Malta vergibt Staatsbürgerschaft für 650.000€. Meh. Griechenland macht's schon länger und sogar billiger.

Die Aufregung ist groß (die Nachricht kam nahezu überall): Malta will die eigene Staatsbürgerschaft für 650.000 Euro verkaufen. Der Käufer bekäme damit auch die EU-Staatsbürgerschaft, und könnte damit z.B ohne Einschränkungen in der EU einen Arbeitsplatz annehmen oder auch ein Unternehmen gründen. Denken wir an unfreiere Ursprungsländer (China, Russland, ...) kann die zusätzliche Staatsbürgerschaft auch schlicht die Option eröffnen, im Notfall in die EU abhauen zu können.

Das ist natürlich für viele Reiche eine ziemlich spannende Option. Gerade auch (aber nicht nur) für zwielichtige Gestalten, denen eine zweite Staatsbürgerschaft immer gut in den Plan passt. Das ist auch der Hauptgrund, warum sich viele Malteser ziemlich aufregen:

Malta bietet an: Werden Sie EU-Bürger - für 650.000 Euro - Panorama | STERN.DE
Verkauf der Staatsbürgerschaft: „Malta wird zum Magneten für die Mafia“ - Politik - FAZ

Was die deutschen Medien aber kollektiv übersehen haben (okay, irgendwo kam die Geschichte bestimmt, ich kann mich aber nicht an eine so breite Berichterstattung erinnern): In Griechenland geht das schon seit Mitte April. Einzige Voraussetzung: es muss ein Investment von mindestens 250.000 Euro im griechischen Immobiliensektor getätigt werden. Ergo: Grundstück kaufen & Haus drauf setzen und zack bist du Grieche.

(Komischerweise scheint das nicht nur für neue (sprich zusätzliche) Investitionen zu gelten, sondern auch für bereits getätigte. Was ziemlich seltsam wäre, schließlich will Griechenland mit diesem Gesetz ja neues Geld aus dem Ausland anziehen und nach Möglichkeit noch die Baukonjunktur anfeuern).

Okay, streng genommen bekommt man eine temporäre Staatsbürgerschaft für 5 Jahre. Das ist aber eine etwas theoretische Einschränkung,  da es in Griechenland eine Art "Gewohnheitsrecht" gibt und man nach 10 Jahren mit Wohnsitz in Griechenland eingebürgert werden kann.

Zurück zu Malta: Wenn man sich die griechischen Erfahrungen anschaut, muss man vor der Anziehungskraft solcher Programme anscheinend keine allzu große Angst haben. In Griechenland wurden bisher erst magere 20 neue Staatsbürgerschaften vergeben. Wobei man einschränken muss, dass es deutlich mehr Anfragen gab, die unter Umständen einfach noch nicht bearbeitet wurden. Eventuell kann man hier noch keine Zwischenbilanz ziehen.

ekathimerini.com | Twenty foreign investors already granted residence permits

Update (14.11.13):

Ha, in Lettland geht das schon seit 2011. Und wie in Griechenland muss man eine Immobilie erwerben. 72.000 außerhalb von Riga, 150.000 Euro in Riga. Die Details habe ich nicht sicher verifizieren können, aber es scheint sich um eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu handeln, die man nach 10 Jahren relativ problemlos in einen "Pass" umtauschen kann (man muss so eine Art Einbürgerungstest machen, also Lettisch sprechen und so ein bisschen was über das Land wissen).

Danke an Marco Modano auf G+ für den Hinweis.

Und wenn man etwas googelt, kommt man auch darauf, dass Ungarn das auch schon seit ein paar Jahren macht ...

Bedingung dort: 250.000 Euro (plus Gebühren) in ungarischen Staatsanleihen kaufen. Dann gibt es eine fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung (EU-weit gültig) und fünf Jahre später kann man einen normalen ungarischen Pass beantragen. Wie hoch die Chance ist, den auch wirklich zu bekommen, kann ich nicht sagen

Ungarische Staatsbürgerschaft gefällig? Einfach Anleihen kaufen... • format.at

Und wem die Liste noch nicht reicht:

Ab 300.000 Euro Immobilieninvestment kann man auch in Zypern seinen Pass bekommen.

Und in Tschechien geht so eine Nummer wohl auch durch die Gründung eines Unternehmens. Erst Aufenthaltsgenehmigung, dann irgendwann (10 Jahre) auch die Staatsbürgerschaft. Im Fall von Tschechien allerdings nicht die zweite, man muss also seine erste abgeben.

1 Kommentar :

  1. Portugal ist auch dabei: "Investoren bekommen die portugiesische Staatsbürgerschaft künftig als Mitgift: Wer eine Million Euro investiert oder Arbeitsplätze schafft, bekommt einen Reisepass. Sprachkenntnisse und Aufenthalt im Land sind nicht erforderlich."
    Ich glaube, letztlich können sich Vermögende überall in der Welt niederlassen bzw. ihr Land verlassen (siehe Depardieu nach Russland). Schweiz hat ja auch besonders offene Arme für hochwertige Einwanderer. USA ebenfalls. ("Investoren, die 1 Million Dollar investieren")
    Ökonomisch interessant ist die Preisstaffelung. "Schlechte Standorte" kosten weniger, hoch Entwickelte können richtig ins Geld gehen.
    Ich weiß nicht, was Afrikaner derzeit fürs Herausschleppen von jungen Leuten nach Europa bekommen - das ist sozusagen die unterste Stufe der Auswanderungsservices, aber wenn man in Lettland schon ab 72.000,- Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis bekommt, könnten das doch vielleicht Weisrussland oder Rumänien noch unterbieten? Und gleich Kredite einräumen?

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore