USA: BIP Q04-12: -0,1%

Das ist eine dicke negative Überraschung. Der Konsens sah für das vierte Quartal 2012 ein BIP-Plus von 1,0% (wie immer in den USA hochgerechnet auf ein Jahr). Das Quartalsminus ist der erste seit der Rezession 2009. Die zwei noch kommenden Revisionen könnten aber auch noch dazu führen, dass das Quartal doch noch im Plus ausgewiesen wird.

Im Detail sehen die Zahlen weit weniger kritisch aus als man in der Überschrift erwarten könnte. auch wenn die Börsianer wieder hektisch reagierten. Gold sprang zum Beispiel gleich um 15$ nach oben; auch der Euro stieg über 1,35$ : In der Erwartung, dass die US-Notenbank die Geldschleusen noch weiter öffnen könnte.

Die Hauptfaktoren für das Wirtschaftswachstum blieben stabil, gesunken ist das BIP vor allem wegen deutlich gesunkener Lagerbestände. Der positive Effekt aus dem Vorquartal, als die Lagerbestandsänderungen für 0,7 Prozentpunkte des 3,1prozentigen BIP-Plus sorgten, drehte sich dieses Mal um. Satte 1,27 Prozentpunkte drückten die Lagerbestandsänderungen das BIP des vierten Quartals nach unten. Sprich bei konstanten Lagerbeständen wäre ein BIP-Plus von fast 1,2% ausgewiesen worden.

Ebenfalls deutlich im Minus lag der Wachstumsbeitrag des Staatssektors. Um ebenfalls kräftige 1,33 Prozentpunkte drückten sinkende Staatsausgaben das BIP. Der amerikanische Staat muss aufgrund seiner hohen Verschuldung sparen und Wachstum darf man aus dieser Ecke nicht erwarten. Und das vierte Quartal ist traditionell ein schwaches: 2009: -0,69 Pp; 2010: -1,49 Pp, 2011: -0,60 Pp, 2012: -1,33 Pp. Das Minus hier darf man nicht überbewerten, das scheint zu einem gehörigen Teil saisonal zu sein.

Beruhigend ist vor allem, dass der private Konsum, der ja für etwa 70% der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich ist, stabil im Plus bleibt: 1,52 Prozentpunkte Plus kamen aus diesem Sektor. Das ist ein Zuwachs, der gut im Trend der letzten 3 Jahre liegt. Ebenfalls beruhigend, dass die Sparrate der amerikanischen Bevölkerung gestiegen ist (jetzt 4,7% des Einkommens nach 3,6% im Quartal zuvor). Der Konsum ging also nicht nur auf höhere Kredite zurück, sondern wurde verdient (wenn auch das Einnahmenplus nicht nur auf Arbeitseinkommen, sondern auch auf Kapitaleinkünfte zurückging).

Auch die Investitionen blieben hoch. 1,19 Prozentpunkte Plus gab es hieraus. Davon gingen 0,36 Prozentpunkte auf den sich wieder stabilisierenden Immobilienmarkt zurück, ein Sektor, der in den 2 Jahren zuvor das BIP-Wachstum eher leicht gedrückt hat.

Für das Gesamtjahr 2012 lag das BIP-Plus trotz des schwachen Schlussquartals bei 2,2%.  Auch das liegt im Trend der letzten 3 Jahre.

Die Zahl, die mich am meisten enttäuscht, ist die Inflationsrate. Die BIP-Zahlen oben sind wie immer Zahlen, die im die Inflation bereinigt sind. Steigende Preise sorgen somit nicht für ein steigendes Wirtschaftswachstum. Nun könnte man die Statistik manipulieren (nicht, dass ich irgendjemanden sowas Fieses unterstellen würde ...), indem man die Inflation einmal hoch und ein einmal niedrig ausweist. (Korrekt heisst das nicht Inflation, sondern Preisdeflator). Und siehe an: Im vierten Quartal lag dieser bei nur 0,6%. Das ist der zweitniedrigste Wert der letzten 3 Jahre und liegt deutlich unterhalb der knapp 2%, die in den letzten 3 Jahren durchschnittlich ausgewiesen wurde. Um es zu verdeutlichen: Mit dem durchschnittlichen Preisdeflator der letzten drei Jahre wäre das BIP im vierten Quartal nicht um 0,1, sondern um 1,0 bis 1,5% gefallen. Also ziemlich drastisch.

Das Minus würde ich trotzdem nicht dramatisieren. Der Hauptpfeiler der amerikanischen Wirtschaft (der Konsum) bleibt stabil. Und solange der Arbeitsmarkt halbwegs stabil bleibt, wird sich daran wohl auch kaum etwas ändern. Denn man darf nie vergessen, dass die USA ein Land mit wachsender Bevölkerung sind. Und allein dadurch wächst die Wirtschaft schon ... Dass es dem Einzelnen im Durchschnitt auch besser geht, ist damit noch lange nicht gesagt. Das BIP pro Kopf zeichnet schon seit Jahren ein deutlich trüberes Bild als das Gesamt-BIP ...


BEA.GOV: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FOURTH QUARTER AND ANNUAL 2012, Advance Estimate (PDF)

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