diskutieren. Ich hätte eher den laufzeitenkongruenten Zins genommen, also bei einem dreijährigen Tender auch die dreijährige Laufzeit der Staatsanleihen. Dieser wäre in Italien dann nur bei etwa 3,5%, also fast halb so hoch.

Es ist am Ende aber auch egal, ob den europäischen Banken durch den oben geschilderten Ablauf 50, 100 oder 200 Milliarden Euro zufließen. Viel wichtiger finde ich es, dass dieses grundsätzliche Prinzip an einem konkreten Beispiel in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wird (file this under "Blogger im Größenwahn", Blogger bildet sich ein, er werde von einer "breiteren Öffentlichkeit" gelesen ;-) ).

600 bis 700 Mrd. mehr Cash für Europas Banken

Oops. They did it again.

Zum wiederholten Mal hat die EZB ihre Anforderungen für die Sicherheiten, die die Geschäftsbanken für EZB-Cash hinterlegen müssen, gesenkt.

Ein kleiner Blick zurück: Vor der Krise (und das ist noch gar nicht so lange her) akzeptierte die EZB nur börsennotierte Wertpapiere als Sicherheit, die mindestens mit einem einfachen A bewertet waren. Alles mit BBB oder gar Junk Bonds waren für die EZB inakzeptabel.

Das liess sich in der Krise aber nicht lange halten. Denn die griechischen Banken haben (wie alle Banken der anderen Länder auch) überwiegend die Staatsanleihen ihres Heimatlandes in den Büchern und diese auch als Sicherheit bei der EZB hinterlegt. Als das griechische Rating dann unter A- fiel (und das war ja nur der Anfang, der bis zum C runterführte ...), weichte die EZB die Bedingungen schnell auf. Erst für die griechischen Anleihen, dann für die portugiesischen und dann für alle anderen. Ansonsten hätten die griechischen (und portugiesischen und ...) Banken nicht mehr ausreichend viele Sicherheiten zur Verfügung gehabt, sie wären nicht mehr an neues Bargeld von der EZB gekommen und insolvent gewesen.

Auch die "sonstigen" Bedingungen wurden deutlich aufgeweicht. Zum Beispiel war es früher Pflicht, dass die Wertpapiere, die als Sicherheit hinterlegt werden sollten, an einer Börse in Europa gehandelt wurden. Dabei ging es der EZB vor allem darum, einen Marktpreis zu haben, der die Basis für die Menge Bargeld darstellte, die die EZB der Bank gab. Das wurde dann ersetzt durch: Die Kredite (Sicherheiten) müssen verbrieft werden, eine Börsennotiz war nicht mehr notwendig. Es reichte also sowas wie eine "theoretische Handelbarkeit".

Jetzt weicht die EZB die Kriterien noch weiter auf. Die nationalen Notenbanken von Irland, Frankreich, Italien, Zypern, Portugal, Spanien und Österreich können sich jetzt eigene Kriterien ausdenken. Dabei läuft es wohl darauf hinaus, dass der Kredit an sich, sprich ohne Verbriefung (und Börsennotiz), als Sicherheit gelten kann. Wie genau, ist noch auszuarbeiten.

Die Regeln dafür sind noch nicht beschlossen. Es ist auch noch nicht klar, ob die Regeln in allen Ländern gleich aussehen (ich befürchte nicht).

Schätzungen sagen, dass den Banken in den betroffenen Ländern nun zusätzliche Sicherheiten im Volumen von 600 bis 700 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Das bedeutet potenziell 600 bis 700 Milliarden Euro zusätzliches Bargeld von der EZB.

Damit setzt sich der Trend der Sicherheiten bei der EZB weiter fort. Es wird immer mehr (was gar nicht sooo schlimm ist) und die Qualität der Sicherheiten sinkt immer weiter (was viel schlimmer ist).

Auch wird die Qualität immer schwieriger überprüfbar. Anscheinend wollen die Notenbanken jetzt schon Einzelkreditprüfung machen und das unter Umständen für jedes Land einzeln. Außerdem darf man sich so langsam fragen, warum wir uns überhaupt noch Geschäftsbanken leisten. Wenn diese jetzt schon die Kredite auf einzelner Ebene durchreichen und die Notenbank die Kredite nochmal auf die Qualität checkt, könnte man sich gleich einen Kredit direkt bei der Notenbank besorgen ...

