Die Telekom-DroSseL ist völlig legitim, solange ...

... jedes IP Paket gleichberechtigt ist.

Einen Internetzugang nach Bandbreite oder Volumen oder einer Mischung daraus (kommst du über 50 GB, setzen wir dich auch 1 Mbit/s runter) ist total normal, alle mir bekannten (Profi-)Hoster rechnen so ab. Denn Bandbreite kostet Geld. Beim Hoster, im Backbone, auf der letzten Meile beim Endkunden.

Wer meint, das Netz bestünde nur aus Fixkosten, weil das Kabel im Boden schließlich bezahlt ist, möge mal einen Blick in die Preislisten bei Cisco, Juniper oder Alcatel werfen ... Oder besser nicht, wenn man an einem unzulässig bequem-simplen Weltbild festhalten möchte ;)

Das Problem an den neuen Preismodellen ist *ausschließlich* die Privilegierung der Telekom-eigenen Dienste wie Entertain, die NICHT in das normale IP-Volumen fallen. Interessanterweise ist das sogar technisch begründbar, aber das führt zu weit, und lenkt vom wesentlichen Punkt ab: In der Konsequenz werden konkurrierende Anbieter von Streaming- oder Download-Videos wie Apple, Amazon und Watchever (oder auch Musikstreamer wie Spotify) massiv benachteiligt. Und der Traffic, den diese verursachen, nagt am Freivolumen (die Telekom plant 75 GB im Monat). Wenn das nächstgrößere Paket bei der Telekom 10 Euro mehr kosten sollte, entspricht das dem Preis von 3 Filmen, kurz ein Konkurrent wie Watchever kann mit seinen 9 Euro im Monat einpacken.

Bundesregierung warnt vor Flatrate-Drossel der Telekom | heise online

Die Diskussion muss unbedingt sauber geführt werden. Die Bandbreite von 384 KBit/s nach einer Drosselung ist zwar eine Frechheit, aber das ist nicht der Punkt. Auch das Volumen von 75 GB ist nicht der Punkt. Der Punkt ist einzig und allein, dass bestimmte IP-Pakete anders behandelt werden als andere. Und sich die Anbieter diese "Dienstleistung" bei der Telekom einkaufen können. Sprich: Sie sollen zahlen, damit dieser Traffic dann beim Kunden nicht gezählt wird. (Am liebsten hätte die Telekom natürlich, wenn man auf beiden Seiten (an der Datenquelle und der Datensenke) die Hand aufhalten könnte ...).

Wenn die Telekom nicht genügend Geld für die Modernisierung ihres Netzes verdient (ihr Argument), dann soll sie das der Regulierungsbehörde erklären. Dort konnte man komischerweise die Berechnungen der Telekom nie nachvollziehen.

Oder die Telekom muss bei den Hostern mehr kassieren. Wenn diese in ihrem Rechenzentrum ein 1 Gbit Kabel inkl. 100 Terabyte Traffic für 20 Euro im Monat verkaufen, macht das

0,02 Cent pro Gigabyte.

Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dieser Preis wäre fair und kostendeckend: Liebe Telekom, behandle jedes Paket gleich, egal ob es von Apple, Amazon oder dir kommt, und verkauft uns den Traffic auch zu diesem Kurs. Niemand wird meckern. (Man muss sich das mal vorstellen: Das Inklusivvolumen bei der Telekom kostet beim Hoster 1,5 Cent ...).

Anders gesagt: Liebe Telekom, wenn du bei den Hostern nicht auf deine Kosten kommst, wälze dieses Problem nicht auf die (Privat-)Kunden ab und wirf dabei die Netzneutralität über Bord.

(Die Telekom argumentiert übrigens ziemlich clever nicht mit einer bevorzugten Behandlung irgendwelcher Dienste, die dann beim Kunden nicht abgerechnet werden, sondern damit, dass das ein eigener Dienst ist, bei dem die Qualität von der Telekom sicher gestellt wird ("Managed Service"). Das ist deswegen eine ziemlich clevere Argumentation, weil das aus technischer Sicht sogar irgendwo stimmt. Wenn die Datenpakete von Diensten wie Entertain genauso behandelt würden wie "normale" Internet-Datenpakete, hätte die Telekom signifikant höhere Kosten. "Wir" sollten also aufpassen, dass wir sauber argumentieren, weil die Telekom aus streng technischer Sicht sogar ziemlich sauber argumentiert, ihr es aber natürlich um etwas ganz anderes geht. Sie kann daher genügend Nebelkerzen werfen.
Da nützen wild um sich geworfene Begriffe wie "Enteignen", wenn man eher eine Übernahme der Telekom durch den Staat meint, nicht weiter. Oder Unsauberkeiten wie "Telekom bekam das Netz geschenkt" und gleichzeitigem völligem Ignorieren, dass der Staat den Aktionären die T-Aktien nicht geschenkt, sondern verkauft hat. Der Staat *hat* für den Verkauf des Netzes Geld bekommen @schmidtlepp. Wenn auf dem Niveau weiter diskutiert wird, müssen wir uns nicht wundern, wenn "wir" in Berlin mal wieder nichts durchsetzen. So wie beim "Internet auf dem Land", dem Leistungsschutzrecht, etc.)

Kommentare :

  1. So gaaanz verstehe ich die Argumentation mit dem "Managed service" jetzt nicht (Traffic ist letztendlich Traffic), aber sei's drum...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. OK, ich drösel noch mal ein wenig weiter auseinander:

      Die Telekom versucht mit dem Begriff natürlich zu verwirren. Sie nennen das, was eher unter "Priorisierung" oder "dafür muss der Empfänger nichts zahlen" abgeheftet werden müsste, Qualitätssicherung.

      Das Problem dabei: Für Entertain stimmt das. Das soll ja quasi Live-Fernsehen sein und zuverlässig und mit geringer Latenz sein Signal in die Haushalte bringen. Wie die Schüssel halt auch. Das ist managed, das ist gut und hat am Ende mit vollständigem TCP/IP (inkl. vollem Routing, etc) nicht mehr viel zu tun.

      Bei Youtube, Apple iTunes, etc. hingegen (oder auch bei anderen Streamingdiensten wie Watchever) hingegen funktioniert das ganze problemlos über das "normale" Internet. Da müssen aber auch nicht an einem Vermittlungskasten 213mal der gleiche Stream (Tatort, Fußball) zeitgleich in die Haushalte gejagt werden.

      Sprich: Die Anforderungen von Entertain und Youtube sind andere!

      Der Telekom darf den Dienst "Managed Service" natürlich seinen Kunden anbieten. Watchever (oder noch eher Sky) könnte daran ja durchaus Interesse haben. Der Stream könnte schneller starten (braucht kleineren Puffer) und würde zuverlässiger. Für den "Managed Service" gibt es für alle anderen kaum einen Grund. Man braucht das als Google oder Youtube oder oder oder einfach nicht. Die IP-Pakete kommen auch so schnell genug an.

      Daher muss sich die Telekom einen Grund basteln: Daher gibt es einen neuen Tarif mit Trafficbeschränkung, "Managed Services" fallen nicht in den Traffic und Bingo schon gibt es Kunden für die Managed Services.

      Das Problem ist aus meiner Sicht allein, dass die Telekom die Pakete beim Kunden nicht als Traffic zählt. Und vorher durch eine Vertragsänderung dafür sorgt, dass dieser Zustand (der vorher normal war) zu einer Verbesserung führt.

      (Verständlicher?)

      Löschen
    2. Danke für die Antwort - ich würd's nicht ganz unterschreiben, aber lassen wir das... ;-)

      Löschen
  2. Entertain ist bei der Telekom Geschichte auch in Bezug auf Netzneutralität auch das falsche Beispiel (nicht über Internet, multicast, etc.). Viel schlimmer ist dabei spotify, bei dem das Datenvolumen ebenfalls nicht angerechnet wird. (Du hast spotify aber noch als benachtieligt genannt ;) )

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die spotify Bevrozugung kenne ich nur aus Mobilfunknetz. Hat die Telekom das bei DSL auch angekündigt?

