Wie der Steuerzahler an der Wall Street beschissen wird ...

Und zwar um Milliarden. Ein Beispiel von Matt Taibbi, das (ausnahmsweise) nicht so komplex wie üblich ist.


Normalerweise ersticken die meisten Prozesse gegen die Wall Street ja in einem Wust von Komplexität, unter einem Berg an Details und Juristerei oder im schlimmsten Fall gar mathematischen Formeln, die kein Normalsterblicher durchschaut.


Auch in diesem Fall gibt es ein Abkürzung, die man so nicht nie gehört hat: GIC - Guaranteed Investment Contracts. Das ist eine Anlage, die Städte und Gemeinden erwerben können, wenn sie ein Gebäude etc. auf Kredit bauen lassen. Die Stadt holt sich erst einen Kredit über die Gesamtsumme der Investition. Diese wird aber meistens nicht auf einen Schlag benötigt. Dann kann die Stadt das noch nicht ausgegebene Geld in so einem GIC (natürlich gegen Zinsen) parken.


Dafür holen sich die Städte Angebote bei den Banken und Brokern. Der eine sagt 5,0%, der nächste 5,2 und der dritte 5,4%. Dumm nur, wenn sich die Banken hinter dem Rücken der Kunden absprechen und absichtlich zu niedrige Zinsen bieten. Und sich anschließend hintenrum den Gewinn teilen. Also nicht 5,0, 5,2 und 5,4% bieten, sondern 4,6, 4,8 und 5,0%. Die gesparten 40 Basispunkte teilen sich die Banken dann untereinander auf.

Da kommt bei den Summen, die der Markt von Anleihen an Städte und Gemeinden ausmacht, schnell viel Geld zusammen, um das die Städte und der Steuerzahler beschissen wurden. Chase Manhattan musste 75 Millionen Dollar Schadensersatz an Jefferson County bezahlen, das sich 3 Milliarden Dollar für ein neues Abwassersystem/Kläranlage geliehen hat. Im Fall der UBS allein ging es um Anleihen im Gesamtwert von 16 Milliarden Dollar. Davon die 2,5% genommen, die bei Chase veranschlagt wurden, würde 400 Millionen Dollar Schaden ergeben.

Laut Taibbi waren diese geschobenen Versteigerungen so üblich, dass man davon ausgehen muss, dass überhaupt keine Versteigerung mehr normal, sprich fair ablief. Und das Ganze so normal, dass die Verhandlungen nicht in dunklen Hinterzimmern abliefen, sondern über die normalen Telefonleitungen, von denen bekannt war, dass die Gespräche mitgeschnitten werden (wenn auch leicht verklausuliert). Die UBS, Bank of America, Chase und Wells Fargo wurden bereits verurteilt. Die Liste der angeklagten Banken ist aber noch länger und auch Goldman Sachs ist dabei.

Auch wenn das bis hierhin schon alles ziemlich abgezockt ist_ Irgendwie wäre das nicht Wall Street, wenn man der Geschichte nicht noch eine Krone aufsetzen könnte. Denn natürlich haben die Angestellten der Bank nicht nur für ihre Arbeitgeber diesen "Extragewinn" eingefahren, sondern auch für sich was abgezweigt. Kurz: Man hat die Angestellten der Konkurrenzbank bestochen. Und damit sich der Politiker vor Ort gefälligst die richtigen Banken und Broker in die Auktion berufen (damit bloß niemand ein faires Angebot abgibt), wurden auch diese gleich mit bestochen.

Die ersten drei Angeklagten kommen jetzt hinter Gitter. Die Banken hingegen kommen - immerhin gegen einigermaßen saftige Strafen - davon und wickeln weiterhin fleißig die Anleiheemissionen für die Städte ab. Wer hingegen einmal bei der Sozialhilfe bescheisst, dem helfe Gott. Aber das ist ja auch was viel Schlimmeres, als wenn quasi der gesamte Bankensektor quasi das ganze Land über mehr als ein Jahrzehnt über den Tisch zieht ...

The Scam Wall Street Learned From the Mafia | Politics News | Rolling Stone

Mein Lesetipp für den Sonntag. Zumindest für den verregneten Nordteil der Republik. Der Rest darf bis Montag warten ;-)

Ein Traumjob für Ökonomen

Zumindest für Janis Varoufakis. Er betreibt eins der spannendsten Blogs zum Thema Griechenland, EU, Sparprogrammen und den Auswirkungen auf die Wirtschaft. Dieses sei an dieser Stelle gerne empfohlen.

Aber auch Varoufakis hat das übliche Problem vieler Ökonomen. Es gibt zwar viele Theorien und zunehmend den Versuch, diese mit Daten zu unterfüttern, am Ende haben die Ökonomen aber immer zu wenig Daten. Viel zu wenig Daten.

Man nehme zum Beispiel Griechenland. Um auf Basis von Zahlen beurteilen zu können, ob und wie viel Griechenland sparen sollte, oder ob und wie viel Hilfe Griechenland von der EU benötigt, bräuchte man Zahlen von Ländern in vergleichbaren Situationen. Also


  • hochverschuldetes Land 
  • in einer Währungsunion 
  • mit deutlichem Leistungsbilanzdefizit, 
  • wenig Export aber viel Tourismus, 
  • das dazu noch mit einem suboptimal funktionierendem Staatsapparat "gesegnet" ist und nicht einmal seine Steuern vernünftig eintreiben kann.


OK, man findet Länder, die mit Sparprogrammen - teil kräftigen, teil harmlosen - überzogen wurden. Aber teilweise reichen die Beispiele bis 80 Jahre zurück. Ob sich Volkswirtschaften heute noch genau so verhalten, ist unklar. Bei Rückblicken, die so weit in die Geschichte reichen, ist auch unklar, ob die Zahlen überhaupt was taugen. Man bedenke, dass es vor der Arbeit von Kenneth Rogoff nicht einmal verlässliche Zahlen zu den Schuldenständen und dem Wachstum von Volkswirtschaften gab, aus denen man ableiten konnte, wie viel Schulden denn nun "zu viel" sein könnten.

Selbst wenn man annimmt, dass diese Daten stimmen, muss ein großer Teil davon gleich wieder unter den Tisch fallen, weil sie nicht von Ländern stammen, die in einer Währungsunion steckten. Oder weil die Volkswirtschaft total anders strukturiert ist als Griechenland.

Kurz: in der halbwegs aktuellen Wirtschaftsgeschichte finden sich keine, bzw. nicht ausreichend viele Zahlen, um daraus für Griechenland etwas sinnvolles abzuleiten. Raus aus dem Euro? Sparen? Oder Marshallplan? Wenn ja, wie groß muss der Marshallplan ausfallen?

Was versuchen Ökonomen daher? Sie versuchen verzweifelt Zahlen zu sammeln. Gerade in der Mikroökonomie (der Teil der Ökonomie, der sich mit den Fragen im kleineren Stil beschäftigt wie z.B. "was passiert bei mangelndem Wettbewerb zwischen Firmen" oder "wann kauft ein Verbraucher welches Produkt"), wird zunehmend mit Versuchen und Simulationen gearbeitet. In einem größeren Maßstab, der Makroökonomie, die zum Beispiel im Fall Griechenland die Antworten liefern müsste, kann man aber nicht so einfach Versuche bauen. Wir haben ja nur ein Griechenland, das in der aktuellen Lage steckt, und diesem müssen wir jetzt helfen ...

Varoufakis wird Griechenland jetzt auch nicht retten. Aber er hat jetzt eine spannende Aufgabe gefunden. Er wird quasi Chefvolkswirt von gleich mehreren Volkswirtschaften, in denen ALLE Daten verfügbar sind: den virtuellen Welten von Valve Software. Zwar ist Valve eher für Ballerspiele à la Half Life bekannt, aber Valve produziert zunehmend komplexere Simulationen. Und sobald in diesen virtuellen Welten virtuelle Güter gehandelt werden können, wird es spannend. Denn jede Transaktion hinterlässt Spuren auf den Rechnern von Valve. Valve weiss daher, wer wann was mit wem handelt. Daten, die eine Genauigkeit und Vollständigkeit aufweisen, von der Volkswirte nur träumen können.

Valve legt ganz nebenbei die Regeln für die virtuellen Welten fest. Wie viele neue Güter kommen in die virtuelle Welt? Wie schnell werden Güter nutzlos (sprich gehen kaputt)? Wie viel Geld/Land/Waffen bekommen neue Spieler? Diese Regeln können unter Umständen leicht variiert werden und stellen damit quasi Versuche dar. Manchmal müssen die Regeln sogar geändert werden, weil sonst der gesamte Spielmechanismus aus den Angeln gehoben würde.

Kurz: Ökonomen, die diese virtuellen Welten nicht gleich für Kokolores halten, dürften dort eine tolle Spielweise für Datenanalyse und Experimente finden. Zwar sind die Funktionszusammenhänge in virtuellen Welten sicherlich andere und auch einfachere als die in der Realwelt, andererseits dürften sie deutlich komplexer sein als die Zusammenhänge, die viele Makroökonomen noch heute in Formeln gießen (und darauf basierend den Politikern Handlungsempfehlungen geben).

Höchst spannendes Projekt!

IT ALL BEGAN WITH A STRANGE EMAIL | Valve

Tritt Griechenland aus dem Euro aus oder nicht?

Beim Handelsblatt gibt es eine kleine Wette zum Thema.

Oli Stock (Online Chef) sagt #grexit, sprich Griechenland tritt aus.

Georg Watzlawek sagt nein, sprich #nogrexit.

Ow.ly - image uploaded by @handelsblatt (via @thalberschmidt)

Auslöser für die Wette waren natürlich die Spekulationen über den Wahlausgang in Griechenland am Wochenende. Gewinnt dort die ND+PAKOS geht die bisherige Sparpolitik wohl einfach weiter, gewinnt hingegen die Radikale Linke (Syriza), dann nicht.
Wobei auch im Fall des Siegs der Syriza IMHO noch lange nicht ausgemacht ist, dass danach ein Rauswurf oder Austritt  Griechenlands zwangsläufig folgt. Es könnte sehr gut nur zu Neuverhandlungen des Sparpakets kommen. Mehr will Syriza ja eigentlich nicht.

Außerdem muss man bedenken, dass Spanien mit dem 100-Milliarden-Bankenrettungs-Deal auch irgendwie Hilfe von der EU bekommen hat, aber keine IWF Auflagen hinnehmen musste. Das Fass hat die EU einmal aufgemacht. Nicht ganz ohne Grund könnte Griechenland das gleiche verlangen.

Jetzt würde mich mal interessieren, was ihr denkt:

Online poll from GoPollGo

Vielleicht noch zwei Lesehinweise:

FTD(eutschland) empfiehlt Griechen die ND zu wählen. Αντισταθείτε στo δημαγωγό - Widersteht den Demagogen bit.ly/KGxg6t

Zur Wahlempfehlung der FTD muss ich das ebenfalls tweeten: Alexis Tsipras (Syriza) - Mein Rettungsplan für Griechenland bit.ly/KGAdUv



Update (15:21):

Bei LostInEUrope gibt’s schon eine (etwas komplexere) Umfrage. Hätte ich die bloß mal eher gesehen ...

Zweifel am "Grexit" - Lost in EUrope

Update 2 (16.06.12):

Bis Samstagabend gab es 27 Stimmen, die von keinem Euroende für Griechenland ausgehen und nur 11, die damit rechnen. Eine ziemlich klare 70/30 Meinung.

Bei LostinEUrope ist die Einschätzung pessimistischer. Dort rechnet eine knappe Mehrheit der Leser mit einer Wiedereinführung der Drachme. Wenn man die Eventualantworten (ja nach Wahlausgang) dazurechnet, wird diese sogar relativ deutlich.

Update 3 (18.06.12):

Es sind noch ein paar Stimmen eingetrudelt und nach der Bekanntgabe des Ergebnisses steht es jetzt 35 zu 17. Am Verhältnis von grob zwei Dritteln zu ein Drittel hat sich also nichts geändert.

Banküberfall ist auch keine Lösung

Rein ökonomisch betrachtet. Zumindest wenn es rein um's Geld geht ..

Also tun wir mal so, als wären Bankräuber vom seltenen Menschenschlag homo oeconomicus. Machen Banküberfälle dann Sinn oder nicht?

Es zeigt sich, dass die Bankräuberei kein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ist. Untersucht wurden Banküberfälle in Großbritannien. Der durchschnittliche Lohn eines Banküberfalls lag bei gut

20.330,50 £.

Und das bei einem ziemlich hohem Risiko, gar nicht zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Totalflop liegt immerhin bei einem Drittel. Dass es allerdings durchaus Chancen gibt, sieht man an der Standardabweichung von etwa 50.000£. Es kann also unter Umständen deutlich mehr bei einen Bankraub herumkommen ... Aber eben oft auch nichts ... (in den USA gibt es übrigens nicht einmal 5.000$ pro Bankraub).

Dummerweise verteilt sich das Einkommen noch auf durchschnittlich 1,6 Bankräuber und senkt das pro-Kopf-Einkommen nochmal deutlich.

Wenn man den Durchschnitt nimmt, reicht das Einkommen für einen halbwegs akzeptablen Lebensstil nur etwa sechs Monate. Man muss also zweimal im Jahr eine Bank überfallen.

Und da kommt der richtig kritische Teil. Denn es werden etwa 20% der Banküberfälle aufgeklärt und die Täter festgenommen. Statistisch ist man bei zwei Banküberfällen pro Jahr also nach etwa zwei Jahren zum ersten Mal im Knast. Und da Banküberfälle bewaffnete Raubüberfälle sind, sind die Strafen durchaus heftig. Dann schließt sich an eine Zeit mit durchschnittlichem Einkommen eine  ähnliche lange Zeit ganz ohne Einkommen an. In Großbritannien ist es sogar etwas mehr: Die durchschnittliche Strafe liegt bei knapp drei Jahren.

Das ist übrigens auch der Weg, über den Ökonomen die Sinnlosigkeit von Banküberfällen nachweisen: Der Schaden durch den dreijährigen Verdienstausfall während des Gefängnisaufenthalts ist höher als das Einkommen in der "Arbeitszeit" ...

Die Untersuchung der drei Ökonomen war übrigens keine kirre Schnapsidee, die am Abend im Pub entstanden ist, sondern es gab einen hochseriösen Hintergrund. Der Auftraggeber waren nämlich die Banken, die herausfinden wollten, welche Maßnahmen am besten gegen Banküberfälle helfen. Die Entfernung der Bankfiliale von der nächsten Polizeistation ist interessanterweise Wurscht (außer die Bankfiliale befindet sich quasi in der Polizeistation ;-) ), per Druckluft hochfahrbare Trennwände hingegen bringen es. Generell hat sich die relative Sinnlosigkeit von Banküberfällen aber auch in der Zielgruppe ("unterdurchschnittliches Einkommen und Intelligenz") rumgesprochen und die Zahl der Banküberfälle geht seit Jahren kontinuierlich zurück.

Barry Reilly, Neil Rickman and Robert Witt - Robbing banks - Crime does pay – but not very much

gefunden über Economists demonstrate exactly why bank robbery is a bad idea | Ars Technica

Obligatorisches Brecht-Zitat zum Schluss:

Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank.

Also lieber eine Bank gründen als eine überfallen. Und Geheimtrick dabei: Möglichst schnell "Too big to fail" werden. Dann geht das Risiko gegen Null ...

USA: Arbeitslosenquote 05/12: 8,2% (+0,1 Vm, -0,8 Vj)

Hmmm, ein Arbeitsmarktbericht, der im ersten Teil ein genaues Spiegelbild des Vormonats ist. Überwiegend aber eine klare Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den Mai 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +220.000 auf 12,720 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +422.000 auf 142,287 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,2% (+0,1 zum Vormonat, -0,8 unter dem Vorjahresmonat).

Dass sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen steigt (im Vormonat stand hier sinkt), ist seltsam ... Aber die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force"), gab es im Mai plötzlich 461.000 weniger, nachdem es im April noch unfassbarere 522.000 mehr gab. Solch extreme Schwankungen lassen einen natürlich schon an der Aussagekraft der Statistik zweifeln ...

Ein guter Check ist daher immer die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung). Diese stieg im April auf 58,6% (+0,2) und liegt damit 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,0 auf 8,2% kräftig zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur wenig verbessert. Aber immerhin gibt es ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, die ganz vorsichtige Verbesserung der Wintermonate setzt sich also doch fort.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Mai der enttäuschende Teil.

Anzahl der Jobs: +69.000 gegenüber dem Vormonat auf 133,009 Millionen. Dem Plus von 82.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate waren schwach: Der März wurde um 11.000 auf 143.000 nach unten korrigiert (im Vormonat +34.000), der April um 38.000 nach unten auf nur noch +77.000. Insgesamt sind durch die Korrekturen noch einmal 49.000 Jobs verloren gegangen.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank im Vergleich zum Vormonat leicht um 0,1 auf 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat änderte sich der Wert nicht. Die Zahl der Überstunden sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Stunden auf 3,2 Stunden, gegenüber dem Vorjahr bleibt aber noch ein Plus von 0,1 Stunde. Das deckt die Interpretation eines schwachen Monats für den US-Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese unterstützt die Interpretation, dass der Mai schwach war. Die Verbesserung des Vormonat setzte sich nicht fort; die Quote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 14,8%. Allerdings: Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,8%).

Zusammenfassend: Ein schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Die massiven Änderungen bei den NILFs (sowohl im April wie im Mai) macht den ersten Teil der Statistik (Household Survey) extrem schwierig zu interpretieren. Die Arbeitslosenquote (+0,1) und die Erwerbstätigenquote (+0,2) zeigen schon in die entgegengesetzte Richtung. Mit der Erwerbstätigenquote ist auch schon die einzige positive Zahl des Berichts genannt.

Die Zahl der neuen Arbeitsplätze blieb mit 69.000 extrem kräftig unter den Erwartungen, die bei ungefähr 150.000 lagen. Wenn man die Abwärtskorrekturen der zwei Vormonate berücksichtigt, blieben von den 69.000 sogar nur 20.000 übrig.

Nach dem dritten schwachen Monat im Folge kann man dem US-Arbeitsmarkt keine positive Note mehr ausstellen. Er ist zwar noch okay (siehe Erwerbstätigenquote), aber vom Arbeitsmarkt getragen wird das US-Wachstum (nicht) mehr. In Schulnoten vielleicht ein Ausreichend. Sollte der Juni ähnlich schwach werden, droht aber noch eine Stufe weniger, sprich der Arbeitsmarkt könnte wieder zur Belastung der US-Konjunktur werden.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – Mai 2012

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore