Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9%

Das ist heftig. Nach den neuesten Zahlen aus dem November sind in Griechenland die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um fast 3 Prozent gefallen.

Weil Deflation eine ziemlich eklige Sache ist, wenn man hohe Schulden hat, habe ich ziemlich früh darauf hingewiesen:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation (Herbst 2012)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t. (Frühling 2013)

Deflation bedeutet, dass die Preise sinken, sprich Geld mehr wert wird. Hört sich erst mal gut an. Wenn man allerdings Schulden hat, bedeutet das aber auch, dass die Schulden mehr wert werden. Und das ist etwas, was Griechenland überhaupt nicht gebrauchen kann.

Ein kleines Beispiel: Wenn 2012 das BIP mit 6% gesunken ist und die Inflation 1% betrug, sank das Brutto-BIP (das für die Messung des Schuldenstand in Prozent des BIPs relevant ist) um 5%. Sinkt dieses Jahr das BIP nur um 3%, hört sich das auf den ersten Blick wie eine klare Verbesserung an. Kommen aber 3% Preisrückgang dazu, wäre das Netto-BIP 2013 um 6% gesunken, also sogar stärker als 2012. (Ich habe die 2012er-Zahlen nicht herausgesucht, sie dienen nur der Illustration). Man könnte es auch anders betrachen: Um 3% Preisrückgang auszugleichen, bräuchte man 3% Wirtschaftswachstum (die natürlich für Griechenland nicht in Sicht sind).

Der starke Rückgang der Preise in Griechenland im Oktober und November dürfte auf das Auslaufen der Effekte von Steuererhöhungen im Vorjahr zurückgehen. Bis auf die Preise für Tabak und Alkohol sinken alle Teilindizes (bei Tabak und Alkohol wirkt wahrscheinlich noch eine Steuererhöhung aus den letzten 12 Monaten). Dass die Preis auf so breiter Front sinken, ist etwas überraschend, denn im Rest Europas stiegen die Verbraucherpreise im November um 1,0% im Jahresvergleich und damit auch etwas stärker als im Oktober (+0,7%).

Ich befürchte, dass der Preisrückgang in Griechenland kein einmaliger Ausreißer ist, sondern sich jetzt das allgemein sinkende Lohnniveau (siehe GR: Lohnsumme Q01-13: -10,1% (Vj) - egghat's not so micro blog) langsam in den Preisen widerspiegelt. Wenn alle weniger mehr Geld verdienen, senkt halt auch die Frisör irgendwann seinen Preis. Besser einen Euro weniger pro Haarschnitt als gar kein Geld mehr ...

Das Doofe daran: Eine solche Abwärtsspirale ist nur schwierig aufzuhalten. Bei einer Arbeitslosenquote von etwa 27% wird der Druck auf die Löhne weiter anhalten. Die Löhne sinken, die Einkommen sinken, und damit auch die Preise, die die Dienstleister verlangen können. Und das kann noch einige Zeit so weiter gehen ...

Elstat: HARMONIZED INDEX OF CONSUMER PRICES: November 2013

Die eigentlich gute Nachricht, dass der griechische BIP im dritten Quartal "nur noch" um 3,0% gesunken ist, ist somit keine. Denn auf den Rückgang des BIPs kommt noch der Preisrückgang oben drauf. Das Brutto-BIP im dritten Quartal ist somit um 5,9% gesunken und das ist nur etwas besser als im Vorjahr (-7,1%). Würde man das preisbereinigte Netto-BIP nehmen, wäre das Schrumpfen von -6,7% auf -3,0% durchaus eine positive Schlagzeile wert ...

Elstat: QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 3rd Quarter 2013 (Provisional)

P.S.: Selbst wenn Griechenland keinen einzigen Euro neue Schulden macht, steigt der Schuldenstand bei einem (angenommenen) Wert von 150% des BIPs bei einem Rückgang des Netto-BIPs um 6% um fast 10 Prozentpunkte auf 160%/BIPs. Es wird deutlich: So viel und so schnell kann Griechenland gar nicht sparen, um die Auswirkungen der Deflation zu korrigieren. Vor allem nicht, weil jede Sparmaßnahme die Deflation zusätzlich anheizt ...

Update (13:22):

Der Preisrückgang ist übrigens der größte, seit die Statistik berechnet wird (1960).

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