Verlierer des Jahres 2013

Irgendwie habe ich 2012 vergessen, meinen Verlierer des Jahres zu küren. Oder hatte ich damals keine Lust, weil mir das zu negativ, zu wenig hilfreich erschien? War ich damals in der "Man muss doch was ändern, und nicht immer nur mosern und mit dem Finger auf die anderen zeigen"-Stimmung? Aber nun ja, was helfen solche tiefschürfenden Gedanken? Meckern ist doch einfacher! Und ich bin einfach. Denn ich bin Blogger ;)

Erst mal ein kleiner Rückblick auf die Verlierer der Vorjahre:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2011 (Silvio Berlusconi, dessen hoffentlich endgültiger Untergang erst 2013 kam)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2010 (Guido Westerwelle, dessen endgültiger Untergang erst 2013 kam; ich bin Seher ;) )

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2009 (Frau Schaeffler, die aber die falsche Wahl war. Ich hätte Frau Schickedanz wählen sollen. Die wurde erstens nicht durch die Abwrackprämie gerettet und zweitens hätte das einen Middelhoff-Bezug gehabt ;) ).

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2008 (Funke von der Hypo Real Estate).

Für 2013 hat die Wirtschaftswoche eine ganz gute Liste (überwiegend) aus dem Bereich Wirtschaft erstellt:
Middelhoffs Erben: Die größten Blender und Versager des Jahres - Management - Unternehmen - Handelsblatt
(Nicolas Berggruen (Karstadt) 9/10 (siehe dazu auch die FAZ), Hartmut Mehdorn 8/10, Max Schön (Desertec) 8/10, Uwe Laue (Debeka) 8/10, Willi Balz (Windreich) 8/10, Thorsten Heins (Blackberry) 7/10, Frank Asbeck (Solarworld) 7/10, Gerhard Cromme (allgegenwärtiger Chef-Aufseher) 7/10, Paul Flowers (Co-Op Bank, UK) 7/10 und noch einige andere). 10 von 10 Middelhoffs vergibt die WiWo nicht, der Preis ist für ewig für DEN Middelhoff reserviert ...

Aber ich will jetzt zum Preisträger 2013 kommen. Wer meine Tweets/Posts in den letzten Monaten verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass mich die ganzen Enthüllungen von Edward Snowden ziemlich schockiert haben. Und wenn man das alles zusammenfasst, gibt es nur einen möglichen Verlierer des Jahres 2013:

Wir (bzw. unsere Privatsphäre). Und damit am Ende auch die Demokratie.

Das Schlimmste daran: Wir sind gleich auf mehreren Ebenen Verlierer. Wir haben im Vorfeld viel zu wenig aufgepasst und unsere Daten Facebook und Google viel zu unkritisch anvertraut. Wir haben uns nicht um Verschlüsselung unserer Daten gekümmert. Wir haben nichts gesagt, als anonyme Prepaid-Handykarten abgeschafft wurden. Wir haben nichts getan, als das Bankgeheimnis defakto abgeschafft wurde. Als die elektronische Gesundheitskarte kam. Die Maut. Etc. pp. Bei jedem kleinen Schritt wurde gewarnt. Von immer denselben, einer verschwindend kleinen Minderheit. Die Masse hat nur abgenickt: "Ich habe ja nichts zu verbergen".

Was aber noch schlimmer ist: Die Enthüllungen von Snowden lagen auf dem Tisch. Und es war klar, dass wir in einem Ausmaß abgehört und von uns Daten gesammelt und gespeichert werden, wie sich es selbst die Aluhut-Fraktion kaum vorstellen konnten. Und was wählt Deutschland? Eine große Koalition aus zwei staatsgläubigen Parteien. Die einzige Partei, die in der Vergangenheit wenigstens ansatzweise etwas gegen Gesetze für mehr Überwachung (z.B. gegen die Vorratsdatenspeicherung) getan hat, flog dabei aus dem Bundestag. Und die andere Partei, die auf diesem Gebiet was zu sagen hat, fand Spaß an der Selbstzerfleischung auf den unterschiedlichsten polititischen und persönlichen Ebenen. Statt sich um das wahrscheinlich wichtigste Thema der Jetztzeit zu kümmern.

Jetzt haben wir bald 2014. Und sind damit endgültig im Zeitalter angekommen, in dem keiner mehr mächtig werden wird, wenn es einigen Leuten nicht ins Konzept passt. Denn jeder, der jetzt die Revolution anzetteln will, hat genügend Spuren hinterlassen, die man gegen ihn verwenden kann:
Ein Seitensprung? Wir wissen, wo du gestern Nacht geschlafen hast.
Eine falsche Steuererklärung? Wir wissen, was du geshoppt hast.
Du spielst den Moralapostel? Wir wissen, welche Filme du gestreamt hast.

Ja, Du hast nichts zu verbergen. Aber Du bist auch irrelevant (wie ich auch). Du gehst arbeiten. Zahlst deine Steuern ziemlich vollständig und bist auch sonst unauffällig. Und Du hast vor allem keine Macht. Und Du willst auch keine und wirst auch (aller Voraussicht nach auch keine bekommen).

Aber wenn Du Journalist bist. Wenn du Rechtsanwalt bist. Oder wenn du als Politiker an die Macht willst. Dann hast du Einfluss. Dann kannst du Dinge ändern. Aber auch dann weiss die NSA (der GCHW, der BND, ...) über dich wahrscheinlich genug, um dich zu diskreditieren. Oder zumindest genug, um dich zu verunsichern.

Es geht bei der ganzen Diskussion um Abhören und Privatsphäre meiner Meinung nach überhaupt nicht darum, ob man selber etwas zu verbergen hat oder nicht. Es geht darum, ob Andere etwas zu verbergen haben. Der Anwalt, der sich für Menschenrechte oder zum Beispiel einen Edward Snowden einsetzt. Oder der Journalist, der mächtigen Politikern einen Skandal nachweisen will. HIER spürt man die konkrete Gefahr der Überwachung und die Macht, die von dem durch Überwachung gesammelten Wissen ausgeht.
In noch unfreieren Ländern wie Russland kann man das schön beobachten. Mecker in der Kneipe über Putin und dir passiert nichts. Geh mit bei einer Demo gegen Putin und du bist auf dem Radar. Schreib als Journalist über die Demo oder setz dich als Rechtsanwalt für verprügelte Demonstranten ein und du bist sofort auf der roten Liste. Kann man dann noch wirklich was ändern? Kann man dann noch politisch aktiv werden? Seine demokratischen Grundrechte ausüben?

Ist das jetzt zu paranoid? Wie sagten viele auf dem 30C3: "Wir waren nicht paranoid genug".

War das jetzt zu negativ?

Weiss nicht, ich übergebe an Hagen Rether: "Der Wähler will angelogen werden. Damit er nachher meckern kann".



Irgendwie erinnert mich das an meine Gedanken zum Jahreswechsel 2012/2013 ...

Danke für Eure Treue in 2013. Danke für die drei Einkäufe über den Amazon-Affiliate-Link ;) Danke für alle Retweets/Reposts. Und besonders für alle Kommentare. Und ganz besonders für die fleissigen Flatterer, v.a. Jerec. Den ich zwar nicht kenne (oder?), der aber gefühlt jeden zweiten Artikel von mir flattert. Daran sollten die anderen sich mal ein Vorbild nehmen ;)

Rutscht gut in das Jahr 2014. Aber passt auf, wie viel ihr trinkt. Und wo (oder mit wem ;) ) ihr nachher pennt. Die NSA hört mit ...

Genießt die Feiertage!

Lasst es ruhig angehen, erholt Euch gut. Genießt die Ruhe. Und singt fein :)



Und als Zugabe noch ein Umgedichtetes ;)



Bis die Tage!

Wer lieber Gedichte mag ...

Nils Heinrichs kleines Gedicht an den Weihnachtsmann

Schnappt jetzt die Regulierungsfalle für Bitcoins zu?

Ich habe vor gut drei Wochen (Bitcoin Kurs damals zum ersten Mal über 600$, aktuell etwa 900, zwischenzeitlich 1200)) versucht herauszufinden, warum der Kurs immer weiter nach oben geht.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum steigen Bitcoins immer weiter?

Ein paar der allgemein genannten Argumente fand ich schlüssig, bei einigen blieb ich aber skeptisch.
Insbesondere das Argument, dass die Behörden Bitcoins bisher wohlwollend begleitet haben, stach für mich nicht. Ich schrieb:
Bisher war die Regulierung relativ harmlos, das könnte aber auch deutlich strenger werden. Die Gefahr, dass Bitcoins "zu Tode reguliert" werden, besteht IMHO weiterhin.
Auf diese grundsätzliche Gefahr habe ich auch schon im März hingewiesen. Wer das Geld eines Landes kontrolliert, kontrolliert am Ende auch das Land:
Wie wichtig die Kontrolle über die Währung ist, zeigt das Zitat des legendären Bankiers Rothschild, der schon vor über 200 Jahren sagte: “Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!”. Und da kommt den Herrschenden eine mögliche Konkurrenzwährung natürlich nicht gerade passend …
Es gibt #Bitcoins im Wert von 655 Millionen $? Dann mal schnell regulieren - egghat's not so micro blog

Ich sehe in diesem Punkt weiterhin die größte Gefahr für Bitcoins. Den Machthabern ist eine Währung, die sich nicht kontrollieren, nicht geheuer. Sie bedeutet Machtverlust. Vor allem, wenn diese Währung deutliche Vorteile gegenüber den gängigen Währungen verspricht. Bei Bitcoins ist der große Vorteil die Möglichkeit, Geld nahezu kostenlos in alle Teile der Welt zu bekommen. (Gold als die andere große Alternativ"währung" ist hier hoffnungslos unterlegen).

Die European Banking Authority nennt (nicht als erste) folgende Gefahren, die von Bitcoins ausgehen::
  • Bitcoins können durch Hackerangriffe gestohlen werden,
  • Bitcoins können zur Geldwäsche genutzt werden,
  • Bitcoins seien zum großen Teil nur Spekulation und man dürfe es nicht als Geld auffassen  (Kunde sollte daher Bitcoins eher wie Aktien betrachten und nicht wie Bargeld)
  • Wenn Bitcoin-Dienstleister zumachen (pleite oder weil sie von den Behörden geschlossen werden), können Kunden unter Umständen nicht an ihr Geld kommen. 
Einige der Argumente verpuffen aber, denn da unterscheiden sich Bitcoins nicht von Notenbankgeld. Geldwäsche und Diebstahl gab es auch vor Bitcoins schon. Und die Gefahr, dass ein Dienstleister (bei Notenbankgeld heisst dieser Bank) dicht macht, existierte auch schon vor Bitcoins. Bei Notenbankgeld sichert der Staat aber aufwändig durch staatliche Garantien das Vertrauen der Bürger in diese Währung ab.

Genau diese staatliche Unterstützung werden Bitcoins wohl nie bekommen (auch wenn der Staat diese Möglichkeit durchaus hätte). Im Gegenteil: Bitcoins werden wohl immer gegen den Staat arbeiten müssen.

Mit etwas Glück gehen Bitcoins dabei den Weg des Goldes und erobern sich eine Nische neben den großen Notenbankwährungen. Und wird in dieser Nische wie Gold mehr oder weniger in Ruhe gelassen.

Ich bin aber pessimistischer: Bitcoins sind in einer globalisierten Welt deutlich nützlicher als Gold. Sie stellen damit eine reale Gefahr für Banken und Zahlungsdienstleister wie Kreditkartengesellschaften und Paypal dar. Nicht nur Regierungen dürften Bitcoins mit Argwohn betrachten, auch der Finanzsektor wird eine Währung, mit der er kein Geld verdienen kann, nicht wirklich begrüßen. Und wenn der Finanzsektor UND die Regierungen etwas, das sie tangiert, nicht wollen, hat dieses "etwas" eigentlich keine Chance ... Dafür werden die Lobbyisten schon sorgen. Regierungen und Banken waren in der Vergangenheit schon oft genug zusammen im Bett ...

Europas Bankenwächter warnen vor Bitcoin - WSJ.de

Daneben besteht natürlich auch noch die große Gefahr, dass sich Bitcoins nicht als Währung durchsetzt, weil die Dinger einfach zu stark schwanken. Es ist nicht hilfreich für die Bezahlfunktion, wenn man am Freitag für 0,02 Bitcoins einen Hamburger-Menü bekommt und am Tag danach 0,04 bezahlen muss. Die Menschen erwarten zu recht, dass sich Preise nicht täglich ändern.

Wenn man sich kurz an die Summen erinnert, die die Volkswirtschaft spart, seit der Euro eingeführt wurde, weil dadurch Geldumtausch und Wechselkursänderungen wegfielen, weiss man was auf der Gegenseite Bitcoins für Kosten verursachen. Zumindest so lange sich der Wert so erratisch verhält.

"Bitcoin hat auf Dauer keine Chance" | heise online

Mal schauen: Eventuell zerlegen sich Bitcoins durch die inhärenten Probleme durch die Schwankungsanfälligkeit selber. Dummerweise erhöht sich aber durch jedes im Bitcoin-Universum gelöste Problem die Gefahr die von Bitcoins für die Mächtigen in Regierung und Finanzen ausgeht. Und da liegt am Ende der Knackpunkt: Lassen die Regierungen, Banken und Notenbanken Bitcoins zu oder torpedieren sie die neue Währung, sei es offen (durch Verbot) oder versteckt (durch Regulierung)?

GR: Arbeitslosenquote 09/13: 27,4% (+0,1 Vm, +1,4 Vj)

Jugendarbeitslosigkeit 51,9% (-4,8 Vj). (Disclaimer zur Aussagekraft dieser Zahl).

Der Trend der letzten Monate setzt sich fort: Die Geschwindigkeit des Anstiegs nimmt ab, es scheint sich langsam ein Plateau zu bilden.

Das leider auf einem erschreckend hohem Niveau, das einer Volkswirtschaft nicht gut tun kann.

LABOUR FORCE SURVEY: September 2013

Inzwischen sollte man meiner Meinung nach nicht mehr allein die Arbeitslosenquote als Konjunktur- bzw. Krisenindikator heranziehen, sondern zusätzlich das breit sinkende Lohnniveau berücksichtigen. Die Summe Geld, die in der Volkswirtschaft ankommt, kann sich ja aus zwei Gründen ändern:

a) Die Anzahl der Beschäftigten ändert sich
b) Die Höhe der Löhne ändert sich
(OK, zusätzlich kann der Staat noch die Besteuerung ändern).

In Griechenland war der maßgebliche Effekt in den ersten Jahren der Krise der Rückgang der Beschäftigtenzahl (umgekehrt die Arbeitslosenquote). Zwischen September 2009 und 2013 sank die Anzahl der Beschäftigen von 4,5 auf 3,6 Millionen. Die kräftigsten Rückgänge gab es dabei 2011 und 2012. Zwar wurde dieser Rückgang in den letzten Monate schwächer, dafür sinken jetzt aber die Löhne stärker. Im ersten Quartal sanken die Löhne im Jahresvergleich um 10,2%, im zweiten Quartal um 7,5%.

Man sieht schön, dass die sich stabilisierende Arbeitslosenquote nur die halbe Wahrheit ist. Solange die Löhne weiter so stark sinken, kann es kaum zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Wirtschaft in Griechenland kommen.

Elstat: INDEX OF WAGES OF THE WHOLE ECONOMY: 2006 – 2nd quarter 2013 (PDF)

Update (13:30):

Zur Stabilisierungsthese vielleicht noch ein Lesehinweis:

Jens Bastian – Trendwende am griechischen Arbeitsmarkt? |

Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9%

Das ist heftig. Nach den neuesten Zahlen aus dem November sind in Griechenland die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um fast 3 Prozent gefallen.

Weil Deflation eine ziemlich eklige Sache ist, wenn man hohe Schulden hat, habe ich ziemlich früh darauf hingewiesen:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation (Herbst 2012)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t. (Frühling 2013)

Deflation bedeutet, dass die Preise sinken, sprich Geld mehr wert wird. Hört sich erst mal gut an. Wenn man allerdings Schulden hat, bedeutet das aber auch, dass die Schulden mehr wert werden. Und das ist etwas, was Griechenland überhaupt nicht gebrauchen kann.

Ein kleines Beispiel: Wenn 2012 das BIP mit 6% gesunken ist und die Inflation 1% betrug, sank das Brutto-BIP (das für die Messung des Schuldenstand in Prozent des BIPs relevant ist) um 5%. Sinkt dieses Jahr das BIP nur um 3%, hört sich das auf den ersten Blick wie eine klare Verbesserung an. Kommen aber 3% Preisrückgang dazu, wäre das Netto-BIP 2013 um 6% gesunken, also sogar stärker als 2012. (Ich habe die 2012er-Zahlen nicht herausgesucht, sie dienen nur der Illustration). Man könnte es auch anders betrachen: Um 3% Preisrückgang auszugleichen, bräuchte man 3% Wirtschaftswachstum (die natürlich für Griechenland nicht in Sicht sind).

Der starke Rückgang der Preise in Griechenland im Oktober und November dürfte auf das Auslaufen der Effekte von Steuererhöhungen im Vorjahr zurückgehen. Bis auf die Preise für Tabak und Alkohol sinken alle Teilindizes (bei Tabak und Alkohol wirkt wahrscheinlich noch eine Steuererhöhung aus den letzten 12 Monaten). Dass die Preis auf so breiter Front sinken, ist etwas überraschend, denn im Rest Europas stiegen die Verbraucherpreise im November um 1,0% im Jahresvergleich und damit auch etwas stärker als im Oktober (+0,7%).

Ich befürchte, dass der Preisrückgang in Griechenland kein einmaliger Ausreißer ist, sondern sich jetzt das allgemein sinkende Lohnniveau (siehe GR: Lohnsumme Q01-13: -10,1% (Vj) - egghat's not so micro blog) langsam in den Preisen widerspiegelt. Wenn alle weniger mehr Geld verdienen, senkt halt auch die Frisör irgendwann seinen Preis. Besser einen Euro weniger pro Haarschnitt als gar kein Geld mehr ...

Das Doofe daran: Eine solche Abwärtsspirale ist nur schwierig aufzuhalten. Bei einer Arbeitslosenquote von etwa 27% wird der Druck auf die Löhne weiter anhalten. Die Löhne sinken, die Einkommen sinken, und damit auch die Preise, die die Dienstleister verlangen können. Und das kann noch einige Zeit so weiter gehen ...

Elstat: HARMONIZED INDEX OF CONSUMER PRICES: November 2013

Die eigentlich gute Nachricht, dass der griechische BIP im dritten Quartal "nur noch" um 3,0% gesunken ist, ist somit keine. Denn auf den Rückgang des BIPs kommt noch der Preisrückgang oben drauf. Das Brutto-BIP im dritten Quartal ist somit um 5,9% gesunken und das ist nur etwas besser als im Vorjahr (-7,1%). Würde man das preisbereinigte Netto-BIP nehmen, wäre das Schrumpfen von -6,7% auf -3,0% durchaus eine positive Schlagzeile wert ...

Elstat: QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 3rd Quarter 2013 (Provisional)

P.S.: Selbst wenn Griechenland keinen einzigen Euro neue Schulden macht, steigt der Schuldenstand bei einem (angenommenen) Wert von 150% des BIPs bei einem Rückgang des Netto-BIPs um 6% um fast 10 Prozentpunkte auf 160%/BIPs. Es wird deutlich: So viel und so schnell kann Griechenland gar nicht sparen, um die Auswirkungen der Deflation zu korrigieren. Vor allem nicht, weil jede Sparmaßnahme die Deflation zusätzlich anheizt ...

Update (13:22):

Der Preisrückgang ist übrigens der größte, seit die Statistik berechnet wird (1960).

FAZ: Allensbach-Analyse: Stille Liebe zur Planwirtschaft. IMHO keine Überraschung.

(Es klingt zwar leider besserwisserisch aber ...) Überraschend finde ich das nicht.

Bei nahezu jedem Artikel, in dem es irgendwie um das Spannungsfeld "Markt vs Staat" geht, gibt es deutlich mehr positive Reaktionen "Pro Staat" als "Pro Markt". (Vielleicht sieht das im Forum der FAZ anders aus, hier (und wir sind hier nicht bei den Nachdenkseiten) ist es aber schon anders.

Irgendwie ist den Deutschen die "soziale Marktwirtschaft" zwar ganz sympathisch, aber was das eigentlich ist, ist wohl schon unklar. Das ganze kann man halt sowohl mit dem Schwerpunkt auf "sozial" wie auch auf "Markt" interpretieren.

Warum reagiert der Deutsche so unterschiedlich auf "Markt" und "Staat"? Ich versuche mal eine Erklärung, wie die Mehrheit in diesem Lande denkt.

Für den Durchschnittsmenschen sind die positiven Wirkungen von "sozial" direkt spürbar (Mindestlohn, Rente, Gesundheit, ...), die positiven Wirkungen von "Markt" (beste Preise, effiziente Allokation von Ressourcen) hingegen bleiben abstrakt. Dem "beste Preise durch Wettbewerb" steht z.B. gleich ein "wird eh immer alles teurer" gegenüber.

Die negativen Auswirkungen von "sozial" hingegen sind relativ abstrakt (weniger Freiheit, mehr Bürokratie, hohe Kosten, Geld kommt oft nicht da da an, wo es hin müsste), die negativen Auswirkungen von "Markt" hingegen versteht jeder (hohe Managergehälter, Gier, Ausbeutung, ...).

Diese ziemlich asymmetrische Aufnahme von Positivem und Negativem wird noch asymmetrischer, wenn man sich die Lösungsvorschläge für die diversen Probleme auf beiden Seiten (Staat und Markt) anschaut.

Gibt es Probleme beim Staat wird quasi immer nach dem Staat als Problemlöser gerufen, an "mehr Markt" denkt dabei kaum jemand. Probleme beim "Markt" muss ebenfalls immer der Staat lösen. Dem Markt traut man das nicht zu, nicht einmal, wenn der Staat durch neue Gesetze die Leitplanken neu aufstellt. Nicht gerade wenige sind sofort für eine permanente Einmischung des Staats.

Mich verwundert immer, wie viel die Mehrheit der Deutschen dem Staat zutraut. Dabei ist die Liste der großen Projekte, die die Politik (also der Staat) in den letzten Jahrzehnten an die Wand gefahren hat, nicht gerade kurz. Und dabei denke ich nicht an Peanuts wie zu teure Philharmonien (auch Unternehmen sollen Milliarden in Stahlwerken in Alabama versenken), sondern an die richtig großen Dinge wie die Energiewende oder Europa - auch wenn es bei letzterem noch Resthoffnung gibt.

Ich will jetzt hier den Markt nicht als Allheilmittel preisen. Das ist der Markt nicht. Und er ist in vielen Fällen auch eher das Problem als die Lösung. Aber das ist der Staat eben oft genug auch. Vor allem ist der Staat nicht immer und in allen Fällen die einzige mögliche Problemlösung.

Wenn eine Mehrheit der Deutschen von mehr Staatseinfluss sinkende Preise erwartet (mit Marktwirtschaft verbinden 49% hohe Preise, mit Staatswirtschaft nur 35%), sieht man wie verzerrt die Wahrnehmung über die Macht und den positiven Einfluss des Staats in der Bevölkerung ist. Es gibt keinerlei positive Vorbilder (weder in Deutschland noch im Ausland), trotzdem traut die Bevölkerung dem Staat irgendwie zu, die Preise für Kartoffeln senken zu können. Strange.

Allensbach-Analyse: Stille Liebe zur Planwirtschaft - Inland - FAZ

Immerhin: Den Punkt "Wohlstand" verbindet mit 66% eine klare Mehrheit mit der Marktwirtschaft (nur 26% denken an die Staatswirtschaft).

Warum steigen Bitcoins immer weiter?

Ich bin ja sicherlich nicht der Einzige, der sich fragt, warum Bitcoins immer mehr wert werden. Vielleicht mal ein guter Zeitpunkt, sich einen Überblick über die möglichen Gründe für den Kursanstieg (und die damit die Nachrichten der letzten Wochen) zu beschaffen.

Heute ging der Kurs zum ersten Mal über 600$ (und auch über 450 Euro). Die Charts sind absolut beeindruckende LUNRO-Charts (links unten nach rechts oben). Egal welchen Zeitrahmen man wählt.

Seit März 2013:


Seit Anfang November:


Nur warum das alles? Darüber kann man nur spekulieren und man wird wohl kaum auf den einen wahren Grund stoßen. Aber nun ja, es macht  Spaß und ist auch ein spannendes Thema.

Das Bitcorati Blog hat 10 mögliche Gründe ausgegraben. Ich stelle diese kurz vor und gebe meinen Senf dazu ab:

1) Bitcoin hat durch die Schließung von Silk Road an Renomee gewonnen. Über Silk Road Coin konnte man allerlei illegale Dinge kaufen, von Drogen bis hin zu Auftragsmördern. Bitcoin hat die Verhaftung des Silk Road Gründers aber - bis auf einen kleinen Kursrücksetzer - sehr gut verkraftet. Dass Bitcoin danach besser als je zuvor dasteht, beweist für viele, wie solide die Basis für Bitcoins ist. Investoren denken so. Durchaus valide.

2) Der Shutdown in den USA hat belegt, wie problematisch das normale Geld- und Wirtschaftssystem sei. Für mich ein eher schwaches Argument. Das mag aus US-Sicht aber durchaus anders sein.

3) Die Nachfrage aus China ist gestiegen. Wenn man sich die Umsätze der chinesischen Bitcoin-Wechselbörsen anschaut, ist das sehr valide. IMHO möglicherweise einer der zwei Hauptgründe für den Bitcoin-Kursanstieg.

4) Steigendes Interesse von Großanlegern. Die Nachrichten sind da, teilweise wird Bitcoin schon als Alternative zu Gold gehandelt. Ob die Investments von 5 oder 10 Millionen wirklich den Markt bewegen (der inzwischen immerhin etwa 6 Mrd. Dollar groß ist), wage ich aber zu bezweifeln. Der psychologische Aspekt dieser Investments dürfte deutlich wichtiger sein.

5) Neue Venture-Capital-Investments in Bitcoin Dienstleister. Auch hier ist die Nachrichtenlage eindeutig. Diese Investments sind da. Und auch das dürfte die Einschätzung, dass Bitcoins ein sinnvolles Geschäftsmodell enthalten, unterstützen. Sorgt für mehr Vertrauen.

6) Es gibt immer mehr und immer bessere Bitcoin-Wechselstuben. Ebenfalls richtig beobachtet. Gerade in China dürfte die Verfügbarkeit einer lokalen Wechselbörse, die nicht hinter dem "eisernen Fixer-Wechselkurs-Vorhang" sehr wichtig für die Verbreitung von Bitcoins gewesen sein.

7) Es wird immer schwieriger, Bitcoins zu fördern. Daher steigen ehemalige "Miner" jetzt einfach mit Geld ein. Der erste Teil ist  richtig. Seit die Spezialchips verfügbar sind, kann man mit einem normalen PC oder normaler Grafikkarte nichts mehr reissen. Trotz des steigenden Bitcoin-Kurses braucht man für die Erzeugung mehr Strom als die Bitcoins am Ende wert sind. Ob der zweite Teil der Überlegung, dass die ehemaligen Miner jetzt einfach Spekulanten werden, erscheint mit fragwürdig. Vor allem weil die Anzahl der Miner wohl kaum ausreichen dürfte, um den Kurs nachhaltig zu treiben (Markvolumen 6 Milliarden Dollar).

8) Regierungen haben Bitcoins nicht behindert. Es gab in einigen Ländern Verwaltungsanordnungen, die sich mit der Gültigkeit von Bitcoins beschäftigt haben. In Thailand wurden Bitcoins schlicht verboten, in anderen Ländern war das aber deutlich positiver für die neue virtuelle Währung. In Deutschland akzeptiert das Finanzamt inzwischen Rechnungen in Bitcoins (allerdings keine Steuerzahlungen), in Kanada gibt es sogar einen Bitcoin-Geldautomaten.
Das Ganze ist aber ein zweischneidiges Schwert. Bisher war die Regulierung relativ harmlos, das könnte aber auch deutlich strenger werden. Die Gefahr, dass Bitcoins "zu Tode reguliert" werden, besteht IMHO weiterhin. Bisher wird das Mehr an Regulation auf jeden Fall positiv interpretiert und erhöht das Vertrauen der Bitcoinianer.

9) Die Anzahl der Akzeptanzstellen ist deutlich gestiegen. Ebenfalls eine richtige Beobachtung, allerdings fehlt der richtige Durchbruch hier weiterhin. Das wäre z.B. eine Akzeptanz von Bitcoins durch Paypal, Amazon, Ebay, Apple, Google oder andere IT-Schwergewichte (siehe Ebay kann sich Bitcoins als Zahlungsmittel vorstellen - Digital - Süddeutsche.de - egghat's not so micro blog). Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige aktuell auf so einen Durchbruch auch einfach nur spekulieren. Fakt ist: Eine Weltreise nur mit Bezahlung über Bitcoins ist noch verdammt schwierig, sieh Mit Bitcoins rund um die Welt - WSJ.de. Und ähem hüstel ... es gibt eine Akzeptanzstelle mehr ... hüstel ...

10) Erhöhte Aufmerksamkeit.  Das ist sicherlich ebenfalls wahr. Bitcoins werden inzwischen nicht mehr nur in eingeweihten CCC-Circeln (;) )benutzt, sondern sind inzwischen wohl jedem, der sich irgendwie in der Schnittmenge von Wirtschaft und IT bewegt, ein Begriff. Das sorgt für eine stetig steigende Anzahl von möglichen Bitcoin-Käufern und auch für mehr Akzeptanzstellen.

Am Ende bleiben wahrscheinlich zwei Hauptgründe: China und ein (aus mehreren Gründen) gestiegenes Vertrauen. Wobei das gestiegene Vertrauen wohl auch mehr auf wirklich gestiegenes Vertrauen zurück geht, sondern mehr auf Ängste, die sich in der Zwischenzeit zerstreut haben.

10 Reasons Why The Value Of Bitcoin Is Skyrocketing

Der dritte Hauptgrund (der mir persönlich in der Liste oben fehlt) ist IMHO weiterhin schlichtweg Spekulation. Es ist erfahrungsgemäß relativ egal, was auf der Welt solche LUNRO-Charts aufweist, eines ist sicher: Nichts lockt Spekulanten zuverlässiger an. Vor allem wenn es um etwas geht, dass man relativ problemlos zurück in "normale" Währung umtauschen kann. Und eventuell genauso wichtig: Etwas, das man als Großinvestor beeinflussen kann. Bitcoins sind mit einem Marktvolumen von etwa 5 bis 6 Milliarden Dollar inzwischen etwas, wo man sich mit Hundert Millionen Dollar tummeln kann. Man kommt im Zweifelsfall wieder relativ problemlos raus, man kann aber auch - wenn man sich etwas koordiniert - aber auch den Markt machen, sprich die Kurse beeinflussen. Ich unterstelle natürlich keinem Investor, Hedgefonds oder Banker eine Manipulation. So was würden die bekanntlich nie machen. Mit der Spekulation auf wertlose Immobilienkredite, bei Zinsen oder bei Währungen. Wo denke ich hin ...

Update (22:18):

Bitcoins notieren gerade bei 680 Dollar ... Wahnsinn. Zur Erinnerung: Heute morgen waren es noch 520 ...

Update 2 (22:22):

700. War klar. An einem Tag durch die 600 und die 700. Un-fass-bar ...

Update 3 (22:28):

Es gab heute eine Anhörung vor dem US-Senat zum Thema Cyberwährungen (deren einziger relevante Vertreter Bitcoins sind). Dabei wurden sowohl Chancen, wie auch Gefahren erwähnt. Eigentlich nichts sonderlich Eindeutiges.

Aber im Moment wird anscheinend jede Nachricht positiv interpretiert. Bitcoins wurden nicht verboten? Juuhuu! Kaufen!

US-Senatssitzung drückt Bitcoin über die 600-Dollar-Grenze - WSJ.de


Update 4 (19.11):

Man kann inzwischen auch auf fallende Bitcoin-Kurse setzen. Entweder über Leerverkäufe:

Shorting Bitcoins | Learn to profit Shorting Bitcoins when price goes down (via @EricSchreyer)

oder über "normale" Futures und Optionen:

ICBIT - Bitcoin Exchange and Futures Market | Redefining the way bitcoin exchanges work! (via @a_hotz)

Nicht, dass ich irgendjemandem dazu raten würde.

Update 5 (21:02):

Noch ein paar interessante Links aus den letzten Stunden:

Why Regulate Bitcoin? : The New Yorker

Aus dem WSJ ein Artikel, der schön zusammenfasst, wie die Skeptiker ihren Widerstand aufgeben:

Skeptiker erwärmen sich für Bitcoin - WSJ.de

Die FAZ glaubt auch an China als Auslöser. Ist aber eher ein Einsteiger-Artikel:

Digitale Währung: Chinas unheimliches Interesse an den Bitcoins - Nachrichten - FAZ

Wenn ihr nur Zeit für einen Artikel habt, lest den aus dem New Yorker.

Wahnsinnige Handelsspanne übrigens heute bei den Bitcoins:


Hoch: 900, Tief etwa 500. Und in China war es noch extremer. Bei der größten Bitcoin-Wechselstube lag der Höchstkurs (umgerechnet in Dollar) bei fast 1.150 (!) Dollar.

Schenk dem egghat was. Weihnachten 2013 Edition.


Ich werde diesen Beitrag jetzt ab und an hier (und nebenan im Zweitblog) als kleine Erinnerungsstütze posten. Aber keine Angst, nicht täglich ...

Ihr lest dieses Blog regelmäßig? Ihr mögt es? Ihr findet, dass das hier auch was wert ist z.B. im Vergleich zu Börse Online, die ja 175 Euro im Jahr kostet? Wenn nicht, haut ab ;-) (kleiner Witz)

Wenn ihr aber der Meinung seid, dass dieses Blog (und das andere) was wert ist, dann könnt ihr mir ja mal ab und an was Gutes tun. Das bedeutet im real existierenden Kapitalismus natürlich nichts anderes als Zaster. Von mir aus auch virtuellen. Deshalb will die ich die verschiedenen Möglichkeiten mal kurz beschreiben:

Auf den Amazon-Affiliate Link, über den ihr tolle Sachen bei Amazon einkaufen könnt und ich davon ein paar Prozent (bei Büchern, Musik und Filmen z.B. 5%), weise ich ja ab und an hin. Das ist für Euch der netteste Weg, denn das kostet Euch nicht einmal was. Das Buch/die CD/DVD/Digitalkamera/... ist genau so teuer, als wenn ihr Amazon direkt ansteuert. Toll, nicht wahr?

Ich meine diesen Link hier: UNTERSTÜTZE DIESES BLOG UND STARTE DEINEN AMAZON-EINKAUF HIER! , der eigentlich unter jedem Posting (auch im RSS Feed und den E-Mails) stehen sollte.

Ich merke aber an einigen E-Mails, das ihr diesem Verfahren nicht wirklich vertraut. Ich kann Euch versichern, dass das sauber läuft. Bisher habe ich (bis auf eine) alle Bestellungen, die mal jemand zur Überprüfung geschickt hat, auch in meinen Abrechnungen gesehen. Das geht also.

Neben diesem Affiliate-Link gibt es auch noch einige weitere Möglichkeiten, mir direkt Geld zukommen zu lassen.

Die erste läuft über einen Amazon-Gutschein. Da ich permanent Bücher/CDs/DVDs/Gadgets/MP3s bei Amazon kaufe, ist ein Amazon Gutschein für mich quasi wie Geld.

Auch da wurde von Lesern Misstrauen geäußert. Es funktioniert aber. Wenn ihr auf den folgenden Link klickt:

Schenk dem egghat einen Amazon Gutschein!

gibt es ein Formular, in das ihr den Betrag eintragen müsst und dann wichtig egghat@gmail.com als Empfänger. Ich bekomme dann einen langen Gutscheincode, den ich bei Amazon zur Konjunkturankurbelung umgehend einsetzen werden. Das ist eine meiner leichtesten Übungen. Wenn ihr eine Bestätigung haben wollt, schreibt in das Textfeld Eure E-Mail-Adresse, dann gibt es auch eine Antwort.


Und weil ein paar Mal nach Paypal gefragt wurde, habe ich mein altes Paypal-Konto reaktiviert und dort die egghat@gmail.com Adresse eingetragen. Es ist jetzt also möglich, mir auch über Paypal direkt Geld zu schicken.

Es gibt noch ein paar weitere Systeme, die mit Codes arbeiten, die man einfach per Mail weiterschicken kann und die daher auch in Frage kommen.

Cashticket könnte auch was sein. Der Vorteil: Man muss selber keine Kontoverbindung haben. Cashticket kaufen, Code freirubbeln, mir den Code als Mail zuschicken, ich löse ein. Hat noch niemand ausprobiert, daher ohne Gewähr.

Ebenfalls interessant könnte die Paysafecard sein. Man braucht ebenfalls kein Konto, sondern kann die Dinger z.B. im DM oder bei Rossmann (und gefühlt jedem zweiten Kiosk) kaufen und davon dann z.B. Amazon Gutscheine kaufen. Paysafe ist übrigens eine Firma aus Europa, genauer Wien, was alle, die jeder amerikanischen Firma (wie Paypal) misstrauen, beruhigen dürfte.

Die Paysafecard habe ich inzwischen einmal ausprobiert, es klappte, auch wenn ich es mir einfacher vorgestellt hatte. Man kann nämlich mit dem Guthaben auf der Paysafecard nur bestimmte Sachen kaufen, in meinem Fall war es dann ein Amazon Gutschein ... Also wie das Cashticket eine Notlösung, wenn ihr nicht an Amazon oder iTunes-Karten kommen könnt.

Die letzte Möglichkeit ist ein Apple iTunes Gutschein, die ja auch an jeder zweiten Ecke (Tankstelle, Supermarkt, Kiosk, ...) an der Kasse hängen. Diese gibt es mit 15, 25 oder 50€ Guthaben. Auch darauf steht nur ein Code, den man dann abtippen und mir per Mail schicken kann. Da ich sowieso häufiger Musik und Apps dort kaufe, ist auch das eine Möglichkeit, mir was Gutes zu tun.

Und weil ich total fortschrittlich bin ... Ich nehme auch Bitcoins (bzw. Bruchteile davon):
Mein Key: 1GemrqnfHUEjgm3wWU1sjXVeYkxc1ozT6d

Generell bin ich aber kein Freund dieser Einzelüberweisungen. Ich fände es viel netter, wenn Leser regelmäßig für unabhängigen, lustigen, unterhaltsamen, informativen Online-Content bezahlen würden. Und ich meine damit natürlich nicht (nur) meine Artikel. Das Mittel der Wahl dafür ist Flattr. Geld nach Flattr bekommt man über Paypal oder Moneybookers. Das Konto dort kann man jeden Monat mit einem bestimmten Betrag auffüllen, der Mindestbetrag von 2 Euro sollte eigentlich niemanden überfordern. Damit kann man dann nicht nur mir Geld zukommen lassen, sondern auch
Seit Flattr auch Abos kann (inzwischen standardmäßig mit unbegrenzter Laufzeit), ist es damit ein hinreichend guter Ersatz für Kachingle (das ich gecancelt habe). Um ein Abo abzuschließen, müsst ihr den Flattr Button einfach zweimal anklicken und anschließend die Zeitdauer wählen (kann man jederzeit ohne Kündigungsfristen oder sonstigen Schmuh wieder beenden).

Ich kann Euch Flattr nur wärmstens empfehlen. Einmal im Monat irgendeine Zeitung oder Zeitschrift am Kiosk liegen lassen, das Ausfüllen des Lottoscheins vergessen, Montagsabends kein Bier trinken und das gesparte Geld nach Flattr schicken. Und das Minimum von 2 Euro im Monat ist nun wirklich nicht viel Geld ...

Oder wenn gar kein Geld da ist (bringt mir neue Leser)
  • Empfiehl mich weiter.
  • Retweete meine Tweets.
  • Leite meine Artikel per Mail weiter.
  • Verlinke mich. In Deinem Blog. In Diskussionsforen. Etc. pp.

DANKE!

Malta vergibt Staatsbürgerschaft für 650.000€. Meh. Griechenland macht's schon länger und sogar billiger.

Die Aufregung ist groß (die Nachricht kam nahezu überall): Malta will die eigene Staatsbürgerschaft für 650.000 Euro verkaufen. Der Käufer bekäme damit auch die EU-Staatsbürgerschaft, und könnte damit z.B ohne Einschränkungen in der EU einen Arbeitsplatz annehmen oder auch ein Unternehmen gründen. Denken wir an unfreiere Ursprungsländer (China, Russland, ...) kann die zusätzliche Staatsbürgerschaft auch schlicht die Option eröffnen, im Notfall in die EU abhauen zu können.

Das ist natürlich für viele Reiche eine ziemlich spannende Option. Gerade auch (aber nicht nur) für zwielichtige Gestalten, denen eine zweite Staatsbürgerschaft immer gut in den Plan passt. Das ist auch der Hauptgrund, warum sich viele Malteser ziemlich aufregen:

Malta bietet an: Werden Sie EU-Bürger - für 650.000 Euro - Panorama | STERN.DE
Verkauf der Staatsbürgerschaft: „Malta wird zum Magneten für die Mafia“ - Politik - FAZ

Was die deutschen Medien aber kollektiv übersehen haben (okay, irgendwo kam die Geschichte bestimmt, ich kann mich aber nicht an eine so breite Berichterstattung erinnern): In Griechenland geht das schon seit Mitte April. Einzige Voraussetzung: es muss ein Investment von mindestens 250.000 Euro im griechischen Immobiliensektor getätigt werden. Ergo: Grundstück kaufen & Haus drauf setzen und zack bist du Grieche.

(Komischerweise scheint das nicht nur für neue (sprich zusätzliche) Investitionen zu gelten, sondern auch für bereits getätigte. Was ziemlich seltsam wäre, schließlich will Griechenland mit diesem Gesetz ja neues Geld aus dem Ausland anziehen und nach Möglichkeit noch die Baukonjunktur anfeuern).

Okay, streng genommen bekommt man eine temporäre Staatsbürgerschaft für 5 Jahre. Das ist aber eine etwas theoretische Einschränkung,  da es in Griechenland eine Art "Gewohnheitsrecht" gibt und man nach 10 Jahren mit Wohnsitz in Griechenland eingebürgert werden kann.

Zurück zu Malta: Wenn man sich die griechischen Erfahrungen anschaut, muss man vor der Anziehungskraft solcher Programme anscheinend keine allzu große Angst haben. In Griechenland wurden bisher erst magere 20 neue Staatsbürgerschaften vergeben. Wobei man einschränken muss, dass es deutlich mehr Anfragen gab, die unter Umständen einfach noch nicht bearbeitet wurden. Eventuell kann man hier noch keine Zwischenbilanz ziehen.

ekathimerini.com | Twenty foreign investors already granted residence permits

Update (14.11.13):

Ha, in Lettland geht das schon seit 2011. Und wie in Griechenland muss man eine Immobilie erwerben. 72.000 außerhalb von Riga, 150.000 Euro in Riga. Die Details habe ich nicht sicher verifizieren können, aber es scheint sich um eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu handeln, die man nach 10 Jahren relativ problemlos in einen "Pass" umtauschen kann (man muss so eine Art Einbürgerungstest machen, also Lettisch sprechen und so ein bisschen was über das Land wissen).

Danke an Marco Modano auf G+ für den Hinweis.

Und wenn man etwas googelt, kommt man auch darauf, dass Ungarn das auch schon seit ein paar Jahren macht ...

Bedingung dort: 250.000 Euro (plus Gebühren) in ungarischen Staatsanleihen kaufen. Dann gibt es eine fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung (EU-weit gültig) und fünf Jahre später kann man einen normalen ungarischen Pass beantragen. Wie hoch die Chance ist, den auch wirklich zu bekommen, kann ich nicht sagen

Ungarische Staatsbürgerschaft gefällig? Einfach Anleihen kaufen... • format.at

Und wem die Liste noch nicht reicht:

Ab 300.000 Euro Immobilieninvestment kann man auch in Zypern seinen Pass bekommen.

Und in Tschechien geht so eine Nummer wohl auch durch die Gründung eines Unternehmens. Erst Aufenthaltsgenehmigung, dann irgendwann (10 Jahre) auch die Staatsbürgerschaft. Im Fall von Tschechien allerdings nicht die zweite, man muss also seine erste abgeben.

USA: Arbeitslosenquote 10/13: 7,3% (+0,1 Vm, -0,6 Vj), 204.000 neue Jobs.

Für den Oktober veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Oktober 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +17.000 auf 11,272 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -735.000 (!!!) auf 143,568 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 7,3% (+0,1 zum Vormonat; -0,6 zum Vorjahresmonat).

Der extreme Rückgang der Zahl der Arbeitenden deutet schon an, dass sich bei der "Einordnung" der Beschäftigen massive Änderungen erfolgt sein müssen. Das spiegelt sich im Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) wider. Diese stieg kräftig um 932.000. Um das Ausmaß dieser Umbuchung zu verdeutlichen: Hätte (hätte Fahrradkette) man diese NILFs auf die Arbeitslosen aufaddiert, wäre die Arbeitslosenquote bei 8,1% statt bei 7,3%.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese sackte auf ein neues Rekordtief (in der Krise und wohl auch seit mind. 3 Jahrzehnten; suche das noch raus) von 58,3% und liegt 0,3 Prozentpunkte unter dem Vormonat bzw. 0,4 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Das Urteil aus den letzten Berichten bleibt daher weiterhin gültig (auch wenn das angesichts des neuen Rekordtiefs inzwischen als optimistische Einschätzung gelten muss):
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Oktober eher neutral.

Anzahl der Jobs: +204.000 gegenüber dem Vormonat auf 136,554 Millionen. Das Plus von 212.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 8.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich in den vergangenen zwei Monaten überrascht hat, könnte damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im Oktober-Report positiv. Das August-Plus wurde um 45.000 auf 238.000 erhöht, das September-Plus um 15.000 auf 163.000 nach oben korrigiert. Beides zusammen ergibt 60.000 Arbeitsplätze mehr als ursprünglich berechnet..

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,4 Stunden. Das war auch der Wert des Vorjahresmonats. Die Zahl der Überstunden änderte sich ebenfalls nicht und lag bei 3,4 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese ist um 0,2 auf 13,8% gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 0,7 Prozentpunkte. Hier scheint es also weiter Fortschritte zu geben, auch wenn der Rückgang im Jahresvergleich schon mal höher war. Es mag allerdings auch sein, dass ein Teil die "Halbbeschäftigten" ganz aufgegeben haben und jetzt als NILFs gezählt werden)

Zusammenfassend: Ein eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der aber schwierig zu beurteilen ist, weil die beiden Teile des Berichts nahezu widersprüchlich sind. Die Arbeitslosenquote ist leicht gestiegen und das trotz einer rekordverdächtigen Umbuchung von Arbeitskräften in die NILFs. Der Rückgang der Erwerbstätigenquote hingegen macht richtig Sorgen. Demgegenüber lag die Anzahl der neuen Arbeitsplätze in den Establishment-Daten etwa im Rahmen der Erwartungen, wenn man die Korrekturen für die Vormonate berücksichtigt, sogar darüber.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — OCTOBER 2013 (PDF)

Update (18:09)

Drei Ergänzungen:

a) FalkJan hat mich auf Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass die Oktober-Statistik durch den Shutdown massiv verfälscht gewesen sein könnte. Ich verstehe zwar nicht, warum sich das nur in einem Teil des Reports widerspiegelt, aber nun ja, das kann gut sein. Der Oktober-Bericht ist auf jeden Fall mit etwas Vorsicht zu genießen.

b) Ebenfalls FalkJan hat mir einen spannenden Artikel aus dem Washington Post Wonkblog empfohlen, in dem die sinkende Erwerbstätigenquote diskutiert wird. Liegt das an der Rezession? Liegt das an demographischen Effekten? Liegt das an frustrierten Langzeitarbeitslosen? Die Antwort ist nicht eindeutig ... The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.

c) Die Behauptung, dass die Erwerbstätigenquote seit mindestens drei Jahrzehnten nicht so niedrig war, ist falsch (aber nur knapp) und gleichzeitig ganz knapp richtig .... Sie war nämlich in der Krise im Herbst 2010 noch einen Ticken niedriger (58,2% im November 2010), davor war der Wert zum letzten Mal im August 1983 niedriger (3 Jahrzehnte und 2 Monate ;) ).

Trotz alledem: Man erkennt in der Grafik schön, dass sich in Bezug auf die Gesamtbevölkerung noch nichts verbessert hat, auch wenn die Arbeitslosenquote etwas anderes behauptet ...





Twitter: Ein paar Gedanken zur Bewertung. Kaufen oder Nichtkaufen?

OK, jetzt ist es fix. IPO-Kurs 26$. Einnahmen damit für Twitter 1,8 Mrd. Dollar. Gesamter Firmenwert damit 14,4 Milliarden Dollar. (Twitter Gründer Dorsey ist damit übrigens etwa 600 Mio. Dollar "schwer").

Interessant ist jetzt natürlich der Vergleich zu anderen Börsengängen aus dem Hightech-Bereich. Als letzter großer Börsengang fällt Facebook ein. Dazu hatte ich damals ja einige Male etwas geschrieben, u.a. im Rahmen einer kleinen Wette:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

Meine Einschätzung, dass in Facebook durchaus einiges an Potenzial steckt, ist inzwischen aufgegangen, auch wenn das Tal zuvor mit der Kurshalbierung hart war. Im Fall von Twitter bin ich aber nicht so optimistisch ...

Twitter unterscheidet sich meiner Meinung nach von Facebook in zwei Dingen:

a) Die Bewertung von Twitter ist deutlich höher, wenn man berücksichtigt, dass Twitter tief in den roten Zahlen steckt, Facebook hingegen beim Börsengang bereits nachhaltig profitabel war.

b) Facebook ist viel breiter aufgestellt. Facebook ist eine allgegenwärtige Kommunikationsplattform; es gibt Chat, Bilderspeicher, Diskussionsforen, Linktausch, Terminverabredung, Spiele. Damit ist - was die Zukunftsentwicklung von Facebook angeht, viel mehr logisch herleitbar als bei Twitter.

Zu a: Bewertung:

Twitter ist tief in den roten Zahlen, Facebook war (und ist) profitabel. Der Umsatz bei Twitter steigt zwar massiv, der Verlust verbessert sich aber nicht. Grob gerechnet steigt der Verlust sogar fast genauso stark wie der Umsatz:

2010 Umsatz 28 Mio., Verlust 67 Mio.
2011 Umsatz 106 Mio., Verlust 127 Mio.
2012 Umsatz 317 Mio., Verlust 77 Mio.

Das sieht erstmal nach einer Verbesserung aus, aber wenn man das mit den ersten 9 Monaten 2013 vergleicht, kehrt sich der Trend schon wieder um

Erste neun Monate 2012: 205 Mio. Umsatz, 69 Mio. Verlust.
Erste neun Monate 2013: 422 Mio. Umsatz, 134 Mio. Verlust.

Jetzt mögen die Kosten 2013 unter anderem durch den Börsengang negativ belastet sein, aber es bleibt dabei, dass eine steigende Profitabilität anders aussieht. Die Hochrechnungen der Analysten erwarten bis 2015 keine Gewinne.

Eine Bewertung von Twitter nach Gewinn ist also nicht möglich. Dann bleibt der Umsatz. Und nach diesem Kriterium ist Twitter sogar einen Tacken teurer als Facebook beim IPO. Wohlgemerkt: Facebook war profitabel, Twitter ist es nicht (und zwar auf Sicht der nächsten zwei Jahre).

Immerhin: Die Twitter-Bilanz, die im IPO-Prospekt veröffentlicht wurde, ist real und nicht so ein Haufen Mist wie die Bilanz bei Groupon, die eine Frechheit war. Da gibt es nichts zu kritisieren.

Twitter Raises $1.82 Billion, Pricier Value Than Facebook - Bloomberg

Twitter legt Ausgabepreis auf 26 Dollar fest - WSJ.de

Zu b: Marktvergleich

Facebook ist breit aufgestellt. Facebook bietet im Endeffekt alles an, was Leute auf Smartphones machen: Chat (SMS, WhatsApp), Bilder/Video (MMS), Spiele, ... Daher ist eine Vision wie ein Facebook-Handy (die ich damals geäußert habe), durchaus realistisch und inzwischen mit einem Android-Aufsatz auch teilweise (wenn auch krude) Realität geworden.

Der zweite große Ansatz für Zukunftsvisionen ist das Payment-System, das Facebook in Ansätzen bereits hat und das Facebook durchaus für Dritte öffnen könnte (zum Einkauf von Musik, Videos, etc. zum Beispiel). Das hat Facebook bisher nicht gemacht, die Option besteht aber weiterhin.

Bei Twitter fehlen mir diese Visionen. Twitter ist SMS und kaum mehr.
Klar, bei Twitter sind Jan und Jupp und auch der König. Diese Anzahl der Nutzer wird kein anderes soziales Netz so schnell erreichen.
Und klar: Werbung kann man auf den Webseiten und in den Twitter-Clients Werbung verkaufen. Aber für weitere Zukunft fehlt mir irgendwie die Basis.

Twitter plant nun, mehr mit TV-Sendern zu kooperieren. Twitter soll dabei eine Art Kommunikationskanal zwischen den Fernsehsendern und den Zuschauern werden. Über diesen Kanal könnte der sogenannte Second Screen (das Tablet bzw. Smartphone) beim Zuschauer mit dem Fernsehsender sprechen. Denkbar wären Umfragen (so wie früher der TED), Gewinnspiele, Fragen einrechnen, etc.
OK, alles ganz nett, aber wie will man das monetarisieren? Würden die Fernsehsender akzeptieren, wenn Twitter diesen Second Screen vermarktet?

Kann Twitter ein WhatsApp werden? (OK, hier wird es sehr spekulativ). Twitter schraubt ja gerade an seiner Direct-Message-Infrastruktur und erlaubt deswegen schon seit etwa drei Wochen keine Links in Direct Messages. Plant Twitter hier sowas wie Guppenchats? Und könnte damit WhatsApp gefährlich werden? Spannender für diesen Artikel: Wäre dort Geld zu verdienen? Liegt dort vielleicht Potenzial, um aus den Benutzern 1, 2 oder 5$ pro Jahr herausquetschen zu können?

Zusammenfassung:

Ich sehe auf Sicht für Twitter nur die Möglichkeit, Anzeigen zu verkaufen. Da Twitter weniger über den Nutzer weiss als zum Beispiel Facebook oder Google, wird Twitter wohl geringere Einnahmen pro Nutzer bekommen. Ich sehe zwar keinen richtigen Konkurrenten für Twitter in dem angestammten Kernbereich, sehe auf der anderen Seite aber auch nicht, wie Twitter aus diesem Quasi-Monopol besonders viel Geld machen könnte.

Angesichts der sehr hohen Bewertung wäre ich sehr vorsichtig beim Kauf von Twitter-Aktien. Sehr vorsichtig ...

Was meint ihr, wo schließt Twitter heute? Könnt ihr auch über APP.NET abstimmen. (Wenn ihr noch nicht da seid, anmelden)

Update (16:02):

Es gibt noch keinen Kurs. Taxen liegen bei 40 bis 44$.

Übrigens, wer meint man könne einfach gegen die Twitter-Aktie spekulieren ... vergesst es. Die Optionen auf Twitter sind wegen der hohen Schwankungsintensität EXTREM teuer.
Kleines Rechenbeispiel. Wer heute eine Option auf einen fallenden Twitter-Kurs kauft, zahlt mit Basis 20$ etwa 3 Dollar für die Option (2,10 Euro, oder 21 Cent bei 1:10 Bezugsverhältnis). Die Laufzeit des Optionsscheins geht bis Mitte März. Die Twitter-Aktie muss also bis Mitte März unter 17 Dollar fallen oder in der Zeit vorher enorm schnell enorm tief fallen.
So grob über den Daumen gepeilt würde selbst ein Kursrückgang auf den IPO Preis von 26$ bis Mitte Januar wohl nicht ausreichen, um die Option ins Plus zu hieven. Die Twitter-Aktie müsste also entweder schneller oder kräftiger einbrechen. Bei einem Rückgang auf 26 heute oder morgen wäre der Optionsschein natürlich deutlich im Plus ...

Update 2 (16:30):

Immer noch kein Kurs, aber die Spanne engt sich ein: Gut 45 Dollar werden jetzt erwartet, Marktkapitalisierung wäre damit etwa 25 Milliarden Dollar. Das ist in etwa so viel wie der zweitgrößte Stromanbieter in Deutschland RWE.

Update 3 (17:18):

Erster Kurs: 45,10. 75% Plus. Kurz danach sogar knapp über 50 (50,09$). Jetzt wieder in der Nähe des Eröffnungskurses. Bei 45 Dollar ist Twitter mit 24,5 Milliarden Dollar bewertet, bei 50$ je Aktie waren  es sogar 27,3 Mrd. Dollar.

Update 4 (08.11.):

Nur zur Klarstellung: Der Artikel entstand zum IPO Preis von 26. Meine Einschätzung zu dem Kurs war wie oben zu lesen ist, neutral bis negativ. Bei 45 hingegen sehe ich keine Basis mehr für eine wohlwollende neutrale Einschätzung. Da kann ich nur ein ganz klares: Finger weg schreiben ...

Was ich allerdings nicht verstehe, sind die vielen Schlagzeilen, die von einer neuen Blase reden. Ein Facebook 2012 und ein Twitter 2013 sind keine Blase. In einer Blase gibt es einen solchen Börsengang pro Monat, wenn nicht gar pro Woche.

Darauf weist Thomas Knüwer zurecht hin:

Twitter und die Blasen in den Journalistenköpfen

Seine relativ optimistische Sicht auf das zukünftige Potenzial von Twitter (Tenor: Twitter ist kleiner als Facebook und vermarktet die Seiten noch nicht so intensiv, hat also mehr Potenzial) teile ich aber nur eingeschränkt. Klar: Twitter kann stärker wachsen. Nur hat Twitter nicht einmal ansatzweise beweisen, dass der Laden profitabel werden kann. Andersherum formuliert: Twitter muss sogar erst einmal kräftig wachsen, um an die Gewinnschwelle zu kommen. Das wird noch schwierig genug, alle bisherigen Überlegungen zur Monetarisierung waren nicht sonderlich erfolgreich ...

eFlation hat mich auf Twitter darauf hingewiesen, dass zum IPO Kurs ein aktiver Nutzer bei Twitter (65$) deutlich preiswerter war als bei Facebook (108$):

https://twitter.com/eFlation/status/398438361603395584

Das ist (besser war) zwar richtig, aber die Bandbreite des Dienstes ist halt auch viel enger, so dass ich einen Nutzer auf Facebook für den Werbekunden für deutlich interessanter halte als einen Nutzer auf Twitter. Allein schon, weil Facebook mehr über den User weiss.

Eine Möglichkeit, Twitter positiv zu sehen, liegt übrigens auch im Cashbestand. Twitter dürfte jetzt mehr als 1 Milliarde Dollar in Cash auf der Bank haben und hat außerdem mit den eigenen Aktien eine gute Akquisitionswährung. Setzt Twitter das Geld klug ein, könnten daraus einige spannende Investments entstehen. Auf der anderen Seite sind Firmen in dem Social Media Umfeld auch teuer, der Kauf von Tumblr durch Yahoo für 1,1 Milliarden Dollar hat das schon eindrücklich belegt.

USA: Arbeitslosenquote 09/13: 7,2% (-0,1 Vm, -0,6 Vj), aber nur 148.000 neue Jobs

Für den September veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (deutlich verzögert durch den Shutdown) einen eher schwachen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den September 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -61.000 auf 11,255 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +133.000 auf 144,303 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 7,2% (-0,1 zum Vormonat; -0,6 zum Vorjahresmonat).

Getrübt wird die gesunkene Arbeitslosenquote durch den Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer). Diese stieg nämlich kräftig um 136.000, also mehr als das Doppelte des Rückgangs der Arbeitslosenzahl.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese blieb wie im Vormonat bei 58,6% und liegt 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Das Urteil aus den letzten Berichten bleibt daher weiterhin gültig:
Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, enttäuschen im September ebenfalls.

Anzahl der Jobs: +148.000 gegenüber dem Vormonat auf 136,290 Millionen. Zum Plus von 126.000 neuen Jobs im privaten Sektor kommt ein Zuwachs von 22.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Bereits im August gab es bei den Jobs im öffentlichen Sektor ein deutliches Plus von 32.000. Das ist der erste signifikante Arbeitsplatzaufbau des Staatssektors seit langer Zeit.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im September-Report relativ unauffällig. Das Juli-Plus wurde um 15.000 auf 89.000 reduziert, das August-Plus dagegen deutlich um 24.000 auf 193.000 nach oben korrigiert. Beides zusammen hebt sich in etwa auf.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,5 Stunden. Das war auch der Wert des Vorjahresmonats. Die Zahl der Überstunden änderte sich ebenfalls nicht und lag bei 3,4 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese ist nach einer Spitze im Juni bei 14,3% inzwischen wieder auf 13,6% gefallen. Damit hat sich der kräftige Anstieg aus dem Juni (13,8 --> 14,3%) komplett in Luft aufgelöst. Auch die Differenz (1,1) zum Vorjahresmonat (14,7%) ist wieder auf den üblichen Wert der letzten Monate geklettert. Hier scheint es also weiter Fortschritte zu geben (es sei denn, die "Halbbeschäftigten" haben ganz aufgegeben und werden jetzt als NILFs gezählt)

Zusammenfassend: Ein eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Der leichte Rückgang der Arbeitslosenquote geht ausschließlich auf die Umbuchung von Arbeitskärften in die NILFS zurück. Die Anzahl der neuen Arbeitsplätze in den Establishment-Daten lag deutlich unter den Erwartungen. In den anderen Zahlen lässt sich aber keine deutliche Verschlechterung ablesen, aber eine Verbesserung (was man angesichts der gesunkenen Arbeitslosenquote vielleicht denken könnte) war es eben auch nicht.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – September 2013 (PDF)

In eigener Sache: Keine anonymen Kommentare mehr.

Sorry.

Es sind in diesem Blog ab sofort keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese alle von Hand zu scannen, um darin alle paar Tage mal einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann.

Da Google eine Reihe von Anmeldeoptionen (neben dem Google Account auch Wordpress und OpenID) für die Kommentare hat, dürfte das für die meisten nicht zu Einschränkungen führen. Für die anderen tut's mir leid, aber kann man nix machen.

Eine Alternative wäre natürlich die Umstellung auf Disqus, das ich in meinem Zweitblog einsetze und das mich funktional voll zufrieden stellt (viele Login-Möglichkeiten, v.a. Twitter und Facebook, aber auch anonym, gute Darstellung der Threads, gute Moderationsmöglichkeiten, gute Benachrichtigungsoptionen). Das einzige, was mir nicht gefällt: Das liegt alles auf US-Servern. Aber nun ja, da liegen meine Blogs eh ...

Irland will (angebliches) Steuerschlupfloch schließen. Wait.

Stimmt IMHO nicht, weil das wirkliche Schlupfloch, der Double Irish With a Dutch Sandwich – Wikipedia, nicht gestopft wird.

Aber der Reihe nach. In Irland gibt es die Möglichkeit, eine Firma anzumelden (bzw. nicht anzumelden oder so), die dann zwar in Irland besteuert wird, obwohl sie nicht in Irland sitzt. Das hört sich jetzt komplett wirr an, aber das liegt nicht an meiner Beschreibung, sondern daran, dass ist schlichtweg wirr ist. Die Details einer solchen Anmeldung kenne ich nicht, sie sind aber auch nicht wichtig.
Entscheidend bei dieser Art von Firmensitz ist nur eins: Die Firma zahlt in Irland nur 2% Körperschaftssteuer auf die Gewinne und nicht den normalen irischen Satz von 12,5% (der übrigens auch schon Steueroasenhöhe hat, in Deutschland sind es z.B. 25% 15% plus Soli (wenn ich es richtig im Kopf habe, hatte ich nicht, es sind 15%.). Der Gewinn dieses "internationalen Unternehmens" gilt dann als "in Irland versteuert" und damit auch als "in der EU versteuert". Das ist wichtig, wenn man das Geld im weiteren Verlauf ohne nennenswerte zusätzliche Steuern in eine der Steueroasen in der Karibik bekommen möchte.

Dieses Schlupfloch will Irland jetzt abschaffen. Kurz: Die komische Institution eines "internationalen Unternehmens", dass irgendwie in Irland Steuern zahlt, obwohl es nicht in Irland sitzt, gibt es demnächst nicht mehr. Damit werden also demnächst auch für Apple (und andere) in Irland der volle Steuersatz von 12,5% auf die Gewinne fällig.

Aber genau hier liegt der Knackpunkt. Das Problem ist nämlich weniger der Steuersatz, der in Europa (bzw. hier konkret Irland) gezahlt wird, das Problem ist die Höhe des Gewinns. Hier setzt nämlich der viel entscheidendere Teil der Steuersparkonstruktionen an. Über die Lizenzvergabe der Mutter in den USA werden die europäischen Niederlassungen systematisch ausgesaugt.

Diesen "Lizenztrick" habe ich schon ein paar Mal beschrieben, siehe z.B.

In der Kurzversion: Die Mutter in den USA vergibt (teure) Lizenzen für den Geschäftsbetrieb, die Marke, die Patente, etc. an die europäische Tochter. Diese Lizenzen sind - oh Wunder - immer fast genauso hoch wie der Rohgewinn in Europa.

Ich schildere das mal anhand eines Rechenbeispiels von Google Großbritannien (Steuersatz 31,5%) (zuerst in meinem Zweitblog Google UK zahlt 2012 doppelt so viel Steuern wie 2011 - egghat's not so micro blog):
Google UK hatte 2012 einen Umsatz von 506 Millionen Pfund. (Wie interne Kreise von Google flüstern, war selbst das nicht der normale Umsatz, weil wohl massiv Geschäfte, die eigentlich in Großbritannien stattfanden, über den Umweg Irland verbucht wurden (Gesamthöhe wohl 100 Mio. Pfund)).
Aber nehmen wir die 506 Millionen einfach mal als normalen Umsatz an. Und vergleichen den ausgewiesenen Gewinn im Königreich mit dem Gewinn, den Google bei den durchschnittlichen Margen des gesamten Planeten eigentlich verdient haben müsste.  
Die weltweite Vorsteuermarge von Google lag 2012 bei etwa 25%. Da Großbritannien zu den entwickelten Märkten gehört, in denen Google das eigene Geschäft nicht mehr kostenintensiv ausbauen muss, kann man davon ausgehen, dass die Marge in UK eher höher war als im Weltdurchschnitt. 
Rechnen wir trotzdem weiterhin konservativ mit den 25% weiter weiter: 
500 Mio. Umsatz, 25% Marge
--> 125 Mio. Pfund Vorsteuergewinn. (Ausgewiesen 37 Mio.) 
beim aktuellen Steuersatz von 31,5%
---> 39,8 Mio. Pfund Steuern (bezahlt wurden 11,6 Mio.). 
Google hat also mindestens 27,775 Mio. Pfund Steuern gespart. Weil diese Rechnung extrem konservativ ist (allein schon wegen der nach Irland verschobenen Umsätze) waren es in Wirklichkeit wohl noch ein paar Millionen mehr, die Google in Großbritannien nicht gezahlt hat.
Man sieht sehr schön, dass durch die Kosten für die Lizenzen der Gewinn von Google in etwa geviertelt wurde. Dieser erste Schritt (Gewinnminimierung) ist also viel wichtiger als der zweite Schritt (niedriger Steuersatz).

Wenn Irland jetzt ankündigt, dieses Loch zu stopfen, ist das eine ganz klassische Blendernummer. Es wird nicht so wahnsinnig viel passieren, außer vielleicht, dass die internationalen Firmen die Lizenzvergabe noch etwas teurer machen und so den Gewinn in Europa noch weiter drücken. Und dann ist es auch egal, ob hier 2%, 12,5% oder 50% Steuern fällig werden. Den eigentlichen Rohgewinn können die US-Firmen immer noch relativ problemlos in Steueroasen schaufeln.

Für US-Konzerne: Irland will Steuerschlupfloch schließen - International - Politik - Handelsblatt

Glückwunsch an Robert Shiller zum Wirtschaftsnobelpreis.

(Vorab: Ich weiss, dass es kein richtiger Nobelpreis ist. Ich nenne ihn trotzdem so. Punkt).

Dass Shiller den Wirtschaftsnobelpreis bekommt, ist eigentlich überfällig. Denn Shiller ist einer der wenigen Ökonomen, die schon früh gegen die Grundannahmen der modernen Ökonomie angeforscht und angeschrieben hat. Er hat also immer argumentiert, dass in den Märkten nicht immer alle Informationen enthalten sind, weil die Marktteilnehmer keine vollständig rationalen Wesen sind.

Denn es gibt Komponenten wie Gier oder den Herdentrieb, die die Märkte in unvorstellbare Höhen (und Tiefen) treiben. Das führte 2000 zur Internetblase oder in den Jahren danach (so bis 2006/2007) zur US-Immobilienblase.

Shiller hat aber nicht nur in der Theorie zu diesem Thema (irrationales Verhalten, sich ändernde Risikopräferenzen, Finanzmarktblasen) gearbeitet, sondern auch mindestens zwei sehr gut verständliche Bücher zu zwei real existierenden Blasen geschrieben. Und zwar nicht als Analyse nach dem Platzen der Blase, sondern vorher.

Mit diesem nahezu perfekten Timing hat sich Shiller in meiner Liste der Ökonomen, denen man zuhören sollte, ganz weit nach oben katapultiert. Denn er hat bewiesen, dass er seine Theorien auch praktisch - in der realen Welt außerhalb des Elfenbeinturms der Ökonomie - anwenden kann. Anlegern wie auch Politikern wäre eine Menge Ärger erspart geblieben, wenn sie frühzeitig auf Shillers Warnungen reagiert hätten.

Shiller ist daher quasi Stammgast bei den Linkempfehlungen in meinem Blog ...

Dass gleichzeitig Eugene Fama ein weiteres Drittel des Preises bekommen hat, kann man eigentlich nur als Witz werten. Klar, die Arbeit ist eine der meist zitierten ever in der modernen Wirtschaftswissenschaft, aber in den letzten 10 Jahren dürfte der Großteil der Zitate aus der kritischen Ecke kommen. Also von denen, die Famas Theorie kritisieren, erweitern, aber manchmal auch schlicht widerlegen. Dazu muss man natürlich auch die zu widerlegende Theorie erstmal beschreiben und zitieren ... Hier wirkt das Paradoxon, dass ein wissenschaftlicher Artikel auch durch vermehrte Kritik noch wichtiger werden kann ...

Fama war übrigens dafür, auch Großbanken pleite gehen zu lassen (im Interview unten). Haben wir mit Lehman ausprobiert ... war keine gute Idee ...

Zu Fama kann man nur dieses Interview empfehlen:

Interview with Eugene Fama : The New Yorker

"I don’t know what a credit bubble means. I don’t even know what a bubble means."

Hätts'te mal den Shiller gelesen ... Fama ist am Ende von der Effizienz der Märkte und der Rationalität der Marktteilnehmer ein wenig zu überzeugt. Und da wird Fama dann auch gefährlich. Wenn er glaubt, dass Märkte alles besser wissen, gibt die Politik in der Konsequenz dem Markt mehr Macht (was keine gute Idee war).

OK, Fama kommt vielleicht bis hierhin etwas zu schlecht weg. Denn dass die Finanzmärkte ziemlich (sogar verdammt) effizient sind, hat er als Erster gezeigt. Und dass die Marktteilnehmer Informationen ziemlich effizient verarbeiten und schnellstens in die Kurse einarbeiten, stimmt eben auch. All das führt dazu, dass die Mehrheit der Fondsmanager schlechter performen als der Aktienmarkt, den sie eigentlich schlagen sollen. Aber dazu muss man Fama und seine Aussagen wohlwollend lesen. Wenn ich mir einige Aussagen von Fama anschaue, kann man ihn leicht in die Schublade der "Unbelehrbaren Der-Mark-Regelt-Alles-Gläubigen" stecken. Und vielleicht steckt er da auch zurecht ...

Zum dritten Preisträger kann ich adhoc nichts sagen (ich könnte meine Unwissenheit verbergen und wie die professionellen Journalisten schnell was aus der Wikipedia abschreiben ;) OK, war gemein). Der scheint aber nicht ganz unbekannt zu sein. Zumindest hatte die FAZ-Wirtschaftsredaktion Lars Peter Hansen auf ihrer Favoritenliste. Wenn ich mir die Kurzbeschreibung seiner Forschung anschaue, hat er massiv am Homo Oeconomicus gekratzt. Die Menschen entscheiden eben doch nicht nur rational. OK, dann sind mir die Ergebnisse seiner Forschung bekannter als der Name. (Wie in "das Lied kenn ich aus dem Radio, weiss nur nicht, wer das singt" ...)

Dass der Wirtschaftsnobelpreis an Fama geht, aber gleichzeitig an zwei Forscher, die wesentliche Teile der Fama-Forschungsarbeit angreifen, ist ziemlich obskur. Man stelle sich vor, der Chemienobelpreis ginge an drei Forscher. Zwei Forscher davon zeigen, dass man Moleküle und chemische Reaktionen im Computer berechnen und simulieren kann, und gleichzeitig sagt der Dritte, dass das überhaupt nicht gehen kann ...

Strange.

Irgendwie belegt diese Preisvergabe einen Teil der Vorurteile, die Naturwissenschaftler gegenüber der unpräzisen Wirtschaftswissenschaft (als Teil der Sozialwissenschaft) haben. Das wäre alles mehr Religion als Wissenschaft. Mag sein, aber dann haltet euch einfach an "The Church of Shiller". Das ist die richtige ;)

Ein paar Links noch zum Thema (wird wohl noch ergänzt, wenn ich was spannendes finde ...

Wirtschaftsauszeichnung: Unsere Favoriten für den Nobelpreis - Wirtschaftswissen - FAZ

Ein sehr gut lesbares Buch: Shiller & Akerlof: Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert

(U.a.) Olaf Storbeck: Split Nobel prize shows bubbles are worth watching | Considered View | Breakingviews

Viele Artikel von Robert Shiller erscheinen auch bei Project Syndicate: Robert J. Shiller - Project Syndicate

Bert Rürup wundert sich in einem Gastbeitrag im Handelsblatt noch mehr als ich über die Vergabe an Fama ... Kommentar: Der unverständliche Nobelpreis - Kommentare - Meinung - Handelsblatt

John Cassidy singt im New Yorker in Loblied auf Shiller und kritisiert wie ich Fama. Vor allem für sein ziemlich stures Festhalten an seinen alten Thesen und Annahmen: Inefficient Markets: A Nobel for Shiller (and Fama) : The New Yorker

Und wer sich bilden will: Open Yale Courses | Financial Markets (2011) - Robert J. Shiller (schon ein coole Sachen, das man sich die Vorlesungen solch renommierter Leute von schweineteuren Unis (Yale) im Netz kostenlos anschauen kann ...

Update (18.10.13):

Das gehört noch hierher: Fama selber im FAZ Interview: Nobel-Gedenkpreisträger Fama: „Es gibt keine Blasen an den Märkten“ - Wirtschaftspolitik - FAZ

Lustig, wie man aneinander vorbeireden kann ... Genauer gesagt, wie man eine richtige und eine falsche Tatsache in eine Aufzählung packen kann ...

Fama zu Blasen (er ist ja der Meinung, dass man diese nicht erkennen kann):
"Auch wenn die Preise schon lange gestiegen sind, weiß man nicht, ob sie noch weiter steigen oder zusammenbrechen werden."
Das ist spannend, denn in einem Teil stimme ich zu, in dem anderen nicht. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum man Fama den Nobelpreis geben kann und gleichzeitig einem seiner größten Kritiker ...

Fama hat Recht, wenn er sagt, dass Blasen noch deutlich größer werden können, selbst wenn man sicher ist, eine gefunden zu haben. Fama hat aber Unrecht, wenn er sagt, dass man das Zusammenbrechen nicht voraussagen kann ("nur" das Timing ist schwierig).

Hier übersieht Fama das Hauptproblem bei Blasen. Wenn sich eine Blase aufbaut, kann man wie 2000 in der Internetblase das sehr wohl feststellen. Man könnte Bücher mit den Warnungen von alten Börsenhasen (Buffett, Ehrhardt, Lingohr, ...) füllen, die die damaligen Firmenbewertungen für komplett irre gehalten haben. Aber den Warnern wollte damals niemand zuhören (soviel übrigens auch zum Punkt homo oeconomicus und effiziente Informationsverarbeitung). Mit dem nächsten IPO waren 40% zu verdienen, also wollte man dabei sein.
Weil immer mehr Anleger auf den Zug aufgesprungen sind, kletterten die Kurse immer höher. Der damalige Aktienindex für die HighTech-Werte Nemax stieg noch auf 8.000, obwohl die Firmenbewertungen bereits bei 5.000 Punkten deutlich zu hoch waren.
Es ist IMHO also nicht schwierig (bis unmöglich) zu bestimmen, ob es eine Blase gibt, sondern nur wann die Blase platzt.

( Kleiner Einschub: Dabei muss man auch noch bedenken, dass sich dieses Erkennen von Blasen vor allem an Politiker und Notenbanker richtet. Eine Blase bei Apple oder Gold mag schwierig zu erkennen sein, für das große Bild sind solche Blasen aber total irrelevant. Eine Blase am Aktienmarkt wie zur Jahrtausendwende oder die am US-Immobilienmarkt ein paar Jahre später, waren aber sehr wohl zu erkennen. Und es wäre auch wichtig gewesen, diese zu erkennen. Beim Erkennen der wirklich relevanten Blasen dürfen Notenbanker und Politiker eine ziemlich gute Quote erreichen. (Ob man die erkannten Blasen dann sinnvoll bekämpfen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das aber noch unbeschrieben ist, weil man bisher noch nicht versucht hat, Blasen zu erkennen).)

Zurück zum Timing: Die Unmöglichkeit zu sagen, wie groß eine Blase noch werden wird (ergo wann sie platzt), ist für Fama der Beweis, dass man Blasen nicht live (sondern immer erst im Nachhinein) erkennen kann. Ich glaube ja, dass Fama hier irrt.
Wahrscheinlich gibt es zwei wesentliche Gründe, warum die Annahmen von Fama bei einem längeren Zeithorizont nicht passen.
1.) Niemand sagen kann, wie viele Dumme noch auf den Zug aufspringen werden, und daher ist es extrem schwierig, gegen die Blase zu spekulieren. Kurzfristig kann man kaum gegen eine sich aufblähende Blase spekulieren.
2.) Es ist nahezu unmöglich, mittel- bis langfristig gegen eine Blase zu spekulieren. Und das hat rein technische Gründe. Selbst wenn man der Meinung ist, dass die Kurse in zwei Jahren deutlich niedriger sein werden, kann man darauf oft nicht sinnvoll spekulieren. Die Volatilität ist im Boom oft sehr hoch und damit sind Calls- und Puts sehr teuer. Wenn ich nun auf fallende Kurse in zwei Jahren wette, kann es sein, dass die Verkaufsoptionen so teuer sind, dass ich erst Geld verdiene, wenn die Kurse richtig crashen.  Denn die Verkaufsoption kann wegen der hohen Volatilität so teuer sein, dass erst ab minus 40% Geld zu verdienen ist. Ich verzichte also - auch wenn ich mir sicher bin, dass die Kurse zu hoch sind, auf eine Spekulation auf fallende Kurse.

Beides zusammen führt dazu, dass die Märkte nicht mehr "symmetrisch" sind. Auf der Kauf- und Verkaufsseite stehen im Boom unterschiedliche Leute: Auf der Kaufseite die "Dummen", die Herdentiere, auf der Verkaufsseite die Profis. Nur sind in der späten Phase einer sich aufblähenden Blase die Profis schon lange nicht mehr an Bord, sie schauen sich das irre Treiben lieber von der Seitenlinie an.

Damit fehlt dem Markt aber das Gegengewicht der Pessimisten und niemand bremst den Anstieg. Der Höhenflug endet erst, wenn keine (neuen) Dummen (neues) Geld in den Markt pumpen.

Ich hoffe, das war jetzt einigermaßen verständlich ausgedrückt (und nicht zu lange). Worauf ich hinaus wollte: Das was Fama sagt (Märkte sind effizient (und damit nicht zu schlagen), weil sie alle verfügbaren Informationen schnellstens in die Kurse einarbeiten), ist auf die kurze Sicht sehr richtig. Auf die lange Sicht kommen aber andere Effekte hinzu (über die z.B. Shiller geforscht hat) und die Aussagen Famas stimmen dort nicht. Und warum das auf lange Sicht anders ist, wollte ich oben beschreiben.

(Warum Fama diesen Unterschied zwischen kurz- und langfristig nicht kapiert, weiss ich auch nicht.)

Update 2 (21.10.13):

Barry Ritholtz hat einen sehr schönen Artikel in der Washington Post. Darin beschreibt er, dass der (wie er es nennt) erste Fama (effizienter Markt) sehr wohl einen Nobelpreis verdient hat, den aber der "zweite" Fama (die Märkte wissen eh alles besser, also sollte man sie in Ruhe lassen) verspielt hat.

"If the first Fama can rightfully be called the father of passive investments, then the second Fama is in many ways the intellectual father of the financial crisis. His thinking laid the groundwork for deregulations that had a terrible impact."

Nach Einschätzung von Ritholtz hat das Nobelpreiskomittee dieses Dilemma elegant gelöst, indem sie den Preis auch an Schiller verliehen hat. Damit hatte man zwar gleich einen der größten Kritiker ebenfalls den Preis verliehen. Aber den Preis an Fama allein zu vergeben, war halt angesichts der massiven Kritik auch nicht mehr drin.

Sehr gut argumentiert, Barry!

How Shiller helped Fama win the Nobel - The Washington Post

Wirtschaftsbuch 2013: Daniel Zimmer: Weniger Politik.

10 Bücher wurden nominiert. Zimmer hat gewonnen.
  • Martin Hellwig, Anat Admati: Des Bankers neue Kleider. Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss (24,99€)

    Das Buch kommt von zwei ausgewiesenen Kennern des Finanzsektors. Und nicht wirklich häufig gibt es aus der "Insiderecke" eine so deutliche Kritik an vielem, was im Finanzsektor vorgeht. Und die Aussage, dass der globale Finanzsektor heute genauso wacklig ist wie vor 5 Jahren.

    Das Buch ist mir schon deshalb ziemlich sympathisch, weil es zur Vermeidung zukünftiger Bankenkrisen deutlich gravierendere Vorschläge macht als der Mainstream. 30% ungewichtetes Eigenkapital für Banken zum Beispiel. (Bei soviel Eigenkapital verzichte ich auch den dritten Teil meiner Forderung: 10% Eigenkapital, keine Risikogewichtung, Trennbankensystem). Zum Thema Alibigesetze schaue auch nach beim Wirtschaftsbuchpreisgewinner 2013 weiter unten.

    Eine tolle und sehr ausführliche Rezension des Buches habt ihr vielleicht schon beim Spiegelfechter gelesen: Admati, Anat und Hellwig, Martin: The bankers´ new clothes » Spiegelfechter.

    Pflichtlektüre für alle, die sich mit dem Thema Bankenregulierung beschäftigen. Also zumindest, wenn es etwas fundierter sein soll als Statements bei Jauch & Co.
  • Uwe Jean Heuser, Deborah Steinborn: Anders denken! Warum Ökonomie weiblicher wird (19,90€)

    Heuser ist Chef der Zeit-Wirtschaftsredaktion. In diesem Buch fragt er sich zusammen mit Deborah Steinborn, ob die letzte große Wirtschaftskrise auch gekommen wäre, wenn mehr Frauen an den Schalthebeln der Wirtschaft gesessen hätten. Soll ich das Buch mit "Hätte, hätte, Fahrradkette" abbügeln?

    Nee, lieber nicht. Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Frauen in der Wirtschaft. Hoffentlich bewirkt das Buch auch was.
  • Frank Riedel: Die Schuld der Ökonomen. Was Mathematik und Ökonomie zur Krise beitrugen (19,99€)

    Dieses Buch bekommt bei Amazon sogar nur zwei Sterne. Die gehen aber auf nur eine Kritik zurück und diese kommt von einem der Leute, die in dem Buch kritisiert werden. Eigentlich eine Steilvorlage für einen öffentlichen Streit. Kloppt Euch ;) Popcorn?

    Generell ist ein Buch, das die Rechenmethoden und Annahmen der modernen Finanzmathematik kritisiert (Value at Risk, die Basis für Basel III, ...) sehr zu begrüßen. Muss mir das Buch vielleicht trotz der schlechten Kritik mal gönnen.

Gewonnen hat am Ende Daniel Zimmer.


P.S. Dass dieser Wirtschaftsbuchpreis definitiv ein Marketinginstrument ist, sieht man nicht nur daran, dass schön über die Verlage bestreut wurde, sondern auch daran, dass teilweise brandneueste Bücher in den Topf geworfen wurden. Das Buch von Frank Riedel (z.B.) ist laut Amazon erst im September erschienen, obwohl die Nominierungsliste bereits am 10.8. feststand. Teilweise scheinen mir also nicht unbedingt die besten Bücher der letzten 12 Monate auf die Liste gekommen zu sein, sondern manchmal auch einfach nur die neuesten ... Oder bin ich jetzt zu kritisch?

P.P.S. Die Links oben mit den Preisen sind Links auf (das böse) Amazon, auf die ihr zum Kaufen gerne klicken könnt. Davon bekomme ich dann ein paar Prozentchen Provision, dass ich dann umgehend Anwälten in den Rachen werfen kann ...

P.P.P.S Die Preisträger der Vorjahre:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wirtschaftsbuch des Jahres 2012: Tomáš Sedláček
(2011 hab ich verpennt)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wirtschaftsbuch des Jahres 2010: Susanne Schmidt - Markt ohne Moral (Bruhaha, hab ich mir damals wenig Mühe gegeben ... Und damals war ich noch gar nicht gefrustet ...)

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