... nenne ich die zu hohen Vergütungssätze für die Einspeisung von Fotovoltaik schon länger ...
Dass das die Lizenz zum Gelddrucken (
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (06.08.10): 7,4%) war, sollte eigentlich kaum jemanden entgangen sein. OK, es gibt immer Leute, die das ignorieren, weil sie es nicht wahr haben wollen. Aber man muss nur mal mit offenen Augen durch Deutschland fahren und die Anzahl von Scheunen und Traktorunterstellplätzen zählen, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen:
a) relativ neu,
b) Dachfläche geht hinten bis zum Boden und steht vorne mindestens 2 Meter über,
c) Gebäude steht in Ost-West-Richtung und das Dach zeigt nach Süden, und
d) es steht meistens überhaupt nix unter dem Dach, keine Kuh, kein Trecker, kein Heuballen ...
Kurz: Das Gebäude steht dort nur aus einem Grund: Solarzellen drauf und Förderung für Auf-Dach-Anlagen kassieren (dafür gab es ab einem bestimmten Zeitpunkt mehr Geld als für Anlagen auf dem Feld).
Es fließt also jede Menge Geld in Richtung der Personen, die über Dachflächen verfügen. Und zwar nicht nur an den Eigenheimbesitzer (den die Politiker in ihren Sonntagsreden gerne erwähnen), sondern eben auch an Großdachflächenbesitzer.
Im Endeffekt gibt es diese gleiche Geschichte auch bei "normalen" Flächenbesitzern, nämlich jenen, die sich für Windkraft eignen. Auch dort können Bauern in Küstennähe mit der Verpachtung des Landes an Windkraftanlagenbetreiber deutlich mehr Geld verdienen als sie es jemals mit Ackerbau und Viehzucht konnten. Teilweise sind die Einnahmen durch die Verpachtung so groß, dass die Bauern ihr normales Geschäft gleich einstellen können. Euphemistisch nennen die Befürworter dieses Nichtstun dann "Windgärtner" ... (Wer hingegen von Kapitaleinkommen lebt, ist natürlich ein elender Bonze ...)
Das wäre jetzt alles nicht sonderlich schlimm, wenn hier nur ein paar Leute richtig viel Geld verdienen würden. Das gibt es immer und das ist meiner Meinung nach auch nicht sonderlich beklagenswert. Fies wird es jedoch, wenn das Geld fürs "Nichtstun" fließt und es alle gemeinsam bezahlen. Und das "alle" bedeutet in diesem Fall eben auch wirklich "alle"...
Denn umgelegt werden die Kosten bekanntlich auf die Stromrechnung. Und die zahlt ja nun wirklich jeder. Es ist nicht so, dass wie bei der Einkommensteuer ein spürbarer Anteil der Bevölkerung gar nichts zahlen muss. Es zahlen alle. Bis runter auf Hartz IV Einkommensniveau. Dummerweise zahlen auf der anderen Seite energieintensive Unternehmen nichts. Das hätte ja Arbeitsplätze gekostet, so das Argument. Als wenn 185 Euro weniger in den Portmonees einer Durchschnittsfamilie nicht auch weniger Nachfrage und damit weniger Arbeitsplätze nach sich ziehen würde ...
Die FTD nennt das jetzt (vielleicht etwas übertrieben) "eines der größten Umverteilungsprogramme" von unten nach oben. Es ist aber auf jeden Fall eine der schlimmsten Fehlentwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte.
Es rächen sich jetzt grundlegende Entscheidungen zur Finanzierung der Energiewende:
a) Die Kosten für die Energiewende wurden nicht über Steuern finanziert, sondern über die Stromrechnung. Damit kommt die Förderung nicht aus einem der Töpfe, in den einige Besserverdienende ziemlich viel einzahlen und einige fast gar nichts, sondern aus einem Topf, in den alle annähernd gleich viel einzahlen.
b) Die Kosten wurden über 20 Jahre gestreckt, um nicht gleich zu sagen "versteckt". Das sorgt für eine extrem verzögerte Reaktion der Politik auf eventuelle Probleme. So wurden die Einspeisungsvergütungen mMn IMMER zu spät gesenkt.
c) Durch die garantierte Einspeisevergütung kann das Niveau der Förderung NIE gesenkt werden. Sollte also jemand heute auf die Idee kommen, dass die ganze Konstruktion der Energiewende doof war, läuft der Großteil der Förderung trotzdem noch mehr als 15 Jahre weiter ... Erst dann kann die Belastung wieder zurückgehen ...
Jetzt aber fällt den Politikern auf, dass man für die Windkraft ja neue Netze braucht. Dass man für die regenerativen Energien neue Speichermöglichkeiten benötigt. Und dass auch das alles Geld kostet und zwar ganz schön viel. Wie schön wäre es, jetzt mal 2 Jahre lang keine 3 Milliarden neu in die Fotovoltaik stecken zu müssen, sondern das Geld für andere Zwecke nutzen zu können. Geht aber nicht, die Vergütung ist fix.
Windkraft: Das schmutzige Geheimnis der Energiewende | FTD.de
P.S. Es geht mir nicht darum, die Energiewende schlecht zu machen. Mich stören aber einige Dinge:
a) Das einseitige Starren auf die Energieerzeugung. Energiesparen hätten möglicherweise mit deutlich weniger Geld mehr bewirken können.
b) die Konstruktion der Finanzierung (siehe oben a bis c).
c) Die zu späten Senkungen der Einspeisevergütung, durch die wir zu früh zu viel zu teure Technik auf die Dächer und die Äcker gepackt haben. Heute könnte man mit diesem Geld ein Vielfaches erreichen.
Aber nun ja, wie die FTD anmerkt, beginnen jetzt in der Politik schon Diskussionen über einen vergünstigten Basisstrom. Damit sollen wohl Personen bis zu einem bestimmten Maximaleinkommen (klar, bloß nicht alle) eine bestimmte Menge Strom (klar, man soll ja Energie sparen) vergünstigt bekommen. Also wieder eine dumme Regelung, die die Auswirkungen einer anderen dummen Regelung ausgleichen soll. Wie wär's zur Abwechslung einfach mal mit "gleich richtig machen"?
... nenne ich die zu hohen Vergütungssätze für die Einspeisung von Fotovoltaik schon länger ...
Dass das die Lizenz zum Gelddrucken (
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (06.08.10): 7,4%) war, sollte eigentlich kaum jemanden entgangen sein. OK, es gibt immer Leute, die das ignorieren, weil sie es nicht wahr haben wollen. Aber man muss nur mal mit offenen Augen durch Deutschland fahren und die Anzahl von Scheunen und Traktorunterstellplätzen zählen, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen:
a) relativ neu,
b) Dachfläche geht hinten bis zum Boden und steht vorne mindestens 2 Meter über,
c) Gebäude steht in Ost-West-Richtung und das Dach zeigt nach Süden, und
d) es steht meistens überhaupt nix unter dem Dach, keine Kuh, kein Trecker, kein Heuballen ...
Kurz: Das Gebäude steht dort nur aus einem Grund: Solarzellen drauf und Förderung für Auf-Dach-Anlagen kassieren (dafür gab es ab einem bestimmten Zeitpunkt mehr Geld als für Anlagen auf dem Feld).
Es fließt also jede Menge Geld in Richtung der Personen, die über Dachflächen verfügen. Und zwar nicht nur an den Eigenheimbesitzer (den die Politiker in ihren Sonntagsreden gerne erwähnen), sondern eben auch an Großdachflächenbesitzer.
Im Endeffekt gibt es diese gleiche Geschichte auch bei "normalen" Flächenbesitzern, nämlich jenen, die sich für Windkraft eignen. Auch dort können Bauern in Küstennähe mit der Verpachtung des Landes an Windkraftanlagenbetreiber deutlich mehr Geld verdienen als sie es jemals mit Ackerbau und Viehzucht konnten. Teilweise sind die Einnahmen durch die Verpachtung so groß, dass die Bauern ihr normales Geschäft gleich einstellen können. Euphemistisch nennen die Befürworter dieses Nichtstun dann "Windgärtner" ... (Wer hingegen von Kapitaleinkommen lebt, ist natürlich ein elender Bonze ...)
Das wäre jetzt alles nicht sonderlich schlimm, wenn hier nur ein paar Leute richtig viel Geld verdienen würden. Das gibt es immer und das ist meiner Meinung nach auch nicht sonderlich beklagenswert. Fies wird es jedoch, wenn das Geld fürs "Nichtstun" fließt und es alle gemeinsam bezahlen. Und das "alle" bedeutet in diesem Fall eben auch wirklich "alle"...
Denn umgelegt werden die Kosten bekanntlich auf die Stromrechnung. Und die zahlt ja nun wirklich jeder. Es ist nicht so, dass wie bei der Einkommensteuer ein spürbarer Anteil der Bevölkerung gar nichts zahlen muss. Es zahlen alle. Bis runter auf Hartz IV Einkommensniveau. Dummerweise zahlen auf der anderen Seite energieintensive Unternehmen nichts. Das hätte ja Arbeitsplätze gekostet, so das Argument. Als wenn 185 Euro weniger in den Portmonees einer Durchschnittsfamilie nicht auch weniger Nachfrage und damit weniger Arbeitsplätze nach sich ziehen würde ...
Die FTD nennt das jetzt (vielleicht etwas übertrieben) "eines der größten Umverteilungsprogramme" von unten nach oben. Es ist aber auf jeden Fall eine der schlimmsten Fehlentwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte.
Es rächen sich jetzt grundlegende Entscheidungen zur Finanzierung der Energiewende:
a) Die Kosten für die Energiewende wurden nicht über Steuern finanziert, sondern über die Stromrechnung. Damit kommt die Förderung nicht aus einem der Töpfe, in den einige Besserverdienende ziemlich viel einzahlen und einige fast gar nichts, sondern aus einem Topf, in den alle annähernd gleich viel einzahlen.
b) Die Kosten wurden über 20 Jahre gestreckt, um nicht gleich zu sagen "versteckt". Das sorgt für eine extrem verzögerte Reaktion der Politik auf eventuelle Probleme. So wurden die Einspeisungsvergütungen mMn IMMER zu spät gesenkt.
c) Durch die garantierte Einspeisevergütung kann das Niveau der Förderung NIE gesenkt werden. Sollte also jemand heute auf die Idee kommen, dass die ganze Konstruktion der Energiewende doof war, läuft der Großteil der Förderung trotzdem noch mehr als 15 Jahre weiter ... Erst dann kann die Belastung wieder zurückgehen ...
Jetzt aber fällt den Politikern auf, dass man für die Windkraft ja neue Netze braucht. Dass man für die regenerativen Energien neue Speichermöglichkeiten benötigt. Und dass auch das alles Geld kostet und zwar ganz schön viel. Wie schön wäre es, jetzt mal 2 Jahre lang keine 3 Milliarden neu in die Fotovoltaik stecken zu müssen, sondern das Geld für andere Zwecke nutzen zu können. Geht aber nicht, die Vergütung ist fix.
Windkraft: Das schmutzige Geheimnis der Energiewende | FTD.de
P.S. Es geht mir nicht darum, die Energiewende schlecht zu machen. Mich stören aber einige Dinge:
a) Das einseitige Starren auf die Energieerzeugung. Energiesparen hätten möglicherweise mit deutlich weniger Geld mehr bewirken können.
b) die Konstruktion der Finanzierung (siehe oben a bis c).
c) Die zu späten Senkungen der Einspeisevergütung, durch die wir zu früh zu viel zu teure Technik auf die Dächer und die Äcker gepackt haben. Heute könnte man mit diesem Geld ein Vielfaches erreichen.
Aber nun ja, wie die FTD anmerkt, beginnen jetzt in der Politik schon Diskussionen über einen vergünstigten Basisstrom. Damit sollen wohl Personen bis zu einem bestimmten Maximaleinkommen (klar, bloß nicht alle) eine bestimmte Menge Strom (klar, man soll ja Energie sparen) vergünstigt bekommen. Also wieder eine dumme Regelung, die die Auswirkungen einer anderen dummen Regelung ausgleichen soll. Wie wär's zur Abwechslung einfach mal mit "gleich richtig machen"?
Subventionen für Dachflächenbesitzer ...