Griechenland: Leistungsbilanzminus in Q01-13 gegenüber Vorjahr halbiert

Diese positive Entwicklung setzt sich fort, allerdings beruht die Verbesserung zu großen Teilen auf Einflussparametern, die nur wenig mit einer Wiedererstarkung der griechischen Wirtschaft zu tun haben ...

Zu den Zahlen:

Die Leistungsbilanz hat sich im ersten Quartal 2013 von -4,8 Mrd. Euro auf -2,35 Mrd. verbessert, das Defizit hat sich also mehr halbiert.

Bei den Waren sanken die Importe um gut 800 Millionen, die Exporte stiegen um etwa 500 Millionen. In beiden Zahlen setzt sich der Trend des Vorjahrs fort. So weit, so gut.

Der Anstieg der Exporte geht aber fast ausschließlich auf den Ölsektor zurück. Da Griechenland so gut wie kein eigenes Öl fördert, bedeutet dieses wahrscheinlich, dass aus den griechischen Raffinerien ähnlich viel Benzin (etc.) rausfällt wie vorher, nur wird das nicht mehr im Inland verbraucht, sondern wieder exportiert. Das ist also zum großen Teil auf die eingebrochene Inlandsnachfrage und nicht auf eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen.

Bei den Dienstleistungen hat sich die Bilanz kaum geändert. Wie im Vorjahresquartal gab es ein Plus von 1,5 Mrd. Euro. Dies braucht man aber nicht weiter zu untersuchen, denn der für Griechenland wichtigste Faktor in diesem Sektor, der Tourismus, legt erst ab Ostern richtig los. Es deutete sich aber im ersten Quartal unter Umständen bereits ein Problem an: Es gab zwar 4,6% mehr ausländische Reisende, diese gaben aber (zusammen) 3,7% weniger aus als im Vorjahresquartal. Letzteres ist natürlich die Folge eines sinkenden Preisniveaus in Griechenland.

Beides zusammen ergibt die Handelsbilanz, deren Minus von etwa 4,3 Mrd. auf 3,0 Mrd. geschrumpft ist.

Nun kommen noch Einkommen und Ausgaben auf Löhne und Vermögen. Hierunter fallen auch die Zinskosten für den Staat, die dann auch die komplette Änderung in diesem Punkt erklären: Etwa 800 Millionen musste Griechenland weniger ans Ausland überweisen. Das geht direkt auf die Rettungspakete (Schuldenschnitt, Niedrigzinsen auf die EU-Kredite) zurück.

OK, was bleibt? 2,5 Milliarden Verbesserung in der Leistungsbilanz, von den 800 Millionen auf Öl und weitere 800 Millionen auf niedrigere Zinsen zurückgehen. Den Rest - also knapp ein Drittel - könnte man - wenn man großzügig ist - noch als Erfolg Griechenlands verbuchen. Hmmm, nicht wirklich beeindruckend. Die Sparpolitik ist also weiterhin wenig erfolgreich.

Übrigens lässt sich in der Statistik auch schön ablesen, wieviel Geld Griechenland im Moment von der EU erhält. Es waren in den ersten drei Monaten netto 2,5 Mrd. Euro. Bei einer Verdopplung dieser Zahlung wäre Griechenland also was die Leistungsbilanz angeht wieder in den schwarzen Zahlen.

Wenn man nun bedenkt, dass die Leistungsbilanzen der beiden Sommerquartale deutlich besser aussehen (mit etwas Glück sogar Überschüsse produzieren), ist das doch eigentlich nicht sooo viel Geld, das die EU als Alternative zum Kaputtsparen eines ganzen Landes in die Hand nehmen müsste ...

Sollte man meinen ...

Press Releases: 22/05/2013 - Balance of payments: March 2013

Kommentare :

  1. Sehr interessanter Beitrag.

    Was mir noch nicht ganz klar ist, sind die 2,5 Mrd. die Griechenland von der EU bekommen hat. Sind damit EU Förderungen gemeint?

    MfG
    Andreas

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Yepp. Das ist direktes Geld aus Brüssel. Es ist am Ende sogar noch mehr, aber Griechenland muss in die Gegenrichtung auch Geld bezahlen. Es sind 2,5 Mrd. netto im 1. Quartal.

      Löschen
  2. Herzlichen Dank für die schnelle Antwort.

    Da mir das nun klar ist, kann ich auch der Forderung nach mehr Förderung zustimmen. Durch EU Strukturfonds bzw. Regionalfonds könnte tatsächlich noch mehr in Griechenland investiert werden. Griechenland wäre geholfen und gute Investitionen sind auch für die EU ein Gewinn.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine Doofidee: Tourismus (qualitativ hochwertig, evtl. "öko") und wichtiger: Photovoltaik. Statt die Dinger hier auf Dach zu flanschen, ab nach Griechenland. Bringt Unmengen Arbeitsplätze für die Montage in Griechenland, bringt dort billiger als in Deutschland CO2 Ersparnis, und macht Griechenland unabhängiger von ausländischem Öl (und verbessert so das Leistungsbilanzdefizit). Dafür müssten die Politiker nur auf die Idee kommen, die CO2 Ziele ENDLICH mal auf EU-Basis zu betrachten und nicht auf Länderbasis.

      Löschen
    2. Meiner Meinung nach sollten nicht nur CO2 Ziele auf EU Basis betrachtet werden sondern auch Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum.
      Mit den Deutschen Solarförderungen hätte man in Griechnland wohl die 5 fache Kapazität aufstellen können - wegen geringerer Arbeitskosten (man hätte auch weniger Arbeitslosengeld zahlen müssen) und viel viel mehr Sonnenstunden.
      So könnten sich die Investitionen vil. sogar rentieren.

      Generell ist es untragbar, wenn ein Staat eine Jugendarbeitslosigkeit von ca. 50 % hat. Jeder 2. Junge Südeuropäer wird wohl sein ganzes Leben, auch wenn es wirtschaftlich wieder bergauf geht, an seine Jugend ohne Perspektive und ohne das Gefühl etwas zu schaffen und wichtig zu sein, denken. Langfristig wär hier sicher etwas deficit spending eine gute Investition.

      Löschen
  3. Super Beitrag!!!
    Allerdings machen diese Zahlen mal wieder sehr kritisch sehen... Sicherlich hat sich schon einiges verbessert. Aber die Südländer fangen immer recht früh an schon die Hände in den Schoß zu legen... Macht lieber weiter so liebe Griechen!

    AntwortenLöschen
  4. Ja, die Südländer haben schon lange die Hände wieder in den Schoß belegt, und dazu gibt es auch Zahlen: 25% Arbeitslosigkeit.

    Der Beitrag ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie mit Nonsense-Zahlen Meinungsmache betrieben wird. An der Leistungsbilanz orientieren sich nur ideologische Spinner. Gerade am Beispiel Griechenlands zeigt sich, dass dieser Parameter keine brauchbare Beurteilung zur Lage des Landes erlaubt. Wenn eine Ökonomie den Bach heruntergeht, nähert sich die Leistungsbilanz zwangsläufig Null, wenn irgendwann alle ökonomischen Aktivitäten vollkommen eingestellt sind.

    Eine weiter wachsende Arbeitslosigkeit von inzwischen 27,4%, bei der Jugend auf 64% sind sehr klare Indikatoren dafür, das sich die Situation weiter deutlich verschlechtert. Auch die Wirtschaftsleistung sinkt weiter, dieses Jahr wohl um mind. 4%. Insgesamt verlor Griechenland seit Beginn der Krise ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung, Tendenz weiter fallend. Das ist eine dramatische Entwicklung mit nachhaltigen Folgen für die kommenden Jahrzehnte, denn schon längst verlassen all diejenigen das Land, die auf Grund ihrer Bildung sich anderswo deutlich bessere Chancen ausrechnen können. Griechenland wird das Armenhaus Europas, das ist jetzt kaum noch aufzuhalten.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore