USA: BIP Q01-13 (Vorabschätzung): +2,5%

Wie in den USA üblich der auf ein Jahr hochgerechnete Wert.

Die Delle im vierten Quartal ist damit ausgebügelt (das wurde zuerst mit einem Minus gemeldet, endete dann aber in der endgültigen Berechnung bei +0,4%)

News Release: Gross Domestic Product Gross Domestic Product, First Quarter 2013 (advance estimate)

more soon ...

Zu den Details:

Das Wachstum kam fast vollständig aus dem privaten Konsum. Gut 2,25 der 2,50 Prozent(punkte) kamen aus diesem Bereich. Das Plus war das zweitstärkste der letzten 16 Quartale.

Die Lagerbestandsänderungen, die im letzten Quartal 2012 so kräftig auf das Wachstum drückten (-1,52 Pp), trugen im letzten Quartal mit gut einem Prozentpunkt zum Wachstum bei. Der Saldo aus Im- und Export drückte das BIP-Wachstum im 0,5 Prozentpunkte. Und der Staat beeinflusste  durch Sparmaßnahmen das Wachstum negativ, übrigens zum neunten Mal in den letzten 10 Quartalen (diesmal -0,8 Prozentpunkte).

Viel weitergehender braucht man die heutige Vorabschätzung nicht zu analysieren. Gerade in den Details ändern sich die Werte bis zum endgültigen Wert noch viel zu stark.

Der Wert war übrigens leicht unter der Konsensschätzung, die bei etwa +3,0 Prozent lag.

Die Telekom-DroSseL ist völlig legitim, solange ...

... jedes IP Paket gleichberechtigt ist.

Einen Internetzugang nach Bandbreite oder Volumen oder einer Mischung daraus (kommst du über 50 GB, setzen wir dich auch 1 Mbit/s runter) ist total normal, alle mir bekannten (Profi-)Hoster rechnen so ab. Denn Bandbreite kostet Geld. Beim Hoster, im Backbone, auf der letzten Meile beim Endkunden.

Wer meint, das Netz bestünde nur aus Fixkosten, weil das Kabel im Boden schließlich bezahlt ist, möge mal einen Blick in die Preislisten bei Cisco, Juniper oder Alcatel werfen ... Oder besser nicht, wenn man an einem unzulässig bequem-simplen Weltbild festhalten möchte ;)

Das Problem an den neuen Preismodellen ist *ausschließlich* die Privilegierung der Telekom-eigenen Dienste wie Entertain, die NICHT in das normale IP-Volumen fallen. Interessanterweise ist das sogar technisch begründbar, aber das führt zu weit, und lenkt vom wesentlichen Punkt ab: In der Konsequenz werden konkurrierende Anbieter von Streaming- oder Download-Videos wie Apple, Amazon und Watchever (oder auch Musikstreamer wie Spotify) massiv benachteiligt. Und der Traffic, den diese verursachen, nagt am Freivolumen (die Telekom plant 75 GB im Monat). Wenn das nächstgrößere Paket bei der Telekom 10 Euro mehr kosten sollte, entspricht das dem Preis von 3 Filmen, kurz ein Konkurrent wie Watchever kann mit seinen 9 Euro im Monat einpacken.

Bundesregierung warnt vor Flatrate-Drossel der Telekom | heise online

Die Diskussion muss unbedingt sauber geführt werden. Die Bandbreite von 384 KBit/s nach einer Drosselung ist zwar eine Frechheit, aber das ist nicht der Punkt. Auch das Volumen von 75 GB ist nicht der Punkt. Der Punkt ist einzig und allein, dass bestimmte IP-Pakete anders behandelt werden als andere. Und sich die Anbieter diese "Dienstleistung" bei der Telekom einkaufen können. Sprich: Sie sollen zahlen, damit dieser Traffic dann beim Kunden nicht gezählt wird. (Am liebsten hätte die Telekom natürlich, wenn man auf beiden Seiten (an der Datenquelle und der Datensenke) die Hand aufhalten könnte ...).

Wenn die Telekom nicht genügend Geld für die Modernisierung ihres Netzes verdient (ihr Argument), dann soll sie das der Regulierungsbehörde erklären. Dort konnte man komischerweise die Berechnungen der Telekom nie nachvollziehen.

Oder die Telekom muss bei den Hostern mehr kassieren. Wenn diese in ihrem Rechenzentrum ein 1 Gbit Kabel inkl. 100 Terabyte Traffic für 20 Euro im Monat verkaufen, macht das

0,02 Cent pro Gigabyte.

Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dieser Preis wäre fair und kostendeckend: Liebe Telekom, behandle jedes Paket gleich, egal ob es von Apple, Amazon oder dir kommt, und verkauft uns den Traffic auch zu diesem Kurs. Niemand wird meckern. (Man muss sich das mal vorstellen: Das Inklusivvolumen bei der Telekom kostet beim Hoster 1,5 Cent ...).

Anders gesagt: Liebe Telekom, wenn du bei den Hostern nicht auf deine Kosten kommst, wälze dieses Problem nicht auf die (Privat-)Kunden ab und wirf dabei die Netzneutralität über Bord.

(Die Telekom argumentiert übrigens ziemlich clever nicht mit einer bevorzugten Behandlung irgendwelcher Dienste, die dann beim Kunden nicht abgerechnet werden, sondern damit, dass das ein eigener Dienst ist, bei dem die Qualität von der Telekom sicher gestellt wird ("Managed Service"). Das ist deswegen eine ziemlich clevere Argumentation, weil das aus technischer Sicht sogar irgendwo stimmt. Wenn die Datenpakete von Diensten wie Entertain genauso behandelt würden wie "normale" Internet-Datenpakete, hätte die Telekom signifikant höhere Kosten. "Wir" sollten also aufpassen, dass wir sauber argumentieren, weil die Telekom aus streng technischer Sicht sogar ziemlich sauber argumentiert, ihr es aber natürlich um etwas ganz anderes geht. Sie kann daher genügend Nebelkerzen werfen.
Da nützen wild um sich geworfene Begriffe wie "Enteignen", wenn man eher eine Übernahme der Telekom durch den Staat meint, nicht weiter. Oder Unsauberkeiten wie "Telekom bekam das Netz geschenkt" und gleichzeitigem völligem Ignorieren, dass der Staat den Aktionären die T-Aktien nicht geschenkt, sondern verkauft hat. Der Staat *hat* für den Verkauf des Netzes Geld bekommen @schmidtlepp. Wenn auf dem Niveau weiter diskutiert wird, müssen wir uns nicht wundern, wenn "wir" in Berlin mal wieder nichts durchsetzen. So wie beim "Internet auf dem Land", dem Leistungsschutzrecht, etc.)

Ratet mal, wer unsere Politiker bezahlt ...

Und zwar mit einem ziemlich ausgefuchstem System ...

Yepp richtig, die Banken. Die Großbanken und wohl an vorderster Front Goldman Sachs.

Natürlich werden Politiker nicht direkt von Goldman Sachs oder JP Morgan oder Barclays oder der Bank of America bezahlt, sondern das wird im Vorfeld und damit rechtlich (wohl) sauber abgehandelt: Es gibt für (einige, Anteil unklar) hohe Mitarbeiter einen Bonus, wenn sie die Seiten wechseln und von der Großbank in die Politik oder politiknahe Kreise wechseln. Das wären z.B. Organisationen wie die Weltbank, Notenbanken, Aufsichtsbehörden oder ähnliches.

Leider weiss man noch nichts genaues über die Höhe des Bonus und man weiss auch nicht wie gängig solche Wechselboni sind, aber für mich ist damit eine Frage beantwortet: Warum wechseln so auffällig viele Spitzenbanker in die öffentliche Verwaltung, obwohl sie dort häufig nur einen Bruchteil des Gehalts kassieren wie vorher in ihrer Bank.

Das Ganze ist natürlich sehr verwerflich, denn die Banken profitieren von einer solchen "Zusammenarbeit" gleich mehrfach:

a) Politiker und Beamte, die vorher bei einer Großbank waren, werden diese lascher regulieren als Unbeteiligte.
b) Krisen werden so gehändelt, dass Großbanken unbeschadet durchkommen und im Zweifelsfall sogar mit Staatsgeld gerettet werden.
c) Es werden informelle Informationskanäle aufgebaut, die den Großbanken einen Informationsvorsprung beschaffen. Solche Fälle sind sogar dokumentiert (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wieso kam Goldman Sachs eigentlich so gut durch die Lehman-Krise?), keine wirkliche Überraschung, wenn Finanzminister, Notenbankchef und Großbankchef aus einer Clique kommen ...

LobbyControl | Fragwürdige Praxis: Goldman Sachs & Co belohnen Seitenwechsler

Es ist müßig, eine Liste der Seitenwechsel zu erstellen. Aus den USA kennt man den prominentesten Fall Hank Paulson wahrscheinlich eh schon, aber Rubin, Corzine, Fowler, Levitt, Corrigan, ...dürften auch nicht ganz unbekannt sein. Aus internationaler Sicht dürfte Zoellick als Ex-Weltbank-Chef geläufig sein. Und aus Europa dürften die Namen Draghi, Monti, Papademos bekannt sein ... Ansonsten den Pelzig unter anschauen ...

Wer heute Langeweile hat, kann sich auch die Arte-Doku zu Goldman Sachs anschauen, ich habe das eingebaute Video aktualisiert:

TV Tipp heute Abend: Goldman Sachs, eine Bank... - egghat's not so micro blog

Wer den ganzen Komplex in einer Art Crashkurs auf ziemlich unterhaltsame Weise sehen will, dem empfehle ich den guten Pelzig:



Und jetzt wissen wir, warum die ganzen Verbindungen soooo eng sind ...

gefunden über TeraEuro

Update (22.04.2013):

Dazu passend vielleicht auch noch dieser Aspekt aus dem wahrscheinlich größten Manipulationsskandal, den sich die Finanzwelt bisher geleistet hat: Die Manipulation des LIBOR-Zinssatzes. An diesem (und verwandten Zins-Indices, die natürlich auch alle manipuliert wurden) hängen Kredite im Gesamtwert von Hunderten von Milliarden. Und diese Manipulationen waren den Aufsichtsbehörden bekannt, so bekannt, dass sie mitten in der Krise die Banken aufgefordert haben, die Zinsmeldungen (aus denen der LIBOR berechnet wird) nach unten zu setzen. Damit der Markt für die Interbankzinsen gesünder aussieht als er in der Realität war.

Auf solche Ideen kann und darf man als Aufsichtsbehörde eigentlich nicht kommen. Dass es doch dazu kam, kann meiner Meinung nach nur daran liegen, dass die beteiligten Personen permanent die Seiten wechseln ...

THE GREAT LIBOR SWINDLE - PART II

Schuldenstand nach Maastricht D 2012: 81,9% (+1,5)

Trotz Finanzierungsüberschuss des Staats und des Plus in den Sozialkassen.

Das Plus der Sozialkassen wird in dieser Statistik nicht berücksichtigt, auch das Plus einiger Gebietschaften (Städte). Haben diese jedoch Schulden gemacht (Kaiserslautern, Oberhausen, NRW, Berlin) landen diese in der Statistik. Ziemlich asymmetrisch ...

Auch die Schulden, die der ESM und EFSF gemacht haben, zählen für den Schuldenstand. In der laufenden Verschuldung (dem berühmten Maastricht Defizit) werden die jedoch nicht berücksichtigt, weil dagegen ein Vermögen beim EFSF gebucht wird.

Da war ja selbst meine Resthoffnung, der ich mich für die Haushaltsdefizitwette hingab, vergeblich. Die ESM/EFSF Zahlungen hätten für das Haushaltsminus eh nicht gezählt ...

(Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ich wette mal wieder was)

Deutsche Bundesbank - Pressenotizen - Deutscher Maastricht-Schuldenstand 2012 steigt mit 2,17 Billionen € auf 81,9 % des BIP

Den Rezessionsteil der Wette habe ich ebenfalls verloren, das Minus im vierten Quartal kam für die Wette zu spät (und war auch zu klein). Da hat mich die Einengung auf Deutschland geschlagen, auf Eurozonenbasis wäre die Wette (gefühlt) aufgegangen. Aber den Slot hat ja niemand gefüllt ...

Die beiden glücklichen Gewinner (Hias und MacT) mögen sich mit ihrem Gewinnwunsch (Bier, Wein (rot/weiss)) und ihrer Adresse bei mir melden.

Update (13:59):

Jetzt habe ich beim Gejammer über die verlorene Wette ganz vergessen, über die "Europa kostet uns ein Vermögen" Teil was zu schreiben ...

Olaf Storbeck hat mich zum Glück auf Facebook daran erinnert.

Die Hilfen, die im Zusammenhang mit der Krise an Inländische (also z.B. die HypoRealEstate und andere Banken) vergeben wurden, summieren sich auf 285 Mrd. Euro oder 11% des BIPs. Die Hilfen, die an die EU für die kriselnden Länder vergeben wurden, machen erst 65 Mrd. Euro oder 2,5% des BIPs aus. So einfach ist das "Europa reitet uns ins Verderben" also nicht.

Man muss bei dem Zahlenvergleich allerdings berücksichtigen, dass bei der Schuldenübernahme von z.B. der HypoRealEstate die gesamten Schulden 1:1 im Maastricht-Schuldenstand landen und die Vermögen auf der anderen Seite komplett unter den Tisch fallen. Diese Zahl ist also tendenziell untertrieben. Die Zahlungen an ESM/EFSF sind hingegen nur Garantien, die relativ kräftig gehebelt sind. Sollten diese Garantien fällig werden, fließt direkt ein Mehrfaches der bisherigen Beträge hinterher. Wirklich vergleichbar sind die Zahlen also nicht.

Update (17.04.13):

So stellt das Handelsblatt das dar ... Irgendwie deutlich alarmistischer ... Die Schulden steigen, wir werden alle sterben ...

Schuldenquote: Euro-Krise zieht Deutschland tiefer ins Minus - Deutschland - Politik - Handelsblatt

Wiwo Lunchtalk zum Thema #Bitcoins mit @smatthes, @franziskript und dem @egghat

Heute Mittag um 12:00, etwa 15 Minuten lang (was für ein relativ komplexes Thema wie Bitcoins natürlich verdammt wenig ist).

Den beiden könnt ihr schon mal auf Twitter folgen: smatthes und franziskript (auf ADN bin ich als Wirtschaftler so alleine, dass ich mich dort Top-Ökonom nennen könnte ;-) ).

In die Sendung kann man über den Hashtag #lunchtalk Fragen einreichen. Mal schauen, was wir davon  in die Sendung nehmen können.

Ich werde hier den Link auf die Livesendung (und nachher die Aufzeichnung) eintragen und noch ein paar interessante Links zum Thema einfügen. Damit ihr auch am kommenden Angrill-Wochenende ausreichend zu lesen, zu hören und zu lesen habt ;-)

Hier gibt es die Aufzeichnung, viel Spaß mit meinem dicken Hals (jaja, ich brauche eine Kamera, die günstiger platziert ist als die eingebaute in meinem Macbook):



Wiwo-Seite

Update (16:27):

Das Ganze war wie erwartet etwas arg kurz. Das Thema ist ziemlich komplex und eigentlich braucht man erst eine Viertelstunde, um Bitcoins grob zu erklären. Und dann kann man über die Auswirkungen reden.
Was z.B. komplett fehlt ist die Zukunftsvision v.a. die "Disruptivität" der Bitcoins. Ein System, mit dem ich Wert von a nach b (und b kann auch Timbuktu sein) überweisen kann und dabei exakt Null Kosten habe, ist natürlich für viele Menschen unendlich interessant und für Kreditkartengesellschaften, Banken oder Western Union ein ziemliche Bedrohung.

Vielleicht auch noch ein kurzes Wort zur Frage, ob Bitcoin eine Währung ist oder nicht. Der Vergleich mit Gold hilft hier am ehesten weiter. Gold ist auch keine Währung. Gold ist etwas, das die Leute für wertvoll halten. Daher trauen sie Gold zu, auch morgen noch was wert zu sein. Trotzdem kann ich bei Aldi oder beim Finanzamt nicht einfach mit einer Goldmünze auftauchen und bezahlen. Dass Gold für manche wie eine Währung ist, liegt daran, dass ich jeden Tag meine Goldmünze in einen Münzladen oder eine Bank bringen kann und diese dann eine richtige Währung umtauschen kann. Diese Bankfunktion (ich habe im Lunchtalk "Wechselstube" gesagt, guter Begriff IMHO) übernehmen im Bitcoin Universum Anbieter wie MtGox.
Das Vertrauen in Gold dürfte allerdings nach 6.000 Jahren etwas größer sein als das in eine rein virtuelle Währung wie Bitcoins, die es erst seit ein paar Jahren gibt. Außerdem ist die aktuell extrem hohe Schwankungsbreite, die die Bitcoins aufweisen, nicht gerade ein Vertrauen schaffender Faktor.

Linksammlung:

Zuerst was zum Hören: Zu den technischen Hintergründen sehr stark und zum praktischen (wie bekomme ich denn nun Bitcoins) stark, der wirtschaftliche Teil ist IMHO etwas schwächer (vielleicht für Normalsterbliche aber besser, als das was ich absondere). Wer aber keine Ahnung von PGP, Verschlüsselung, Hashes, etc. wird im technischen Teil nur Bahnhof verstehen. Wer rudimentär weiss, wie vorgenannte Sachen funktionieren, wird zwar IMHO auch nicht alles verstehen, aber hinreichend viel, um zu wissen, wie die Erzeugung von Bitcoins und die Zahlung technisch ablaufen.

CRE182 Elektronisches Geld | CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft Gute 2 Stunden lang.

Als praktischer Einstieg ebenfalls ganz gut:

The Basics On Bitcoin: 11 Things To Know About This Suddenly 'Hot' Digital Currency | Currencies | Minyanville's Wall Street

Oder dieser Zweiteiler bei ZDNet:

How to buy and sell Bitcoins -- Part 1: Theory | ZDNet
How to buy and sell Bitcoins -- Part 2: Practical | ZDNet


Dass hier so viele englischsprachige Artikel stehen, liegt an der Qualität der deutschen ...

Sowas hier hilft irgendwie Niemandem:

"Selbst im Alltag ist die Digitalwährung angekommen, in Trendläden Berlins oder New Yorks passiert es immer häufiger, dass Kunden das Smartphone herausziehen, um mit Bitcoins zu bezahlen. "

Hype um Bitcoin-Währung: Skeptiker sehen Blase - n-tv.de

Deutlich hilfreicher schon das hier:

Wo man den Bierdeckel mit Bitcoins zahlen kann - Wallstreetjournal.de


Langer Artikel von Felix Salmon zu Bitcoins und dem Problem des mangelnden Vertrauens durch die extremen Schwankungen (der Artikel stammt aus der Zeit vor dem Crash). Valide Frage: Was, wenn man vor dem Anstieg Schulden in Bitcoins gehabt hätte? (Schulden wären dann flugs zehnmal so hoch wie vorher; sowas darf mit einer Währung nicht passieren)

The Bitcoin Bubble and the Future of Currency — Money & Banking — Medium

Zu den Visionen und was man mit Bitcoins (oder anderen elektronischen Währungen) alles machen könnte. Das beruht im Wesentlichen darauf, dass man nicht mehr als einen Computer oder ein Smartphone mit Internetverbindung benötigt, um mitzumachen, das ganze weltweit funktioniert, keine Zentralbank zur Erzeugung und keine Bank oder Kreditkartengesellschaft zum Transfer benötigt wird (was diese nicht lieben werden, siehe Bitcoins und die Finanzbranche — neunetz.com) und die Transaktionskosten nahezu Null betragen (womit man im übrigen die potenziellen Gegner von Bitcoins auch schon alle genannt hat)

Yes, you should care about Bitcoin, and here’s why — Tech News and Analysis
Bitcoin Is A Disruptive Technology - Forbes
Why I Take Bitcoin Seriously as a Venture Capitalist - Bank Think Article - American Banker
(und es wird auch schon investiert: Never Mind Facebook; Winklevoss Twins Rule in Digital Money - NYTimes.com)

Noch dicker aufgetragen vom schwedischen Urpiraten Falkvinge:
Why Bitcoin Is Poised To Change Society Much More Than The Internet Did - Falkvinge on Infopolicy

Bitcoin ist cool und alles, aber Ball flachhalten. Bitcoins werden wohl weder die Welt komlett verändern noch vernichten (weil niemand mehr Steuern zahlt und alle anonym Drogen über's  Internet ordern):

Bitcoin And The End Of Money | TechCrunch

Und noch viel skeptischer ist folgender Artikel, der dann auch die politische Dimension eröffnet:

Social Democracy for the 21st Century: A Post Keynesian Perspective: Bitcoin is no Great Mystery

Das macht alles keinen Sinn, das Geld steht für nichts Reales, es stecken keine Werte dahinter, Bitcoins sind reine Spekulation. Da geht es dann auch schon um volkswirtschaftliche Fragen wie z.B. ob (Post-)Keynesianer oder Austrians die Währung mögen oder nicht.

Weiter in diese Richtung:

BitCon: Don't in [Market-Ticker]
Bitcoin Obliterates 'The State Theory Of Money' - Forbes

Auch bei FT Alphaville noch mal der Hinweis, dass hinter Bitcoin nichts steckt: Kein Land, kein Staat, keine Wirtschaft, keine Bevölkerung, die Steuern zahlt, keine Zentralbank, die im Notfall Kredite vergeben kann:

Bitcoin as fiat | FT Alphaville (nur nach kostenloser Anmeldung ... Das ist ein Teil einer Serie).

So, das war jetzt sehr theoretisch, daher noch was Praktisches: Ein paar Infoquellen:

Wie viel Bitcoins sind bisher erzeugt worden? Bitcoin Insgesamte Bitcoins in Umlauf (und noch viele weitere Charts zu Bitcoins: Bitcoin Charts - Blockchain.info)

Aktuelle Bitcoin-Kurse hole ich mir von mtgox.com,
Aktuelle Bitcoin-Charts von hier: http://bitcoin.clarkmoody.com/ (oben Währung einstellen (wenn ihr wollt), unter auf H1 klicken, dann gibt es Charts, in denen ein Balken eine Stunde darstellt).

Update 2 (18:34):

Fängt der Hype jetzt auch in Deutschland an? "Deutsche Banken erwägen einen Einstieg in den Handel mit der elektronischen Währung Bitcoin"

Bitcoin-Hype lockt Banken an - Wallstreetjournal.de

Update 3 (14.04.13):

Beate Reszat hat ein ziemlich ausführliches Update zu Bitcoins hingelegt. Ein paar Artikel stehen hier oben schon, ein paar sind aber neu:

Bitcoin update | reszatonline

Habe bei weitem noch nicht alles gelesen, aber es dürfte eine Menge spannendes Zeug für all die dabei sein, die sich richtig ins Thema reinknien wollen.

Update 4 (16.04.13):

Noch ein Artikel von Beate Reszat bei Carta, der die Änderungen in der Wahrnehmung von Bitcoins gut zusammenfasst. So soll ein Hedgefonds in Bitcoins investiert haben und einige andere Anleger nur darauf warten, in Bitcoins größere Summen (100 Mio.) anzulegen (wegen der aktuell mageren Umsätze  halten sich diese aber noch zurück).

Bitcoin: Nicht mehr nur für Träumer, Nerds und Spekulanten — Carta

Sind wir Deutschen jetzt arm? Oder nicht?

Ich hatte beim ersten Leak der unfertigen Studie der EZB schon kurz was geschrieben und u.a. auf den Vor-Ort-Bericht aus Italien von DonAlphonso hingewiesen: Die deutsche Armut und die reichen Italiener - Stützen der Gesellschaft - egghat's not so micro blog

Auch der Spiegel hat damals schon eine Relativierung geschrieben, die deutlich besser war, als das was andere unter ihre sensationalistischen Überschriften gepackt haben:

Faktencheck zur Bundesbank-Studie: Private Haushalte und ihre Finanzen - SPIEGEL ONLINE

Heute gab es die endgültige Studie, bei der man sich allerdings fragt, was daran noch geändert wurde ... Denn nahezu alles, was man an der ersten Studie schon anmeckern musste, gilt für diese Version auch noch.

a) Es wurden Vermögen von Haushalten gemessen (und nicht pro Kopf, Haushaltsgröße D: 2,04, I: 2,53 , GR: 2,64). Damit muss man bereinigen, die Vermögen in Südeuropa bleiben aber auch auf Pro-Kopf-Basis höher als die in Deutschland (siehe Spiegel Artikel oder die EZB selber auf Seite 100):


b) Die Erfassungszeiträume sind sehr unterschiedlich (Spaniens Daten stammen z.B. aus 2008, sprich vor dem Platzen der Immo-Blase. Auf Seite 83 der EZB Studie gibt es eine Pro-Forma Berechnung der Haushaltsvermögen auf Basis der Immo-Preise von 2002).


c) Staatliche Versorgungssysteme (Rente, Gesundheit) bleiben unberücksichtigt.

Mark Schieritz jammert nur, dass die Daten nicht vergleichbar sind und dass die FAZ Mist schreibt ...
Wir armen Deutschen « Herdentrieb

Zum Teil zurecht, denn die FAZ macht schon Politik damit (auch wenn hinten im Artikel einige der Details und Probleme richtig beschrieben werden, wird am Anfang die unbrauchbare Zahl doch ziemlich breit getreten ...)

Kommentar: Arme Deutsche - Wirtschaft - FAZ

Etwas mehr Mühe machte sich Jose Javier Olivas hier:

Selective truths and Spanish riches: The Bundesbank’s study on household wealth | Euro Crisis in the Press

Daraus ein schönes Takeaway:

Fast 90% des Bruttovermögens eines spanischen Haushalts steckt in Immobilien. Dumm nur, dass die Häuser seit Erhebung der Daten um ein Viertel im Wert gesunken sein dürften und die Preise weiter fallen. Die Zahlen dürften also komplett unbrauchbar sein.

Zu den Punkten a und b wurde schon einiges Richtiges geschrieben, daher an dieser Stelle etwas mehr zu einem Teil von Punkt c, der Rente:

Die OECD hat 2011 versucht, den Geldwert der Rentenansprüche auszurechnen (Quelle:
http://www.oecd.org/dataoecd/55/26/48997644.pdf). Die Unterschiede sind extrem: In den Niederlanden kommen 1,1 Millionen Euro (Mann) zusammen, in Deutschland 466.000, in Griechenland 528.000 und in der Slowakei nur 82.000. Man sieht, die Unterschiede sind wirklich gewaltig. Wir reden hier über Ansprüche, die höher sind als die Vermögen ...

Aber alles wieder vor den Haircuts und Kürzungen im Süden. Dass Griechenland die 528.000€ noch leisten kann, ist völlig ausgeschlossen. In Deutschland dürfte das hingegen durchaus realistisch sein.
Genau kann man das nicht auseinander klamüsern, weil im Vermögensbericht mit Quintilen und Medianen gearbeitet wird, im OECD Bericht hingegen mit Durchschnitten. Außerdem dürften in der Vermögensberechnung Teile der Altersvorsorge (die private Säule) durchaus enthalten sein.

Kurz: Zu einem wirklich sinnvollen Ergebnis kommt man nicht. Aber nun ja, in diesem Fall IST das ein sinnvolles Ergebnis:

Der Vermögensbericht taugt nichts. Daraus politische Schlussfolgerungen zu ziehen, ist falsch. Weil das alles schon 2014 komplett anders aussehen wird.

Der Artikel von DonAlphonso zeigt exemplarisch, wie sehr die Haushalte in Italien schon an ihre Substanz gehen müssen. Und das wird in Zypern noch schlimmer werden. Finanzsektor weg, Arbeitsplätze im Finanzsektor weg, Einkommen weg, die Touristen aus Russland mit dem Koffer voll Geld weg, die Käufer für die Immobilien weg, und dann am Ende auch die vermeintlich hohen Vermögen weg.

Die Originalstudie: The Eurosystem Household Finance and consumption Survey - Results From the First Wave

Update (13:28):

Die Süddeutsche hat sich netterweise Mühe gegeben, die sich anbietende reisserische Überschrift zu umgehen (in der URL aber schon nicht mehr ;-)):
EZB-Studie zu Wohlstand in Europa

Update 2 (14:44):

Die Nachdenkseiten dazu:
Arme Deutsche? Wie eine Statistik zur Meinungsmache verbogen wird | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Ein wichtiger Aspekt daraus, den ich nicht erwähnt habe: In Deutschland leiden sowohl Durchschnitt als auch Median an einer ziemlich ungleichen Verteilung der Vermögen. Außerdem sieht die Vermögensverteilung zwischen Ost und West auch ziemlich unterschiedlich aus (auch schon im Spiegel Artikel erwähnt).

Update 3 (15:19):

Noch ein wichtiger Punkt, den Thomas Mach auf G+ in die Diskussion geworfen hat: Die EZB Untersuchung basiert auf einer *Umfrage*. Sprich es ist keine Untersuchung, die auf Steuererklärungen oder halbwegs offiziellen Daten basiert, sondern auf Interviews/Fragebögen. Wie zuverlässig das ist, ist ziemlich unklar ...

Update 4 (20:52):

Sorry FAZ, diese Analyse ist zum größten Teil Murks ...
Kein Wort zu den unterschiedlichen Erhebungszeiträumen. Außerdem ist die Behauptung, dass umlagefinanzierte Renten kein Vermögen darstellen, Quark. Ich hau Euch das nächstes Mal um die Ohren, wenn ihr mir präsentiert, wie hoch die Staatsschulden sind, wenn man Renten- und Gesundheitskosten mit einrechnet, wie es die INSM gerne macht ...

Vermögen: Reiche Zyprer, arme Deutsche - Wirtschaft - FAZ

Update 5 (22:39):

Guter Hinweis, den man bei Diskussionen über allerlei Detail gerne übersieht: Es gibt eine Zahl, die das Nettovermögen einer Volkswirtschaft misst: Sie heißt NIIP (Net International Investment Position). Diese misst Vermögen und Schulden eines ganzen Landes und aller Sektoren (Staat+Unternehmen+Personen) und daran kann man dann erkennen, ob eine Volkswirtschaft als Ganzes gegenüber dem Ausland verschuldet ist oder nicht.
Und da ist die Diagnose eindeutig:
NIIP in % des BIPs 2011 lt Eurostat
Holland, Deutschland, Dänemark und Finnland haben Vermögen. Italien bei -20%, Zypern liegt bei -70% des BIPs,  Griechenland bei -86%, Spanien bei -92% und Portugal sogar bei -103%.

Quelle: Eurostat - Tables, Graphs and Maps Interface (TGM) table

Update 6 (11.04.13):

http://www.annotazioni.de/post/1159

Dass Steltzner die Rentenansprüche der Deutschen manchmal als Vermögen sieht und manchmal nicht (je nachdem wie er es gerade für seine Argumentation braucht) hatte ich ja gestern schon vermutet. ( siehe Update 4)

Schön, das bestätigt zu bekommen: den Armutsbericht der Bundesregierung relativiert er (arme haben doch Rentenansprüche und sind gar nicht so arm), im Vermögensbericht hingegen macht er jeden, der auf die Rentenansprüche als Vermögen hinweist, zum Deppen.

Toller Fund.

Update 7:

Mark Schieritz hat jetzt doch (zum Glück) noch etwas mehr zum Vermögensbericht geschrieben als das Gejammer im ersten Kurzartikel:

Wie arm sind wir eigentlich? « Herdentrieb

Update 8:

Der Hinweis auf die NIIP als bester Gradmesser für das Vermögen einer Volkswirtschaft geht auf einen Artikel von Norbert Häring im Handelsblatt zurück, den André Kühnlenz zum Glück der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat:

weitwinkelsubjektiv: Noch ein guter Kommentar von Norbert Häring

Habe ich eigentlich heute schon das Buch Markt und Macht von Häring empfohlen? U.a. die Vollgeld-Ideen darin sind lesenswert (und gut verständlich)

Ein weiterer Artikel, der die Bedeutung der NIIP betont, ist bei der Berliner Zeitung (und der FR) erschienen. Robert von Heusinger verweist auch darauf, dass die Statistik für die politische Aussage nicht taugt:

EZB-Vermögensbericht: Traue keiner Statistik... | Wirtschaft - Berliner Zeitung

Danke an Frank @luebberding für die beiden Hinweise.

Bei der FR noch ein weiterer Artikel mit dem selben Tenor:

EZB-Vermögensbericht: Der Reichtum der Deutschen | Wirtschaft - Frankfurter Rundschau

Update 9:Update 9 (16.04.13):

Bei VoxEU gibt es einen weiteren Versuch von Paul De Grauwe und Yuemei Ji, auf Basis einer anderen Statistik zu erklären, dass Deutschland nicht arm ist und Zypern nicht reich. Zuerst wird auf die extrem ungleiche Verteilung der Vermögen in Deutschland hingewiesen (beim Durchschnitt liegt Deutschland im Mittelfeld, beim Median am Ende der Tabelle). Den Punkt hatten wir aber schon.

Spannender ist der zweite Punkt: es wird eine Vermögensstatistik auf Basis der Kapitalstocks errechnet. Darunter versteht man das Anlagevermögen einer Volkswirtschaft. Also Immobilien, Autos, Maschinen, ... kurz alles was Rendite abwirft. Je höher der Kapitalstock, desto höher die zukünftigen Renditen und desto höher die Fähigkeit, Schulden zu bedienen.

Dazu wird jetzt die NIIP addiert, weil Häuser und Maschinen, die über Kredite aus dem Ausland finanziert wurden, kaum als Vermögen der Inländer zählen können. In Deutschland erhöht das das Vermögen um knapp 10.000 Euro pro Kopf (alle Statistiken in diesem Papier sind pro Kopf und pro Haushalt), Griechenland sinkt es um etwa 20.000 Euro.

Als Endergebnis kommt (natürlich) heraus, dass Deutschland viel reicher ist als Griechenland.


voxeu: Are Germans really poorer than Spaniards, Italians and Greeks?

Update 10:

Eine weitere Vermögensstatistik gibt es bei der Weltbank. Leider sind diese Zahlen (wie bei weltweiten Zahlen üblich) ziemlich alt, in diesem Fall von 2005.

Diese Statistik versucht Vermögensgegenstände einer Volkswirtschaft zusammenzurechnen, also im Gegensatz zu de Grauwe auch Land, Bodenschätze, etc. Darauf wird versucht, die Rendite zu errechnen, die man in den nächsten 25 Jahren nachhaltig aus diesen Vermögen erwarten kann ("Total wealth is present value of future consumption that is sustainable, discounted at a rate of time preference of 1.5 percent, over 25 years"). Das geht in eine ähnliche Richtung des Kapitalstocks wie ihn de Grauwe benutzt, bewertet aber anders. Ob das eine bessere Zahl ist, sei dahin gestellt, aber es gibt immerhin einen weiteren Hinweis.

Zahlen für Zypern fehlen, aber die für einige andere Länder sind da (wie bei de Grauwe pro Kopf und für alle Sektoren minus der NIIP):

Portugal: 305.000 $
Griechenland: 392.000 $
Spanien: 408.000 $
Italien: 498.000 $
Deutschland: 547.000 $
Niederlande: 594.000 $

Weltbank: The Changing Wealth of Nations | Data

Update 11:

Spanische Immobilien, die einem Deutschen gehören, zählen in der EZB-Vermögensstatistik als Vermögen von Spaniern?!?

Wenn das jetzt nicht der Straubhaar schreiben würde, wäre das für mich gleich eine Story aus dem Märchenland. Aber wenn der es schreibt ....
"Die EZB verwendet nämlich das Wohnsitzlandprinzip des BIP. Damit werden die Ferienhäuser vermögender Deutscher auf Mallorca dem spanischen, nicht jedoch dem deutschen Vermögen zugerechnet."
Genau das, was die NIIP macht (nämlich diese Verrechnung von Schulden und Vermögen an den Grenzen), findet nicht statt. Die Zahlen werden komplett falsch erhoben.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob das bei Unternehmensanteilen analog gilt. Also wird der Wert von spanischen Unternehmen, die sich (teilweise) im Besitz von Ausländern befinden, auch komplett Spanien zugeschrieben? (Update: Vergesst diese Frage, die Studie der EZB untersucht ja nur den Privatsektor, die Abgrenzung wem ein Unternehmen gehört, stellt sich da nicht)

Dann wäre es kein Wunder, warum Deutschland trotz hoher Auslandsvermögen  in der EZB Vermögensstatistik als "arm" gilt.

DIE WELT: Vermögensstudie - Wie die EZB die Deutschen arm gerechnet hat

Update 12:

Die Straubhaar Analyse ist u.U. falsch. Wie Jopa in meinem Zweitblog anmerkte, stammen die Daten für die Statistik aus einer Befragung und bei dieser wäre es relativ ungewöhnlich, wenn dabei auch Ausländer befragt worden sind.

Würde am liebsten eine Anfrage an die EZB stellen, um herauszubekommen, ob es die Straubhaar'sche Verzerrung gibt ...

Es ist allerdings auch denkbar, dass zwar keine Ausländer befragt wurden, aber die Anzahl der Immobilien hochgerechnet wurde. Weil man irgendwoher weiss, wie viele Immobilien in Spanien sind. Dann befragt man 10.000 Familien, von denen 8.000 eine Immobilien haben. Außerdem weiss man, dass es in Spanien 20 MIllionen Immobilien gibt und dann rechnet man diese auf die Bevölkerung um. Es ist IMHO denkbar, dass die Umfrageergebnisse so bereinigt wurden, auch wenn ich das nicht erwarten würde.

So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t.

Ich hatte relativ früh darauf hingewiesen, dass Griechenland auf eine Deflation zusteuert. Schon im letzten Herbst hielten nur noch einige Sondereffekte die Verbraucherpreise im Plus, was zum größten Teil auf Steuererhöhungen und höhere Energiepreise zurückging.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation

Diese Effekte sind jetzt zum großen Teil ausgelaufen, so dass das allgemein sinkende Preisniveau jetzt auch auf die offizielle Inflationsrate durchschlägt.

Sowohl der Verbraucherpreisindex (CPI) wie auch der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lagen im März zum ersten Mal seit Ewigkeiten (>10 Jahre) im Jahresvergleich im Minus. Um 0,2% sanken beide Preisindizes.


Sollten die Energiepreise auf dem Weltmarkt nicht anziehen, wird sich diese Tendenz wohl fortsetzen. Das Lohnniveau in Griechenland ist derart unter Druck, dass steigende Preise aktuell kaum vorstellbar erscheinen.

Für Griechenland ist das natürlich nicht gut, denn Inflation ist eine der einfachsten Möglichkeiten, den Schuldenstand eines Landes zu senken. Also natürlich nicht den absoluten Schuldenstand in Euro, sondern den relativen in Prozent der Wirtschaftskraft. Diese "Schulden in Prozent des BIPs" gelten als eine der wichtigsten Zahlen zur Bestimmung der Bonität eines Landes. Sinken nun die Preise, sinkt auch das BIP. Und damit steigen die Schulden in Prozent des BIPs. Und die Schuldentragfähigkeit des Landes sinkt. Reine Mathematik.

In einer Phase, in der Griechenland mehr Inflation bräuchte, bekommt Griechenland also weniger Inflation, bzw. genau das Gegenteil: Deflation.

Elstat: CONSUMER PRICE INDEX: March 2013


Ich befürchte auch, dass noch andere europäische Länder folgen werden. Portugal und Spanien fallen mir zuerst als Kandidaten ein. Muss ich mir mal genauer anschauen.

P.S. BIP oben meint immer das Brutto- nominale BIP, also das nicht um Preisänderungen bereinigte BIP. Das BIP, das als Wachstumsrate in den Schlagzeilen kommt, ist das Netto reale BIP, das um die Preisänderungen bereinigt wurde. Wenn die Wirtschaft um 2% wächst und die Preise um 3% steigen, taucht das BIP-Wachstum in den Schlagzeilen (das reale BIP) mit +2% auf, das nominale BIP, an dem der Schuldenstand gemessen wird, liegt hingegen um 5% im Plus.
Oder im Fall von Griechenland: Wenn das Netto- reale BIP um 5% sinkt, stehen diese 5% in der Überschrift ("Griechenlands Wirtschaft bricht um 5% ein"). Sinken zusätzlich noch die Preise um 2%, sinkt das für den Schuldenstand relevante Brutto- nominale BIP sogar um 7%. Bei einem Schuldenstand von 150%/BIP würde durch den Rückgang des nominalen BIPs der Schuldenstand auf 161% des BIPs steigen, ohne dass das Land einen einzigen Cent neuer Schulden macht ...

Update (10.04.2013):

Auf den Hinweis eines Lesers (Danke) die Begriffe im Postscriptum korrigiert. Brutto- und Netto-BIP sind nämlich falsch (allein schon weil Brutto-BIP Brutto-Brutto-Inlands-Produkt bedeuten würde und wenig Sinn macht). Das was ich Brutto-BIP genannt habe (das preisbereinigte BIP), heisst korrekt "reales BIP", das Netto-BIP (das nicht-preisbereinigte) "nominales BIP".

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