FAZ: 50% der Bürger zahlen 95% der Steuern. NEIHEIHEIN!

Sie zahlen 95% der Lohn- und Einkommensteuer, nicht 95% der (Gesamt-)Steuern.


Denn auch die untere Hälfte, bis runter zum Hartz-IVler, zahlt Steuern. Bei jedem Einkauf bei Aldi, Lidl, etc. (19 bzw. 7% Mehrwertsteuer), beim Tanken (Mineralöl- und Mehrwertsteuer), beim Strom (Ökosteuer, EEG-Abgaben (wobei diese im strengen Sinn keine Steuern sind), beim Heizen, etc.

Betrachtet man die *gesamten* Steuereinnahmen sieht die Rechnung komplett anders aus. Natürlich zahlt die besser verdienende Hälfte deutlich mehr Steuern als die andere Hälfte, aber selbst ein Hartz IV Empfänger gibt von seinem Einnahmen wahrscheinlich 20 oder 30% direkt wieder an den Staat ab (kennt jemand hierzu Zahlen?).

Und das ist sehr relevant, weil die Einnahmen aus den Steuern, die alle zahlen, deutlich höher sind als die immer und immer erwähnte Einkommenssteuer, bei der die Gutverdienenden angeblich so über den Tisch gezogen werden. Die Lohn- und Einkommenssteuern machen nur etwa ein Viertel der Gesamtsteuereinnahmen aus. An diesem Bruchteil die Ungerechtigkeit festzumachen, ist frech ...


Dass die Besserverdienenden mehr Steuern zahlen als ein Niedrigverdiener liegt zum größten Teil NICHT daran, dass der Steuersatz so stark steigt, sondern überwiegend daran, dass er schlicht und einfach mehr verdient ... Daran würde sich nicht einmal etwas ändern, wenn wir die Einkommenssteuer ganz abschaffen würden ...

siehe dazu auch: Lohnsteuer nur 1/4 der Gesamtsteuereinnahmen - egghat's not so micro blog

Entschuldigung, dass ich über diese kleine Ungenauigkeit so rumrante ... Aber genau diese Ungenauigkeit kann ich nicht mehr hören, weil sie immer und immer wieder wiederholt wird. Obwohl diese Ungenauigkeit kennen. Weil damit Politik gemacht wird ...

Steuerbelastung: 50 Prozent zahlen 95 Prozent der Steuern - Wirtschaftspolitik - FAZ

P.S. Ich weiss, dass das im Artikeltext richtig dargestellt wird. Nur: Lesen wirklich alle so weit? Oder ist es doch die Überschrift, die in den Köpfen stecken bleibt? Und somit als Phrase von Hans-Olaf Henkel in jeder Talkshow Applaus vom Publikum bekommen wird ...

Update (13.09.2013):

Ein ganz grandioser Beitrag zur Steuergerechtigkeit von Don Alphonso:

10% zahlen 99% der Steuern - Stützen der Gesellschaft

Betrachtet man die Kapitalertragssteuer einmal nach dem Steueraufkommen, so muss man sagen, dass sie nur von denen bezahlt wird, die das Kapital haben. Sonst keiner!
Skandal!

Kommentare :

  1. "Die geschröpfte Mitte hat keine Wahl. Große Steuerentlastungen sind in den nächsten vier Jahren nicht zu erwarten. Anders als vor den vergangenen Bundestagswahlen kämpft keine Partei mit großen Versprechen um ihre Stimmen. Im Gegenteil. SPD, Grüne und die Linke planen sogar Mehrbelastungen."

    Man erkennt die Stoßrichtung des Artikels auch daran, dass die Einkommenssteuerpläne der Linken nichtmal erwähnt werden, obwohl dadurch doch die "geschröpfte Mitte" entlastet wird. http://die-linke.de/fileadmin/download/misc/20110129_Beschluss_Steuerkonzept.pdf

    Aber es ist putzig. Erst wird sich über die "geschröpfte Mitte" beklagt. Und dann werden Mehrbelastungen beklagt für Leute die gerade *nicht* zu dieser Mitte gehören.

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  2. Ich sehe es genau so. Hinzu kommt, dass es diese Gesellschaft ist, die es den Besserverdienenden überhaupt ermöglicht, dass sie überproportional verdienen (wären sie in Schwarzafrika geboren, sähe ihre Geldbörse trotz ihrer "überbordenden" Leistungsfähigkeit wohl deutlich dünner aus!), insofern sollten sie stolz darauf sein, dieser Gesellschaft auch überproportional zurück zu geben.

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  3. @vonjd Wären besagte Besserverdienenden in Schwarzafrika geboren worden, sähe ihre Geldbörsen dennoch relativ dick aus, weil genau diese Besserverdienenden oft die kriminelle Energie und Rücksichtslosigkeit in sich tragen, sich mittels Korruption und Vetternwirtschaft überproportional zu bereichern. Wobei ich damit nicht sagen will, dass in Schwellenländern eine größere Transparenz herrscht …

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  4. Der Kommentar verkennt aber das ein Hart4ler genaugenommen kein eigenes Einkommen hat. Es sind Transferleistungen im Sozialsystem die genaugenommen ebenfalls wieder besagte 50% leisten müssen. Wenn man also korrekt rechnet sind die Steuern eines Harz4lers also genaugenommen besagten 50% zuzurechnen und werden von denen als Sozialabgaben erbraucht.
    Rechnet man nun noch andere Transferleistungen mit ein bstätigt es genaugenommen eher den oben bestrittenen Effekt.