Das ist *natürlich* alles wieder nur temporär, aber naja das waren die Aufweichungen zuvor auch allesamt ...

Trotzdem zeigt sich mit der heutigen Reaktion der EZB, wie sehr die Banken in den Südländern unter Druck stehen. Ihnen fließt auf allen Ebenen Geld ab: Die Sparer ziehen Geld ab (dazu habe ich zig Nachrichten, zuletzt hier: Bankrun in Italien - egghat's not so micro blog), die Geldmarktfonds ziehen Geld ab, am Kapitalmarkt ist es schwierig, ohne Sicherheiten Geld zu bekommen und von anderen Banken gibt es auch nichts. Geld gibt es - wenn überhaupt - nur noch gegen Sicherheiten und selbst mit Sicherheiten defakto fast nur noch bei der EZB.

Diese Sicherheiten sind nicht mehr schnell genug verbriefbar (möglicherweise sind auch keine mehr da), und dafür basteln die nationalen Notenbanken jetzt eine Art "Direktverbriefungsautobahn", Cash direkt, gleich und sofort ... Im Unterschied zum Kredithai ist aber der Zins günstig und beträgt nicht 13 oder 15%, sondern nur 1,0% ...

Beruhigend geht anders ...

EZB-RAT GENEHMIGT ZULASSUNGSKRITERIEN FÜR ZUSÄTZLICHE KREDITFORDERUNGEN

Update (16:44):

Zerohedge nennt das ganze plakativ "Trash to Cash" ... Und nennt nicht 700 Mrd, sondern 7,1 Billionen ... Aber Zerohedge muss man immer mit einer gesunden Portion Skepsis lesen ...

Is The ECB's Collateral Pool Expansion A €7.1 Trillion Imminent "Trash To Cash" Increase In Its Balance Sheet? | ZeroHedge

Update 2 (22:42):

Zur Intransparenz der Bilanzen der nationalen Notenbanken passt vielleicht auch das ganz gut. Die Bilanzsumme der griechischen Notenbank beträgt nun etwa 70% des griechischen BIPs. Mit der Entscheidung heute werden wir solche Verhältnisse auch in anderen Ländern bekommen ...

Euro-Desaster: Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE

Update 3 (10.02.12):

Hier noch ein Hinweis auf einen Artikel, der am Tag vor der Entscheidung geschrieben wurde und das ganze auch ganz gut erklärt. Interessant, dass die Hinterlegung von Einzelkrediten schon vorher möglich war, problematisch waren nur die Rahmenbedingungen (Mindestgröße der Kredite, Verwaltungsaufwand, ...).

EZB: Sicherheiten zweiter Klasse - Wirtschaft - FAZ

Groupon meldet Verlust (2 Cent) statt erwarteter 3 Cent Gewinn


Die Aktie fällt nachbörslich aktuell um 8%, das sah aber schon wesentlich schlimmer aus.

Grund für den unerwarteten Verlust ist laut Groupon eine "Expansion in magenschwächere Bereiche". Zugestehen muss selbst ich oller Pessimist Groupon allerdings die Expansion. Statt erwarteten 473 Millionen konnte Groupon 506,5 Millionen Dollar im vierten Quartal 2011 einfahren.

Aber eigentlich setzte meine Kritik am Geschäfsmodell (siehe hier Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon: Finger weg! oder aktualisiert hier Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon hat den Börsengang geschrumpft ... ) auch viel mehr an der Profitabilität an. Klar, kann man mit Couponing Geld verdienen, es ist aber kein Geschäft, das auf ein Monopol hinausläuft und damit außergewöhnlich hohe Margen abwirft (wie z.B. ebay oder Google). 

Mit der Expansion in magenschwächere Bereiche wird meiner Meinung nach der Kern meiner These gestützt. Groupon kann wachsen und zwar auch noch für einige Zeit, aber trotzdem sehe ich kein Geschäft mit 30% Marge. Und dann stehen die 15 Milliarden Börsenwert von Groupon auf ziemlich wackligem Fundament ...  Groupon braucht jetzt (nach dem Börsengang) Gewinn, nicht mehr Umsatz(wachstum). Und das zu generieren wird (IMHO) wesentlich schwieriger ...

EZB soll Haircut (teilweise) mitmachen

Da habe ich mich ziemlich geirrt. Aber scheinbar nur vorübergehend ...


Ich bin 2010/2011 davon ausgegangen, dass Europa (EFSF/ESM/EZB) den Banken erst die Griechenlandschulden abkauft und dann schneidet. Wenn auch nicht unbedingt vor allem auf der Seite der EZB, so doch zumindest in gleicher Höhe wie bei den Banken (siehe z.B. hier: Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?).


Später sah es aber so aus, als würde sich Europa am Haircut gar nicht beteiligen, sondern nur die Schulden Griechenlands bei den Banken zusammenstreichen. Dort stehen ja inzwischen 70% Haircut im Raum, wie auch immer das in den Details umgesetzt werden soll.


Ich habe das immer für sehr überraschend und im Prinzip auch ziemlich unlogisch gehalten. Wieso sollen die Banken verzichten, Europa aber nicht? Als Bank würde ich doch bei einer so ungleichen Lastenverteilung auf die Barrikaden gehen.


Allerdings muss man sehen, dass ein Großteil der Anleihen, die heute bei der EZB liegen, früher bei den Banken lagen. Man schätzt den durchschnittlichen Ankaufkurs der EZB auf 70 bis 75% des Nennwerts. Sprich: Die Banken sind einen großen Teil ihrer Griechenlandanleihen noch mit vertretbaren Verlusten losgeworden. Das Risiko dafür liegt jetzt bei der EZB.


Daher ist es irgendwo auch fair, wenn man die Banken jetzt (also nach dem Abladen großer Teile der Griechenbonds) stärker schneidet als die EZB.


Wobei die EZB bisher ja gar nicht schneiden wollte, sprich die EZB wollte das volle Geld. Das scheint sich aber jetzt zu ändern (und das ist die Nachrichte): Die EZB scheint nämlich bereit zu sein, sich am Haircut zu beteiligen und damit den Griechen zu helfen. Es soll sich um 11 Milliarden Euro handeln, was bei den Schätzungen des Ankaufvolumens und des durchschnittlichen Ankaufkurses noch immer ein Plus für die EZB ergeben dürfte (was aber - es sind Schätzungen - nicht sicher ist). Technisch sollen die Anleihen von der EZB an den EFSF verkauft werden, irgendwo unterhalb des Nennwerts, aber scheinbar oberhalb des Kaufkurses.


Damit kann ich auch stur bleiben und weiterhin behaupten, dass die Griechenlandbonds, die Europa hält, noch geschnitten werden dürften. Die Schuldenreduktion für Griechenland auf 120% des BIPs ist nicht ausreichend, weil der Haushalt immer noch weit entfernt von ausgeglichen ist (siehe auch Griechenland: Steuereinnahmen 01/12: -7% (Vj) - egghat's not so micro blog).


Kurz: Die Prognose, dass die Schulden Griechenlands sozialisiert werden, dürfte - doch noch - aufgehen. Zwar ist die Verteilung zwischen Staaten und Banken bis dato (wenn das denn alles so kommt, wie bisher spekuliert) noch OK, aber nach der Einigung sind die Banken raus aus den alten Griechenlandanleihen (und damit aus dem Risiko), während EZB und EFSF/ESM noch voll im Risiko stecken. Und da wird dann wohl auch nochmal geschnitten werden. Und spätestens dann wird die Beteiligung des öffentlichen Sektors höher ausfallen als die Beteiligung der Banken ...


EZB kommt Griechen entgegen - Wallstreetjournal.de






USA: Arbeitslosenquote 01/12: 8,3% (-0,2 Vm, -0,8 Vj)

Das war ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt für den ersten Monat 2012, der deutlich überrascht hat. Und zwar noch oben. Vor allem nach den ADP-Zahlen gestern hatte man allgemein schwächere Zahlen befürchtet. Gute Zahl in der Überschrift, auch von den Details gestützt (auch wenn die jährliche Überarbeitung der Zahlen am Jahresanfang die Vergleichbarkeit einschränkt).

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -239.000 auf 12,758 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +847.000 auf 141,637 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,3% (-0,2 zum Vormonat, -0,8 unter dem Vorjahresmonat).

Die absoluten Zahlen sind aber nicht vergleichbar, weil am Jahresanfang die Bevölkerungszahlen angepasst werden. Das große Plus bei den Arbeitsplätze geht also vor allem darauf zurück, dass die Ergebnisse aus der Umfrage jetzt auf eine Bevölkerungszahl hochgerechnet wird, die um 1,7 Millionen über dem Wert vom Dezember 2011 liegt.

Die Zahl der NILFs stieg im Januar erneut KRÄFTIG um 1.177.000. Aber auch hier gilt: Ausnahmsweise kann man in diesem Monat nicht sehr viel daraus ziehen (außer der Vermutung, dass ich am ansteigenden Trend dieser Personenanzahl, die "nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen" (Not In Labor Force), nichts geändert haben dürfte.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Gegencheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt, zeigt das auch gut: Sie blieb am Januar stabil bei 58,5% und liegt minimal über dem Vorjahreswert von 58,4%. Die Beschäftigung wächst zwar, aber gerade einmal so schnell wie die Bevölkerung. Der letzte Satz könnte auch gut als Zusammenfassung des gesamten Berichts dienen.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, decken sich mit den "bereinigten" Arbeitslosenzahlen.

Anzahl der Jobs: +243.000 gegenüber dem Dezember 2011 auf 132,409 Millionen. 257.000 neuen Jobs im privaten Sektor stand ein Verlust von 14.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Erneut stark wurde der zweite Teil des Arbeitsmarktberichts durch die Korrekturen der Vormonate: Das Plus aus dem November wurde von 100.000 auf 157.000 nach oben korrigiert, der Dezember von +200.000 auf +203.000. Das sind 60.000 weitere Arbeitsplätze, die man eigentlich zum Monatsplus von 243.000 noch hinzuaddieren müsste. Damit setzt sich die Reihe kräftiger Aufwärtskorrekturen aus den Vormonaten fort. Es zeigt sich, dass die Schätzungen der Zahlen in einer Abschwungphase dauernd zu optimistisch sind und nach unten korrigiert werden (was Skeptiker gerne auf den Plan ruft und von manipulierten Zahlen reden lässt), hingegen in einer Aufschwungphase eben auch dauernd zu schlecht geschätzt und daher noch oben korrigiert werden müssen (wie jetzt).

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche liegt inzwischen bei 34,5 Stunden, 0,2 Stunden mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Überstunden stieg leicht auf 3,4 Stunden, ebenfalls 0,2 Stunden über dem Januar 2011. Beides deckt die Aussage von steigender Nachfrage nach Arbeit.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank wiederum leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 15,1%. Das ist deutlich besser als im Vorjahr (16,4%).

Zusammenfassend: Ein stimmiger Arbeitsmarktbericht. Die Verbesserungen sind nicht dramatisch, sondern weiterhin eher zögerlich. Aber immerhin wächst die Nachfrage nach dem Faktor Arbeit wieder, was den Wirtschaftsaufschwung in den USA weiter stabilisieren dürfte.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – January 2012


Update 0 (14:46):

(erste Eilmeldung ;-)

243.000 neue Arbeitsplätze, 257.000 in der privaten Wirtschaft, -14.000 beim Staat.

12,8 Millionen Arbeitslose.

266.000 AUFWÄRTSkorrektur der Anzahl der Arbeitsplätze für 2011. ABER gleichzeitig kamen auch 43.000 neue Arbeitslose hinzu und (festhalten) 1,252 Millionen, die nicht in die "Labor force" gehören, zum größten Teil weil sie zu alt sind.


Ich schreibe gleich noch mehr.


http://www.bls.gov/news.release/pdf/empsit.pdf

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