Biosprit: Zur Hälfte (potenziell) auf Kosten des Regenwalds

Greenpeace hat Biosprit untersuchen lassen und wollte wissen, wie viel des per Gesetz zwangsweise zugemischten Bioethanols in Deutschland aus "guten" und wieviel aus "schlechten" Quellen stammt. Die gute Quelle ist dabei Raps, das in unseren Breitengraden wächst (wenn auch nicht zwangsläufig im Inland), die schlechten Quellen sind Soja, Kokos und Palmöl.

Und sieh an: Nur noch 51% stammen aus Raps, die andere Hälfte aus Pflanzen, die in tropischen Regionen wachsen. Und damit mutmaßlich von abgeholzten Regenwaldflächen stammen mit der dementsprechend desaströsen CO2-Bilanz. Anders formuliert: Im Sprit, den wir tanken, stammen etwa 3,5% aus Raps, 3,5% aus (potenziell) tropischen Regenwäldern.

Selbst wenn "unser" Biosprit nur aus Raps stammen sollte, der auschließlich in Deutschland angebaut würde, wäre das kaum besser. Denn wie man am deutschen Biospritanteil sehr schön erkennen kann, ist Pflanzenöl/-sprit austauschbar und wird in einem globalisierten Markt gehandelt. Wenn wir jetzt unseren Raps selber produzieren, produzieren wird irgendwas anderes nicht. Das "irgendwas anderes" müssen wir dann im Ausland kaufen und das stammt dann potenziell wieder von Flächen, die früher mit Regenwald bepflanzt waren.

Ein Beispiel dafür: Mais, der überwiegend zur Tierfütterung eingesetzt wird. Baut man jetzt Raps statt Mais an, kann man den fehlenden Mais durch Soja ersetzen. Soja jedoch kommt wieder potenziell von abgeholzten Regenwaldflächen. Solche "Ersatzketten" gibt es viele, am Ende steht die Erkenntnis, dass die Pflanzen, aus denen Biosprit hergestellt wird, nicht vom Himmel fallen.

Auch die Geschichte, dass es sowas wie zertifiziertes Palmöl gegen könne, ist ziemlich nahe an kompletten Unfug (#famoseworte). Palmöl ist Palmöl. Wenn Deutschland nur Palmöl von zertifizierten Flächen (für die kein Regenwald abgeholzt wurde) kaufen würde, ist das zwar für das deutsche Gewissen nett, das globale Problem löst man aber nicht. Denn auch andere Länder kaufen und brauchen Palmöl. Und wenn wir das gesamte Palmöl von alten "fairen" Plantagen kaufen, kaufen die anderen Länder eben das Palmöl von den neuen Plantagen, für die der Regenwald abgeholzt wird.

Jetzt könnte man sagen, dann sollen die anderen eben auch nur noch Palmöl von "guten" Plantagen kaufen. Aber wenn das gehen würde, würden die Regenwälder nicht abgeholzt. Die Nachfrage wächst, deshalb wachsen auch die Anbauflächen. Das Siegel ist nur Augenwischerei, die globale Nachfrage entscheidet, wie viel Regenwald abgeholzt wird. Und für die wachsende Nachfrage sind wir, ja genau du und ich, verantwortlich. Denn wir haben die Deppen gewählt, die uns diese schwachsinnigen Gesetze gebracht haben.

Greenpeace-Test: Immer mehr Palmöl in der Zapfsäule - Greenpeace, Presseerklärungen zum Thema Wälder

Ja, genau die Deppen, die noch 2008, als das selbst für den Blindesten lange sichtbar war, die Biospritbeimischung noch auf 10% erhöhen wollten. Wäre das gekommen, hätten sich unsere Palm-, Soja- und Kokosimporte noch einmal nahezu verdoppelt. Und mit dem Ergebnis von Greenpeace wird ja auch mehr als deutlich, dass das Versprechen der Politiker, dass für "unseren" Biosprit kein Regenwald abgeholzt würde, nur eines der üblichen Politikerversprechen war: Entweder glattes Unwissen oder abgebrühte Lüge ...

Bundesumweltministerium: Gabriel fördert Biosprit - Wissenschaftler raten ab - SPIEGEL ONLINE (Unwissen?)

Künast: "Wir waren immer gegen E10" - egghat's not so micro blog (Lüge?)