    Ob da jetzt wieder genau 95% dabei rauskommen kann ich natürlich nicht sagen. Massiv ungleich verteilt bleibt es trotzdem.

    Selbiges gilt auch für das penetrante Sozialbashing privater Krankenkassen. Wenn man die Alimentierung der Ärzteschaft durch massive höhere Abrechnungen für Privatpatienten einstellen würde, würde man in Summe wahrscheinlich merken das die Krankenkassenbeiträge für alle massiv steigen müssten oder es zu massivem Praxissterben wie heute bereits in ländlichen gebieten Mecklemburg-Vorpommerns kommen würde.

    Wer denkt das er mit höheren Abgaben einer kleineren Gruppe von 'Besserverdienenden' den Finanzbedarf im Sozialsystem decken könnte sitzt einem massiven Trugschluss auf. So stark kann man deren Abgaben gar nicht erhöhen wie man für die immer breiter werdenden unteren Schichten braucht. 'Ergiebig' ist da nicht der Spitzenverdiener, sonder eher der Mittelstand. Die Konzentration sozialkritischer Kommentatoren auf 'Spitzenverdiener' sind nichts anderes als 'Neidsteuer', im Sozialsystem dürfte sich das letztendlich als Tropfen auf den heissen Stein herausstellen. Notwendig wäre eher mehr Leute wieder in Lohn und Brot zu bringen. Allerdings scheint das immer noch sowas wie die wirtschaftliche Quadratur des Kreises zu sein.

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  5. @Anonym: Du Vollidiot. Besserverdienende sind alle die mehr 60K/Jahr verdienen. Das ist praktisch jeder der ein Studium abgeschlossen hat oder gut verdienende Facharbeiter. Das sind zu 99% Leute die ihr Geld ehrlich und hart verdienen.

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  6. Wem wichtig ist, wie viel Steuern er/sie zahlt: In dieser Tabelle steht Eure Wahlempfehlung. http://www.focus.de/finanzen/steuern/tid-33352/titel-wen-wuerde-ihr-geldbeutel-waehlen-gewinner-und-verlierer-single-und-ehepaare-ohne-kinder_aid_1091795.html
    - Tabelle gibt's auch für Alleinerziehende und Familien. Interessante Alternative zu Wahl-O-Mat.

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  7. Leider hab ich die kleine ExcelTabelle nicht mehr in der man all seine Monatlichen / Jährlichen Ausgaben für die steuerrelevanten Dinge wie Genussmittel mit besonderer Steuer (Bier, Schnaps,Wein Tabak) aber auch alles was MWSt. kostet und alle anderen Kosten eintragen konnte. Dann sah man wo und wie viel Steuer so an denStaat gehen.
    Erschreckend ?
    Das mal mit Einkommen in 10.000 € staffelung gemacht und in ein chart geworfen ?
    und bitte die hundesteuer nicht vergessen.

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  8. Keine Steuerentlastungen in den nächsten Jahren; so wird es sein! Woher sollen die Gelder auch kommen, wenn alle Parteien gleichermaßen an Steuern nicht genug bekommen, weil sie ihre ehrgeizigen Pläne durchsetzen wollen, welche jedes Jahr das Haushaltsbudget sprengt!

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  9. Die Steuerbelastungen werden ja auch immer größer. Deshalb schrumpfen auch die Renten und die sonstigen Zahlungen. Das sind die Auswirkungen der Krise, die, ob wir es wahr haben wollen oder nicht, noch immer anhält und ein Ende ist auch nicht in Sicht. Mal schauen, wie lange es so noch weitergehen wird.

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  10. Tabaksteuer wird nur von Rauchern bezahlt! Skandal!

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  11. Ich denke man sollte zumindest noch berücksichtigen wie viel Transferleistungen eine Gruppe bekommt und deren Steuern erst nach Abzug derer in die Waagschale werfen. Das zum Beispiel ein Hartzvierler deswegen mehr ALGII bekommt weil er aufgrund seiner Steuerbelastung beim konsumieren auch mehr Kapital brauch ist ja logisch. Deswegen ist er noch lange nicht der Steuerzahler sondern der von dem die Transferleistungen letzentlich kommen, so zumindest meine Meinung.
    In einer weiteren Näherung wäre es sogar sinnvoll alle Leistungen zu betrachten. Vom Vergünstigen Schwimmbadbesuch einer Familie bis zur Kulturförderung von Opernhäusern von der eher andere Schichten profitieren, bis hin zu außen und Sicherheitspolitik also alle Ausgaben des Staates sollten entsprechend des Nutzen der jeweiligen Einkommensschichten vernünftig zugeteilt werden damit am Ende eigentlich klar ist wer Nettozahler und wer Profiteur ist.

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  12. Vielleicht sollte man auch mal eine Art Gegenrechnung gestalten in dem man mal von der monetären Betrachtungsweise wegkommt und sich eher mal die Güter- und Dienstleistungssröme betrachtet die die jeweiligen Schichten in einem Kalenderjahr erhalten bzw. konsumieren, deren Verlauf in den letzten Jahrzehnten fände ich sehr spannend und aufschlussreicher wenn es um Verteilungsfragen geht als die Einkommen und das Vermögen.

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