Die Schweizer haben NICHT für Begrenzung von Managermillionen gestimmt

Die Schweizer haben NICHT für eine fixe Obergrenze der Managergehälter in Schweizer Franken gestimmt.
Die Schweizer haben auch NICHT für eine variable Obergrenze (12faches oder 30faches des Durchschnittsgehalts) gestimmt.
Die Schweizer haben NICHT für eine variable Obergrenze der Boni (maximal einmal das Fixgehalt zusätzlich) gestimmt.

Die Schweizer haben für ein Gesetz gestimmt, das den Aktionären mehr Einfluss auf die Managermillionen gibt.

Sprich: Wenn der Vorstand Milliardengewinne einfährt, wird er wohl auch weiterhin zweifache Millionensummen verdienen können. Selbst die unverschämten knapp 59 Millionen, die sich der Ex-Chef des Pharmaunternehmens Novartis für das Nichtstun bekommen sollte (er sollte Geld dafür bekommen, dass er nicht zur Konkurrenz wechselt), wurde von den Aktionären abgenickt. könnte auch unter der neuen Rechtsprechung von den Aktionären abgenickt werden.

Update (22:22):

Die 59 Millionen Nichtstu-Prämie wurde übrigens nicht von den Aktionären auf der Generalversammlung (=Hauptversammlung in Deutschland)  abgesegnet (wie ich zuerst geschrieben habe), sondern nur vom Verwaltungsrat ( in Deutschland = Aufsichtsrat) und Vergütungsrat abgesegnet. Die Aktionäre haben nämlich aktuell noch kein direktes Zustimmungsrecht zu Vergütungsfragen, sie hätten nur indirekt dem Verwaltungsrat die Entlastung verweigern können. 

Danke an nachrichtenlos für die detaillierte Erklärung! 

Update Ende.

Daniel Vasella: Totengräber eines Gesellschaftsvertrags | handelszeitung.ch
Das System Vasella | handelszeitung.ch

Gesetzlich geregelt werden nur ein paar Dinge:

19. Keine Abgangs- oder andere Entschädigungen an VR- und GL-Mitglieder beim Austritt
20. Keine Vorauszahlungen an VR- und GL-Mitglieder
21. Keine Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen an VR- und GL-Mitglieder
22. Keine Mehrfach-Arbeitsverträge für VR- und GL-Mitglieder (hier sind Arbeitsverträge bei Tochterfirmen innerhalb des Konzerns gemeint, mit denen die oben genannten Vorschriften für die "Hauptfirma" umgangen werden könnten)
23. Keine Delegation der Gesellschaftsführung an eine andere Firma
24. Strafbestimmung: Freiheitsstrafe (bis 3 Jahre) und Geldstrafe (bis 6 Jahresvergütungen)
Aber nicht einmal die Anzahl der Verwaltungsratmitgliedschaften wird gesetzlich beschränkt.
Grundsätzlich gelten die Regeln auch nur für börsennotierte Unternehmen mit Sitz in der Schweiz.

Durch die anderen Regeln wird die gesamte Aktionärsdemokratie "direkter", indem einige Formen der indirekten Stimmabgabe eingeschränkt bzw. verboten werden oder zumindest transparenter gemacht werden. Pensionskassen müssen ihre Stimmabgabe offenlegen. Banken dürfen nicht mehr "in Vertretung" für die Aktien in den Depots ihrer Kunden abstimmen. Die Teilnahme an der Hauptversammlung muss über das Internet möglich sein.

All das verschiebt die Macht von den Großaktionären aus der Finanzwelt (Banken, Fonds, Pensionskassen, ...) hin zu den "normalen" Aktionären. Ob diese aber wirklich grundsätzlich anders sprich kritischer über die Höhe der Managergehälter entscheiden, ist zwar durchaus denkbar und plausibel, aber keinesfalls sicher.

Alle neuen Regeln im Detail hier:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Schweiz macht Volksabstimmung über Managermillionen

Wenn ihr also heute irgendwo lest, dass die Gehälter beschränkt worden seien. Forget it. Lest was anderes. Die schreiben Mist. (Auch wenn er bald LSR geschützt ist)

Ob das Gesetz eine wirkliche Wirkung entfaltet, ist völlig unklar.

Update (12:10):

Schlechte Überschriften:

Süddeutsche: Mehrheit für Deckelung hoher Gehälter zeichnet sich ab
Tagesschau: Schweizer wollen Managergehälter begrenzen
Stern: Volksentscheid: Schweizer deckeln Manager-Millionen - Politik

Quark:

N24:
Keine Boni-Zahlungen mehr in der Schweiz (Zwar werden An- und Abtrittsboni oder auch für Firmenübernahmen abgeschafft, aber von "keine" kann nicht die Rede sein).

Gute Überschriften:

Spiegel: Schweiz beschließt eines der schärfsten Aktiengesetzte der Welt

Kommentare :

  1. Bin schon gespannt, wie sich das in der Praxis umsetzen lässt bzw. welche Konsequenzen daraus erwachsen. Vielleicht dient das einmal als Musterbeispiel auch für uns - wenngleich ich mir fast nicht vorstellen kann, dass ein Politiker bei uns das einführt.

    lg - urriegel

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    1. Einen Teil der Regeln haben wir in Deutschland schon. (z.B. Abstimmung des Depotstimmrechts, was durchaus unerwünschte Folgen hatte, siehe mein erstes Posting). Die Schweiz geht jetzt aber weiter und macht auch einiges deutlich konsequenter.

      Aber wie gesagt: Es entscheiden Aktionäre (sprich potenzielle Kapitalisten und nicht Niedriglöhner) über die Vergütung. So wahnsinnig viel Dämpfung der Managergehälter würde ich nicht erwarten.

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