USA: Arbeitslosenquote 10/13: 7,3% (+0,1 Vm, -0,6 Vj), 204.000 neue Jobs.

Für den Oktober veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Oktober 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +17.000 auf 11,272 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -735.000 (!!!) auf 143,568 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 7,3% (+0,1 zum Vormonat; -0,6 zum Vorjahresmonat).

Der extreme Rückgang der Zahl der Arbeitenden deutet schon an, dass sich bei der "Einordnung" der Beschäftigen massive Änderungen erfolgt sein müssen. Das spiegelt sich im Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) wider. Diese stieg kräftig um 932.000. Um das Ausmaß dieser Umbuchung zu verdeutlichen: Hätte (hätte Fahrradkette) man diese NILFs auf die Arbeitslosen aufaddiert, wäre die Arbeitslosenquote bei 8,1% statt bei 7,3%.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese sackte auf ein neues Rekordtief (in der Krise und wohl auch seit mind. 3 Jahrzehnten; suche das noch raus) von 58,3% und liegt 0,3 Prozentpunkte unter dem Vormonat bzw. 0,4 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Das Urteil aus den letzten Berichten bleibt daher weiterhin gültig (auch wenn das angesichts des neuen Rekordtiefs inzwischen als optimistische Einschätzung gelten muss):
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Oktober eher neutral.

Anzahl der Jobs: +204.000 gegenüber dem Vormonat auf 136,554 Millionen. Das Plus von 212.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 8.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich in den vergangenen zwei Monaten überrascht hat, könnte damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im Oktober-Report positiv. Das August-Plus wurde um 45.000 auf 238.000 erhöht, das September-Plus um 15.000 auf 163.000 nach oben korrigiert. Beides zusammen ergibt 60.000 Arbeitsplätze mehr als ursprünglich berechnet..

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,4 Stunden. Das war auch der Wert des Vorjahresmonats. Die Zahl der Überstunden änderte sich ebenfalls nicht und lag bei 3,4 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese ist um 0,2 auf 13,8% gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 0,7 Prozentpunkte. Hier scheint es also weiter Fortschritte zu geben, auch wenn der Rückgang im Jahresvergleich schon mal höher war. Es mag allerdings auch sein, dass ein Teil die "Halbbeschäftigten" ganz aufgegeben haben und jetzt als NILFs gezählt werden)

Zusammenfassend: Ein eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der aber schwierig zu beurteilen ist, weil die beiden Teile des Berichts nahezu widersprüchlich sind. Die Arbeitslosenquote ist leicht gestiegen und das trotz einer rekordverdächtigen Umbuchung von Arbeitskräften in die NILFs. Der Rückgang der Erwerbstätigenquote hingegen macht richtig Sorgen. Demgegenüber lag die Anzahl der neuen Arbeitsplätze in den Establishment-Daten etwa im Rahmen der Erwartungen, wenn man die Korrekturen für die Vormonate berücksichtigt, sogar darüber.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — OCTOBER 2013 (PDF)

Update (18:09)

Drei Ergänzungen:

a) FalkJan hat mich auf Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass die Oktober-Statistik durch den Shutdown massiv verfälscht gewesen sein könnte. Ich verstehe zwar nicht, warum sich das nur in einem Teil des Reports widerspiegelt, aber nun ja, das kann gut sein. Der Oktober-Bericht ist auf jeden Fall mit etwas Vorsicht zu genießen.

b) Ebenfalls FalkJan hat mir einen spannenden Artikel aus dem Washington Post Wonkblog empfohlen, in dem die sinkende Erwerbstätigenquote diskutiert wird. Liegt das an der Rezession? Liegt das an demographischen Effekten? Liegt das an frustrierten Langzeitarbeitslosen? Die Antwort ist nicht eindeutig ... The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.

c) Die Behauptung, dass die Erwerbstätigenquote seit mindestens drei Jahrzehnten nicht so niedrig war, ist falsch (aber nur knapp) und gleichzeitig ganz knapp richtig .... Sie war nämlich in der Krise im Herbst 2010 noch einen Ticken niedriger (58,2% im November 2010), davor war der Wert zum letzten Mal im August 1983 niedriger (3 Jahrzehnte und 2 Monate ;) ).

Trotz alledem: Man erkennt in der Grafik schön, dass sich in Bezug auf die Gesamtbevölkerung noch nichts verbessert hat, auch wenn die Arbeitslosenquote etwas anderes behauptet ...





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