Wie viel Russen-Schwarzgeld liegt in Zypern?

André Kühnlenz bleibt eisern am Thema dran ...

In der letzten Woche wühlte sich André schon durch die Zentralbankstatistiken und fand heraus, dass die in der Presse genannten Zahlen zu den Verbindlichkeiten der zyprischen Banken nicht zu den Zahlen aus der Statistik passten.

Statt den offiziell genannten 68,4 Mrd. Euro, die bei zyprischen Banken liegen sollten (die Zahl stand wirklich überall und ging wohl von der EU aus), waren es laut Notenbank tatsächlich 106,8 Milliarden.
Der Unterschied kam vor allem aus den ausgelassenen Verbindlichkeiten gegenüber anderen Banken, die man wohl nicht in der öffentlichen Diskussion sehen wollte.

Damit wurden die Banken aus der Diskussion um eine Beteiligung an der Umstrukturierung von vornherein herausgehalten. Dahinter politische Absicht zu vermuten, liegt nahe. Wenn jetzt bei einer zyprischen Bank die Einlagen um 40% rasiert werden, hätte das inklusive Bankenbeteiligung vielleicht nur 30 oder 20% sein müssen.

Sollen Banken in Zypern verschont werden? | WeitwinkelSubjektiv

André hat anschließend versucht, das Gerücht von den hohen Schwarzgeldeinlagen der Russen zu hinterfragen (eisern der Junge ;-)). Auch hier geistern seltsame Zahlen des Bundesnachrichtendiensts durch die Presse. Dort wird von breiten russischen Schwarzgeldflüssen nach Zypern geschrieben.

Einer Quelle zufolge sollen etwa 30,8 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Russland abgeflossen sein, ein großer Teil davon nach Zypern.

Dabei wird in den Medien gerne russisches Geld zu 100 Prozent mit russischem *Schwarz*geld gleichgesetzt. Was natürlich Quark ist, denn allein Gazprom (egal wie umstritten der Konzern ist) dürfte schon ausreichend viel Geld im Ausland investiert haben, um die Quote deutlich unter 100% zu drücken.

Was ebenfalls komisch ist: Die zyprische Zentralbank weist in ihren Statistiken einen Einlagenanstieg von Nicht-EU-Mitgliedern von 3,4 Mrd. in 2012 aus. Das wären nur gut 10% der Summe, die teilweise in den Medien als "aus Russland stammend" genannt werden.

Es wäre auch völlig gaga, wenn Russland wirklich in einem Jahr 31 Mrd. Euro "vor allem Schwarzgeld" "vor allem in Zypern" auf die Bankkonten geschoben hätte. Woher soll dann das russische Geld in der Schweiz stammen? Für die Hauskäufer am Tegernsee? Der "ich shoppe mir mal nen Bogner Skianzug für nen Tausender und lasse ihn nach dem Urlaub im Hotel liegen, weil nächsten Winter trage ich den eh nicht mehr"-Konsum? Wo bleiben die legalen russischen Investments u.a. in Rohstoffe?

Nein, die Zahlen, die in der Presse genannt werden, können vorne und hinten nicht stimmen.

SpiegelOnline und die russische Schwarzgeldlüge | WeitwinkelSubjektiv

Was mich ebenfalls wundert (habe das auch drüben in den Kommentar geschrieben): Wo ist eigentlich Zypern als Schwarzgeldwaschstation und Steueroase für Griechenland? Das war Zypern historisch gesehen schon immer (warum wohl haben die zyprischen Banken so viele griechischen Staatsanleihen in den Kundendepots?). Es ist wohl gerade einfacher, auf die Russen zu zeigen, um die Konten rasieren zu können ...

Ich will an dieser Stelle nicht verschweigen, dass mir jemand, der aus Zypern stammt, erzählt hat, dass die Zyprer viel Geld aus dem Ausland unter der Hand angenommen haben sollen, und dann bei den Banken eingezahlt haben bzw. dafür Immobilien erworben haben. Über das Ausmaß kann man nur spekulieren (und ich zweifle etwas daran, dass das wirklich soooo üblich war, wie mir erzählt wurde). Sicher ist allerdings, dass die Statistiken der Zentralbanken diese Fälle nicht richtig erfassen können.

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore