Schnappt jetzt die Regulierungsfalle für Bitcoins zu?

Ich habe vor gut drei Wochen (Bitcoin Kurs damals zum ersten Mal über 600$, aktuell etwa 900, zwischenzeitlich 1200)) versucht herauszufinden, warum der Kurs immer weiter nach oben geht.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum steigen Bitcoins immer weiter?

Ein paar der allgemein genannten Argumente fand ich schlüssig, bei einigen blieb ich aber skeptisch.
Insbesondere das Argument, dass die Behörden Bitcoins bisher wohlwollend begleitet haben, stach für mich nicht. Ich schrieb:
Bisher war die Regulierung relativ harmlos, das könnte aber auch deutlich strenger werden. Die Gefahr, dass Bitcoins "zu Tode reguliert" werden, besteht IMHO weiterhin.
Auf diese grundsätzliche Gefahr habe ich auch schon im März hingewiesen. Wer das Geld eines Landes kontrolliert, kontrolliert am Ende auch das Land:
Wie wichtig die Kontrolle über die Währung ist, zeigt das Zitat des legendären Bankiers Rothschild, der schon vor über 200 Jahren sagte: “Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!”. Und da kommt den Herrschenden eine mögliche Konkurrenzwährung natürlich nicht gerade passend …
Es gibt #Bitcoins im Wert von 655 Millionen $? Dann mal schnell regulieren - egghat's not so micro blog

Ich sehe in diesem Punkt weiterhin die größte Gefahr für Bitcoins. Den Machthabern ist eine Währung, die sich nicht kontrollieren, nicht geheuer. Sie bedeutet Machtverlust. Vor allem, wenn diese Währung deutliche Vorteile gegenüber den gängigen Währungen verspricht. Bei Bitcoins ist der große Vorteil die Möglichkeit, Geld nahezu kostenlos in alle Teile der Welt zu bekommen. (Gold als die andere große Alternativ"währung" ist hier hoffnungslos unterlegen).

Die European Banking Authority nennt (nicht als erste) folgende Gefahren, die von Bitcoins ausgehen::
  • Bitcoins können durch Hackerangriffe gestohlen werden,
  • Bitcoins können zur Geldwäsche genutzt werden,
  • Bitcoins seien zum großen Teil nur Spekulation und man dürfe es nicht als Geld auffassen  (Kunde sollte daher Bitcoins eher wie Aktien betrachten und nicht wie Bargeld)
  • Wenn Bitcoin-Dienstleister zumachen (pleite oder weil sie von den Behörden geschlossen werden), können Kunden unter Umständen nicht an ihr Geld kommen. 
Einige der Argumente verpuffen aber, denn da unterscheiden sich Bitcoins nicht von Notenbankgeld. Geldwäsche und Diebstahl gab es auch vor Bitcoins schon. Und die Gefahr, dass ein Dienstleister (bei Notenbankgeld heisst dieser Bank) dicht macht, existierte auch schon vor Bitcoins. Bei Notenbankgeld sichert der Staat aber aufwändig durch staatliche Garantien das Vertrauen der Bürger in diese Währung ab.

Genau diese staatliche Unterstützung werden Bitcoins wohl nie bekommen (auch wenn der Staat diese Möglichkeit durchaus hätte). Im Gegenteil: Bitcoins werden wohl immer gegen den Staat arbeiten müssen.

Mit etwas Glück gehen Bitcoins dabei den Weg des Goldes und erobern sich eine Nische neben den großen Notenbankwährungen. Und wird in dieser Nische wie Gold mehr oder weniger in Ruhe gelassen.

Ich bin aber pessimistischer: Bitcoins sind in einer globalisierten Welt deutlich nützlicher als Gold. Sie stellen damit eine reale Gefahr für Banken und Zahlungsdienstleister wie Kreditkartengesellschaften und Paypal dar. Nicht nur Regierungen dürften Bitcoins mit Argwohn betrachten, auch der Finanzsektor wird eine Währung, mit der er kein Geld verdienen kann, nicht wirklich begrüßen. Und wenn der Finanzsektor UND die Regierungen etwas, das sie tangiert, nicht wollen, hat dieses "etwas" eigentlich keine Chance ... Dafür werden die Lobbyisten schon sorgen. Regierungen und Banken waren in der Vergangenheit schon oft genug zusammen im Bett ...

Europas Bankenwächter warnen vor Bitcoin - WSJ.de

Daneben besteht natürlich auch noch die große Gefahr, dass sich Bitcoins nicht als Währung durchsetzt, weil die Dinger einfach zu stark schwanken. Es ist nicht hilfreich für die Bezahlfunktion, wenn man am Freitag für 0,02 Bitcoins einen Hamburger-Menü bekommt und am Tag danach 0,04 bezahlen muss. Die Menschen erwarten zu recht, dass sich Preise nicht täglich ändern.

Wenn man sich kurz an die Summen erinnert, die die Volkswirtschaft spart, seit der Euro eingeführt wurde, weil dadurch Geldumtausch und Wechselkursänderungen wegfielen, weiss man was auf der Gegenseite Bitcoins für Kosten verursachen. Zumindest so lange sich der Wert so erratisch verhält.

"Bitcoin hat auf Dauer keine Chance" | heise online

Mal schauen: Eventuell zerlegen sich Bitcoins durch die inhärenten Probleme durch die Schwankungsanfälligkeit selber. Dummerweise erhöht sich aber durch jedes im Bitcoin-Universum gelöste Problem die Gefahr die von Bitcoins für die Mächtigen in Regierung und Finanzen ausgeht. Und da liegt am Ende der Knackpunkt: Lassen die Regierungen, Banken und Notenbanken Bitcoins zu oder torpedieren sie die neue Währung, sei es offen (durch Verbot) oder versteckt (durch Regulierung)?

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