Wie tief wird die Rezession in Zypern?

Der schon gestern hier verlinkte André Kühnlenz hat sich erste Gedanken zur Frage gemacht, die Société Générale hat bereits in der letzten Woche eine Analyse geschrieben, die UBS hat eine erste Schätzung draußen und auch aus Zypern hört man erste Prognosen. So unterschiedlich die Schätzungen sind, so einig sind sie sich in einem Punkt: Die Prognose der EU-Komission (BIP -3,5% 2013) ist viel zu optimistisch und der Einbruch wird viel tiefer werden und viel länger dauern.

Das liegt vor allem daran, dass Zypern kein wirkliches Geschäftsmodell (mehr) hat und große Teile der Wirtschaftskraft am Finanzsektor hängen. Und der hängt natürlich nicht vom zyprischen Kleinsparer, sondern von großen Geldanlegern aus Russland und Griechenland ab. Vor gut einer Woche hörte man noch das Argument, dass die zyprischen Banken nicht unkontrolliert Pleite gehen dürfen, weil das zu viele Arbeitsplätze kosten würde. Nur frage ich mich, wer nach Umsetzung des aktuellen Vorschlags noch Geld in Zypern anlegen soll, durch den die Großanleger mehr oder weniger große Verluste einstecken mussten. Die Antwort lautet wohl: Niemand. Und damit dürfte ein spürbarer Anteil der Arbeitsplätze im Finanzsektor flöten gehen.

Schlimmer noch, dass die Steueroasenfunktion Zyperns auch für Arbeitsplätze in anderen Bereichen verantwortlich war. Wer sein Geld zur Anlage vorbeibrachte, hatte oft auch noch Geld für's Shopping dabei. Zahlte Liegegebühr für seine Jacht im Hafen. Kaufte sich Schampus für die Party. Oder gleich eine Immobilie.

Man hat's ja.

Bleiben diese Geldanleger aus, bekommen deutlich mehr Branchen Probleme als man bei einem Blick auf die Zahlen erwarten könnte. Der Finanzsektor steht für etwa 9% der Wirtschaftsleistung und stellt etwa 5% der Arbeitsplätze Zyperns. Sieht eigentlich überschaubar aus.

Nach der Bankenschrumpfung: Was ist Zyperns künftiges Geschäftsmodell? - Zypern - FAZ

Zypern fehlen nun also nicht nur die Geldanleger, die ihr Geld bei zyprischen Banken anlegen, sondern auch deren Konsum und deren Investitionen. Die griechische Zeitung Kathimerini schätzt den Gesamteinfluss auf 40% der Wirtschaftsleistung.

Dazu kommen eine Reihe von weiteren Zweitrundeneffekten:

Die Familien, bei denen ein Mitglied bei einer Bank angestellt ist, dürften sofort auf extremes Sparen schalten.
Die pösen Reichen, die über 100.000 Euro auf dem Konto hatten, dürften auch nicht allesamt aus dem Ausland stammen, sondern einige auch aus Zypern. Einige davon könnten gerade große Teile ihrer Altersvorsorge verloren haben. Auch hier wird gespart werden.

Gleichzeitig kommt kein neues Geld aus dem Ausland, im Gegenteil, es werden sogar große Summen abfließen. Damit fehlen den zyprischen Banken Eigenkapital.
Auf der anderen Seite werden ausbleibende Investoren aus dem Ausland und ein zeitgleich sinkendes Volkseinkommen die Immobilienpreise deutlich unter Druck setzen. Kredite werden ausfallen und die Bankbilanzen kommen auch auf der anderen Seite unter Druck.

Kurz: es könnte gut sein, dass die jetzige Rettungsaktion für die Banken nicht die letzte war. Die Verunsicherung der Bevölkerung und der Anleger würde weiter steigen.

Und bei den Banken darf man eigentlich noch gar nicht aufhören, es folgt noch das Land. Denn die 10-Milliarden-Euro-Hilfe der EU ist ein Kredit an Zypern. Diesen eingerechnet soll die Staatsschuld Zypern nach den aktuellen Planungen bei etwa 140% des BIPs toppen. In diesen Berechnungen ist ein Einbruch des BIPs von 20, 30 oder 40% aber noch nicht berücksichtigt. André kommt hier ganz überschlägig auf einen Staatsschuldenstand von mehr als 200% des zyprischen BIPs. (UPDATE: André hat seine Überschlagsrechnung auf 170%des BIPs nach unten korrigiert, was aber immer noch zu hoch ist) Damit ist eine Umschuldung der Staatsschulden unvermeidbar. Und wieder wird es zu mehr Verunsicherung und höheren Einkommens- und Vermögensverluste kommen.

In Zypern wird eine Abwärtsspirale in Gang kommen, die das BIP über die nächsten Jahre massiv drücken wird. Es gibt einfach keinen plausibel herleitbaren Anlass für einen Hoffnungsschimmer. Der Blick auf Griechenland zeichnet die Entwicklung vor und dort gab es bereits einen BIP-Einbruch über insgesamt mehr als 20%. Und das ist wohl das Minimum, was Zypern ebenfalls droht.

Zyperns Selbstmord auf Raten – eine brutale Rettung Teil 2 | WeitwinkelSubjektiv
ekathimerini.com | It will get much worse before it gets better

Die Frage ist nur, warum die EU immer diese unkreativen Radikalprogramme wählt, die zudem auch noch unter extremen Zeitdruck extrem chaotisch beschlossen werden. Die EU hat auch in Griechenland ein Jahrzehnt lang zugeschaut, wie sich das Land Stück für Stück von den Resten internationaler Wettbewerbsfähigkeit verabschiedet hat. Und auch bei der Aufnahme Zyperns (2008!) in den Euro war die EU nicht ganz unschuldig. Oder will jemand behaupten, Zypern hätte den aufgeblähten Bankensektor nicht schon 2008 gehabt? Oder die Funktion als Steuer- und Schwarzgeldoase?

Statt Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit zu übernehmen, wälzen die EU-Politiker die ganze Verantwortung an die kleinen Länder ab. Dabei steckt man eigentlich mittendrin in der Verantwortung. Und sollte mal über kreative Lösungen nachdenken ...

Wie viel Russen-Schwarzgeld liegt in Zypern?

André Kühnlenz bleibt eisern am Thema dran ...

In der letzten Woche wühlte sich André schon durch die Zentralbankstatistiken und fand heraus, dass die in der Presse genannten Zahlen zu den Verbindlichkeiten der zyprischen Banken nicht zu den Zahlen aus der Statistik passten.

Statt den offiziell genannten 68,4 Mrd. Euro, die bei zyprischen Banken liegen sollten (die Zahl stand wirklich überall und ging wohl von der EU aus), waren es laut Notenbank tatsächlich 106,8 Milliarden.
Der Unterschied kam vor allem aus den ausgelassenen Verbindlichkeiten gegenüber anderen Banken, die man wohl nicht in der öffentlichen Diskussion sehen wollte.

Damit wurden die Banken aus der Diskussion um eine Beteiligung an der Umstrukturierung von vornherein herausgehalten. Dahinter politische Absicht zu vermuten, liegt nahe. Wenn jetzt bei einer zyprischen Bank die Einlagen um 40% rasiert werden, hätte das inklusive Bankenbeteiligung vielleicht nur 30 oder 20% sein müssen.

Sollen Banken in Zypern verschont werden? | WeitwinkelSubjektiv

André hat anschließend versucht, das Gerücht von den hohen Schwarzgeldeinlagen der Russen zu hinterfragen (eisern der Junge ;-)). Auch hier geistern seltsame Zahlen des Bundesnachrichtendiensts durch die Presse. Dort wird von breiten russischen Schwarzgeldflüssen nach Zypern geschrieben.

Einer Quelle zufolge sollen etwa 30,8 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Russland abgeflossen sein, ein großer Teil davon nach Zypern.

Dabei wird in den Medien gerne russisches Geld zu 100 Prozent mit russischem *Schwarz*geld gleichgesetzt. Was natürlich Quark ist, denn allein Gazprom (egal wie umstritten der Konzern ist) dürfte schon ausreichend viel Geld im Ausland investiert haben, um die Quote deutlich unter 100% zu drücken.

Was ebenfalls komisch ist: Die zyprische Zentralbank weist in ihren Statistiken einen Einlagenanstieg von Nicht-EU-Mitgliedern von 3,4 Mrd. in 2012 aus. Das wären nur gut 10% der Summe, die teilweise in den Medien als "aus Russland stammend" genannt werden.

Es wäre auch völlig gaga, wenn Russland wirklich in einem Jahr 31 Mrd. Euro "vor allem Schwarzgeld" "vor allem in Zypern" auf die Bankkonten geschoben hätte. Woher soll dann das russische Geld in der Schweiz stammen? Für die Hauskäufer am Tegernsee? Der "ich shoppe mir mal nen Bogner Skianzug für nen Tausender und lasse ihn nach dem Urlaub im Hotel liegen, weil nächsten Winter trage ich den eh nicht mehr"-Konsum? Wo bleiben die legalen russischen Investments u.a. in Rohstoffe?

Nein, die Zahlen, die in der Presse genannt werden, können vorne und hinten nicht stimmen.

SpiegelOnline und die russische Schwarzgeldlüge | WeitwinkelSubjektiv

Was mich ebenfalls wundert (habe das auch drüben in den Kommentar geschrieben): Wo ist eigentlich Zypern als Schwarzgeldwaschstation und Steueroase für Griechenland? Das war Zypern historisch gesehen schon immer (warum wohl haben die zyprischen Banken so viele griechischen Staatsanleihen in den Kundendepots?). Es ist wohl gerade einfacher, auf die Russen zu zeigen, um die Konten rasieren zu können ...

Ich will an dieser Stelle nicht verschweigen, dass mir jemand, der aus Zypern stammt, erzählt hat, dass die Zyprer viel Geld aus dem Ausland unter der Hand angenommen haben sollen, und dann bei den Banken eingezahlt haben bzw. dafür Immobilien erworben haben. Über das Ausmaß kann man nur spekulieren (und ich zweifle etwas daran, dass das wirklich soooo üblich war, wie mir erzählt wurde). Sicher ist allerdings, dass die Statistiken der Zentralbanken diese Fälle nicht richtig erfassen können.

Schau an: Gazprom gibt Geld und will Zyperns Erdgas


Ziemlich nah an dem, was ich gestern als Tweet in die Welt geraunzt habe:

ich Lache mich kaputt, wenn die Russen die 6 Mrd als Kredit geben und Erdgas als Sicherheit nehmen.
Es ist nicht genau so ... Denn Russland hält sich offiziell raus und bietet den Deal über Gazprom ab (OK, kein wirklich großer Unterschied). Und Gazprom gibt zwar einen Kredit, aber will das Gas nicht nur als Sicherheit, sondern selber fördern:
Meanwhile Gazprom, the giant Russian energy company, quietly acted by offering a private bailout plan. Rather than tax deposits, Cyprus could raise money to right its economy by selling Gazprom exploration rights to offshore gas deposits in the Mediterranean Sea.
Etwas unklar ist mir, ob Russland ähm Gazprom nur die 5,8 Mrd. übernehmen, die die Sparer übernehmen sollten, oder gleich die komplette Summe.

Egal wie: Das ist die Lösung, die ICH für die EU-Kredite genommen hätte (es gibt allerdings noch einige andere, die deutlich besser wären, als das, was die EU jetzt innerhalb von 4 Tagen durch die Parlamente peitschen will, nachdem in den ersten 9 Monaten nach dem Hilfsantrag nichts Essentielles passierte. (Mein Lieblings-Twitter-Kommentar dazu: http://twitter.com/CelestinColette/status/314139590615244800 ). 
Mehr zum Gazprom Vorschlag bei der NYT:


Einen der besseren Alternativvorschläge möchte ich noch verlinken: Er kommt von *dem* Experten in Sachen Staateninsolvenz und -umschuldung Lee Buchheit, gut erklärt von André Kühnlenz: Ein perfekter Plan für Zypern | WeitwinkelSubjektiv. (Btw: Die FAZ hatte im Print einen langen Artikel über Buchheit, leider ich der nicht online, oder?)

Wenn ich mir den Russlandvorschlag jetzt anschaue, frage ich mich erneut, warum in der ganzen "Euro"-Krise nicht ein einziges Mal das Modell "Kredit gegen Sicherheiten" genommen wurde. Zypern könnte die Erdgaseinnahmen verpfänden, genau wie auch die zusätzlichen Einnahmen aus der Erhöhung der Unternehmenssteuer. Dann hätte Zypern sogar einen Anreiz, die Unternehmenssteuer weiter zu erhöhen. Aber das scheint - allgemein in Europa - trotz gegenteiliger Politikeraussagen nicht erwünscht zu sein. Schon im Fall der Irlandrettung ist mein Wunsch, die Niedrigsteueroase Irland auszutrocknen, ähnlich grandios verpufft wie meine Hoffnung auf eine gute Saison von Rot-Weiss-Oberhausen ...

OK, am Anfang der Krise gab es gute Argumente gegen neue bevorzugte Kredite:  Wenn man spezielle Sicherheiten für neue Kredite hinterlegt, entspringt daraus eine Benachteiligung der Altgläubiger, weil diese ja irgendwo bei der Kreditvergabe diese Sicherheiten im Hinterkopf gehabt haben (könnten). Das hätte u.U. zu Abstufungen der unbesicherten Altkredite durch die Ratingagenturen geführt. Die Gläubiger der Staatsschulden in anderen Ländern hätten vor ähnlichen Schritten in anderen Ländern (PIGS) Angst bekommen können und sich dann auch dort zurückgezogen. 

Keine ganz unplausible Argumentation, aber nun ja, diese Ansteckungsgefahr hat man beim Zugriff auf Spareinlagen ebenfalls. Und über Ratingherabstufungen muss man sich eh keine Gedanken mehr machen (Ist der Ruf erst ruiniert ...)

P.S. Eine Verschwörungstheorie zum Schluss: Bei dem ganzen extrem chaotischen Ablauf dieser EU-Rettung könnte man den Eindruck gewinnen, dass die EU-Politiker absichtlich eine schwachsinnige Lösung angestrebt haben, auf das genau auf dieses Gazprom Angebot folgen sollte. Und dann wüssten wir auch endlich, von wem die Politiker bezahlt werden ... Vertickern die europäischen Bodenschätze billig an die Russen. Naja, vielleicht zu viel Verschwörungstheorie. Vielleicht sind die Politiker ja auch einfach nur komplett behämmert ...

Update (12:03):

Man sollte vielleicht noch ergänzen, dass die Rettung Zyperns (genauer das zyprischen Banksektors) durch Russland/Gazprom gewisse geostrategische Auswirkungen hätte, die weder der EU noch (und ganz besonders) der NATO nicht schmecken dürften. Zypern ist ein wichtiger Truppenstützpunkt der NATO und gerade in Hinblick auf den nahen Osten immens wichtig. Israel liegt -zumindest aus der Sicht eines mit Überschall fliegenden Kampfjets - quasi gleich vor der Türe und auch Iran und Irak sind nicht weit entfernt.

Schön auf den Punkt gebracht von TeraEuro:

"moin, Gasvorkommen, Flottenstützpunkt, Flughafen und Merkel geärgert, da sind 5-6 Giga€ eigentlich spottbillig ..."
http://twitter.com/TeraEuro/status/314322060904120321

(wenn jemand einen guten Lesehinweis zu diesem Aspekt hat, ergänze ich ihn gerne)

DeuBa: Solarenergie 2013 vor dem weltweiten Durchbruch


Die Deutsche Bank Analysten sehen 2013 - entgegen dem Gejammer der Solarfreaks ob der Kürzung der Förderung in Deutschland - einen Zuwachs bei den Neuinstallationen von Photovoltaikanlagen.
Die alte Schätzung der DeuBa für die im Jahr 2013 neu installierte Kapazität lag bei 28 Gigawatt, die neue Schätzung liegt nun bei 30 Gigawatt. Das wäre ein leichtes Plus gegenüber den 29 Gigawatt, die 2012 neu installiert wurden (diese Schätzung stammt allerdings aus einer anderen Quelle), gegenüber der Deutsche Bank Schätzung für 2012 ein Plus von 20%.

Haupttreiber sind 2013 nach Einschätzung der Deutsche Bank Analysten nicht mehr irgendwie geartete Subventionen in sonnenarmen, ideologisch leicht verstrahlten Ländern (hehe), sondern die Wettbewerbsfähigkeit in immer größeren Regionen der Welt.

In Süditalien zum Beispiel werden zunehmend Projekte geplant und umgesetzt, ohne dass ein Cent Steuerhilfen in die Wirtschaftlichkeitsrechnung eingeht. Auch Griechenland boomt (weiss jemand, warum? Gibt es dort staatliche Förderung?). Allein im Januar sollen dort etwa 300 Megawatt neue Leistung installiert worden sein. Im Vergleich zu Deutschland ein Witz, ABER mehr als in Portugal insgesamt jemals installiert wurden.

Der Großteil des Wachstums kommt aus den Entwicklungsländern, vor allem Indien hebt ab. Der Anteil Europas an den neuen Solarzellen könnte unter 50% fallen, nachdem 2010 noch 82% der Solarzellen hier installiert wurden (eigentlich könnte man Europa auch fast durch Deutschland ersetzen ...).

Damit haben die Solarsubventionen in Deutschland den gewünschten Effekt erreicht: Die Photovoltaik hat die Grid Parity erreicht, bzw. hinter sich gelassen. Photovoltaik rechnet sich und beginnt aus eigener Kraft zu wachsen.

Die Frage ist nur, ob man diese Industrie mit einer dreistelligen Milliardensumme aus Deutschland anschieben musste. Und ob die ganzen Solarzellen in Deutschland wirklich an den optimalen Stellen auf diesem Planeten installiert wurden (Anders: Wir hätten dieses Ziel mit VIEL weniger Geld genauso schnell erreichen können und dabei noch mehr CO2-freien Strom erzeugen und den kriselnden Ländern in Südeuropa unter die Arme greifen können).


P.S. Gigawatts sind eigentlich Gigawatt-Peak, also die maximale Leistung der Solarzellen.

USA: Arbeitslosenquote 02/13: 7,7% (-0,2 Vm, -0,6 Vj)

(Nach einigen Monaten Pause mal wieder ein US-Arbeitsmarktposting von mir ... )

Für den Februar gab es einen positiven Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Februar 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -250.000 auf 12,032 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +170.000 auf 143,492 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 7,7% (-0,2 zum Vormonat, -1,0 unter dem Vorjahresmonat).

Weniger Arbeitslose, mehr Arbeitsplätze. Alles fein.

Die Erhöhung der NILFs ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, warum auch immer) um 296.000 ist relativ kräftig. Aber selbst wenn man diese komplett in der "labor force" gelassen hätte, wäre die Arbeitslosenquote auf 7,7% gefallen. Trotz der Verbesserung am US-Arbeitsmarkt gibt es im Vergleich zum Februar 2012 noch etwa 1,7 Millionen NILFs mehr. (Wobei diese Differenz auch schon deutlich über 2 Millionen lag).

Ein guter Check ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese blieb stabil bei 58,6% und liegt damit wieder genau auf dem Vorjahreswert (und übrigens auch auf dem Wert von Dezember und Januar).
Wir sehen damit weiterhin einen deutlichen Rückgang bei der Arbeitslosenquote, wodurch sich aber der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht verbessert. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung der nötig sind, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Februar ebenfalls enttäuschend.

Anzahl der Jobs: +236.000 gegenüber dem Vormonat auf 135,046 Millionen. Dem Plus von 246.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 10.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber. Der Staat muss halt sparen.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze zeigen ebenfalls solide nach oben: Der Dezember wurde um 23.000 auf +219.000 nach oben korrigiert, der Januar um 38.000 auf 157.000. Insgesamt sind durch die Korrekturen also 61.000 Jobs nachträglich neu hinzugekommen. Inklusive der Korrekturen gab es also 297.000 neue Arbeitsplätze (236.000+23.000+38.000).

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche erhöhte sich  im Vergleich zum Vormonat minimal auf 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es ein Minus von 0,1 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg gegenüber dem Vormonat und Vorjahresmonat um 0,1 auf 3,4 Stunden. Das deckt die Interpretation der leichten, aber stabilen Verbesserung auf dem US-Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank von 14,4 auf 14,3%. Das ist auch weiterhin spürbar besser als im Vorjahr (15,0%), wenn auch historisch immer noch hoch.

Zusammenfassend: Ein guter Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Nach einer gewissen Stagnation im Spätsommer letzten Jahres, wächst die Zahl der Beschäftigten und sinkt die Zahl der Arbeitslosen wieder. Zwar stagniert die Anzahl der Beschäftigten betrachtet auf die (wachsende) Gesamtbevölkerung weiterhin (58,6%), aber immerhin hält der Arbeitsmarkt mit der wachsenden Bevölkerung der USA wieder Schritt.


BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – February 2013

Die Schweizer haben NICHT für Begrenzung von Managermillionen gestimmt

Die Schweizer haben NICHT für eine fixe Obergrenze der Managergehälter in Schweizer Franken gestimmt.
Die Schweizer haben auch NICHT für eine variable Obergrenze (12faches oder 30faches des Durchschnittsgehalts) gestimmt.
Die Schweizer haben NICHT für eine variable Obergrenze der Boni (maximal einmal das Fixgehalt zusätzlich) gestimmt.

Die Schweizer haben für ein Gesetz gestimmt, das den Aktionären mehr Einfluss auf die Managermillionen gibt.

Sprich: Wenn der Vorstand Milliardengewinne einfährt, wird er wohl auch weiterhin zweifache Millionensummen verdienen können. Selbst die unverschämten knapp 59 Millionen, die sich der Ex-Chef des Pharmaunternehmens Novartis für das Nichtstun bekommen sollte (er sollte Geld dafür bekommen, dass er nicht zur Konkurrenz wechselt), wurde von den Aktionären abgenickt. könnte auch unter der neuen Rechtsprechung von den Aktionären abgenickt werden.

Update (22:22):

Die 59 Millionen Nichtstu-Prämie wurde übrigens nicht von den Aktionären auf der Generalversammlung (=Hauptversammlung in Deutschland)  abgesegnet (wie ich zuerst geschrieben habe), sondern nur vom Verwaltungsrat ( in Deutschland = Aufsichtsrat) und Vergütungsrat abgesegnet. Die Aktionäre haben nämlich aktuell noch kein direktes Zustimmungsrecht zu Vergütungsfragen, sie hätten nur indirekt dem Verwaltungsrat die Entlastung verweigern können. 

Danke an nachrichtenlos für die detaillierte Erklärung! 

Update Ende.

Daniel Vasella: Totengräber eines Gesellschaftsvertrags | handelszeitung.ch
Das System Vasella | handelszeitung.ch

Gesetzlich geregelt werden nur ein paar Dinge:

19. Keine Abgangs- oder andere Entschädigungen an VR- und GL-Mitglieder beim Austritt
20. Keine Vorauszahlungen an VR- und GL-Mitglieder
21. Keine Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen an VR- und GL-Mitglieder
22. Keine Mehrfach-Arbeitsverträge für VR- und GL-Mitglieder (hier sind Arbeitsverträge bei Tochterfirmen innerhalb des Konzerns gemeint, mit denen die oben genannten Vorschriften für die "Hauptfirma" umgangen werden könnten)
23. Keine Delegation der Gesellschaftsführung an eine andere Firma
24. Strafbestimmung: Freiheitsstrafe (bis 3 Jahre) und Geldstrafe (bis 6 Jahresvergütungen)
Aber nicht einmal die Anzahl der Verwaltungsratmitgliedschaften wird gesetzlich beschränkt.
Grundsätzlich gelten die Regeln auch nur für börsennotierte Unternehmen mit Sitz in der Schweiz.

Durch die anderen Regeln wird die gesamte Aktionärsdemokratie "direkter", indem einige Formen der indirekten Stimmabgabe eingeschränkt bzw. verboten werden oder zumindest transparenter gemacht werden. Pensionskassen müssen ihre Stimmabgabe offenlegen. Banken dürfen nicht mehr "in Vertretung" für die Aktien in den Depots ihrer Kunden abstimmen. Die Teilnahme an der Hauptversammlung muss über das Internet möglich sein.

All das verschiebt die Macht von den Großaktionären aus der Finanzwelt (Banken, Fonds, Pensionskassen, ...) hin zu den "normalen" Aktionären. Ob diese aber wirklich grundsätzlich anders sprich kritischer über die Höhe der Managergehälter entscheiden, ist zwar durchaus denkbar und plausibel, aber keinesfalls sicher.

Alle neuen Regeln im Detail hier:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Schweiz macht Volksabstimmung über Managermillionen

Wenn ihr also heute irgendwo lest, dass die Gehälter beschränkt worden seien. Forget it. Lest was anderes. Die schreiben Mist. (Auch wenn er bald LSR geschützt ist)

Ob das Gesetz eine wirkliche Wirkung entfaltet, ist völlig unklar.

Update (12:10):

Schlechte Überschriften:

Süddeutsche: Mehrheit für Deckelung hoher Gehälter zeichnet sich ab
Tagesschau: Schweizer wollen Managergehälter begrenzen
Stern: Volksentscheid: Schweizer deckeln Manager-Millionen - Politik

Quark:

N24:
Keine Boni-Zahlungen mehr in der Schweiz (Zwar werden An- und Abtrittsboni oder auch für Firmenübernahmen abgeschafft, aber von "keine" kann nicht die Rede sein).

Gute Überschriften:

Spiegel: Schweiz beschließt eines der schärfsten Aktiengesetzte der Welt

So. Einen ganzen Monat lang nichts geschrieben.

Mal schauen, ob ich noch einen schaffe ;-)

(Irgendwie hat sich die Idee mit den zwei Blogs und alles auf fremden Plattformen nicht so wirklich bewährt ... Vielleicht sollte ich einfach alles hier posten. Oder ein Wordpress mit Rubriken aufsetzen (wenn ich doch bloß Design könnte).

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