Groupons Buchführung ist anscheinend ein Desaster ...

Nicht nur der Börsengang war ein ziemliches Desaster (OK, nach dem zurückgezogenen IPO von BATS müsste die Desasterskala eigentlich neu justiert werden ;-), siehe IPO heute zu 16$. Kurs jetzt (ergo heute) 0,04$. ... - egghat's not so micro blog), auch die Nennung obskurer Erfolgsparameter wie "Adjusted CSOI - Consolidated Segment Operating Income" (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon: Finger weg! Groupon ändert Buchhaltung - Umsatz halbiert - egghat's not so micro blog, bzw. das Update Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon hat den Börsengang geschrumpft ...), oder die mehrfache Überarbeitung des IPO-Prospekts erinnerten eher an eine neue Ausgabe von "Pleiten, Pech und Pannen" als an einen seriösen Börsengang.

Und auch danach wird es anscheinend nicht wirklich besser ...

Gestern musste Groupon einräumen, dass die Bilanzierung für das vierte Quartal 2011 gewisse "Ungenauigkeiten" aufwies. Auslöser waren die Verbuchung bestimmter Rücklagen, die gebildet werden müssen, um Risiken abzudecken (Refunds für Kunden?). Oder das direkte Einbuchen beim Verkauf gewisser Produkte, bei denen der Kunde noch die Möglichkeit hat, zurückzugeben oder downzugraden? Die genau Ursache ist etwas unklar (siehe Update unten). Egal, der Umsatz musste um 14,3 Millionen, der Nettogewinn sogar um 22,6 Millionen Dollar nach unten korrigiert werden. Der Gewinn je Aktie sank um 4 Cent. Aber was heisst Gewinn? Der Verlust im vierten Quartal stieg von 8 auf 12 Cent je Aktie, respektive im Gesamtjahr von 99 Cent auf 1,03$.

Was aber fast noch spannender ist: Groupon gibt zu (wahrscheinlich nachdem der Wirtschaftsprüfer Ernest & Young Druck gemacht hat), dass die internen Prozesse in der Buchhaltung und die Kontrolle derselben "materielle Schwächen" aufweisen. Das ist für eine börsennotierte Firma doch einigermaßen peinlich.

Auch wenn Groupon betonte, dass die Änderung keine Auswirkungen auf die Zukunft und die Prognosen hätte, mochten die Börsianer die Nachricht gar nicht, die Aktie sank nachbörslich um etwa 6%. Mit 17,29$ notiert die Aktie inzwischen fast 14% unter dem IPO-Preis.

Kurzversion bei Groupon:

Groupon Announces Revised Fourth Quarter and Full Year 2011 Results, Confirms First Quarter Guidance (NASDAQ:GRPN)

Das komplette Filing bei der SEC:

SEC: 10-K 1 groupon10-k.htm FORM 10-K (korrigierte Version)

gefunden über FT Alphaville » Groupon in accounting mess shocker

Update (03.04.12):

Die amerikanische Börsenaufsicht will jetzt wohl auch offiziell Ermittlungen wegen der mangelhaften Buchführung bei Groupon aufnehmen. Entsprechende Gerüchte brachte das WSJ bereits gestern. Außerdem bereitet die erste Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Groupon wegen der unzureichenden Bilanzierung vor.

Das (und natürlich die Nachricht an sich) schickten die Groupon Aktie weiter nach unten. 15,27$ lautete der Schlusskurs am Montagabend, eine Tagesverlust von 17%. Der aktuelle Kurs liegt nur noch wenige Cents über dem bisherigen Tief seit dem Börsengang. Mal schauen, ob dieses Intradaytief von 14,85 vom 28. November 2011 heute unterboten wird ...

Groupon hat mit der KPMG einen zweiten Wirtschaftsprüfer verpflichtet und will mit ihm zusammen die Buchführung auf ein Niveau ziehen, das Groupon IMHO eigentlich vor dem Börsengang hätte haben sollen, gell, Ernest & Young?

Börsenaufsicht SEC nimmt Groupon unter die Lupe - Wallstreetjournal.de

Aktiensturz: Anleger und SEC gehen gegen Groupon vor - IT Medien - Unternehmen - Handelsblatt

Der genaue Grund sollen übrigens große (wertvolle) Gutscheine gewesen sein, die die Kunden später in kleine umgetauscht haben sollen. Beim Umtausch musste Groupon den Unterschied zurückerstatten und dementsprechend Gewinn und Umsatz zurückbuchen.

Update 2 (04.04.12):

Und nochmal was von der FTD zum Thema:

Rabattwebsite: Aktionär klagt gegen Groupon wegen Bilanzkorrektur | FTD.de

Update 3 (05.04.12):

Dirk Elsner vom Blicklog hat sich die Groupon Geschichte auch mal angeschaut und vermutet, dass die Großanleger, die jetzt gegen Groupon klagen, nur von ihren eigenen Fehlern ablenken wollen. So geheim war es nicht, dass die Buchführung von Groupon "aggressiv" ist ... Es stand hier, es stand im Blicklog und an vielen anderen Stellen auch.

Der Artikel lohnt sich schon allein wegen der Berechnung des Muppet-Faktors. Der liegt beim Groupon-IPO bei 7 von 10 möglichen Punkten. Es gibt also eine relativ hohe Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden ... (Dem Muppet-Faktor fehlt natürlich zur richtigen Ernsthaftigkeit die Nachkommenstellen, die mathematische Genauigkeit suggerieren würde ;-) )

Blicklog: Groupons institutionelle Investoren wollen keine Muppets sein ( ex-post Berechnung des Muppet-Faktor)

Schlecker (nicht nur) aus Oberhausener Sicht

In Oberhausen sind nach der stufenweisen Schließung von Schlecker (von 17 auf 7 Filialen in den vergangenen Jahren, jetzt im (vorerst) letzten Schritt runter auf 3) immer noch 157 Arbeitsplätze im Einzelhandel unbesetzt. Damit gibt es selbst hier im strukturschwachen Ruhrgebiet etwa vier bis fünfmal so viele offene Stellen in der gleichen Branche wie jetzt bei Schlecker wegfallen (siehe http://www.radiooberhausen.de/Lokalnachrichten.947 M5258c55f8b8.0.html). In Gesamtdeutschland dürfte das Verhältnis schlechter sein, aber immer noch viel besser als in vielen anderen Branchen.

Generell darf man auch nicht vergessen, dass der Einzelhandel ein Wirtschaftsbereich ist, in dem die Produktivität der Mitarbeiter relativ gleich ist. Niemand hat hier einen wahnsinnigen Wettbewerbsvorteil, es findet mehr oder weniger nur Umverteilung statt. Regale müssen eingeräumt werden, Kassen bedient, Läden beliefert, etc. pp. Wenn jetzt 20.000 Deoroller bei Schlecker weniger verkauft werden, gibt es die 20.000 irgendwo anders. Und auch da muss eingeräumt und kassiert werden. Ein ganzer Teil der Arbeitsplätze, die bei Schlecker wegfallen, entstehen bei der Konkurrenz neu. Ob das die Hälfte oder mehr oder weniger sind, weiss natürlich niemand. Wichtig ist nur: Es sind NICHT alle 11.000 Arbeitsplätze weg.

Warum eigentlich jetzt die ganze Aufregung? Es gab schließlich bereits mehrere Schübe mit Filialschließungen bei Schlecker, die vergleichsweise geräuschlos über die Bühne gingen.

Am Anfang wurde sogar über Staatshilfe für Schlecker gesprochen (zum Glück verworfen), später ging es nur noch um eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter. Immerhin würde damit den Mitarbeitern, und nicht dem Unternehmen geholfen, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick stimmt das aber nicht, weil es kaum einen Unterschied zwischen einem Arbeitslosen in einer Transfergesellschaft und einem Arbeitslosen ohne Transfergesellschaft gibt. OK, es gibt etwas mehr Geld (und manchmal auch länger), aber der Rest besteht in beiden Fällen aus nachgewiesenermaßen ziemlich teuren, aber ziemlich nutzlosen Geschichten wie Umschulungen, Bewerbungstrainings, etc.

Viel wichtiger sind zwei andere Aspekte:
a) Das Unternehmen gewinnt an Rechtssicherheit, weil die Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft den Ex-Arbeitgeber nicht verklagen können (z. B. auf eine Abfindung). Das Unternehmen ist also einfacher zu verkaufen. Das ist, wenn es überhaupt ein Argument pro Transfergesellschaft gibt, DAS wichtigste. Dabei geht es aber nicht vorrangig um die entlassenen, sondern um die weiterbeschäftigten Mitarbeiter.
b) Die Zahlungen stammen aus der Insolvenzmasse und damit nicht unbedingt vom Steuerzahler. OK, im Fall von Schlecker ist da nicht viel zu holen ...

Was mich an der Schlecker-Diskussion vor allem nervt: Wieso stellen die 10.000e entlassenen Mitarbeiter in Handwerksbetrieben, Restaurant, Tante-Emma-Länden, etc. kein Problem dar, die jetzt bei Schlecker aber schon? Wieso waren die 2.000 (oder so) gekündigten Mitarbeiter bei Schlecker, die im letzten Jahr ihren Job verloren haben, unwichtig? Wieso interessiert sich niemand für die ganzen Mitarbeiter in den mehr als 30.000 Firmen, die jedes Jahr Pleite gehen?

Es gibt manchmal Gründe für Speziallösungen wie Transfergesellschaften, wenn 5.000 Mitarbeiter bei Opel oder 3.000 bei Nokia auf einen Schlag rausfliegen. Dann droht unter Umständen das Absinken einer ganzen Region. Aber bei 11.000 Mitarbeitern, die über ganz Deutschland verteilt sind, gibt es diese Gefahr nicht.

Und was mich fast noch mehr nervt: Das FDP Bashing. Denn ich finde die Entscheidung contra Transfergesellschaft eher richtig (auch wenn die FDP teilweise aus den falschen Gründen mit Nein gestimmt hat). Was soll das Gelaber von "kühl, arrogant und menschenverachtend"? Entweder waren und  sind die anderen Politiker bei den Entlassungen in Pizzabuden, Tante-Emma-Läden und Handwerksbetrieben auch alle "kühl, arrogant und menschenverachtend" oder sie waren/sind es nicht. Eins von beiden, dann aber bitte in allen Fällen! (Zugegeben, der Begriff "Anschlussverwendung" dürfte der bislang dümmste sein, den ein Politiker dieses Jahr in die politische Diskussion eingebracht hat. Und die FDP hat sich den Tod eh redlich verdient. Aber der aktuelle Fall ist kein Anlass für FDP-Bashing, diese Entscheidung ist durchaus plausibel begründbar).

Die Diskussion, die man führen müsste, wäre eine Diskussion über die Höhe des Arbeitslosengelds. Über die Qualität der Umschulung und Fortbildungen. Über die Förderung bei Eintritt in einen neuen Job.

Und da kann man sich mal gerne anschauen, was Dänemark macht: Dort gibt es nämlich bei Arbeitslosigkeit 90% des letzten Lohns, dafür wurde im Gegenzug der gesetzliche Kündigungsschutz deutlich aufgeweicht (dieser gilt allerdings für viele nicht, weil der oft in Tarifverträgen für viele Arbeitnehmer vorteilhafter geregelt ist).

Nur mal so als Diskussionsgrundlage für die richtige, für die wichtige Diskussion ... Denn wenn das sauber geregelt wäre, könnte man das Modell Transfergesellschaft für einige wenige Privilegierte endlich entsorgen.

Noch ein paar Links:

Ziemlich ähnlich wie ich beurteilt der Wirtschaftsphilosoph die Schlecker-Situation:

Schlecker-Pleite ohne Transfergesellschaft | Wirtschaftsphilosoph

Auch nicht so ganz anderer Meinung als ich ist der werte Herr Hüther vom IW im Interview mit dem Deutschlandfunk:

Hüther: Es muss das Prinzip der Haftung gelten - Wirtschaftsexperte hat Zweifel an | Interview | Deutschlandfunk

Die Wirtschaftswoche weist auf die Profiteure von Transfergesellschaften hin (und das sind bei weitem nicht nur die Ex-Mitarbeiter, auch das Unternehmen gewinnt Rechtssicherheit, weil Ex-Mitarbeiter in der Transfergesellschaft keine Abfindung kosten):

Drogerie-Pleite: Bundesagentur bei Schlecker in der Pflicht - Handel - Unternehmen - Wirtschaftswoche

Etwas überraschend ist die Frankfurter Rundschau nicht der Meinung, man müsse unbedingt die Transfergesellschaft gründen, sondern argumentiert mit einem kühlen: Wer hat denn die Tante-Emma-Läden (bzw. deren Mitarbeiter) vor den Discountern gerettet?

Kommentar zur Schlecker-Krise: Nur keine Transfergesellschaft | Schlecker-Insolvenz - Frankfurter Rundschau

Jens Berger auf den Nachdenkseiten zu Thema. Lesenswert, auch wenn an einigen Stellen unsauber argumentiert wird (einmal ist was in der Insolvenzmasse (durch den Verkauf der Auslandstöchter), einmal nicht (deswegen braucht Transfergesellschaft auch einen staatlichen Kredit). Auch sind die offenen Stellen natürlich viel in Teilzeit, die Stellen bei Schlecker scheinbar nicht):

Die FDP und die Schlecker-Pleite – Polittaliban außer Kontrolle | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Und dann noch Frank Lübberding, der eine Diskussion über die wichtigen grundsätzlichen Themen einfordert, nicht über diesen Einzelfall:

Schlecker und die FDP

Leider hört man solche denkanregenden Kommentare nur selten, gängig sind die Kommentaren der Form "Wie-Kann-Man-Die-Menschen-Bloss-So-Alleine-Lassen" wie in der SZ oder mehrfach beim Spiegel (verlinke ich wenns geht nicht, daher muss die SZ als Negativbeispiel herhalten:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fdp-verhindert-schlecker-rettung-unfaehig-kalt-liberal-1.1322006

Dann doch lieber was ähnlich unreflektiertes, aber wenigstens ist das lustig:

Der Postillon: Spekulanten erleichtert: Ablehnung von Hilfe für "die Märkte" betrifft nur Schlecker

Update (31.03.12):

Sachlich, Herr Ernst, sachlich ...

Reaktionen auf Nein zur Schlecker-Bürgschaft - Linken-Chef geißelt FDP als "asoziale Trümmertruppe" - Politik - sueddeutsche.

Update 2 (03.04.12):

Michael Lauer (Piraten) reflektiert in der FAZ seine Auftritte in TV-Talkshows. Er geht daber auch auf Schlecker ein, v.a. auf Kurt Beck ein, der in der Sendung bei Illner den Stereotyp des mitfühlenden Sozialdemokraten spielte und natürlich helfen wollte. Natürlich ohne einen einzigen Hinweis darauf, dass er selber in ein verdammt sinnloses Projekt am Nürburgring Hunderte von Millionen Steuergelder versenkt hat und am Ende 137 Mitarbeiter trotzdem auf die Straße gesetzt hat. Nein, im TV wieder ganz Maulheld: Wir müssen retten, egal ob es 3 oder 11.000 Arbeitsplätze sind.

Noch spannender die Zahlen zum Arbeitsmarkt, die Michael Lauer nennt:

"Aber man kann sich die Zahlen anschauen. Im März meldeten sich in Deutschland 627.000 Menschen arbeitslos, im Tagesdurchschnitt sind das 20.225. Also jeden Tag zweimal Schlecker. Wenn man Schlecker dazurechnet, kommt man auf 20.580 Menschen täglich. Im selben Zeitraum gab es 708.000 Abgänge, das heißt, täglich wurden 22.838 Arbeitsplätze vermittelt. Mir ist klar, dass diese Rechnung zynisch ist. Mir geht es nur darum, die Größenordnung zu illustrieren."

Aber nun ja, um solche Fakten geht es in Talkshows nicht. Oder um die Frage, was eine Transfergesellschaft besser machen könnte als die Bundesagentur für Arbeit. Solche Fragen werden nicht einmal mehr gestellt ...

Der Artikel lohnt sich nicht nur wegen der Schlecker Diskussion, sondern auch für die Betrachtung der Talkshows im Allgemeinen:


Jetzt aber in echt: Griechenland privatisiert

Es überrascht mich nicht sonderlich, dass Griechenland die ursprünglich geplanten Privatisierungserlöse von 50 Milliarden Euro bis 2015 nicht erreichen kann.

Zur Erinnerung: Der IWF schätzte den Wert der Assets im Staatsbesitz auf 300 Milliarden Euro, was mir schon ziemlich viel vorkam (siehe WAS IST DER STAATSBESITZ GRIECHENLANDS WERT?).

Noch unwahrscheinlicher erschien mir, dass in diesem Besitz auch so viel Werthaltiges steckt, dass man daraus ohne größere Probleme 50 Milliarden Euro Erlöse erzielen kann. Das wären immer mehr als 20% des BIPs. Selbst in Osteuropa lagen die Erlöse durch den Verkauf des Staatsbesitzes nach dem Fall der Mauer bei maximal 56% des BIPs und dort war vorher *alles* im Besitz des Staates ...

Naja, solch pessimistische Überlegungen kann man wohl nur anstellen, wenn man nichtswissender Blogger ist. Die 100K-Plus-Jahresgehalt-Experten von Roland Berger hingegen wollten die Erlöse gar auf 125 Milliarden Euro hochdrücken:

KANN GRIECHENLAND 125 MILLIARDEN EURO PRIVATISIERUNGSERLÖSE ERZIELEN?

Gut, genug der Häme. Was haben wir als Zwischenergebnis? Zuerst das Eingeständnis, dass die 50 Milliarden Euro bis 2015 völlig utopisch waren. Der Zeitraum wurde erst auf 2017 verlängert, inzwischen steht 2020 im Raum (völlig zufällig ist das auch das Jahr, bis zu dem der Troika-Schuldenreduzierungsplan reicht, ergo weiter strecken durfte man die Planung nicht ...). Die Erlösplanung bis 2015 hingegen wurde auf 19 Milliarden Euro gesenkt, also um 62%.

Die 2011 erzielten Erlöse blieben - nach den Zahlen von oben logisch - ebenfalls weit unter Plan. Magere 1,6 Milliarden Euro (es wurden auch schonmal 1,8 Mrd. genannt) wurden bislang erreicht. Und selbst davon war etwa die Hälfte kein Verkaufserlös im eigentlichen Sinne, sondern eine Ausweitung der Lizenzvergabe für Glücksspiele an die halbstaatliche Lottogesellschaft OPAP (die im Übrigen auf der Privatisierungsliste steht).

ekathimerini.com | Asset sales stall amid debt squabble

Jetzt soll es aber richtig los gehen. 3 Milliarden Euro sind für 2012 eingeplant, genannt werden die üblichen Verdächtigen: Lottogesellschaft, Flughafen, Wassergesellschaften ... Also genau die Firmen, die man schon 2011 erfolgreich privatisieren wollte ...

Ich habe ehrlich gesagt gar keine Lust mehr nachzuschauen, was diese Firmen aktuell an der Börse wert sind. Aber bei den Firmen in (teilweisen oder vollständigen) Staatsbesitz würde ich nicht allzu viel erwarten. Die nach 4 Jahren Rezession extrem tiefsitzende Verunsicherung des ganzen Landes dürfte kaum für gute Preise sorgen.

Prinzipiell interessanter sind die Immobilien- und Grundstücksassets. Aber hier kommt Griechenland nicht wirklich weiter, weil für ein geschätztes Drittel der Assets keine richtigen Grundbucheinträge existieren (falls es überhaupt sowas wie ein funktionierendes Katasterwesen in Griechenland gibt). Viele Flächen können nicht verkauft werden, weil jemand anderes Besitzansprüche geltend gemacht hat.

Das erinnert irgendwie alles so frappierend an die DDR ...

Mit einem Unterschied: Die auch von deutschen Politikern immer wieder geschürte Angst vor einem Euroaustritt wirkt total kontraproduktiv. Welcher Investor soll heute in Griechenland investieren, wenn ein Investment nach einer Wiedereinführung der Drachme (die massiv abwerten würde) schlagartig 30, 40 oder 50% preiswerter würde? Genau, niemand!

Auch im Fall der DDR war man sich ziemlich unklar über die wahre Leistungsfähigkeit des Landes. Aber immerhin hatte man die Sicherheit, dass die D-Mark, die man dort investiert, auch D-Mark bleiben. Nicht einmal diese Gewissheit hat man zur Zeit bei Investitionen in Griechenland ...





Heute gab's die Urteile im SdK/Petrohunter/Nascacell Verfahren

Und zwar die gegen die zwei Hauptangeklagten ...

Das waren einmal Markus Straub von der SdK (das ist ja eigentlich jemand, der die Klage erheben sollte): Er bekam wegen Marktmanipulation in 2(!) Fällen 2 Jahre und drei Monate Knast (das heisst NICHT auf Bewährung) und 36.000 Euro Geldstrafe. Außerdem wurden die erzielte Gewinne kassiert.

Der zweite Angeklagte war der ehemalige Sprecher des SdK, hatte aber auch eine Investmentfirma namens TBF Capital und gab einen Börsenbrief heraus. Im Gegensatz zu früheren Berichten nennt heute kein Artikel mehr seinen Namen, also lasse ich das auch ...

Er bekam drei Jahre Haft ohne Bewährung, 27.000 Euro Strafe und die erzielten Gewinne wurden kassiert. Wegen Kursmanipulation in 47 (!) Fällen.

Jetzt könnte man sagen: Gut, endlich mal Strafen von einer Länge, die nicht mehr auf Bewährung gehen. Das ist sicherlich richtig, allerdings sind die beiden auch gleich wieder freigelassen worden, weil sie so lange in U-Haft gesessen haben (was aber auch OK ist).

Was mir am Urteil aber gar nicht gefällt:
  • Der Vorwurf des Insidertradings wurde komplett fallengelassen. Das senkt das Strafmaß. 
  • Auch dass der eine Angeklagte in nur 2 Fälle, der andere jedoch in 47 Fälle verwickelt sein soll, klingt unglaubwürdig. 
  • Und die Angeklagten, die sich beim Prozessauftakt noch als komplett unschuldig bezeichnet haben, bekamen nun wegen ihrer Geständnisse und ihrer Einsicht (?!?!) ein niedrigeres Strafmaß.
  • Außerdem wurde beim Urteil gegen Stefan F. (siehe SdK/Petrohunter/Nascacell: 2 Geständnisse, 1 Urteil - egghat's not so micro blog) wurde der Mann ohne Namen, der heute drei Jahre bekam, noch als Haupttäter bezeichnet und Stefan F. als kleines Licht. Das kleine Licht bekam 2 Jahre, der Haupttäter drei ( übrigens wegen Insidertradings in 44 Fällen; so viel zur Plausibilität der 2 Fälle).
Nun ja ...

Neue Gefängnisstrafe: Ex-Aktionärsschützer wegen Marktmanipulation verurteilt | FTD.de

Und weil ich es nicht wiederfinden kann, trage ich das Urteil für den anderen ehemaligen SdK Sprecher Christoph Öfele noch nach. Dieser bekam im Januar 2 Jahre auf Bewährung wegen Insidertradings in 92(!) Fällen und 9.000 Euro Strafe (und Abgabe der Gewinne). (siehe Insiderhandel: Bewährungsstrafe für Ex-SDK-Sprecher - Capital)

Und weil ich es ebenfalls nicht in einem meiner Blogs wiederfinden kann: Es gab bereits im Dezember ein Urteil gegen einen ehemaligen Geschäftsführer des Analysehauses Performaxx. Und zwar 18 Monate auf Bewährung und 5.000 Euro Geldstrafe, weil diese Studien im Wissen entstanden sind, dass der Auftraggeber sie nur besondern optimistisch braucht, weil er möglichst schnell möglichst viele Aktien zu möglichst hohen Kursen verkaufen will. Wer das ist, kann ich aber nicht sagen. Der einzige Name, der mir "verdächtig" vorkommt, passt nicht zu der Beschreibung "ehemaliger" Geschäftsführer, denn der wäre das laut Website von Performaxx immer noch. Er kann es also nicht sein.

Wer übrigens mal sehen will, wie so eine Auftragsstudie aussieht: Mindestens ein gibt es noch immer online ... performaxx Research: Nascacell Technologies AG - Spekulativ kaufen. Diese Studie war auch die Basis einer Aktienempfehlung in Focus Money, einer Zeitschrift, die kein gutes Bild in diesem Skandal abgeben hat und ohne weitere Prüfung die Empfehlungen eines freien Journalisten abgedruckt hat. Der übrigens noch nicht angeklagt wurde. Aber bei den Strafmaßen, die in Deutschland verhängt werden, muss der sich wahrscheinlich nur einmal selber ohrfeigen, 5 Minuten in die Ecke stellen und schämen und ist dann raus aus der Verantwortung (weil er ja jetzt vernünftig geworden ist). Der Analyst, der die Nascacell Studie unterschrieben hat, arbeitet übrigens auch noch in der Branche. Den Namen sollte man sich als Anleger merken und das Urteil nur mit einer gehörigen Portion Skepsis aufnehmen ...


Übrigens: Bei allem Gemecker über die Urteile und die scheinbare "Hauptsache schnell ein Urteil"-Einstellung des Gerichts: Der Staatsanwalt bohrt weiter und hat erst vor Kurzem die Ermittlungen nochmals deutlich ausgeweitet. Da könnte also durchaus noch mehr kommen. Vor allem die Auswüchse in Richtung Medien/Presse könnten sich als noch gravierender herausstellen als nur ein vereinzelter freier Mitarbeiter bei Focus Money ...

Update (22.3.12):

Laut Spiegel wurde im Verfahren gegen Straub der komplette Fall Nascacell wegen "nachrangiger Bedeutung" rausgestrichen. Krass!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,822498,00.html

Die WiWo hat noch ein paar andere Details, die ich gerne nachtragen würde.

a) Straub ist nach Angaben seiner Verteidigerin komplett raus. 2/3 der Strafe gelten als abgesessen, der Rest läuft auf Bewährung.
b) Der andere (die WiWo nennt den Namen ausnahmsweise) ist nicht raus. Erstens ist er nach 18 Monaten U-Haft noch nicht bei 2/3 angelangt. Es könnte also sein, dass er nochmal zurück ins Gefängnis muss. Außerdem drohen aus den ausgeweiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch weitere Vorwürfe, auch wenn der Verteidiger diese nicht für substanziell hält.

SdK-Affäre: Die Urteile helfen Anlegern wenig - Geldanlage - Finanzen - Wirtschaftswoche

USA: Arbeitslosenquote 02/12: 8,3% (unv. Vm, -0,7 Vj)

Erneut ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der eher positiv überrascht. Zum zweiten Mal in 2012. Die Arbeitslosenquote blieb zwar (nur) unverändert, aber die anderen Zahl waren klar positiv..

Zu den offiziellen Zahlen für den Februar 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +48.000 auf 12,806 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +428.000 auf 142,065 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,3% (unverändert zum Vormonat, -0,7 unter dem Vorjahresmonat).

Die Zahl der NILFs sank im Februar ausnahmsweise um 310.000. Damit wurden diesen Monat nicht wie so oft üblich, Personen aus dem Arbeitsmarkt "ausgebucht", sondern deren Zahl sank sogar.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Crosscheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt, zeigt das auch gut: Sie stieg im Februar auf 58,6% (+0,1) und liegt nun 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert von 58,4%. Man sollte aus den letzten zwei Monaten nicht voreilig Schlüsse ziehen, aber eines steht fest: Es wächst nun nicht mehr nur die Zahl der Beschäftigten (was natürlich an sich auch schon positiv ist), sondern die Zahl wächst nun schneller als die Gesamtbevölkerung, wenn auch nur ganz behutsam.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, decken sich mit den "bereinigten" Arbeitslosenzahlen.

Anzahl der Jobs: +227.000 gegenüber dem Vormonat auf 132,679 Millionen. 233.000 neuen Jobs im privaten Sektor stand ein Verlust von 6.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Stark wurde der zweite Teil des Arbeitsmarktberichts durch die Korrekturen der Vormonate: Das Plus aus dem Dezember wurde von 203.000 auf 223.000 nach oben korrigiert, der Januar von +243.000 auf +284.000. Das sind 61.000 weitere Arbeitsplätze, die man eigentlich auf das Monatsplus von 227.000 rechnen müsste. Damit setzt sich die Reihe kräftiger Aufwärtskorrekturen aus den Vormonaten fort.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Vergleich zum Januar stabil bei 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 0,2 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb ebenfalls stabil bei 3,4 Stunden, ebenfalls 0,2 Stunden über dem Februar 2011. Beides deckt die Aussage von steigender Nachfrage nach Arbeit.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank wiederum leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 14,9%. Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,9%).

Zusammenfassend: Ein stimmiger Arbeitsmarktbericht. Die Verbesserungen sind nicht dramatisch, sondern weiterhin eher zögerlich. Aber immerhin wächst die Nachfrage nach dem Faktor Arbeit wieder (und auch etwas schneller als die Gesamtbevölkerung), was den Wirtschaftsaufschwung in den USA weiter stabilisieren dürfte.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – February 2012

8 Gigawatt neue Solaranlagen 2012?

... trotz der Kürzung am Jahresanfang und der geplanten Anfang April (muss noch durch den Bundesrat und der muckt schon wieder auf)?

Eigentlich sollte die Vergütung sogar schon zum 9.3. runter, um einen Schlussspurt vor der Senkung zu verhindern. Die Einspeisevergütung sinkt - wann auch immer - schlagartig auf maximal 19,5 Cent (vorher 24,43 Cent/KWh für kleine Dachanlagen bis 10 KW). Große Dachanlagen bekommen 16,5 Cent/KWh (vorher 21,98), Freiflächenanlagen 13,50 statt 18,33 Cent/KWh. Das ist immerhin eine Senkung um 20 bis fast 30%. Ab Mai sollen die Preisen dann fix um 0,15 Cent je KWh pro Monat weitersinken, also 1,8 Cent/KWh pro Jahr. (weitere Details: Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarförderung wird gekappt - Energiepolitik - FAZ)

Daher glaube ich nicht an ein erneutes Rekordjahr. Nach den etwa 7,5 Gigawatt 2011, einem Jahr in dem kontinuierlich deutlich zu hoch gefördert wurde, sinkt nach meiner Einschätzung spätestens mit der Senkung im April die Rendite im größten Teil Deutschlands klar unter 5%. Gerade bei den Anlagen, die nicht bei Privatleuten auf den Dächern landen, wird die Pflicht 10% des Stroms selber zu verbrauchen bzw. zu verkaufen, den Durchschnittspreis für den produzierten Strom noch weiter senken. (Bin übrigens gespannt, wie der Stromverkauf abgewickelt wird und wie die Preise dafür aussehen ... Das sieht schon im Vorfeld nach völlig intransparenten und gekungelten Märkten aus ...)

Daher glaube ich nicht an 8 Gigawatt, die Schätzung scheint mir deutlich zu hoch zu sein. Auf der anderen Seite hat Wacker Chemie schon im letzten Herbst Selbstkosten 15 Cent/KWh für Dachanlagen errechnet, diese dürften trotz aller Kürzungen und Einschränkungen weiterhin profitabel/rentabel sein. Aber das ist halt nur ein Teil des Marktes.

Eine Prognose für 2012 ist natürlich verdammt schwierig, weil niemand den Preisverfall kennt. Ich rechne mit einem deutlichen Einbruch nach der Kürzung im April. In den Südländern wurden die Programme gekürzt (teilweise auf Null), in China ebenfalls. Die Nachfrage sinkt also rund um den Globus.
Es sei denn, der Nachfrageeinbruch wird so stark, dass die Preise gleich mitcrashen. Und dann kann sich das Ganze viel schneller wieder rechnen als man sich das heute vorstellen kann. Wer weiss, vielleicht sinken die Preise bereits bis zum Herbst nochmal um 20 oder 30% und dann wird es mit Sicherheit den nächsten Boom geben.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Preise für Fotovoltaik stärker fallen würden als man schätzte und sich Kürzungen, die dramatisch sein sollten, am Ende ziemlich verpufften und die Nachfrage nur für wenige Wochen sank.

Es geht halt kein Weg daran vorbei, die Förderung dauernd zu überprüfen. Dauernd die Kosten und die Leistung zu erheben und fortlaufend anzupassen (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN). Die sprunghaften Anpassungen machten keinen Sinn, sie führen immer zu sinnlosen Nachfragebooms und -einbrüchen und verschlechterten die Planbarkeit, sowohl auf Hersteller- wie auf Verbraucherseite.

Jetzt ersetzt man die jährlichen bzw. halbjährlichen Sprünge durch monatliche Senkungen (eine Verbesserung!), macht diese aber im Gegensatz zum letzten Modell nicht variabel. Erst ab 2014 kann wieder zusätzlich (bei zu hoher Installationsmenge im Vorjahr) gekürzt werden, das aber natürlich wieder sprunghaft (wobei die Sprünge wegen der fixen monatlichen Senkung wohl geringer ausfallen werden).

Mir ist schleierhaft, wieso nach 12 Jahren EEG immer noch so dämlich Politik gemacht wird ... Wie schwierig ist es denn, einfach zu messen und zu erfassen und dann permanent zu senken?

Generell erschließt sich mir nicht, wieso die Regierung ab 2014 die Menge zusätzlich installierter Fläche so deutlich begrenzen will (2,5 bis 3,5 GW pro Jahr). Die Vergütungen sinken doch, die kleinsten Anlagen sind dann bei 16 Cent je KWh angekommen, mit den großen Anlagen zusammen sind dann bereits Durchschnittskosten von 13 oder 14 Cent für Fotovoltaikstrom erreicht. Und auf dem Niveau, das nach meiner Interpretation immer das Ziel des ganzen Projekts EEG sein sollte, kürzt man die Menge der zusätzlich installierten Leistung? Da komm ich nicht mit ...

Neuer Ausbaurekord erwartet: Solarbranche wächst trotz Subventionskürzung weiter - Wirtschaft - FAZ

Update (17:51):

Die Stellungnahme des DIW passt jetzt nur nicht 100%ig zum Thema, aber liegt schon länger in meiner Queue und bevor ich die (wie so vieles) gar nicht verlinke, packe ich die mal hierher:

DIW Berlin: Stellungnahme zur geplanten Änderung der Förderung von Solarstrom

Warum wird schon wieder die Anpassung geändert? Warum so stark? Warum so schnell? Wo bleibt die Planungssicherheit? Wer hat die 0,15 Cent pro Monat ausgewürfelt? Wie sollen die langfristigen Ziele für die Solarenergie erreicht werden, wenn so dramatisch zusammengestrichen wird? 

Umfrage: Wie hoch wird die Beteiligung beim PSI?

Es ist das Thema heute. Völlig überraschend, wie Dirk Elsner anmerkt ;-) (Heute mal wieder Weltfinanzuntergang? Frist für “freiwilligen” Zwangsumtausch griechischer Anleihen endet plötzlich)

Wer wird heute noch zustimmen? Wird die Schwelle erreicht, ab der das Angebot umgesetzt werden kann? Oder werden die Hedgefonds, denen die Financial Times in der letzten Wochen 25% der Griechenbonds zugeschrieben hat, die Zustimmungsquote massiv drücken?

Aktuell soll die Zustimmung bei 52% liegen, berichtete das Wall Street Journal gestern Nacht (Greece Moves Closer to Swap - WSJ.com), die FT meldet 53%.

Die ganzen Quoten sind ziemlich unübersichtlich.

Die griechischen Anleihen setzen sich aus 86% Anleihen unter griechischem Recht und 14% unter ausländischem Recht zusammen. Beide dürfen abstimmen, werden aber getrennt gewertet.

Von den 86% müssen mindestens 50% eine Stimme abgeben, was wohl erreicht wird. Wenn 2/3 (von den 86%) dem Haircut zustimmen, kann Griechenland die CACs triggern, womit die gesamten 86% am Haircut teilnehmen würden. Die 14% Rest betrifft das aber nicht. Bei dieser Variante würden wahrscheinlich die CDS triggern, die Kreditausfallversicherungen müsste also zahlen (ob für alle Bonds ist mir nicht ganz klar, aber ich würde davon ausgehen).

Wenn 90% von allen Anleihen zustimmen, geht der Haircut wohl für alle Bonds (86 und 14er) durch. Update: Bei den Anleihen nach internationalem Recht gibt es je nach Anleihe unterschiedliche Haircuts. Manche sind mit einer 66% Schwelle versehen, manche mit einer 75% Schwelle. Die Märkte gehen davon aus, dass Griechenland hier bei einer hohen freiwilligen Zustimmung nicht zwangsweise schneiden wird, sondern nur die freiwilligen umtauscht. Wenn alle davon ausgehen, könnte diese Überlegung aber auch nach hinten losgehen ... Update Ende.

Um den Haircut für die gesamten 14% einzuleiten, muss Griechenland aber zuerst den Zahlungsausfall erklären. Wenn selbst das die CDS nicht triggern sollte, kann man das Instrument der Kreditausfallversicherung (zumindest für Staatsanleihen) in die Mottenkiste packen.

Zielmarke bei den Troika-Prognosen war übrigens eine Zustimmung von 95%. Wenn ich das alles richtig verstehe, kann dieser Wert eigentlich nur erreicht werden, wenn die Halter der 14% zwar überwiegend freiwillig zustimmen, aber Griechenland den Default nicht einleitet (sonst wären ja wieder 100% beteiligt), sprich bei den 14% Bonds wirklich nur freiwillig geschnitten wird.

Bei der Umfrage will ich von Euch wissen, wie hoch die Zustimmung über alle Bonds wird (obwohl man auch nach den einzelnen Werten für die beiden Klassen fragen könnte oder nach dem Endwert der "geschnittenen" Bonds):


Wie hoch wird die Zustimmung beim griechischen PSI werden?

Update (13:29):

a) Die Abstimmung läuft bis heute Abend 21:00. Die Ergebnisse soll es morgen früh geben.

b) Die FTD stellt die Grenzen etwas anders dar:

So schulden die Griechen um

Vor allem sieht die FTD die CACs bei den Anleihen nach internationalem Recht und die nach griechischem Recht ohne ...

Update 2 (15:36):

ich habe übrigens 75 bis 80 gesagt. Ihr könnte eure Tipps gerne in den Kommentaren hinterlassen und euch nachher auf die Schulter klopfen, wenn der Tipp richtig war.

Update 3 (15:50):

Die FAZ meint, dass bei einer Zustimmung von mehr als 90% Griechenland den Default NICHT vollziehen würde, weil es sich dann für Griechenland nicht mehr lohnt. Gibt nur Scherereien (CDS, Klagen), nützt aber kaum noch was. Außerdem geht die FAZ davon aus, dass bereits 66% Zustimmung die CACs triggern würde. Die 66% beziehen sich dabei auf alle Anleihen, die CACs nur auf die nach griechischem Recht.

Was mit den Anleihen nach ausländischem Recht passiert, ist mir nach der FAZ Darstellung unklar ...

Griechische Anleihen: Was auf Privatanleger zukommt - Anleihen & Zinsen - FAZ

Update 4 (16:39):

Habs oben im Text nochmal korrigiert/ überarbeitet und es hoffentlich jetzt richtig/besser verständlich dargestellt.

Update 5 (18:10):

Griechenland meldet mehr als 75% Zustimmung.

Update 6 (18:41):

Es macht evtl. mal Sinn, halbwegs zeitnah das Zwischenergebnis einzuloggen, nachdem die Griechen die Überschreitung der 75% Schwelle gemeldet haben ... Unter dieser Grenze waren fast zwei Drittel der Stimmen (66%). Also klarer Crowdsourcing-Fail.



Update 7 (21:18):

Gerüchte: 90% Beteiligung, 80% Zustimmung.

Über 90% Beteiligung an der PSI - SKY (www.skai.gr)

Ich logge das mal als Endergebnis ein: Interessant, dass nur ein einzige Stimme für mehr als 90% kam ...


Update 7 (09.03.12)

Ich kopiere den Text aus meinem Zweitblog nochmal rüber (Die Verkündung der PSI-Zahlen - egghat's not so micro blog):


Für die 86% der Griechenlandanleihen, die unter griechischem Recht (ehemals ohne CAC, dann aber nachgerüstet) begeben wurden, gab es
85,8% Zustimmung,
5,3% Ablehnung
8,9% “Enthaltung”.
Griechenland wird nach dem Überschreiten der 66% Zustimmungsschwelle die CACs feuern. Damit werden alle Bonds nach griechischem Recht geschnitten.
Für das zweite große Paket, die 14% Anleihen, die nach internationalem Recht begeben wurden, gab es
69% Zustimmung. (Ablehnung/Enthaltung nicht gemeldet).
Die griechische Regierung verlängert daher die Annahmefrist bis zum 23.3.
Die durchschnittliche Zustimmung liegt somit bei etwa 84%.
Durch das Feuern der CACs, also dem Zwangshaircut für die Anleihen nach griechischem Recht, die nicht zugestimmt haben, steigt die Beteiligung auf die angestrebten mehr als 95%. Bei den aktuellen Zahlen sind es
95,7%.
Durch das Feuern der CACs dürften wir verdammt nah an einem Credit Event in der Definition der ISDA sein, sprich die Kreditausfallversicherungen müssten eigentlich feuern. Auch wenn der Zwangshaircut für die Anleihen nach internationalem Recht bisher noch nicht angekündigt ist.

Damit können wie eigentlich noch keine Endabrechnung machen, weil die 31% der Griechenbonds nach internationalem Recht ja noch weitere zwei Wochen zustimmen dürfen.

Wir werden aber irgendwo in der Nähe der 85% Marke landen, so dass ich einfach mal die ganzen 12 Voter (oder 23%) in den Klassen 80-84,9 und 85,0 bis 89,9% als richtig werte. Ich war eine Stufe tiefer, die klare Mehrheit noch tiefer. Zumindest für die Voter hier war die Zustimmung also deutlich höher als erwartet. Wie oben schon geschrieben: Crowd Sourcing Fail.

Da niemand namentlich in den Kommentaren abgestimmt hat, muss der "Es kann nur einen geben"-Lamborghini Aventador J leider in meinem Besitz bleiben. Oder hatte ich vergessen zu erwähnen, dass es den zu gewinnen gab ;-)

Update 8:

mh120480 hat darauf hingewiesen, dass die Ankündigung, die CACs zu feuern, noch lange nicht bedeutet, dass die auch gefeuert werden. Es liest sich zwar wie eine endgültige Entscheidung, ist aber unter Umständen auch mehr als Drohung zu verstehen. Es könnte sein, dass Griechenland damit eine erhöhte Annahmequote unter den restlichen Anleihen (die nach internationalem Recht, die noch zwei weitere Wochen zum Nachdenken haben). Würden dort mehr als die bisher 69% zum Umtausch entscheiden, würde die Annahmequote über alle Anleihen nahe an die 90%-Marke steigen. Dann könnte Griechenland auf einen zwangsweisen Schuldenschnitt verzichten und einfach mit den 90% leben. Kostet zwar etwas mehr Geld, aber es würden keine CDS gefeuert und es wäre auch (natürlich nur in der aktuell üblichen großzügigen Definition) kein Default. Es wäre ja alles rein freiwillig ...

Nicht dass ich das für die wahrscheinliche Variante halte, aber es ist eine mögliche.

Daher ist mir etwas unklar, wie die ISDA heute Nachmittag entscheiden will, ob es ein Credit Event gab oder nicht. Eigentlich können die nur sagen, dass falls die CACs gefeuert werden, auch ein Credit Event eintritt. Aber vorher ?!?

Ich wäre wenig überrascht, wenn heute Nachmittag genau dieses (salomonische) Urteil von der ISDA verkündet wird.

Update 9:

Die ISDA hat der Credit Event festgestellt. Die Kreditausfallversicherungen zahlen also, sobald die CACs gefeuert werden.

Ich würde mir zu viel Sorgen machen. Die ausstehenden Summen sind überschaubar, die Banken wurden mit Geld vollgepumpt und selbst im Fall Lehman war alles Mögliche problematisch, die CDS hingegen wurden relativ geräuschlos abgewickelt.

Umschuldung: Griechen-Gläubiger werden entschädigt | FTD.de

Oder das Dokument im Original:

FT Alphaville » Isda Greece credit event? There is

Es gab übrigens 15 (von 15) Ja-Stimmen

Bilanzsumme der EZB überschreitet 3 Billionen Euro

Um genau zu sein, sind es jetzt

3.023.159.000.000 (3,023 Billionen) Euro.

Das war nach dem zweiten LTRO-Gigatender keine große Überraschung, das Geld muss ja irgendwo in der EZB Bilanz auftauchen. Ich hatte das in meinem Posting über die Bankeinlagen bei der EZB schon vermutet (Banken legen 777 Mrd. Euro bei EZB an - egghat's not so micro blog).

Nun ja. Die ganze Aktion hat die Bilanzsumme in der letzten Woche um 330,6 Mrd. Euro nach oben gehievt (OK, nur 310 Mrd. gingen auf neue Ausleihungen an die Banken zurück). Damit stellt sich die Entwicklung der letzen drei Jahre nun wie folgt dar:


Bilanzsumme der EZB Anfang März 2012 in Euro


EZB: Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 2. März 2012

Die Bilanzsumme der EZB dürfte damit auch größer sein als die der Fed, aber dazu habe ich keinen schönen Chart gefunden, in dem man das auf einen Blick sehen könnte.

In Dollar ist die EZB-Bilanz übrigens 3,96 Billionen schwer, da gibt's in der nächsten Woche wohl die nächste runde Zahl, die überschritten wird ...

Update (15:55):

Die Fed-Bilanzsumme liegt übrigens bei 2,928 Billionen Dollar. Selbst bei einer 1:1 Umrechnung wäre die EZB Bilanz also größer. Da der Euro aber etwa ein Drittel mehr wert ist als der Dollar, ist die Bilanzsumme der EZB auch etwa ein Drittel größer als die Bilanzsumme der Fed.

Bilanzsumme der Fed Anfang März 2012 in Dollar

Europa ist doomed

Weil es mehrere Sprachen gibt ... Aber anders als ihr denkt ...

Zumindest wenn man einfach denkt, ist einer der (bekannten) großen Standortnachteile Europas im Vergleich zu den USA die Sprachvielfalt. Diese verursacht nicht nur direkte Kosten (Kommunikation), sondern auch indirekte. Zum Beispiel sinkt die Mobilität der Arbeiter deutlich. Boomt die Wirtschaft in den Niederlanden, ziehe ich diese 200 Kilometer trotzdem kaum um, nach Frankfurt oder Hamburg hingegen schon viel eher. Ähnlich wird es in Freiburg gehen: Der Umzug über den Rhein nach Frankreich wird den meisten deutlich schwerer fallen als ein Umzug nach Karlsruhe. In den USA fällt den Menschen der Umzug viel einfacher und diese ziehen auch tatsächlich viel häufiger und mit größeren Entfernungen um. Dadurch gleichen sich Unterschiede im Arbeitsmarkt deutlich schneller aus. Aus Detroit kann man auch nur deswegen so viel Ruinen-Pron berichten, weil sich dort die Einwohnerzahl halbiert hat.

Ob viele Umzüge für das Wohlbefinden der Bevölkerung gut sind (Stichwort Verlust sozialer Bindungen), ist eine andere Frage, die ich aber in diesem Artikel nicht diskutieren möchte. Denn hier geht es nur um ein Detail der Sprache, nicht um die Verständigung an sich. Und zwar um ein winziges Detail: Die Art und Weise, wie die Zukunft gebildet wird (stark vs. schwach), konkret:

"Es wird morgen regnen" (stark, weil mit "wird" explizit die Zukunft gebildet wird) vs. "Es regnet morgen" (schwach).

Im Deutschen ist beides möglich, der letztere Form ist aber (zumindest gesprochen) üblicher. Im Englischen hingegen gibt es (praktisch) nur die starke Form.

Nun kann man alle Sprachen in diese beiden Klassen einordnen:

Schwach sind Deutsch, Dänisch, Flämisch, Japanisch, Chinesisch (Mandarin und Kantonesisch), Schwedisch, Lettisch, Finnisch, ...
Stark sind Englisch, Französisch, Portugiesich, Italienisch, Irisch, Griechisch und Spanisch.

Und jetzt habe ich mir natürlich schon die Mühe gemacht, die letzten 5 in die richtige Reihenfolge zu bringen: Da sind sie wieder, die PIIGS ...

Aber der Reihe nach ... Der Linguist M. Keith Chen von der Yale University hat versucht herauszufinden, ob die Form der Zukunftsbildung in der Sprache einen Einfluss auf das Verhalten in Bezug auf die Zukunft hat. Dabei hat er zwei Punkte in den Mittelpunkt gestellt: Gesundheit und Finanzen. Und sieh an, es ist gibt eine Menge Zusammenhänge: Die "Schwachen" sind gesünder (rauchen weniger, sind seltener dick, treiben mehr Sport...) und sorgen stärker für die Zukunft vor (höhere Sparrate, höhere Rentenvermögen).

Letzteres dürfte massiven Einfluss auf die Probleme der PIIGS haben. "Wir" sparen zu viel, die "Starken" sparen zu wenig. Wir brauchen für die Ersparnisse Exportüberschüsse, die "Starken" kaufen uns mit ihrem (im Vergleich) zu hohen Konsum die Produkte ab. Und wir können alle nicht anders: Die PIIGS denken nicht an die Zukunft, wir dagegen haben den ganzen Tag Angst vor der Zukunft ("hoffentlich bleiben wir wettbewerbsfähig").

Chen führt diesen Effekt auf einen unbewussten Kanal zurück. Denn die Korrelation (der statistische Zusammenhang) zwischen der Form der Zukunftsbildung und der Sparrate ist stärker als der Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Wichtigkeit des Sparens und der Sparrate. Wer also im Interview sagt, dass er Sparen für wichtig hält, spart noch lange nicht. Wer hingegen eine "schwache" Sprache spricht, hingegen schon. Der (vermutete) unbewusste Effekt ist also stärker als der bewusste. Die Form der Zukunftsbildung scheint tatsächlich das Handeln zu beeinflussen.

Die Studie scheint methodisch sauber zu sein. Der Effekt auf die Sparrate lässt sich sogar in Ländern nachweisen (und zwar auch in ähnlicher Stärke), in denen mehr als eine Sprache gesprochen wird (wobei logischerweise eine starke und eine schwache dabei sein muss). Und das ist ein ziemlich guter Überprüfungsansatz, weil damit andere Ursachen wie zum Beispiel unterschiedliche Steuer- und Bildungssysteme oder geographische Ursachen ausgeschlossen werden können.

Am Ende ist natürlich noch unklar, ob die Sprache hier eine Vorliebe (für's Sparen) ausdrückt oder ob die Sprache diese Vorliebe auslöst, also was Ursache und was Wirkung ist. Ebenso muss man bedenken, dass Korrelation nicht zwangsläufig einen Wirkungszusammenhang darstellen muss (Anzahl der Störche und der Geburten ...).

Spannend ist die Studie aber allemal. Auch wenn  ich mich frage, ob man durch Aufteilung in Katholisch und Protestantisch nicht auch eine ähnlich hohe Korrelation hinbekommen würde ...

http://faculty.som.yale.edu/keithchen/papers/LanguageWorkingPaper.pdf

gefunden über FT Alphaville » In Holland, the future is now über TeraEuro.

Und wie retten wir jetzt Griechenland? Wir bringen denen Deutsch bei ;-)

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