So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t.

Ich hatte relativ früh darauf hingewiesen, dass Griechenland auf eine Deflation zusteuert. Schon im letzten Herbst hielten nur noch einige Sondereffekte die Verbraucherpreise im Plus, was zum größten Teil auf Steuererhöhungen und höhere Energiepreise zurückging.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation

Diese Effekte sind jetzt zum großen Teil ausgelaufen, so dass das allgemein sinkende Preisniveau jetzt auch auf die offizielle Inflationsrate durchschlägt.

Sowohl der Verbraucherpreisindex (CPI) wie auch der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lagen im März zum ersten Mal seit Ewigkeiten (>10 Jahre) im Jahresvergleich im Minus. Um 0,2% sanken beide Preisindizes.


Sollten die Energiepreise auf dem Weltmarkt nicht anziehen, wird sich diese Tendenz wohl fortsetzen. Das Lohnniveau in Griechenland ist derart unter Druck, dass steigende Preise aktuell kaum vorstellbar erscheinen.

Für Griechenland ist das natürlich nicht gut, denn Inflation ist eine der einfachsten Möglichkeiten, den Schuldenstand eines Landes zu senken. Also natürlich nicht den absoluten Schuldenstand in Euro, sondern den relativen in Prozent der Wirtschaftskraft. Diese "Schulden in Prozent des BIPs" gelten als eine der wichtigsten Zahlen zur Bestimmung der Bonität eines Landes. Sinken nun die Preise, sinkt auch das BIP. Und damit steigen die Schulden in Prozent des BIPs. Und die Schuldentragfähigkeit des Landes sinkt. Reine Mathematik.

In einer Phase, in der Griechenland mehr Inflation bräuchte, bekommt Griechenland also weniger Inflation, bzw. genau das Gegenteil: Deflation.

Elstat: CONSUMER PRICE INDEX: March 2013


Ich befürchte auch, dass noch andere europäische Länder folgen werden. Portugal und Spanien fallen mir zuerst als Kandidaten ein. Muss ich mir mal genauer anschauen.

P.S. BIP oben meint immer das Brutto- nominale BIP, also das nicht um Preisänderungen bereinigte BIP. Das BIP, das als Wachstumsrate in den Schlagzeilen kommt, ist das Netto reale BIP, das um die Preisänderungen bereinigt wurde. Wenn die Wirtschaft um 2% wächst und die Preise um 3% steigen, taucht das BIP-Wachstum in den Schlagzeilen (das reale BIP) mit +2% auf, das nominale BIP, an dem der Schuldenstand gemessen wird, liegt hingegen um 5% im Plus.
Oder im Fall von Griechenland: Wenn das Netto- reale BIP um 5% sinkt, stehen diese 5% in der Überschrift ("Griechenlands Wirtschaft bricht um 5% ein"). Sinken zusätzlich noch die Preise um 2%, sinkt das für den Schuldenstand relevante Brutto- nominale BIP sogar um 7%. Bei einem Schuldenstand von 150%/BIP würde durch den Rückgang des nominalen BIPs der Schuldenstand auf 161% des BIPs steigen, ohne dass das Land einen einzigen Cent neuer Schulden macht ...

Update (10.04.2013):

Auf den Hinweis eines Lesers (Danke) die Begriffe im Postscriptum korrigiert. Brutto- und Netto-BIP sind nämlich falsch (allein schon weil Brutto-BIP Brutto-Brutto-Inlands-Produkt bedeuten würde und wenig Sinn macht). Das was ich Brutto-BIP genannt habe (das preisbereinigte BIP), heisst korrekt "reales BIP", das Netto-BIP (das nicht-preisbereinigte) "nominales BIP".

Kommentare :

  1. War zu erwarten, oder?. Jahrelang waren die Inflationsraten in Griechenland etc. höher als in Dtl. Nun sollen Arbeitskosten ange- und damit langfristig die Leistungsbilanzen ausgeglichen werden. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man erreicht höhere Inflationsraten in Dtl. etc oder aber niedrigere in Griechenland etc. Da Dtl. weiterhin niedrige Inflationsraten hat, bedeutet das für Gr. Deflation.

    Ist natürlich doof für die Menschen dort und den relativen Schuldenstand. Aber dass diese Anpassung kommen muss, so oder so, war meines Erachtens immer einer der wichtigsten Punkte in der Diskussion.
    Politisch ist mit dieser Entwicklung hohe Inflation im Norden nicht mehr notwendig und es herrscht Druck auf den Süden, dort Strukturreformen wirklich umzusetzen (Idee dahinter: sobald der Druck nachlässt, läuft da nichts mehr).

    Oder habe ich was übersehen?

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    1. Nein, du übersiehst nichts. Vielleicht dass so eine Deflationsspirale fies sein kann und man da nicht einfach rauskommt. Eine Inflation ist schon schwierig zu stoppen, eine Deflation aber noch schwieriger. Weil man in einer Deflation Geld nicht billig machen kann. Bei 2% Inflation sind 2,5% Zinsen für einen Kredit spottbillig und normalerweise konjunkturankurbelnd. Was machst du bei -2% Inflation (sprich 2% Deflation)? Negative Zinsen? Gibt's halt nicht, Zinsen können nicht unter Null fallen. Das Problem haben die Japaner gerade (was heisst "gerade", seit 2 Jahrzehnten ...)

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  2. Bruttoinlandprodukt und Nettoinlandsprodukt unterscheiden sich durch die Abschreibungen. Sie meinen reales und nominales BIP.

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    1. Ups, stimmt. Brutto und netto ist zwar logisch eigentlich richtig, aber Brutto ist natürlich nicht der richtige Begriff, weil ja schon in Brutto-Inlands-Produkt drin. Verbessere ich.

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  3. ach. Griechenland muss halt abwerten. Im EUro geht das nicht, deshalb eben Deflation. Dass das nicht die beste Lösung ist, darauf wird seit Anbruch der Krise hingewiesen...

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    1. Joh. Da es aber noch nicht alle verstanden haben, muss ich mich wiederholen ;-)

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  4. Verstehe ich nicht. Griechenland muss disinlationieren, um seine Wettbewerbsfaehigkeit wiederherzustellen. Wenn der Rest Europas nur Minimal-Inflation hat bedeutet dies Deflation.

    Dass dies nicht zut raeglich fuer Debt-Ratios ist stimmt zwar, aendert aber nichts am Sachverhalt.

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    1. Wir brauchen mehr Inflation. Am besten wäre es natürlich, wenn GR 6% Inflation hätte und die Löhne stabil blieben. Dann wäre GR in 2 Jahren wettbewerbsfähig. Im Endeffekt das, was auch bei einem Euro-Austritt passieren würde ...

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    2. Irgendwie scheint es noch nicht klar zu sein. Bei einem Austritt aus dem Euro müßte GR Abwerten. Da eine nominelle Abwertung nicht möglich ist, kann es nur eine reale Abwertung sein, d.h. die Preise in GR müssen gegenüber dem Rest der Welt sinken (=Deflation).

      Ein völlig anmderes Konzept gegen die Überschuldung wäre Inflationierung. Dies würde zwar die nominelle Schuldenquote senken, doch gleichzeitig zur realen Aufwertung führen. Die wahrscheinliche Folge: noch weniger Exporte, mehr Importe höheres Leistungsbilanzdefizit und noch mehr Auslandsschulden. Fiskalische Repression funktioniert nur, wenn die Realzinsen mittelfristig negativ bleiben, was aber im Fall von GR sehr unwahrscheinlich ist.
      Daher bleibt Deflation die einzig mögliche Anpassungsstrategie wenn man nicht noch irgenwo (exofgen) einen Goldsack findet.

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    3. Die nominelle Abwertung funktioniert bei 2% Defaltion in GR und 2% Inflation in D natürlich. Bei 2% Inflation in GR und 6% INflation in D aber ebenso. Nur dass im letzten Fall die Schulden entwertet würden, im ersten nicht.

      (Leider sind das theoretische Überlegungen, man kann ja nicht einfach an ein paar INflationsrädchen drehen und dann kommen die Werte so, wie man sie einstellt ...)

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    4. Oben (11. April) waren es 6% Inflation in GR (statt D), was nicht funktionieren würde. Inflationsunterschiede für eine reale Abwertung müssten zwischen GR und (gewichtet) allen Handelspartneren von GR (nicht nur D) besthen. Aber ich schätze, die Welt inflationiert nicht um GR zu retten.

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