EU will Bankenunion - Eurobond um die Ecke?

Es ist sicherlich noch zu früh, um den Plan genauer beurteilen zu können, weil nicht sonderlich viele Details bekannt sind und auch noch völlig unklar ist, wie genau (oder ob überhaupt) der Plan so umgesetzt wird.

Worum geht es?

Es geht um eine gemeinsame Haftungsübernahme für alle europäischen Banken (mglw. auch nur innerhalb der Eurozone) durch die Staatengemeinschaft. Das heißt wohl nicht vorrangig eine Garantie für die Einlagen, sondern die Zusage, im Zweifelsfall die Banken gemeinschaftlich zu refinanzieren.

Damit würden nicht mehr einzelne Staaten mit der Bankenrettung belastet werden und dadurch möglicherweise überfordert (siehe aktuell Spanien, zuvor Irland), sondern die Lasten würden auf alle Länder verteilt. Am Ende soll das natürlich auch Bank-Runs in den Ländern verhindern, die ja nur eintreten, wenn die Sparer Angst um ihr Geld bekommen, weil die Bank (bzw. das Land, das dahinter steht) nicht mehr als sicher gilt.

Nicht weiter helfen wird eine Bankenunion, wenn die Leute (wie in Griechenland) Angst vor einem Euroaustritt (und dem folgenden Zwangsumtausch und der Abwertung) haben. Dann hilft nur anonymes Geld, sprich Geld (oder noch besser Gold) unter dem Kopfkissen, und dann will man kein Geld bei einer Bank haben.

Ein Art "Eurobond um die Ecke" könnte es geben, wenn man daran denkt, dass große Teile der Staatsanleihen bei Banken liegen. Wenn die Politiker einen Schuldenschnitt planen (z.B. für Portugal,  Spanien oder Italien), wäre das viel einfacher umzusetzen, weil man mit der Bankenunion gleich auch gegen Pleiten der Banken vorgesorgt hat.

Die Haftung für den Schuldenschnitt würde an alle EU-Mitglieder übergehen. Das wäre zwar kein kompletter Euro-Bond mit gemeinschaftlicher Haftung für alle Schulden, aber eine gemeinschaftliche Haftung für den Teil, der geschnitten wird und für neuen Eigenkapitalbedarf bei den Banken sorgt.

Außerdem übernimmt die EU auch die gemeinschaftliche Haftung für einen ganzen Teil der Kredite, die zum Beispiel in der spanischen Immobilienblase aufgehäuft wurden. Das ist ein ganz interessanter Aspekt, weil hier nicht ein gemeinsame Haftung für Schulden des Staatssektors übernommen wird, sondern für Schulden aus dem Privatsektor.

Die Frage ist allerdings, ob wir sowohl für Staatsschuldenschnitte als auch die Privatkredite nicht sowieso schon über die Refinanzierung über die EZB und Target 2 mithaften ...

Mal schauen, wie sie das weiter entwickelt. Im Moment habe ich gewisse Zweifel, dass eine Bankenunion die Probleme besser löst als ein gut konstruierter Eurobond.

EU Proposes 'Banking Union' - WSJ.com

Dieser Artikel wird mit ziemlicher Sicherheit zu einer Updateorgie werden ... Aber erstmal gehe ich essen ...

Update (22:01):

Noch ein Lesehinweis zum Thema:

Frank Lübberding fragt sich, warum die Staatengemeinschaft jetzt die Haftung für Privatschulden übernehmen soll, statt für die Staatsschulden zu haften? Warum diese Bevorzugung?

Wiesaussieht: Unter Frau Merkels Sofa


Das egghat'sche EM-Tippspiel ist eröffnet

(nochmal als einzelner Artikel, da sonst viele das Update im BuLi-Artikel nicht sehen, weil viele RSS-Reader den Artikel nicht erneut anzeigen).

Da es keine besonderen Vorlieben für hohe Preise gibt (entweder bin ich der einzige homo oeconomicus hier oder die anderen schätzen die Gewinnwahrscheinlichkeit realistisch, sprich sehr niedrig ein), läuft es auf ein Tippspiel bei Kicktipp hinaus.

Hier geht's zu Anmeldung.

Die Regeln sind wie gehabt:

Es werden alle 37 Spiele getippt. Tippabgabe bis zum jeweiligen Spielbeginn. Es gibt

2 Punkte, wenn der Sieger/Unentschieden stimmt,
3 Punkte, wenn zusätzlich die Tordifferenz stimmt,
4 Punkte, wenn alles komplett richtig ist.

Es zählt das Ergebnis ganz am Ende des Spiels, sprich ab den K.O.-Spielen inkl. Verlängerung und Elfmeterschießen.

Es gibt 5 Sonderfragen mit jeweils 5 Punkten (könnte ich erhöhen): die 4 Halbfinalteilnehmer und den Europameister. Diese müssen vor Beginn des Turniers beantwortet werden.

Update (04.07.12):

Aus dem Hintergrund kommt egghat. Er müsste auf Italien und Spanien setzen. Und dann auf Spanien. Aber er setzt auf Deutschland und Portugal. Und dann auf Italien. Schade. Das Spiel ist aus! Platz 10 :-)

Der hoffentlich glückliche Gewinner des Eurobbameister Tippspiels ist

FigureX.

Herzlichen Glückwunsch!


Der unglaublich edle Holger101 hat diesen wunderschönen Pokal (korrekt ausgesprochen Poggal) gestiftet und wird ihn in die Schweiz schicken.

Relativ überraschend konnte sich FigureX direkt am ersten Spieltag auf den ersten Platz schieben (20 Punkte, bester Wert im gesamten Spiel) und diesen - trotz einer kurzen Schwächephase am zweiten Spieltag, bis zum Ende verteidigen. Am letzten Spieltag griff er quasi zu einer Hedgingstrategie und setzte gegen seinen eigentlichen Europameister-Tipp Spanien auf einen Sieg Italiens. So waren zwei Punkte sicher (es wurden dann 5) und der Gesamtsieg war ihm schon vor dem Finale nicht mehr zu nehmen.

Statistisch weiter aufzubereiten lohnt sich das Spiel nicht. Das habe ich schon während des Spiels über E-Mails gemacht. OK, drei Sachen vielleicht noch:

Auf Italien als Halbfinalteilnehmer hatten nur zwei Teilnehmer getippt (und damit weniger als z.B. auf Polen). Auch wenn Italien nicht die totale Überraschung war (bei den Wettquoten vor Beginn des Turniers war Italien auf Platz 6), kam das für die Tipper doch überraschend.

Obwohl alle vier Halbfinalteilnehmer nicht total überraschend waren, hatten nur 4 Spieler 3 Mannschaften richtig, der Großteil nur 2. Komplett richtig lag niemand. Das zeigt, wie schwierig solche Kombiwetten sind. Die menschliche Intuition versagt beim Abschätzen solcher Wahrscheinlichkeiten komplett!

Das Spiel mit den wenigsten erzielten Tipppunkten war der Sieg von Griechenland über Russland am letzten Spieltag der Vorrunde. Das hatte NIEMAND richtig ...

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Ich schätze, zur Bundesliga werde ich (wie immer) ein Spiel organisieren. Vielleicht tippt die Hessenfraktion dann auch etwas besser, das war ja schon ein wenig enttäuschend ;-) Die Eintracht spielt da ja auch wieder mit ...

Bu-Li Tippspiel ... The Winner is ...

Felix.

Mit 365 Punkten klar vorne und das obwohl er erst am dritten Spieltag auf Platz 8 eingestiegen ist. Aber schon am fünften Spieltag war die Tabellenspitze erreicht und wurde auch nicht mehr abgegeben. 51% der abgegebenen Tipps waren richtig.

Herzlichen Glückwunsch!

Interessant, dass auf Platz 2 die Trefferquote gar nicht so viel schlechter ist. 45% hört sich erst einmal ganz gut an, führte dann aber trotz keines einzigen verpassten Spieltags (Respekt!) zu einem Abstand von 31 Punkten. Verringert wurde der Abstand durch den einzigen richtigen Absteigertipp (Köln).

Auf Platz drei kam dann ich. Dummerweise gescheitert an meiner eigenen Vergesslichkeit. Mit 6 komplett verpassten Spieltagen (zzgl. Relegation) habe ich eine bessere Platzierung verschenkt. Mit durchschnittlich 11 Punkten pro Spieltag wäre es bei regelmäßiger Tippabgabe an der Spitze ziemlich spannend geworden. Meine Trefferquote war nämlich mit 49% ziemlich gut, wobei ich sogar etwas mehr komplett richtige Tipps hatte als der Sieger.

Über die restlichen Beteiligten und ihre Trefferquote breite ich lieber den Mantel des Schweigens ;-) Wobei es den Viertplatzierten ärgern dürfte, dass er mit Tipps auf Bayern und Lüdenscheid-Nord mehr Punkte eingefahren hat als mit Tipps auf Schalke ;-) Und besonders erwähnt sei auch noch Magnitus85, die als einzige den Meister richtige getippt hat. Alle anderen haben die Bayern vorn gesehen ...

Da die Aida mir wieder keine Weltreise als Preis zur Verfügung stellen wollte, gibt es etwas sehr Rares. Ein Glas (von insgesamt sechs, nummeriert) Holunderblüten-Apfel-Wein-Gelee, von mir mit Liebe handgemacht. Allein durch die Seltenheit von nahezu unermesslichem Wert. Ich bitte um Zusendung der Adresse.

Die Frage, die sich jetzt anschließt: Hat jemand Lust auf ein EM-Tippspiel? Ich könnte das bei Kicktipp einrichten.
Vorteil: Die Regeln sind halbwegs sinnvoll und den alten Tippern bekannt. Außerdem müssten sich die Alten nicht neu anmelden.
Nachteil: Es gibt nichts zu gewinnen. (Es sei denn einer meiner Leser arbeitet in einer Marketingabteilung von Apple, Teufel, Sony, bei einer Brauerei oder einem Buchverlag, ... und ist scharf auf ein paar Erwähnungen an dieser Stelle. Dann würde ich die Preise weiter reichen)

Kommerzielle Spiele mit einfachen Regeln habe ich bei der FAZ und der WiWo gefunden, die beide beim gleichen Dienstleister laufen. Die WiWo hat den Vorteil, dass dort bessere Preise ausgeschrieben sind (u.a. 5 iPads) und trotzdem weniger Teilnehmer mitspielen als bei der FAZ. Als Homo Oeconomicus strebe ich natürlich die Kombination aus möglichst viel Gewinnen und möglichst wenigen Teilnehmern an ;-)  (Regeln wie beim SPON-Tippspiel will ich eher nicht, das ist viel zu kompliziert (finde ich). Außerdem sind die tollen Preise auch nur auf dem Papier was wert, denn wer kauft sich ernsthaft einen Holzkohlegrill für 7.500 Euro? Ticken die noch ganz richtig?)

Worauf ich übrigens keine Lust habe: Ein Managerspiel, wie es der Kicker manchmal macht, weil mir das zu aufwändig ist. Nur ein Tipp pro Spiel und vor Beginn des Turniers vielleicht noch Tipps auf Halbfinale, Finale und Meister.

Vorschläge?

Update (30.05.12):

Da es keine besonderen Vorlieben für hohe Preise gibt (entweder bin ich der einzige homo oeconomicus hier oder die anderen schätzen die Gewinnwahrscheinlichkeit realistisch, sprich sehr niedrig ein), läuft es auf ein Tippspiel bei Kicktipp hinaus. Hier geht's zu Anmeldung.

Die Regeln sind wie gehabt:

Es werden alle 37 Spiele getippt. Tippabgabe bis zum jeweiligen Spielbeginn. Es gibt

zwei Punkte für den richtigen Sieger/Unentschieden,
drei Punkte, wenn zusätzlich die Tordifferenz stimmt,
vier Punkte, wenn alles komplett richtig ist.

Es zählt das Ergebnis ganz am Ende des Spiels, sprich ab den K.O.-Spielen inkl. Verlängerung und Elfmeterschießen.

Es gibt 5 Sonderfragen mit jeweils 5 Punkten: die 4 Halbfinalteilnehmer und den Europameister.

Update 2 (13:41):

Habe aus dem Update noch flugs (ha, ein vom Aussterben bedrohtes Wort gerettet ...) einen eigenen Artikel gemacht. Anregungen und Fragen zum EM-Tippspiel bitte dorthin.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Das egghat'sche EM-Tippspiel ist eröffnet

Zwei Grafiken für die "Griechenland raus aus dem Euro"-Fraktion.

Also genauer gesagt für die, die immer sagen: Raus, denn das ist besser für beide Seiten. Griechenland ist danach wieder wettbewerbsfähig und alles ist gut.

<Update>
In der linken Grafik ist das BIP eingezeichnet (100% ist das Niveau vor der Krise), in der rechten die Inflation. Die blaue Kurve ist die Prognose der Analysten der Citi, wenn Griechenland aus der Eurozone austritt (oder fliegt), die rote Kurve, wenn Griechenland in der Eurozone bleibt.
</Update>

Ich sage dagegen: So einfach ist das nicht und zwar aus mehreren Gründen:

  1. In Griechenland wird die Inflation durch die Decke gehen (siehe rechte Grafik, Citi Prognose) und nach den Reallohneinbußen von 20 bis 25%, die die Griechen bisher aushalten mussten, noch weitere deutliche Reallohneinbußen folgen. Ich habe diese bisher grob auf 25% taxiert, die Citi sieht aber direkt zwei Jahre mit etwa 20% Inflation, was dann zusammengenommen noch deutlich mehr ergeben würde.
  2. Der Euro hatte auch Vorteile. Es gibt durchaus Wirtschaftsbereiche, die von der Euro-Mitgliedschaft profitieren. Beim Tourismus wird es nicht so wahnsinnig wichtig sein, bei Logistik (Hafen) vielleicht schon eher. Will sagen: Es gibt durchaus Investitionen in Griechenland, die explizit wegen der Mitgliedschaft in der Eurozone gemacht wurden.
  3. Ein Grexit (Greece Exit) beendet die Phase der Unsicherheit nicht sofort. Niemand kennt die Entwicklung der Währung, niemand kann die politische Entwicklung einschätzen. Wenn H.W. Sinn sagt, dass nach der Einführung der Drachme ihr Geld direkt wieder zurückholen und zu investieren beginnen, ist das ausgemachter Unfug! Die Weichwährungsländer wollten immer in den (harten) Euro, weil sie unter Kapitalflucht gelitten haben.
  4. Daran anknüpfend: Die Weichwährungsländer mussten gegen die Kapitalflucht mit hohen Zinsen ankämpfen. Hohe Zinsen sind aber schlecht für der Rentabilität von Investitionen.
    Die beiden letzten Punkte zusammen lassen mich schon an der Intelligenz der Grexit-Befürworter zweifeln. Man kann doch nicht in anderthalb Jahrzehnten komplett vergessen haben, warum die Weichwährungsländer ursprünglich in den Euro wollten ...
  5. Griechenland hat nach der Wiedereinführung einer Drachme (die IMHO um 50% oder so abwerten dürfte) und dem erwarteten Wachstumseinbruch eine Verschuldung in Prozent des BIPs, die durchaus auf 300% oder mehr steigen könnte. Das ist VÖLLIG unmöglich zu händeln.
    Griechenland wird daher noch mal umschulden müssen und dieser Schuldenschnitt wird massiv ausfallen (80% oder mehr). Die Gläubiger werden also sowieso auf ihr Geld verzichten müssen. Was haben wir (als Gläubiger) durch einen Euro-Rauswurf dann gewonnen?  
  6. Die Ansteckungsgefahr ist immens. Wenn die "Märkte"Portugal und Irland nicht mehr in der Eurozone sehen, werden diese als Nächstes ausscheiden (müssen). Das gleiche könnte auch mit Spanien und Italien drohen. Woher nehmen die Grexit-Befürworter die Gewissheit, dass Griechenland das Ende der Austritte ist und nicht der Anfang?

Und ich habe oben bestimmt noch nicht alle - aus wirtschaftlicher Sicht - relevanten Punkte genannt. Und die politischen Folgen sollte man auch nicht übersehen ...

(via FT Alphaville » From Citi, another Grexit scenario)

Update (13:56):

Die Originalstudie von der Citi:

Citi: Global Economic Outlook and Strategy - May 2012

via @FTD_Wunder.

Update 2 (17:02):

Habe vor der Grafik noch eine kurze Erklärung eingeschoben, die ich im ersten Aufguss vergessen hatte.

Update 3 (30.05.12):

Die National Bank of Greece hat ebenfalls versucht, das Euro-Exit Szenario zu simulieren. Sie kommt generell auf ähnliche Werte wie die Citi.

Die Drachme würde um 65% abwerten. Das Pro-Kopf-BIP würde um 50% sinken.  Griechenland fiele damit hinter Polen und Lettland zurück. Die Staatsverschuldung könnte auf 373% des BIPs explodieren. Die Inflation sieht die NBG bei 32%.

Schuldenkrise: Griechische Bank rechnet Bürgern Folgen des Euro-Austritts vor | FTD.de

Quelle der Studie: NBG, leider nur auf griechisch.

Lohnt sich eigentlich demonstrieren?

"Lohnen" dabei im Sinne von "bewirkt es was", nicht in monetärer Hinsicht.

Spannend, dass das Thema jetzt mal von Ökonomen untersucht wurde. Als Beispiel wurde die erzkonservative Tea-Party-Bewegung in den USA gewählt. In Städten, in denen die Tea-Party große Demonstrationen zusammentrommeln konnte, ließ sich nachher auch eine Beeinflussung des Wahlergebnisses in Richtung "konservativ" feststellen.

Damit wäre schonmal festgestellt, dass Massendemonstrationen durchaus einen Einfluss haben. Der Mensch ist halt ein soziales Wesen und jede Gemeinschaft zieht weitere Menschen mit. Jeder Erfolg einer Partei bei einer Wahl (aus Sicht der Wähler, nicht der Politiker!) führt nach der Wahl zu einem Anstieg dieser Partei in den Prognosen. Die SPD hat in der Sonntagsfrage gerade 3 Prozentpunkte zugelegt, nachdem die NRW Wahl gewonnen wurde.

Spannend an der Untersuchung ist vor allem, dass es eine Reihe von Demonstrationen gab, die untersucht werden konnten. Es gab ausreichend Städte mit ähnlichen Wahlergebnissen (vor den Demonstrationen), in denen sich die Beteiligung an den Demonstrationen aber deutlich unterschied. Damit hat man konservative und weniger konservative Städte und welche mit hoher und niedriger Demonstrationsbeteiligung. Sprich man hat alle 4 möglichen Kombinationen ausreichend häufig im Datensatz. Damit kann man dann schön die gängigen statistischen Verfahren anwerfen.

Der Grund für die unterschiedliche Beteiligung ist übrigens ziemlich trivial: Das Wetter. Sonne bedeutet hohe Beteiligung, Regen niedrige.

Wenn das die Politiker mitbekommen ... Dann liegt die Ausrede nach der nächsten verlorenen Wahl schon parat: Was können wir dafür, dass bei unserer Wahlparty schlechtes, bei der des Gegners hingegen gutes Wetter war ...

Einfluss von Demonstrationen: Erfolgreiche Straßenpolitik - Ökonomie - Politik - Handelsblatt

P.S. Eigentlich ein Artikel,  der von Olaf Storbeck hätte kommen können. Dann hätte auch das Setzen des Links auf die Originalstudie am Ende des Artikels geklappt ;-) (Wenn den jemand hat, ergänze ich den gerne)

Update (15.06.12):

Besser spät als nie ... Gerade in der Spam-Queue einen Kommentar gefunden (anonyme Kommentare haben es immer schwer, durch den Spamfilter zu kommen), der auf die Originalstudie verweist:

Andreas Madestam, Daniel Shoag, Stan Veuger, David Yanagizawa-Drott: DO POLITICAL PROTESTS MATTER? EVIDENCE FROM THE TEA PARTY MOVEMENT

Den spanischen Banken muss es wirklich dreckig gehen

Die rufen schon die *echten* Profis zu Hilfe: Goldman Sachs.

Über das "Bilanzlöcher verstecken" und "Verluste unter den Teppich kehren" bei den spanischen Banken habe ich mich ja schon mehrfach an dieser Stelle aufgeregt. Manchmal habe ich mich auch nur gewundert, denn vor allem im Vergleich mit Irland war der Unterschied extrem auffällig. Bei einer Immobilienblase, die im Ausmaß (in Prozent des BIPs gerechnet) den Vergleich mit Irland nicht scheuen muss, trieb die Verstaatlichung der Banken in Irland die Staatsverschuldung um 30 Prozentpunkte nach oben, während das Problem in Spanien beharrlich geleugnet wurde.

Inzwischen ist die tiefe Krise der spanischen Banken aber kaum noch zu leugnen (nicht eine einzige spanische Bank hat ein Rating oberhalb von A3) und jetzt soll Goldman Sachs die Banken durchleuchten und für Vertrauen sorgen.

Für Vertrauen sollen also just die Goldmänner sorgen, die mit obskuren langfristigen Derivatekonstruktionen Griechenland und Italien beim Schulden verstecken geholfen haben ... Geschäfte, bei denen der Verlust schon am ersten Tag feststand, aber Schulden zum damaligen Zeitpunkt nicht ausgewiesen werden mussten. Die Geschäfte erhöhten aber die Schulden Griechenlands und Italien mit 100%iger Sicherheit und waren für die beiden Länder auch nicht sonderlich zinsgünstig. Aber für Goldman ziemlich sicher ziemlich profitabel.

Und genau diese Goldmänner sollen jetzt für Vertrauen sorgen. Manchmal schreibt diese Finanzkrise wirklich Geschichten, die sich selbst mit viel Häme noch nicht wirklich ertragen lassen ..

Bankenkrise: Goldman soll spanischen Problembanken beispringen | FTD.de

Update (21:04):

Ich glaube ich weiss, warum ich mit der Suche mit Goldman Sachs und Italien nichts finde. Das war glaube ich JP Morgan.

Bankrun in Griechenland? Der Politik droht der endgültige Kontrollverlust.

Über

700.000.000 (700 Millionen) Euro

sollen gestern von den Konten griechischer Banken abgehoben worden sein. Hört sich für deutsche Leser erstmal nicht so viel an, da die griechische Volkswirtschaft etwa um den Faktor 12 kleiner als die deutsche ist, gibt das einen auf deutsche Verhältnisse hochgerechneten Bankrun von etwa 8,5 Milliarden Euro.

Das ist dann schon eine Nummer!

Vor allem, wenn sie wie im Fall Griechenlands auf Banken trifft, die defakto (und zwar schon lange) Pleite sind. Vom letzten Rettungspaket beim Schuldenschnitt Griechenlands waren satte 50 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der Banken verplant (siehe [MarktWirtschaft] Absurdes Umschuldungstheater « Wirtschaftswunder).

Banken sind extrem anfällig gegenüber Bankruns. Sie haben ihr Geld überwiegend langfristig an Unternehmen oder Konsumenten verliehen, das Geld auf dem Konto oder Sparbuch können die Kunden jedoch kurzfristig abheben. Da Banken ihr Eigenkapital und ihre Bankeinlagen mehrfach weiter verleihen (der berühmt-berüchtigte Hebel), reichen bereits relativ kleine Abflüsse, um Banken in die Illiquidität zu treiben.

Im Extremfall kann dieser Prozess innerhalb weniger Tage ablaufen. Wobei die Spareinlagen bei den griechischen Banken schon seit Jahren sinken (ich hatte das einige Mal verbloggt), die 50 Milliarden Rekapitalisierung war nur die Reaktion darauf.

Wer will es den Griechen aktuell verübeln, dass sie ihre Euros von der Bank abheben? Schließlich droht nach dem Wahlausgang mehr denn je ein Austritt Griechenlands aus dem Euro. Und wenn Griechenland austritt, ist eine massive Abwertung der neuen griechischen Währung zu erwarten. 30, 40 oder 50% sind realistisch, der heute abgehobene und unter Kopfkissen versteckte Euro wäre dann also 50 bis 100% mehr wert.

Jetzt rächt sich die zögerliche Politik Europas unter Führung von Angela Merkel, die viel zu einseitig auf' Sparen, Sparen und nochmals Sparen gesetzt hat. Damit hat man erstens das aktuelle Wahlergebnis geradezu provoziert. Zweitens wurde Griechenland jegliche Zuversicht genommen und diese ist sowohl für Konsum wie auch für Investitionen unabdingbar.

Mit der zunehmenden Gefahr eines Euroaustritts wird selbst der optimistischste Investor zurückhaltend. Schließlich könnte man nach der Einführung einer neuen und massiv abgewerteten Währung die geplanten Investitionen deutlich preiswerter durchführen.

Wenn die Summe von 700 Millionen Euro stimmt, die in der Gerüchten genannt werden, droht der europäischen Politik der finale Kontrollverlust. Ich schätze, dass wir an dem Punkt angekommen sind, an dem nur noch richtig massive Maßnahmen helfen. Und ich fürchte, dass Europa diese nicht auf die Reihe bekommt. Alles, was langfristig sinnvoll ist (Investitionen für Europa, Wachstumsorientierung, ein Geschäftsmodell für Griechenland, ...), interessiert nicht mehr die Bohne. Selbst wenn das schon zu konkreten Maßnahmen geführt hätte und nicht alles im Ankündigungs- und Diskussionsmodus stecken geblieben wäre.

Jetzt heisst es in den Panikmodus zu schalten und den Bankrun zu stoppen. Ansonsten waren alle bisherigen Maßnahmen vergebens. Denn dann entscheidet der Grieche - passend zu seiner demokratischen Geschichte - allein, was er von der Politik zur Rettung Griechenlands hält: Indem er sein Geld in Sicherheit bringt und Griechenland damit endgültig aus dem Euro treibt.

Ehrlich gesagt wundert es mich, dass ein massiver Bankrun nicht schon viel eher stattfand ... Ich hätte schon lange jegliches Sparvermögen bei griechischen Banken abgeholt und in Gold/Silber/Dollar (whatever) umgetauscht. ...

Update (11:14):

Link vergessen: Staatskrise: Griechen heben aus Angst ihr Bargeld ab - Anleihen & Zinsen - FAZ

Update 2 (11:17):

Es handelt sich übrigens um 700 Millionen Euro PRO TAG, seit dem 6. Mai also um zusammen 5 Milliarden Euro. Die in deutschen Medien manchmal genannte Summe von 700 Millionen Euro ist also (als Gesamtsumme) nicht richtig, sondern die 5 Milliarden.

FT Alphaville » Plug-pulling in Athens

Update 3 (13:12).

"Fun"-Fact: Die griechischen Banken hatten Ende März Einlagen von etwa 170 Mrd. Euro. Beim aktuellen Tempo wäre noch für etwa 240 Tage Geld da ;-)

Man kann die Rechnung aber so natürlich nicht machen. Denn den Banken geht vorher das Geld aus ...

Wobei man auch nie vergessen sollte, dass sich die Banken nicht nur über Einlagen der Privatkunden, sondern auch bei anderen Banken (OK, griechischen Banken dürfte der Weg versperrt sein) und vor allem der Notenbank finanzieren können. Aber dazu benötigt man Sicherheiten und die müssen die griechischen Banken erstmal besorgen. Sicherheiten mit dem Qualitätsniveau, das vor der Krise üblich war, haben die griechischen Banken garantiert nicht mehr. Mit dem massiv aufgeweichten Bedingungen wird sich da sicherlich noch was zusammenkratzen lassen. Die Frage ist nur wie viel und ob man das schnell genug hinbekommt ...

Update 4 (13:39):

Hätte den FT Alphaville Artikel mal direkt bis zum Ende lesen sollen. Ist ja hochinteressant ...

Die griechischen Banken haben bereits KEINE normalen Sicherheiten mehr. Geld kommt nur noch über das Notliquiditätsprogramm ELA (Emergency Liquidity A(?)) der griechischen Notenbank. Darüber gibt es Bargeld auch für Sicherheiten, die die EZB nicht akzeptiert. Allerdings sind darauf Abschläge von 50% vorzunehmen, sprich für die noch verbleibenden 130 Mrd. Kredite gibt es maximal 65 Mrd. Euro Cash. Daraus errechnen noch etwa 90 Tage, die bleiben ...

Es gibt aber noch einen anderen Ausweg: Die Banken könnten Kredite aufnehmen, die vom Staat garantiert werden. Bisher übernimmt diese Rolle Griechenland, aber theoretisch könnte es auch die EU/ESM/EFSF sein.

Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

Facebook ist Nummer 1 unter den sozialen Netzwerken und wird auf absehbare Zeit die Nummer 1 bleiben. Der Grund ist einfach: Facebook ist kein einfaches soziales Netz, sondern eine Plattform, auf der man nahezu beliebige weitere Dienste aufbauen kann. Darin unterscheidet sich Facebook klar von allen Vorgängern, die inzwischen wie StudiVZ oder MySpace in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Aufgrund der Erweiterbarkeit des sozialen Netzes durch Anwendungen - als bekannteste seien die Spiele von Zynga und das Musikstreaming von Spotify genannt - sehe ich auf Jahre keinen Konkurrenten, der die Vormachtstellung von Facebook angreifen könnte; Facebook hat nicht nur die Nutzer, sondern auch die Apps. Facebook wird daher in den entwickelten Regionen weiterhin solide wachsen, in Asien und den anderen Emerging Markets sogar rasant. Rechnen wir hier einfach mal mit 30% Nutzerwachstum pro Jahr.

Zugegeben: Die Bewertung von Facebook ist hoch. Beim erwarteten Börsenwert von etwa 100 Milliarden Dollar ergeben sich bei einem Gewinn der letzten 12 Monaten von etwa 1 Milliarden ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Das ist sehr hoch, selbst für einen Wachstumswert. Google kam 2004 allerdings ebenfalls mit einem KGV von über 100 an die Börse und wurde trotzdem eine Erfolgsgeschichte. Selbst ein Platzhirsch wie Amazon kommt aktuell auf ein KGV, das dreistellig ist.

Ein Problem, das vielerorts gesehen wird, ist der schwache Umsatz Facebooks im ersten Quartal 2012. Je Nutzer konnte nur ein Umsatz in Höhe von 1,17$ eingefahren werden. Das war ein Minus  von 17 Cent gegenüber dem Vorquartal, allerdings ist das Vorquartal wegen des Weihnachtsgeschäfts saisonal für alle werbefinanzierten Angebote das mit Abstand stärkste des Jahres. Im fairen Vergleich mit dem Vorjahresquartal wuchs der Umsatz je Nutzer mit plus 9 Cent sehr wohl.

Dieses Wachstum ist allerdings zu gering, um den angestrebten Börsenwert zu rechtfertigen. Facebook muss aus dem laufenden Geschäftsbetrieb mehr Umsatz generieren. In den vergangenen 12 Monaten wurden 4,34$ Erlöse je Nutzer eingefahren. Die Spanne ist aber enorm: In Nordamerika waren es 9,51$, Europa waren es 4,86$, in Asien hingegen nur 1,79$. Hauptgrund dafür: Der Anzeigenverkauf ist in den USA am weitesten ausgebaut, die anderen Märkte hinken hinterher. Im Laufe der Zeit wird aber zumindest Europa ähnliche Niveaus erreichen wie die USA und auch Asien hat Steigerungspotenzial.

Außerdem wächst der Internet-Werbemarkt als Ganzes weiterhin. Der Anteil der Werbeausgaben, der in Internetwerbung investiert wird, ist in den USA traditionell am höchsten. Aber selbst in den USA ist der Anteil der Internetwerbung am gesamten Werbeaufkommen noch nicht so hoch wie der Anteil der Zeit, die die Nutzer im Medium Internet verbringen. Mittelfristig aber entwickeln sich diese beiden Faktoren parallel. Mit der Verbreitung des Radios wuchsen die Werbeeinnahmen der Radiosender, mit jedem zusätzlichen Fernseher stieg der Anteil der TV-Werbung am gesamten Werbekuchen. Das wird sich beim Internet wiederholen und es steckt noch gewaltiges Potenzial in dieser Erlösquelle. Selbst in weit entwickelten Märkten wie den USA sehen Analysten eine weitere Verdopplung der Internetwerbeausgaben zwischen 2011 und 2014 (2), in weniger entwickelten Märkten wird das Wachstum noch wesentlich stärker ausfallen. Das Maximum bei den Werbeeinnahmen hat Facebook weder in den USA, noch in Europa oder gar Asien erreicht.

Auch im Branchenvergleich mit Google zeigt sich, wie wenig Geld Facebook bisher aus seinen Nutzern macht: Google erzielt pro Nutzer mehr als fünfmal so hohe Anzeigenerlöse. (3) Das kann man als Schwäche werten, auf der anderen Seite zeigt sich das Potenzial, das Facebook noch offen steht. Eigentlich weiss Facebook über seine Nutzer mehr als Google und kann damit - zumindest in der Theorie - auch bessere, sprich zielgerichtetere Werbung anzeigen.

Eine Schwäche, die viele Analysten bei Facebook sehen, ist die mobile Nutzung. Diese wird zunehmend wichtiger, führt aber bisher nur zu geringen Werbeeinnahmen. Facebook selbst weist auf diese Schwachstelle in den Unterlagen zum Börsengang hin. Eine wirkliche Lösung hat hier noch niemand, selbst bei Google werden die Einnahmen aus mobiler Werbung auf den Google-eigenen Android-Telefonen auf nur 10 Dollar pro Nutzer pro Jahr geschätzt.

Man sollte sich aber hüten, Facebook nur auf Basis der aktuellen Geschäftsbereiche zu beurteilen. Facebook hat schon heute die komplette Basis für ein Online-Ökosystem gebaut. Es gibt nicht nur das soziale Netz als Fundament, es gibt auch Anwendungen (im Moment vor allem Spiele) und eine Bezahlmöglichkeit. Aus dem Bezahlsystem Facebook Credits stammen bereits heute 20% der Gewinne. Facebook wird dieses Bezahlsystem in Zukunft für weitere Einsatzzwecke öffnen. Warum soll man darüber nicht auch Content wie Musik, Filme oder auch Zeitungen kaufen können? Man stelle sich nur mal vor, Facebook kann sich hier ein Stück des Kuchens abschneiden, von dem Apple und Amazon bis dato nahezu alleine naschen.

Der Hebel, der in all diesen Überlegungen steckt, ist hoch. Eine Verdopplung der Nutzeranzahl bis Ende 2014 (30% pro Jahr) ist realistisch. Bei den Einnahmen pro Nutzer kann man die Wachstumsrate mit 40% noch leicht höher ansetzen. 10 Dollar Einnahmen pro Nutzer sind eine konservative Schätzung, Google liegt schließlich bei 24 Dollar. Beide Wachstumsraten zusammengenommen würden sich die Gesamteinnahmen von Facebook bis Ende 2014 grob verfünffachen, das KGV wäre von 100 auf 20 geschrumpft. Und das wäre für einen unangefochtenen Marktführer wahrlich nicht zu viel, Google liegt heute in einer ähnlichen Größenordnung.

Sicher, Facebook ist teuer. Die Facebook-Aktie wird wegen der bereits sehr hohen Bewertung wohl keine schnelle Kursvervielfachung auf's Parkett legen. Aber ein Kurseinbruch wie bei Groupon (Halbierung innerhalb eines halben Jahres) befürchte ich auch nicht. Viele Skeptiker scheinen das Potenzial von Facebook - genau wie vor 8 Jahren beim Börsengang von Google - klar zu unterschätzen. Genauso wie das iPhone nicht verstanden wurde. Oder das iPad als großes iPhone, ergo langweilig, abgekanzelt wurde. Die wirklich großen Erfolgsgeschichten sieht fast niemand, gerade die Wachstumchancen von Plattformen und Ökosystemen werden allgemein unterschätzt.

Visionen sind zwar verpönt, ich wage am Ende trotzdem noch zwei. Die Generation Facebook wickelt einen Großteil ihrer Kommunikation via Facebook ab. Die natürliche Ergänzung dazu wäre die Hardware, das Smartphone. Schließlich dient dieses zur Kommunikation und zum Spielen, genau wie Facebook. Mit einem Facebook-Handy könnte Facebook Google und Apple frontal angreifen.

Ein anderer Markt, den Facebook erobern könnte, ist die Suche, Googles Kerngeschäft. Den interessanten Content kennt Facebook über die Like- und Share-Knöpfe, die man auf quasi allen Webseiten findet, besser als jeder andere auf der Welt. Ähnliches ist für Musik und Filme und beliebige andere Produkte denkbar. Mit diesen Informationen gewappnet könnte Facebook eine Suchmaschine bauen, die wesentlich relevantere Ergebnisse anzeigt als Google es bisher vermag.

Wer glaubt, dass Facebook es schafft, weiterhin neue Nutzer zu gewinnen und einen Teil der Erlöslücke zu Google zu schließen, kann die Aktie kaufen. Wer jedoch an die erfolgreiche Umsetzung einer der Visionen glaubt (Bezahlsystem, Smartphone, Suchmaschine, ...) muss die Aktie geradezu kaufen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Facebook schon am Ende des ersten Tages einen großen Anteil der positiven Aussichten einpreisen würde und über 40 Dollar notiert. Mein Tipp für das Crowdguessing daher 40,01. Ihr könnt selber mitmachen, gebt einfach euren Tipp auf Twitter ab und denkt an der Hashtag #facebookguess. Wer am besten liegt, bekommt vom Organisator Handelsblatt auch einen Preis: Ein paar Adiletten, nee nicht von Zuckerberg persönlich getragen ;-) (Die genauen Regeln)

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P.S. Dieser Beitrag ist für die "Optimisten"-Seite für die Crowdguessing-Aktion im Handelsblatt entstanden. Die andere Seite war nach meinem alten Artikel (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum Facebook auch schnell 200 Milliarden Dollar wert sein kann; die darin angebotene Wette mit einem Börsenwert von mehr als 50 Mrd. hätte ich ja mal sowas von dick gewonnen) verschlossen .... Die andere Seite gibt's bei Dirk Elsner im Blicklog: Facebook-Aktie ist für Muppets: Finger weg ( #facebookguess 38,50 US$)

Ich halte die oben beschriebenen Entwicklungen von Facebook für realistisch. Das gilt sowohl für die angenommene deutliche Steigerung der Nutzerzahlen, wie auch für eine kräftige Steigerung der Einnahmen pro Nutzer. Allerdings hätte ich bei einem Börsenwert von 35 Milliarden Dollar die Aktie blind und mit Hebel gekauft, bei 50 Mrd. immer noch gekauft, aber bei 100 Mrd. ist die Luft dünn. Denn wenn Facebook ein oder zwei Quartale die Wachstumsraten nicht erreichen sollte, wird der Kurs einknicken. Und das womöglich kräftig. Sollte Facebook aber die Monetarisierung und eine der möglichen Visionen erfolgreich umsetzen können, kann Facebook auch schnell 50 oder 100 Milliarden mehr wert sein.

Zum Schluss noch ein paar andere Stimmen:

Die FAZ zeigt sich skeptisch, aber nicht pessimistisch:

Der Börsengang: Das Rätsel Facebook - Der Facebook-Börsengang - FAZ

Eine sehr ausführliche Analyse im WSJ:

Was ist Facebook wirklich wert? - Wallstreetjournal.de

Eigentlich mehr ein Portrait von Zuckerberg als eine Firmenbewertung, aber vielleicht deshalb zum Abschluss lesenswert:

28. Geburtstag des Facebook-Gründers: Wird Mark Zuckerbergs Vision zum Alptraum der Anleger? - Management - Unternehmen - Handelsblatt

Abwägend, aber eigentlich nach den Artikeln von Dirk, mir, der FAZ oder dem WSJ nicht mehr sonderlich viel Neues drin ...

Zwischen Skepsis und Hype - Countdown für den Börsengang von Facebook | Wirtschaft und Gesellschaft | Deutschlandfunk

Mir zu pessimistisch:

Die Facebook-Blase | Wirtschaftsphilosoph

Die Süddeutsche in ihrem Digitalblog zu den Problemen von Facebook, mit der mobilen Nutzung auf dem Smartphone Geld zu verdienen:

Probleme bei mobiler Werbung - Facebooks strategische Lücke - Digital - sueddeutsche.de

Update (16.05.12):

Die WiWo mit einer sehr ausführlichen Analyse zu Facebook, die 7 Gründe GEGEN (Mglw Modetrend, Bewertung astronomisch, Gewinnwachstum sinkt, Potenzial maßgeschneiderter Werbung unklar, Allianz mit Microsoft u.U. nutzlos, und ne Menge blabla) und nur einen für den Kauf der Facebook-Aktie findet (welcher das ist, ist mir allerdings etwas unklar ...):

Börsengang: Sieben Gründe, Facebook nicht zu kaufen - Börse - Finanzen - Wirtschaftswoche

Interessant in Hinblick auf die bessere Monetarisierung diese (für Facebook-Optimisten ernüchternde) Nachricht, dass General Motors angeblich keine Facebook-Werbung mehr kaufen will. Diese hätte keine bzw. zu wenig Wirkung gezeigt.

Rückzug von GM: Facebook verliert großen Werbekunden | FTD.de

Update 2 (13:19):

Noch eine kleine lustige Geschichte am Rande:

Wie man 199,8 Millionen Dollar verpasst ... - egghat's not so micro blog

Update 3 (13:52):

Gerade übrigens noch einen positiven Artikel zu Facebook in der FAZ gefunden:

Facebooks Gewinn sinkt - die Aktie ist trotzdem interessant - Aktien - FAZ

Update 4 (13:59):

Und wer immer noch nicht genug zu lesen hat (zumindest in Teilen des Landes ist ja morgen ein Feiertag):

Social Media: Das Problem mit dem Facebook-Modell - Netzökonomie-Blog - FOCUS Online - Nachrichten

Update 5 (15:17):

Facebook hat die Anzahl der Aktien erhöht, die beim Börsengang verkauft werden sollen. Statt 337 sollen jetzt 421 Millionen Aktien verkauft werden. Inklusive der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) könnte der Gesamterlös für Facebook und die Altaktionäre am oberen Ende der (zwischenzeitlich auf 34 bis 38$ erhöhten) Spanne gut 18 Milliarden Dollar betragen.
Für meinen #Facebookguess heißt das natürlich, dass das höhere Angebot die Wahrscheinlichkeit auf einen kräftigen Kursanstieg verringert. Ich bleibe trotzdem mal stur bei 40,01$, immerhin hat Facebook die Bookbuildingspanne schon deutlich in Richtung meiner Schätzung geschoben.

Börsenerlös: Facebook könnte 16 Milliarden Dollar einsammeln - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 6 (16:52):

Lang und Schwarz hat schon die ersten sechs Optionsscheine auf Facebook rausgegeben. Und - jetzt haltet euch fest - die werden mit einen indikativen Kurs von

55,30$

gehandelt. Das wäre ein Plus von fast 45% gegenüber dem oberen Ende der Bookbuildingspanne.

Krass! Damit wäre Facebook auch auf einen Schlag fast so viel wert wie Google!

Update 7 (17.05.12):

Der Guardian hat eine schöne Info-Grafik bzw. Info-Animation zu Facebook gemacht:




Die Comdirect preist Facebook vorbörslich mit 54-59 Euro(!), das wären 68,50 bis 75 Dollar.

Passend zur Euphorie noch drei positive Artikel, vor allem im zweiten sind ein paar interessante Ideen. Denn jeder der glaubt, Facebook zu shorten wäre antizyklisch, irrt. Denn Konsens scheint mir eher zu sein, dass jetzt ein Haufen Idioten die Aktien kaufen, dann der Einbruch kommt und man dann immer noch zulangen könnte. Nur: Wenn das alle erwarten, geht das meistens nicht auf.

Pro Facebook-Aktie: 10 Gründe dafür, dass der Börsengang ein Erfolg wird - Aktien - FOCUS Online - Nachrichten

Mir gefällt auch der Gedanke, dass man nicht Zynga (quasi ein Geschäft in einem Einkaufszentrum) kaufen solle, sondern das Einkaufszentrum selber, ergo Facebook.

Psst! What if Facebook Is Actually Cheap?

Und Thomas Knüwer weist zurecht darauf hin, dass bei den bisherigen Internet-IPOs durchaus Einbrüche festzustellen sind. Wer nicht liefert, sprich die hohen Erwartungen enttäuscht wie Groupon, wird auch bestraft. Eine Blase gibt es erst, wenn auch der allerletzte Schrott an die Börse gehen kann und weiter steigt. Da sind wir noch lange nicht angekommen.

Der Facebook-Börsengang ist der Gegenbeweis für eine Dotcom-Blase

Und ein letzter Punkt, den mir auf Twitter @wth_1000 gezwitschert hat: Das Social Network für Schlipsträger LinkedIn kam zu 45$ an die Börse und hat seinen Emissionspreis nie wieder gesehen. Der erste Kurs lag über 80, der tiefste bei etwa 60, der aktuelle bei etwa 120 Dollar. Das KGV ist laut Nasdaq.com bei über 500.

Update 8 (17:24):

Mittelwert für den #Facebookguess: 51,86$

Rekord-Börsengang: Experten rechnen mit kräftigen Aufschlägen - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 9 (20:08):

Facebook wurde heute in den USA auf 15 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. Der Vorwurf: Facebook habe Nutzer im Internet "verfolgt" und deren Internetnutzung protokolliert, auch nachdem sich die Nutzer bei Facebook ausgeloggt haben.

Facebook Suit Over Subscriber Tracking Seeks $15 Billion - Bloomberg


Update 10 (21.05.11):

Im europäischen Handel ist Facebook unter den Emissionspreis gefallen. Die 5%, die das Handelsblatt nennt, sind aber irreführend. Das Minus errechnet sich gegenüber dem Schlusskurs in Europa, nicht gegenüber dem Schlusskurs aus den USA. Das Minus war - nach meinen Berechnungen, nur minimal.

Börsengang: Facebook-Aktien zeitweise unter Ausgabepreis - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 11 (13:12):

Warum man die Facebook Werbung nicht zu schnell als wirkungslos abstempeln sollte, nur weil General Motors keine Werbung mehr auf Facebook macht:

Studie zur Facebook-Werbung: Trau, schau, wem? | etailment

General Motors macht übrigens auch keine Werbung während des Super Bowls. Ich werde gleich mal hingehen und den Tod des Mediums Fernsehen und des werbefinanzierten Sports prophezeihen ;-)

Update 13 (22:24):

In den USA lag der Schlusskurs von Facebook 34,03$, ein Tagesminus von 11%. Das Tagestief lag bei 33 Dollar und damit sogar noch einen ganzen Dollar niedriger.

Da war die Erhöhung der Aktienanzahl doch etwas arg kräftig. Und die erhöhte Spanne natürlich auch, auch wenn der Schlusskurs heute wieder ganz knapp innerhalb der Bookbuildingspanne liegt.

Update 14 (22.05.12, 12:56):

Jetzt schreiben die ganzen Journalisten mit viel Häme den Börsengang runter. Klar, die Emissionsbanken haben den Preisrahmen (und vor allem das Volumen) überzogen. Aber deswegen ist nicht die Firma Facebook Schrott.

Kommentar: Warum der Börsengang von Facebook kein Fiasko ist - Der Facebook-Börsengang - FAZ

Update 15 (23.05.12):

Hmm, eine interessante Erklärung für den vermurksten Börsengang, der im Übrigen ein ziemlich schlechtes Licht auf die Emissionsbanken und die Wall Street  im Allgemeinen werfen würde.

Die Emissionsbanken sollen kurz vor dem Börsengang (während der Roadshow, bei der die Aktie angepriesen wurde) ihre eigenen Gewinnschätzungen reduziert haben. Das soll übrigens auf Informationen von Facebook Managern zurückgehen. Diese Senkung haben sie - weder die Banken noch Facebook - aber (natürlich) niemand anderen mitgeteilt.

OK, "niemand" ist natürlich unwahr. Die Wall Street wäre nicht die Wall Street, wenn es nicht doch ausgewählte Investoren gegeben hätte, denen die Information zugeflüstert wurde. Nur Otto-Normal-Anleger hat davon nichts mitbekommen. Das führt laut Business Insider dazu, dass die institutionellen Anbieter (ergo die großen, die im Besitz der Information waren) im Schnitt 32 Dollar für die Facebook Aktie geboten haben, die privaten (die nicht im Besitz der Information waren) im Schnitt 40$. Emissionspreis war dann bekanntermaßen 38 Dollar.

Das ist natürlich ziemlich unfair und wenn man es streng sieht, wohl auch ein Verstoß gegen die Informationspflichten, die eine AG hat. Allerdings ist etwas unklar, inwiefern die normalen Regeln schon vor dem IPO greifen. Denn die Gewinnschätzungen der Emissionsbanken beim Börsengang werden nicht veröffentlicht. Ich bin nicht sicher, aber den Emissionsbanken ist es glaube ich sogar verboten, diese zu veröffentlichen, weil (logischerweise) ein Interessenskonflikt besteht (Gewinn einfach hoch schätzen --> mehr Börsenwert --> mehr Erlöse für Bank und AG).

Noch pikanter wird die Senkung der Gewinnprognose, wenn man bedenkt, dass während der Bookbuildingphase sowohl der Preis als auch das Volumen der Aktien deutlich erhöht wurde.

Da dachte man am Wochenende noch, der Skandal am Facebook Börsengang wäre ein einfaches Überreizen des Potenzials gewesen, weil Facebook und/oder die Emissionsbanken zu gierig gewesen seien. Oder die Unfähigkeit der NASDAQ, die Orders geregelt abzuwickeln. Aber dieser ziemlich offensichtliche Beschiss toppt das alles noch. Und das beim größten Börsengang (wenn man die Marktkapitalisierung heranzieht) aller Zeiten.

EXCLUSIVE: Here's The Inside Story Of What Happened On The Facebook IPO - Business Insider

Update 16 (12:35):

Das WSJ Deutschland weist darauf hin, dass natürlich nicht nur die Bank, sondern auch das Unternehmen an den entsprechenden Entscheidungen beteiligt ist.

Wie aus dem Facebook-Börsengang ein Debakel wurde - Wallstreetjournal.de

Update 17 (24.05.12):

Das ist doch mal ein Artikel für Facebook Pessimisten. Warum Facebook scheitern und gleich das ganze anzeigenfinanzierte Web mit sich reissen wird. Halte ich zwar für Quatsch, aber es sei trotzdem empfohlen. Die These hinter der Prognose: Das Überangebot an Werbeflächen wird die Preise für Werbe immer näher an die Nullmarke treiben. Und damit wird sich niemand mehr über Werbung finanzieren können ...

The Facebook Fallacy - Technology Review

Update 18 (01.06.12):

Oh da hätte der Chef von Morgan Stanley vielleicht mal besser die Klappe gehalten ...

Nachdem Morgan Stanley vorgeworfen wurde, die internen gesenkten Gewinnschätzungen an Großanleger weitergegeben zu haben, die Kleinanleger jedoch im Unklaren gelassen zu haben (siehe Update 15), ruft der Chef von Morgan Stanley den Facebook-Aktionären zur Krönung noch ein kräftiges "Selbst Schuld, ihr seid aber auch blöd" hinterher ... Oder wie Dirk Elsner sagen würde: Muppets!

Pannen-Börsengang: Morgan-Stanley-Chef düpiert Facebook-Käufer | FTD.de

Spanien verstaatlicht Bankia

Ich hatte auf die Probleme kurz hingewiesen (Spanien droht 10 Mrd.-Euro-Bankpleite - egghat's not so micro blog) und nach heftigen Dementis aus der Politik ("keine Bank muss gerettet werden", etwas später "es gibt kein Geld vom Staat") übernimmt der spanische Staat (genauer die spanische Notenbank) nun doch die kriselnde Bankia.

Die Summe von 10 Milliarden Euro nötiger Abschreibungen wurde schon länger am Markt herumgereicht, aber da droht möglicherweise noch mehr. Das Hypothekenportfolio soll immerhin 36 Mrd. Euro schwer sein. Und wer den Preisverfall in Spanien kennt und die Anzahl der überfälligen Hypotheken, kann sich schnell ausrechnen, dass da noch mehr drohen könnte.

Was aber vielleicht noch entscheidender ist: Spanien hat damit die Kontrolle über die Bank übernommen und damit die Haftung für die Hypotheken und am Ende für die Immobilien. Damit begibt sich Spanien in die gleiche Situation wie Irland, wo ja bekanntlich alle großen Banken verstaatlicht wurden und die Übernahme der (Bank-)Schulden die irische Staatsverschuldung über 100% des BIPs getrieben hat. Am Ende war das maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass Irland unter den Rettungsschirm der EU schlüpfen musste.

Und jetzt macht Spanien den selben Fehler wieder? Weil es etwa 5 JAHRE nach dem Ausbruch der Krise immer noch kein Framework für die (kontrollierte) Abwicklung von überschuldeten bzw. illiquiden (Groß-)Banken gibt. Was für ein grandioses Versagen der Politik. Nun ja, vielleicht schafft es Spanien ja, den Märkten klarzumachen, dass es keine großen Risiken in der Bank gibt, dass es nur darum geht, die Bank schnell weiterzuverkaufen, oder Ähnliches. Einfach wird das Überzeugen der Märkte aber nicht ...

Update (22:33):

Quelle vergessen:

Banco de  España - Statement on BFA-Bankia (PDF)

Update 2 (25.05.12):

Gestern waren es 9 Mrd, die die Bankia benötigen sollte, heute sind es bereits 15 Milliarden. Ich will jetzt nicht zuuuu negativ werden, aber wenn aus einem Hypothekenportfolio von 36 Milliarden Euro ein Eigenkapitalbedarf von 15 Milliarden Euro folgt,  entspricht das fast 42%. Eigentlich sogar noch mehr, denn Spanien hat schon mal 4,5 Milliarden Euro Eigenkapital zur Gründung dieser Bank (die aus mehreren kleinen Sparkassen entstanden ist) zugeschossen.

Achtung! Grobe Vereinfachung voraus:

Die Gesamtsumme der spanischen Hypotheken wird auf etwa 100% des BIPs geschätzt, ergo etwa 1 Billionen Euro. Schreibt davon mal wie die Bankia 40% ab. Diese Hochrechnung mag viel zu einfach sein, weil möglicherweise nicht alle Immobilienkredite so schlecht sind wie die der Bankia. Allerdings gibt es auch nicht sonderlich viel Grund zur Annahme, dass die anderen Kredite wesentlich besser sind. Und noch ein Vergleich: In Irland wechselte der Großteil der Hypotheken in eine staatliche Bad Bank und das mit Abschlägen von mehr als 50% (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Irland zieht zweiten Schlussstrich unter die Bankenkrise). Leider halte ich das Ausmaß der Immobilienblasen in Bezug auf das BIP in Irland und Spanien für durchaus vergleichbar.

Wobei Spanien natürlich viel gefährliche für den Euro ist, weil es viel größer ist.

Ich hoffe, ich habe euch die gute Laune für das lange Wochenende jetzt nicht versaut ...

BBC News - Bankia shares are suspended in Madrid

Update 3 (10:45):

Dazu vielleicht auch noch ganz interessant:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Irland zieht zweiten Schlussstrich unter die Bankenkrise

Und oben auch noch vergessen: Die Aktie der Bankia ist heute (massivdramatisch) ausgesetzt.

Update 4 (12:49):

Die Welt drückt die Zahl schon auf "bis zu 20 Milliarden Euro" nach oben. Warten wir mal ab, was die Bild schreibt ...

Krise in Spanien: Bankia benötigt bis zu 20 Milliarden Staatshilfe - Nachrichten Geld - WELT ONLINE

Update 5 (19:17):

Bankia is now Junkia, zumindest in der Einschätzung von Standard & Poors. BB+ statt BBB- vorher. Der Ausblick bleibt negativ.

S&P Junks Nationalized Bankia, Downgrades Various Other Banks | ZeroHedge

Außerdem wurde das Rating der Banco Popular Español und der Bankinter um eine Stufe auf BB+ reduziert. Banca Civica sank auf BB (vorher BB+) und Banco Financiero y de Ahorros auf B+ (von BB-).

Die richtig großen Banken Santander (A-) und BBVA (BBB+) blieben stabil.

In eigener Sache: Es ist vorbei.

Der erste Preis ist gewonnen ;-)

Am letzten Mittwoch auf der Republica:12 wurde der comdirect Finanzblog-Award verliehen und ich habe doch tatsächlich was abgestaubt. Dabei habe ich auf der Hinfahrt im Zug mit Dirk Elsner noch geflachst, dass er schon irgendwas gewinnen werde und ich so eine Art Lifetime-Award in der Kategorie "Hat-sich-stets-bemüht" bekomme. Hätte ich mal gewettet, so falsch war das nicht ;-)

Der erste Preis (und 3.000 Euro) ging dann auch tatsächlich an Dirk Elsner vom Blicklog. Zurecht, das ist hochverdient und herzlichen Glückwunsch nochmal.

Der zweite Preis (2K€) ging an das Fazit.Blog der FAZ, vertreten durch Patrick Bernau und Gerald Braunberger.

Der dritte Preis (1K€) ging ebenfalls an professionelle Journalisten, allerdings nicht nach Deutschland, sondern in die Schweiz an "Never mind the markets" vom Tagesanzeiger.

Da kann der Dirk ja mal mächtig stolz auf sich sein, dass er sich (als Nichtjournalist und Einzelkämpfer) vor die beiden Blogs der Profis geschoben hat, die ja zudem auch noch von Teams gepflegt werden (die den Preis trotzdem verdient haben).

Tja und yours truly hat den mit 1.000 Euro dotierten Sonderpreis gewonnen.


YEAH!

Da freue ich mich natürlich riesig! In einer Reihe mit dem Blicklog, Fazit, Never mind the Markets und auch dem Vorjahressieger Boersenblogger zu stehen, ist schon toll. Auch die Preisverleihung im Rahmen der Republica war eine runde Sache, nicht zuletzt, weil ich feststellen musste, dass ich dorthin schon viel früher hätte fahren sollen. Zu viele gute Sessions, aber noch mehr viele coole und interessante Leute.

Danke an die comdirect als Sponsor und Frau Krämer als Initiatorin dieses meiner Meinung nach wichtigsten Preises in unserer kleinen (aber hoffentlich wachsenden) Nische, an die Jury für die Qual der Wahl und ganz besonders an die liebe Laudatio von Joachim Goldberg, der im Übrigen auch vor ein paar Monaten unter die Blogger gegangen ist.

Das beste am Preis war aus meiner Sicht, dass die Preisträger in diesem Jahr nicht direkt aus dem Umfeld stammten, wo man den Preis einer Direktbank verorten würde. Alle Preisträger sind inhaltlich breit aufgestellt und beschäftigen sich weniger mit konkreten Börsentipps oder Anlageempfehlungen, sondern mehr (aber nicht nur) mit dem großen Drumherum bis hin zu wenig massenkompatiblen Themen wie Volkswirtschaft.