Nein, selten war ein Urteil so eindeutig: Es macht keinen Sinn, Lebensmittel in Autos zu verbrennen. Und daran wird sich niemals etwas ändern. Erst wenn man Sprit aus Abfällen (wie Stroh oder Gülle) machen kann, ändert sich die Rechnung. Oder wenn man bisher ungenutzte Flächen biologisch verträglich mit Öl- oder Zucker produzierenden Pflanzen nutzen kann. Wie es z.B. bei Jatropha in Indien (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Jatropha - Hoffnung für die Halbwüste?).

siehe zum Dauerbrenner-Thema hier:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Biokraftstoff bringt CO2-mäßig nichts, sondern kostet sogar! 25.2.2006
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Biodiesel doch effizienter als gedacht? 11.7.2006
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ethanol vs. Biodiesel (4.2.2007)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Energieeffizienz von alternativen Energien
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EU fälscht Studien zur CO2-Ersparnis durch Biodiesel
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EU-Studie: Biokraftstoffe bringen CO2-mäßig nichts (ach was)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EU begräbt E10 Pläne. Vernunft siegt. Oh Wunder!
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: TV Doku Die Biosprit Lüge

Suche nach Biodiesel.

Und es gibt ja echt noch Leute, die die Energiewende für einen Erfolg halten. Ich hingegen sehe einen Megaflop nach dem anderen. Wie heiß der alte Spruch? "Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint" ...

Erneuerbare Energien in D: zum 3. Mal All-In - egghat's not so micro blog

Update (12:53).

Die deutsche Biosprit Lobby dementiert natürlich sofort. Neues und recyceltes Öl könne man nicht unterscheiden. Und weist auch auf das Siegel hin. Was natürlich Kappes ist. Denn allein dass man neues und altes Öl nicht unterscheiden kann, beweist am Ende nur, dass das Siegel nichts wert ist. Der Markt ist global. Und die globale Nachfrage bestimmt, wie groß die globalen Anbauflächen sind. Und wenn man die eigene Nachfrage erhöht, wachsen auch die Anbauflächen. Das Siegel juckt da niemanden ...

Greenpeace-Studie: Streit um billiges Palmöl im Bio-Sprit - Nachrichten - Auto - Handelsblatt

Kommentare :

  1. Mich wundert das nicht. Mein Vergleich war auch immer, dass man sich quasi ein Brot in den Tank stopft.
    Aber mal ne dumme Frage: wen hätte man denn wählen müssen, wenn man das alles für Quatsch hält? Die vier Großparteien haben sich alle nicht wirklich mit Ruhm bekleckert.

    Ich denke, ein Problem der Politik ist, dass hauptsächlich nach großen Lösungen gesucht wird, die man nebenbei zur Wirtschaftsförderung einsetzen kann anstatt in die andere Richtung zu gehen (Filter & Stromsparen zb). Und da hat man dann wieder das 2. Problem, dass die Politik etwas anleiert und das nicht mehr rückgängig machen kann. Bzw schon die Bereitschaft fehlt, überhaupt einzugestehen, dass etwas nicht funktioniert. Gibt ja zb momentan auch keine Partei, die offen damit wirbt, den Biosprit-Blödsinn einfach wieder einzudampfen oder?

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    1. Ich fürchte, die FDP war die einzige, die dagegen war. Wenn auch (wie fast immer wenn die mal richtig liegen) aus den falschen Gründen ... (Generell sind auch große Teile der Union dagegen, aber Merkel will das nicht ändern, um nicht als "Anti-Öko" dazustehen. Da denkt sie - wie so oft - rein politiisch.).

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  2. Biosprit ist ein Zeugnis des Glaubens, dass eine technologische Umstellung Verzicht hinfällig machen wird. Immer weiter so, einfach mit "grünerem Benzin". Beim nachhaltigen Palmöl zeigt sich das gleiche Problem. Alle scheuen sich, der Bevölkerung zu erklären, dass es nicht einfach so weiter gehen wird.

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  3. Schön auf den Punkt gebracht. Auch meiner Meinung nach ist es einfach bescheuert, gute Lebensmittel in den Tank zu stopfen. Und das Ganze nennt sich dann auch noch "Bio". Da kann man nur den Kopf schütteln. Nun denn, schöne "Bio"-Grüße, Alex

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