FAZ: Allensbach-Analyse: Stille Liebe zur Planwirtschaft. IMHO keine Überraschung.

(Es klingt zwar leider besserwisserisch aber ...) Überraschend finde ich das nicht.

Bei nahezu jedem Artikel, in dem es irgendwie um das Spannungsfeld "Markt vs Staat" geht, gibt es deutlich mehr positive Reaktionen "Pro Staat" als "Pro Markt". (Vielleicht sieht das im Forum der FAZ anders aus, hier (und wir sind hier nicht bei den Nachdenkseiten) ist es aber schon anders.

Irgendwie ist den Deutschen die "soziale Marktwirtschaft" zwar ganz sympathisch, aber was das eigentlich ist, ist wohl schon unklar. Das ganze kann man halt sowohl mit dem Schwerpunkt auf "sozial" wie auch auf "Markt" interpretieren.

Warum reagiert der Deutsche so unterschiedlich auf "Markt" und "Staat"? Ich versuche mal eine Erklärung, wie die Mehrheit in diesem Lande denkt.

Für den Durchschnittsmenschen sind die positiven Wirkungen von "sozial" direkt spürbar (Mindestlohn, Rente, Gesundheit, ...), die positiven Wirkungen von "Markt" (beste Preise, effiziente Allokation von Ressourcen) hingegen bleiben abstrakt. Dem "beste Preise durch Wettbewerb" steht z.B. gleich ein "wird eh immer alles teurer" gegenüber.

Die negativen Auswirkungen von "sozial" hingegen sind relativ abstrakt (weniger Freiheit, mehr Bürokratie, hohe Kosten, Geld kommt oft nicht da da an, wo es hin müsste), die negativen Auswirkungen von "Markt" hingegen versteht jeder (hohe Managergehälter, Gier, Ausbeutung, ...).

Diese ziemlich asymmetrische Aufnahme von Positivem und Negativem wird noch asymmetrischer, wenn man sich die Lösungsvorschläge für die diversen Probleme auf beiden Seiten (Staat und Markt) anschaut.

Gibt es Probleme beim Staat wird quasi immer nach dem Staat als Problemlöser gerufen, an "mehr Markt" denkt dabei kaum jemand. Probleme beim "Markt" muss ebenfalls immer der Staat lösen. Dem Markt traut man das nicht zu, nicht einmal, wenn der Staat durch neue Gesetze die Leitplanken neu aufstellt. Nicht gerade wenige sind sofort für eine permanente Einmischung des Staats.

Mich verwundert immer, wie viel die Mehrheit der Deutschen dem Staat zutraut. Dabei ist die Liste der großen Projekte, die die Politik (also der Staat) in den letzten Jahrzehnten an die Wand gefahren hat, nicht gerade kurz. Und dabei denke ich nicht an Peanuts wie zu teure Philharmonien (auch Unternehmen sollen Milliarden in Stahlwerken in Alabama versenken), sondern an die richtig großen Dinge wie die Energiewende oder Europa - auch wenn es bei letzterem noch Resthoffnung gibt.

Ich will jetzt hier den Markt nicht als Allheilmittel preisen. Das ist der Markt nicht. Und er ist in vielen Fällen auch eher das Problem als die Lösung. Aber das ist der Staat eben oft genug auch. Vor allem ist der Staat nicht immer und in allen Fällen die einzige mögliche Problemlösung.

Wenn eine Mehrheit der Deutschen von mehr Staatseinfluss sinkende Preise erwartet (mit Marktwirtschaft verbinden 49% hohe Preise, mit Staatswirtschaft nur 35%), sieht man wie verzerrt die Wahrnehmung über die Macht und den positiven Einfluss des Staats in der Bevölkerung ist. Es gibt keinerlei positive Vorbilder (weder in Deutschland noch im Ausland), trotzdem traut die Bevölkerung dem Staat irgendwie zu, die Preise für Kartoffeln senken zu können. Strange.

Allensbach-Analyse: Stille Liebe zur Planwirtschaft - Inland - FAZ

Immerhin: Den Punkt "Wohlstand" verbindet mit 66% eine klare Mehrheit mit der Marktwirtschaft (nur 26% denken an die Staatswirtschaft).

1 Kommentar :

  1. Vielleicht hat die Mehrheit ja Recht? Seit 30 Jahren wird mehr Markt gepredigt und "reformiert" und die Ergebnisse sind recht mager.
    Die Meinung aus der Umfrage mehr Marktwirtschaft sorgt für höhere Preise dürfte wohl auch korrekt sein. Zwar steigen nicht die Preise, aber die Löhne sinken bzw. steigen die nominalen Preise schneller als die nominalen Arbeitseinkommen.

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