Zum Schluss noch ein paar Impressionen von der Podiumsdiskussion und der anschließenden Preisverleihung:

USA: Arbeitslosenquote 04/12: 8,1% (-0,1 Vm, -0,9 Vj)

Schon wieder ein Arbeitsmarktbericht, bei dem die Überschrift (die Arbeitslosenquote) am Ende (fast) die einzige positive Nachricht war. Schon die zweite wichtige Zahl aus dem Bericht - die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze - war wie im Vormonat eine dicke Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den April 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -173.000 auf 12,500 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -169.000 auf 141,865 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,1% (-0,1 zum Vormonat, -0,9 unter dem Vorjahresmonat).

Dass sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen sinkt, ist seltsam ... Denn die USA sind ein Land, in dem die Bevölkerung wächst. Und die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force"), gab es im April plötzlich geradezu unfassbare 522.000 mehr. In einem Monat, in dem die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter um 180.000 zugenommen hat, nahm die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, angeblich um 342.000 ab. Wer glaubt wird selig ...

Das gleiche Bild zeichnet auch die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Crosscheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt. Sie sank im April auf 58,4% (-0,1) und liegt nun wieder genau auf dem Vorjahreswert.
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,0 auf 8,1% zurückgegangen ist, hat sich die Anzahl der Arbeitenden auf die Bevölkerung gerechnet nicht geändert. Damit muss ich die positive Einordnung der Wintermonate ("die Erholung des Arbeitsmarkts ist nun endlich schneller als das Wachstum der Bevölkerung") langsam widerrufen. Denn das ist nun schon der zweite Monat, der diese Entwicklung aufzeigt (deshalb kann ich so große Teile des Vormonats-Texts übernehmen wie noch nie zuvor. Der April ist wirklich fast wie der März, nur noch etwas schlimmer ...).

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im April der enttäuschende Teil.

Anzahl der Jobs: +115.000 gegenüber dem Vormonat auf 132,989 Millionen. Dem Plus von 130.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate waren diesmal leicht positiv: Der Februar wurde bei der zweiten Korrektur um 19.000 auf 259.000 (1. Schätzung war +227.000) nach oben korrigiert, der März um 34.000 auf 154.000 nach oben.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb konstant bei 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 0,1 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg gegenüber dem Vormonat um 0,1 Stunden auf 3,4 Stunden, oder 0,2 Stunden gegenüber dem April 2011. Kein Grund zum Jubeln, aber immerhin leicht positive Zahlen.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese unterstützt die Interpretation, dass man den April trotz der gesunkenen Arbeitslosenquote doch eher unter Stagnation abheften muss. Die Verbesserung des Vormonat setzte sich nicht fort; die Quote blieb stabil bei 14,5%. Allerdings: Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,9%).

Zusammenfassend: Ein eher verwirrender, überwiegend enttäuschender Arbeitsmarktbericht. Die Arbeitslosenquote sank zwar, aber das ging fast ausschließlich auf die Umbuchung in die NILF-Schublade zurück. Der Anstieg der Arbeitsplätze (+115.000) blieb im April - zum zweiten Mal in diesem Jahr - deutlich hinter dem Zuwachs der Bevölkerung (+180.000) zurück. Damit droht dem US-Arbeitsmarkt ein Rückfall in die Phase, in der er zwar irgendwie okay ist, aber keinesfalls so stark ist, dass er das US-Wachstum trägt.
Auf der positiven Seite sind die Korrekturen der beiden Vormonate (zusammen 53.000) zu nennen, die die scheinbar große Lücke zwischen den Erwartungen (etwa 170.000 bis 180.000 neue Jobs) und der tatsächlichen Zahl (+115.000) doch kräftig schrumpfen lässt. (Die Ewig-Schwarzseher werden natürlich den US-Arbeitsmarkt jetzt natürlich gleich wieder in die tiefste Depression schreiben, aber so schlecht ist es dann auch. Aber eine positivere Interpretation als "Stagnation" kann auch ein Optimist nicht aus dem Aprilbericht ziehen ...)

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – April 2012

Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland bei 50%. Wirklich?

OK, das ist eins der Postings, die seit über einem Monat in der Queue hängen, weil ich Euch nicht nur den Sachverhalt darstellen, sondern auch erklären wollte. Die Antwort weiss ich zwar auch noch nicht, aber weil (fast) alle die Jugendarbeitslosigkeit falsch darstellen, muss der Artikel auch ohne endgültige Schlussfolgerung raus ... Die kommt dann in einen zweiten Teil

Es geht um die erschreckenden Arbeitslosenzahlen, die vor allem aus den Südländern Europas gemeldet werden (siehe z.B. hier: ZDF, Griechenland und Spanien beide bei etwa 50%). Die Zahlen hatte ich ja auch oft genug (inzwischen ist das Thema allgemein als schlagzeilentauglich identifiziert worden, da kann ich mir das Thema klemmen). Allerdings waren mir schon damals die sehr hohen Werte etwas suspekt und ich habe z.B. auf die Tatsache hingewiesen, dass die Zahlen möglicherweise verfälscht sind, weil darin auch Schüler erfasst werden, die einen Ferienjob suchen.

Das ganze ist aber - wie so häufig - nicht ganz so leicht zu erklären, weil man kaum dahinter kommt, woran das denn genau liegt. Dazu müsste man tief in der Erfassungsmethodik einsteigen, die trotz europäischer Integration noch nicht in allen Ländern exakt gleich ist.

Aber gehen wir zurück auf Los und erklären ganz einfach, wie die Arbeitslosenquote berechnet wird.

Es gibt zuerst eine Anzahl von Personen, ich nehme jetzt hier die zwischen 15 und 24, weil es ja um Jugendarbeitslosigkeit geht. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote sind jetzt aber nicht alle relevant. Aus meinen US-Arbeitsmarktberichten kennt ihr das als NILFs, Not In Labor Force, auf Deutsch: Sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Das sind Personen, die nicht mehr arbeiten wollen oder können oder auch aufgegeben haben, einen Job zu suchen (vor allem im Alter üblich). In der Altersgruppe, um die es hier geht, gibt es aber natürlich zwei andere Arten, sich vor der Arbeit zu drücken ;-) : Geh zur Schule oder zur Uni. Dadurch fällt in dieser Altersgruppe ein großer Teil der Personen gleich  aus der Arbeitslosenstatistik raus.

Die Arbeitslosenquote wird nur aus dem "Rest" berechnet, also denjenigen, die nicht zur Schule bzw. Uni gehen. Dies ist dann der Wert, der dramatisch hoch ist. Und suggeriert, dass die Hälfte der jungen Griechen arbeitslos sind. Aber um zu beurteilen, ob wirklich die Hälfte der jungen Griechen und Griechinnen auf der Straße herumlungern, muss man auch schauen, wie sich die Anzahl von Arbeitslosen und die Anzahl aller jungen Griechen darstellt. Und schau an, diese Quote ist viel viel niedriger.

Griechenland hat 164.000 junge Arbeitslose. Bei einer Arbeitslosenquote von 50% gehören also in Griechenland etwa 330.000 junge Griechen zum Arbeitsmarkt. Der Anteil der (jungen) Erwerbstätigen an der (jungen) Gesamtbevölkerung wird in Griechenland mit knapp 15% angegeben. Daraus ergeben sich im Umkehrschluss etwa 1,1 Millionen Griechen, die zwischen 15 und 24 Jahre alt sind.

Zusammengefasst: Es gibt 1,1 Millionen junge Griechen. 165.000 oder

15%

davon suchen einen Job, 165.000 (15%) davon haben einen Job und der große Rest (70%) ist anscheinend noch mit Schule oder Uni beschäftigt. Das wirkt ganz anders als "Die Hälfte der jungen Griechen sind arbeitslos". (Was nicht heissen soll, dass die Lage in Griechenland nicht desaströs wäre, aber 15% ist halt doch was anderes als 50%.)

"Entdeckt" hat das:

ALEAblog: About Greece Youth Unemployment

Jetzt kann es natürlich sehr gut sein, dass die jungen Griechen nur weiter zur Schule oder zur Uni gehen, weil sie sonst eh keinen Job bekommen würden. Dazu aber mehr im zweiten Teil (den ich hoffentlich morgen fertig schreiben werden ...)

Update (09.11.12):

Ich habe aus der oben angerissenen Erklärung noch einmal ein längeres Erklärstück gebaut, das den Zusammenhang zwischen Bevölkerung, Erwerbspersonen, Erwerbslosen und den Quoten wie Arbeitslosenquote, Erwerbsquote und Erwerbslosenquoten (hoffentlich) vernünftig erklärt:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Arbeitslosenquote - Erwerbsquote - Erwerbslosenquote - Was hilft bei der Beurteilung der Jugendarbeitslosigkeit wirklich?

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