Wirtschaftsbuch 2013: Daniel Zimmer: Weniger Politik.

10 Bücher wurden nominiert. Zimmer hat gewonnen.
  • Martin Hellwig, Anat Admati: Des Bankers neue Kleider. Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss (24,99€)

    Das Buch kommt von zwei ausgewiesenen Kennern des Finanzsektors. Und nicht wirklich häufig gibt es aus der "Insiderecke" eine so deutliche Kritik an vielem, was im Finanzsektor vorgeht. Und die Aussage, dass der globale Finanzsektor heute genauso wacklig ist wie vor 5 Jahren.

    Das Buch ist mir schon deshalb ziemlich sympathisch, weil es zur Vermeidung zukünftiger Bankenkrisen deutlich gravierendere Vorschläge macht als der Mainstream. 30% ungewichtetes Eigenkapital für Banken zum Beispiel. (Bei soviel Eigenkapital verzichte ich auch den dritten Teil meiner Forderung: 10% Eigenkapital, keine Risikogewichtung, Trennbankensystem). Zum Thema Alibigesetze schaue auch nach beim Wirtschaftsbuchpreisgewinner 2013 weiter unten.

    Eine tolle und sehr ausführliche Rezension des Buches habt ihr vielleicht schon beim Spiegelfechter gelesen: Admati, Anat und Hellwig, Martin: The bankers´ new clothes » Spiegelfechter.

    Pflichtlektüre für alle, die sich mit dem Thema Bankenregulierung beschäftigen. Also zumindest, wenn es etwas fundierter sein soll als Statements bei Jauch & Co.
  • Uwe Jean Heuser, Deborah Steinborn: Anders denken! Warum Ökonomie weiblicher wird (19,90€)

    Heuser ist Chef der Zeit-Wirtschaftsredaktion. In diesem Buch fragt er sich zusammen mit Deborah Steinborn, ob die letzte große Wirtschaftskrise auch gekommen wäre, wenn mehr Frauen an den Schalthebeln der Wirtschaft gesessen hätten. Soll ich das Buch mit "Hätte, hätte, Fahrradkette" abbügeln?

    Nee, lieber nicht. Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Frauen in der Wirtschaft. Hoffentlich bewirkt das Buch auch was.
  • Frank Riedel: Die Schuld der Ökonomen. Was Mathematik und Ökonomie zur Krise beitrugen (19,99€)

    Dieses Buch bekommt bei Amazon sogar nur zwei Sterne. Die gehen aber auf nur eine Kritik zurück und diese kommt von einem der Leute, die in dem Buch kritisiert werden. Eigentlich eine Steilvorlage für einen öffentlichen Streit. Kloppt Euch ;) Popcorn?

    Generell ist ein Buch, das die Rechenmethoden und Annahmen der modernen Finanzmathematik kritisiert (Value at Risk, die Basis für Basel III, ...) sehr zu begrüßen. Muss mir das Buch vielleicht trotz der schlechten Kritik mal gönnen.

Gewonnen hat am Ende Daniel Zimmer.


P.S. Dass dieser Wirtschaftsbuchpreis definitiv ein Marketinginstrument ist, sieht man nicht nur daran, dass schön über die Verlage bestreut wurde, sondern auch daran, dass teilweise brandneueste Bücher in den Topf geworfen wurden. Das Buch von Frank Riedel (z.B.) ist laut Amazon erst im September erschienen, obwohl die Nominierungsliste bereits am 10.8. feststand. Teilweise scheinen mir also nicht unbedingt die besten Bücher der letzten 12 Monate auf die Liste gekommen zu sein, sondern manchmal auch einfach nur die neuesten ... Oder bin ich jetzt zu kritisch?

P.P.S. Die Links oben mit den Preisen sind Links auf (das böse) Amazon, auf die ihr zum Kaufen gerne klicken könnt. Davon bekomme ich dann ein paar Prozentchen Provision, dass ich dann umgehend Anwälten in den Rachen werfen kann ...

P.P.P.S Die Preisträger der Vorjahre:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wirtschaftsbuch des Jahres 2012: Tomáš Sedláček
(2011 hab ich verpennt)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wirtschaftsbuch des Jahres 2010: Susanne Schmidt - Markt ohne Moral (Bruhaha, hab ich mir damals wenig Mühe gegeben ... Und damals war ich noch gar nicht gefrustet ...)

1 Kommentar :

  1. Die Irrelevanz der Moral

    "Die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit ist wohl die, dass die Moral von der Religion mit Beschlag belegt wurde."

    Arthur C. Clarke

    Eine Moral beschränkt den Frieden auf eine dörfliche Urgemeinschaft von bis zu 150 menschlichen Individuen, die sich alle noch gegenseitig kennen. Wird die Gemeinschaft größer, sofern die natürlichen Ressourcen in der Umgebung das erlauben, fällt die Gemeinschaft in zwei benachbarte Gruppen auseinander, weil das menschliche Gehirn nicht mehr als die komplexen sozialen Verhaltensmuster von 150 Mitmenschen verarbeiten kann. Auf dieser Basis des Urkommunismus lebte der Homo sapiens über einen Zeitraum von etwa 150.000 Jahren, während die Arbeitsteilung – und damit auch die kulturelle Entwicklung – auf jeweils 150 Menschen beschränkt blieb.

    Erst in den letzten Jahrtausenden kam es zu einer nennenswerten Kulturentwicklung, nachdem der Mensch gelernt hatte, sich andere Menschen oder Menschengruppen untertan zu machen. Dabei ist es allein eine Frage der Sichtweise, ob der Kulturmensch die Götter oder die Götter den Kulturmenschen erschufen, so wie es allein eine Frage der Sichtweise ist, ob der Homo sapiens die Werkzeuge oder die Werkzeuge den Homo sapiens erfanden. Beides bedingte sich gegenseitig, um eine halbwegs und zeitweilig funktionierende Arbeitsteilung nicht nur zwischen 150, sondern zwischen vielen tausend, vielen Millionen, einigen Milliarden Menschen aufzubauen. Begreiflicherweise wird das Zusammenleben dann nicht mehr von einer "Moral", sondern von den Regeln einer makroökonomischen Grundordnung, auf die sich alle einigen müssen, bestimmt.

    Es waren kulturelle Zwischenschritte erforderlich, in denen der Kulturmensch durch einen Glauben an die Götter jeweils "wahnsinnig genug" für eine noch fehlerhafte Arbeitsteilung gemacht wurde. Diese Zwischenschritte waren die zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus, z. B. vorantikes Ägypten) und dann die kapitalistische Marktwirtschaft (Zinsgeld-Ökonomie), in der sich die halbwegs zivilisierte Menschheit bis heute aufhält.

    Der bis heute andauernde Eingottglaube befreite den Kulturmenschen aus der unbewussten Sklaverei des Ursozialismus (Vielgottglaube), ließ aber dem "Normalbürger" wiederum die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten, gar nicht oder zumindest nicht als Ungerechtigkeit erkennen, sodass der Kulturmensch zwar halbwegs selbständig, aber auch zu einem selbstsüchtigen Raubtier wurde, das sich seine Freiheit auf Kosten anderer erbeutet.

    Damit wurde der Krieg zum Vater aller Dinge – was er aber nur solange sein konnte, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    Glaube Aberglaube Unglaube

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