Deutsche Bank: Hebel noch immer bei 33

Die Deutsche Bank holen die teilweise sehr umstrittenen Geschäfte aus der Vergangenheit mal wieder mehr ein. Satte 690 Millionen hat die Deutsche Bank im letzten Quartal für Anwalts- und Gerichtskosten und möglichen Schadensersatz zurückstellen müssen. Das ist in etwa so viel, wie als Vorsteuergewinn im Quartal übrig bliebt. Ohne die Kosten für Streitigkeiten wäre der Gewinn also doppelt so hoch ausgefallen. Man darf sich schon ruhig mal fragen, ob das Geschäftsmodell einer Firma valide sein kann, wenn die Hälfte des Gewinns für Rechtsstreitigkeiten verballert werden muss ...

Rechtsstreits: Skandale kosten die Deutsche Bank Milliarden - Unternehmen - FAZ

Oder als Übersicht:

Rechtsstreitigkeiten: So viele Strafen drohen der Deutschen Bank - Unternehmen - FAZ

Eine weitere interessante Zahl: Die Deutsche Bank hat nach den neuen Richtlinien nach Basel III weiterhin nur 3% Eigenkapital . Damit erfüllt die Deutsche Bank zwar die Vorgaben, die ab 2018 gelten, schon knapp, aber einen Hebel von 33 finde ich weiterhin wenig beruhigend. Das ist immer noch hochspekulativ und der Risikopuffer bleibt viel zu klein.

Man sollte immer daran zurückdenken, dass vor Beginn der Deregulierung 2002 die Investmentbanken in den USA 8% Eigenkapital vorhalten mussten, also fast dreimal so viel. Und es keine Risikogewichtung (allerdings eine Verrechnung der Derivatepositionen) gab, bei denen bestimmte Assets gar kein Eigenkapital benötigen (AAA-Staatsanleihen). Im Anschluss stiegt die Bilanzsumme von Lehman Brothers innerhalb von 5 Jahren um etwa 150% (und zerlegte die Bank am Ende, weil der Risikopuffer viel zu klein war).

Ich wäre stark dafür,
  • dass die Risikogewichtung weniger breit aufgefächert wird (also auch für hochqualitative Staatsanleihen z.B. 5% Eigenkapital gehalten werden müssen). U.U. könnte man die Risikogewichtung sogar ganz abschaffen, um diesen Punkt nicht weiter zum Spielball der Lobbyisten zu machen.
  • dass die Eigenkapitalanforderungen generell noch weiter steigen.
    Von einem doofen Häuslebauer mit einer sehr konkreten Sicherheit verlangen die Banken im Durchschnitt auch mehr als 3% Eigenkapital, tendenziell eher 20 oder 30%. Das könnte IMHO ruhig auch für Banken gelten.
  • dass die Verrechnung der Derivatepositionen abgeschafft wird. Denn daraus entsteht der Großteil der "Too-Big-To-Fail"-Logik, der die Banken vor einer Pleite schützt. Die Banken haben gerade über Derivatepositionen untereinander massive Abhängigkeiten zueinander aufgebaut und die Pleite einer Bank würde gleich mehrere andere mit in den Abgrund ziehen. (Null Fortschritt in den letzten 5 Jahren, was dieses Thema angeht).
  • Außerdem machen die Derivatepositionen die Banken komplett intransparent. Wenn eine Bank auf der Kippe steht, traut sich niemand - außer dem Staat (ergo Steuerzahler) diese Blackbox zu kaufen. Für eine vernünftige, geregelte Abwicklung einer Bank (auch so ein Thema, bei dem es in den letzten 5 Jahren keine spürbaren Fortschritte gab) braucht man aber Transparenz. Ansonsten bekommt man Konstrukte wie die FMS (die Abwicklungs"behörde" für die HypoRealEstate, die eher 2 Jahrzehnte als 2 Jahre für die Abwicklung brauchen).

Oder wie ich mal in einem Tweet mit TeraEuro schrieb:

(OK, inzwischen leicht variiert).

Danach wäre unser Finanzsystem um einiges stabiler. Aber sowas werden wir wohl nie bekommen. Dazu ist der Einfluss der Lobbyisten zu groß. Zu groß ist auch die Versuchung der "Experten", sich ihren eigenen Job durch möglichst komplizierte Regelwerke zu sichern. Auch wenn eine der wirklichen Lehren aus der Risikoforschung ist: Keep it simple stupid. Oder anders herum formuliert: "Complexity kills".

Ein Plädoyer für mehr Eigenkapital und einfachere Regeln fand sich auch am vorletzten Wochenende in der FAS:

Was treiben die Banken (10) - Die gute Bank hat viel Kapital

P.S. Wie die Deutsche Bank auf Liquiditätsreserven von 213 Milliarden Euro kommt, würde ich gerne mal wissen. Das wirkt irgendwie wie eine Zahl, die ausschließlich der Beruhigung der Bevölkerung/Anleger dienen soll. Als wenn die Bank diese Assets einfach so verkaufen könnte ...

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