      Löschen
  3. Also ich finde es völlig zulässig, dass die Telekom in Ihren neuen Verträgen die Downloadgeschwindigkeit bei Erreichen eines gewissen Volumens drosselt. Letztendlich steht die Telekom im Wettbewerb und der Kunde kann sich ja immer noch selbst entscheiden. Außerdem herrscht in Deutschland ja immer noch Vertragsfreiheit!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Solange ein Paket ein Paket ein Paket ist, stimmt das. Wenn allerdings bei bestimmten DSL-Anbieter bestimmte andere Anbieter (Entertain vs. Lovefilm vs Apple) bevorzugt werden, kann man nicht mehr von einem funktionierenden Markt reden. Es ist ja völlig utopisch, dass ich über Vodafone oder O2 Entertain einkaufe ... (wobei das vielleicht sogar ein interessanter Ansatz für die Regulierung wäre. Die Telekom dazu zwingen, Entertain auch in andere Netze zu streamen und dafür an die anderen DSL-Anbieter das gleiche Geld zahlen zu müssen, was diese für das Streaming in das Netz der Telekom zu zahlen. Dann wäre man wieder ansatzweise bei "Paket ist Paket", man würde nur die Kosten an den Netzgrenzen erhöhen. Und genau da liegt auch IMHO das Problem: Wer direkt am CIX in Frankfurt hängt, zahlt halt nur 0,02 Cent für ein Gigabyte. Das ist nicht kostendeckend. Da müsste man die Kosten erhöhen, aber eben netzneutral, für alle Pakete).

      Löschen
  4. Für mich klingt das einfach danach, dass ein ehemaliger Monopolist hier wieder ein Stück weit sein Monopol durchsetzen möchte, bzw. dafür kassieren will.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Klar, sie wollen. UNd sie könnten es wahrscheinlich auc, weil sie noch mächtig genug sind.

      Löschen
  5. Alle Telekom Dienste sind im Inklusivvolumen drin.. ausser Entertain TV, das ist aber kein regulärer Internet dienst. somit keine Verletzung der Netzneutralität

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genauso sieht es aus! Aus meiner Sicht ist dies nur ein logischer Schritt, der lediglich die Vielsurfer betifft. Es müssen auch nicht täglich 200 GB downgeloaded werden, oder?

      Löschen
  6. Das Internet ist doch nur ein Begriff für die Summe/Menge aller zusammenhängender Netze, auf dem viele verschiedene Dienste mit vielen verschiedenen Protokollen angeboten werden. Dabei ist es egal ob Unicast, Multicast oder Broadcast.
    Insofern ist Entertain ebenfalls ein ganz normaler Teil, sowohl Dienst als auch Netz, des Internets.
    Das einzige irreguläre daran ist, das er gemanaged ist, entweder IP-basiert oder per DPI.
    Und genau das sollte es nicht sein, es sein denn der Kunde wünscht es, dann dürften aber auch nur die Pakete des einzelnen Kunden untereinander priorisiert werden.
    Ansonsten verstoßen sie eben doch gegen die Netzneutralität.

    AntwortenLöschen
  7. der andere Andreas30 April, 2013 15:05

    beschränkte volumen verringern zudem auch nicht die belastung des netzes zu spitzenzeiten (ähnliches problem wie beim strom).
    und gerade streaming-angebote lassen sich ja im normalfall nicht zeitlich verschieben.

    wenn alle ihre 75GB am monatsanfang haben wollen wirds dort langsam und am monatsende hätte man überkapazitäten - man kann das zwar sicher abrechnungstechnisch staffeln ändert aber nichts am spitzenlast-problem.

    da hätte man eherlich sein können, dass man über ein anderes bezahlmodell neue geldquellen erschließen wollte.

    AntwortenLöschen
  8. und das dieser kundenfeindliche und kriminelle verein in ihren machenschaften von der politik gedeckt werden und wir dadurch immer noch in einem ultra überteuerten steinzeitalter leben, spielt nehme ich an keine rolle?
    und das die telekomik ein angelsächsisches uboot ist, genau wie die post, welche nur der umverteilung von gelder raus aus dummland dienen wohl auch nicht?
    es ist bestimmt nur sowas wie zufall, dass die telekomik aktie nur noch müll ist, oder?
    oder gibt es da zusammenhänge mit den geschäften im ausland, vorrangig in den usa, dass dies so ist?
    der anstehende metropcs deal ist bestimmt notwendig, viel notwendiger als sich um die infrastruktur im ehemaligen heimatland zu kümmern, oder?

    dass diese hardcore kriminelle drosselung den nebeneffekt der zensur darstellt, hat in der diskussion aber wohl auch nix zu suchen!

    dass es eine benachteiligung anderer datenintensiver anbieter ist, muss doch überhaupt gar nicht erwähnt oder disskutiert werden!!!!

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore