Verlierer des Jahres 2013

Irgendwie habe ich 2012 vergessen, meinen Verlierer des Jahres zu küren. Oder hatte ich damals keine Lust, weil mir das zu negativ, zu wenig hilfreich erschien? War ich damals in der "Man muss doch was ändern, und nicht immer nur mosern und mit dem Finger auf die anderen zeigen"-Stimmung? Aber nun ja, was helfen solche tiefschürfenden Gedanken? Meckern ist doch einfacher! Und ich bin einfach. Denn ich bin Blogger ;)

Erst mal ein kleiner Rückblick auf die Verlierer der Vorjahre:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2011 (Silvio Berlusconi, dessen hoffentlich endgültiger Untergang erst 2013 kam)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2010 (Guido Westerwelle, dessen endgültiger Untergang erst 2013 kam; ich bin Seher ;) )

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2009 (Frau Schaeffler, die aber die falsche Wahl war. Ich hätte Frau Schickedanz wählen sollen. Die wurde erstens nicht durch die Abwrackprämie gerettet und zweitens hätte das einen Middelhoff-Bezug gehabt ;) ).

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2008 (Funke von der Hypo Real Estate).

Für 2013 hat die Wirtschaftswoche eine ganz gute Liste (überwiegend) aus dem Bereich Wirtschaft erstellt:
Middelhoffs Erben: Die größten Blender und Versager des Jahres - Management - Unternehmen - Handelsblatt
(Nicolas Berggruen (Karstadt) 9/10 (siehe dazu auch die FAZ), Hartmut Mehdorn 8/10, Max Schön (Desertec) 8/10, Uwe Laue (Debeka) 8/10, Willi Balz (Windreich) 8/10, Thorsten Heins (Blackberry) 7/10, Frank Asbeck (Solarworld) 7/10, Gerhard Cromme (allgegenwärtiger Chef-Aufseher) 7/10, Paul Flowers (Co-Op Bank, UK) 7/10 und noch einige andere). 10 von 10 Middelhoffs vergibt die WiWo nicht, der Preis ist für ewig für DEN Middelhoff reserviert ...

Aber ich will jetzt zum Preisträger 2013 kommen. Wer meine Tweets/Posts in den letzten Monaten verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass mich die ganzen Enthüllungen von Edward Snowden ziemlich schockiert haben. Und wenn man das alles zusammenfasst, gibt es nur einen möglichen Verlierer des Jahres 2013:

Wir (bzw. unsere Privatsphäre). Und damit am Ende auch die Demokratie.

Das Schlimmste daran: Wir sind gleich auf mehreren Ebenen Verlierer. Wir haben im Vorfeld viel zu wenig aufgepasst und unsere Daten Facebook und Google viel zu unkritisch anvertraut. Wir haben uns nicht um Verschlüsselung unserer Daten gekümmert. Wir haben nichts gesagt, als anonyme Prepaid-Handykarten abgeschafft wurden. Wir haben nichts getan, als das Bankgeheimnis defakto abgeschafft wurde. Als die elektronische Gesundheitskarte kam. Die Maut. Etc. pp. Bei jedem kleinen Schritt wurde gewarnt. Von immer denselben, einer verschwindend kleinen Minderheit. Die Masse hat nur abgenickt: "Ich habe ja nichts zu verbergen".

Was aber noch schlimmer ist: Die Enthüllungen von Snowden lagen auf dem Tisch. Und es war klar, dass wir in einem Ausmaß abgehört und von uns Daten gesammelt und gespeichert werden, wie sich es selbst die Aluhut-Fraktion kaum vorstellen konnten. Und was wählt Deutschland? Eine große Koalition aus zwei staatsgläubigen Parteien. Die einzige Partei, die in der Vergangenheit wenigstens ansatzweise etwas gegen Gesetze für mehr Überwachung (z.B. gegen die Vorratsdatenspeicherung) getan hat, flog dabei aus dem Bundestag. Und die andere Partei, die auf diesem Gebiet was zu sagen hat, fand Spaß an der Selbstzerfleischung auf den unterschiedlichsten polititischen und persönlichen Ebenen. Statt sich um das wahrscheinlich wichtigste Thema der Jetztzeit zu kümmern.

Jetzt haben wir bald 2014. Und sind damit endgültig im Zeitalter angekommen, in dem keiner mehr mächtig werden wird, wenn es einigen Leuten nicht ins Konzept passt. Denn jeder, der jetzt die Revolution anzetteln will, hat genügend Spuren hinterlassen, die man gegen ihn verwenden kann:
Ein Seitensprung? Wir wissen, wo du gestern Nacht geschlafen hast.
Eine falsche Steuererklärung? Wir wissen, was du geshoppt hast.
Du spielst den Moralapostel? Wir wissen, welche Filme du gestreamt hast.

Ja, Du hast nichts zu verbergen. Aber Du bist auch irrelevant (wie ich auch). Du gehst arbeiten. Zahlst deine Steuern ziemlich vollständig und bist auch sonst unauffällig. Und Du hast vor allem keine Macht. Und Du willst auch keine und wirst auch (aller Voraussicht nach auch keine bekommen).

Aber wenn Du Journalist bist. Wenn du Rechtsanwalt bist. Oder wenn du als Politiker an die Macht willst. Dann hast du Einfluss. Dann kannst du Dinge ändern. Aber auch dann weiss die NSA (der GCHW, der BND, ...) über dich wahrscheinlich genug, um dich zu diskreditieren. Oder zumindest genug, um dich zu verunsichern.

Es geht bei der ganzen Diskussion um Abhören und Privatsphäre meiner Meinung nach überhaupt nicht darum, ob man selber etwas zu verbergen hat oder nicht. Es geht darum, ob Andere etwas zu verbergen haben. Der Anwalt, der sich für Menschenrechte oder zum Beispiel einen Edward Snowden einsetzt. Oder der Journalist, der mächtigen Politikern einen Skandal nachweisen will. HIER spürt man die konkrete Gefahr der Überwachung und die Macht, die von dem durch Überwachung gesammelten Wissen ausgeht.
In noch unfreieren Ländern wie Russland kann man das schön beobachten. Mecker in der Kneipe über Putin und dir passiert nichts. Geh mit bei einer Demo gegen Putin und du bist auf dem Radar. Schreib als Journalist über die Demo oder setz dich als Rechtsanwalt für verprügelte Demonstranten ein und du bist sofort auf der roten Liste. Kann man dann noch wirklich was ändern? Kann man dann noch politisch aktiv werden? Seine demokratischen Grundrechte ausüben?

Ist das jetzt zu paranoid? Wie sagten viele auf dem 30C3: "Wir waren nicht paranoid genug".

War das jetzt zu negativ?

Weiss nicht, ich übergebe an Hagen Rether: "Der Wähler will angelogen werden. Damit er nachher meckern kann".



Irgendwie erinnert mich das an meine Gedanken zum Jahreswechsel 2012/2013 ...

Danke für Eure Treue in 2013. Danke für die drei Einkäufe über den Amazon-Affiliate-Link ;) Danke für alle Retweets/Reposts. Und besonders für alle Kommentare. Und ganz besonders für die fleissigen Flatterer, v.a. Jerec. Den ich zwar nicht kenne (oder?), der aber gefühlt jeden zweiten Artikel von mir flattert. Daran sollten die anderen sich mal ein Vorbild nehmen ;)

Rutscht gut in das Jahr 2014. Aber passt auf, wie viel ihr trinkt. Und wo (oder mit wem ;) ) ihr nachher pennt. Die NSA hört mit ...

Genießt die Feiertage!

Lasst es ruhig angehen, erholt Euch gut. Genießt die Ruhe. Und singt fein :)



Und als Zugabe noch ein Umgedichtetes ;)



Bis die Tage!

Wer lieber Gedichte mag ...

Nils Heinrichs kleines Gedicht an den Weihnachtsmann

Schnappt jetzt die Regulierungsfalle für Bitcoins zu?

Ich habe vor gut drei Wochen (Bitcoin Kurs damals zum ersten Mal über 600$, aktuell etwa 900, zwischenzeitlich 1200)) versucht herauszufinden, warum der Kurs immer weiter nach oben geht.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum steigen Bitcoins immer weiter?

Ein paar der allgemein genannten Argumente fand ich schlüssig, bei einigen blieb ich aber skeptisch.
Insbesondere das Argument, dass die Behörden Bitcoins bisher wohlwollend begleitet haben, stach für mich nicht. Ich schrieb:
Bisher war die Regulierung relativ harmlos, das könnte aber auch deutlich strenger werden. Die Gefahr, dass Bitcoins "zu Tode reguliert" werden, besteht IMHO weiterhin.
Auf diese grundsätzliche Gefahr habe ich auch schon im März hingewiesen. Wer das Geld eines Landes kontrolliert, kontrolliert am Ende auch das Land:
Wie wichtig die Kontrolle über die Währung ist, zeigt das Zitat des legendären Bankiers Rothschild, der schon vor über 200 Jahren sagte: “Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!”. Und da kommt den Herrschenden eine mögliche Konkurrenzwährung natürlich nicht gerade passend …
Es gibt #Bitcoins im Wert von 655 Millionen $? Dann mal schnell regulieren - egghat's not so micro blog

Ich sehe in diesem Punkt weiterhin die größte Gefahr für Bitcoins. Den Machthabern ist eine Währung, die sich nicht kontrollieren, nicht geheuer. Sie bedeutet Machtverlust. Vor allem, wenn diese Währung deutliche Vorteile gegenüber den gängigen Währungen verspricht. Bei Bitcoins ist der große Vorteil die Möglichkeit, Geld nahezu kostenlos in alle Teile der Welt zu bekommen. (Gold als die andere große Alternativ"währung" ist hier hoffnungslos unterlegen).

Die European Banking Authority nennt (nicht als erste) folgende Gefahren, die von Bitcoins ausgehen::
  • Bitcoins können durch Hackerangriffe gestohlen werden,
  • Bitcoins können zur Geldwäsche genutzt werden,
  • Bitcoins seien zum großen Teil nur Spekulation und man dürfe es nicht als Geld auffassen  (Kunde sollte daher Bitcoins eher wie Aktien betrachten und nicht wie Bargeld)
  • Wenn Bitcoin-Dienstleister zumachen (pleite oder weil sie von den Behörden geschlossen werden), können Kunden unter Umständen nicht an ihr Geld kommen. 
Einige der Argumente verpuffen aber, denn da unterscheiden sich Bitcoins nicht von Notenbankgeld. Geldwäsche und Diebstahl gab es auch vor Bitcoins schon. Und die Gefahr, dass ein Dienstleister (bei Notenbankgeld heisst dieser Bank) dicht macht, existierte auch schon vor Bitcoins. Bei Notenbankgeld sichert der Staat aber aufwändig durch staatliche Garantien das Vertrauen der Bürger in diese Währung ab.

Genau diese staatliche Unterstützung werden Bitcoins wohl nie bekommen (auch wenn der Staat diese Möglichkeit durchaus hätte). Im Gegenteil: Bitcoins werden wohl immer gegen den Staat arbeiten müssen.

Mit etwas Glück gehen Bitcoins dabei den Weg des Goldes und erobern sich eine Nische neben den großen Notenbankwährungen. Und wird in dieser Nische wie Gold mehr oder weniger in Ruhe gelassen.

Ich bin aber pessimistischer: Bitcoins sind in einer globalisierten Welt deutlich nützlicher als Gold. Sie stellen damit eine reale Gefahr für Banken und Zahlungsdienstleister wie Kreditkartengesellschaften und Paypal dar. Nicht nur Regierungen dürften Bitcoins mit Argwohn betrachten, auch der Finanzsektor wird eine Währung, mit der er kein Geld verdienen kann, nicht wirklich begrüßen. Und wenn der Finanzsektor UND die Regierungen etwas, das sie tangiert, nicht wollen, hat dieses "etwas" eigentlich keine Chance ... Dafür werden die Lobbyisten schon sorgen. Regierungen und Banken waren in der Vergangenheit schon oft genug zusammen im Bett ...

Europas Bankenwächter warnen vor Bitcoin - WSJ.de

Daneben besteht natürlich auch noch die große Gefahr, dass sich Bitcoins nicht als Währung durchsetzt, weil die Dinger einfach zu stark schwanken. Es ist nicht hilfreich für die Bezahlfunktion, wenn man am Freitag für 0,02 Bitcoins einen Hamburger-Menü bekommt und am Tag danach 0,04 bezahlen muss. Die Menschen erwarten zu recht, dass sich Preise nicht täglich ändern.

Wenn man sich kurz an die Summen erinnert, die die Volkswirtschaft spart, seit der Euro eingeführt wurde, weil dadurch Geldumtausch und Wechselkursänderungen wegfielen, weiss man was auf der Gegenseite Bitcoins für Kosten verursachen. Zumindest so lange sich der Wert so erratisch verhält.

"Bitcoin hat auf Dauer keine Chance" | heise online

Mal schauen: Eventuell zerlegen sich Bitcoins durch die inhärenten Probleme durch die Schwankungsanfälligkeit selber. Dummerweise erhöht sich aber durch jedes im Bitcoin-Universum gelöste Problem die Gefahr die von Bitcoins für die Mächtigen in Regierung und Finanzen ausgeht. Und da liegt am Ende der Knackpunkt: Lassen die Regierungen, Banken und Notenbanken Bitcoins zu oder torpedieren sie die neue Währung, sei es offen (durch Verbot) oder versteckt (durch Regulierung)?

GR: Arbeitslosenquote 09/13: 27,4% (+0,1 Vm, +1,4 Vj)

Jugendarbeitslosigkeit 51,9% (-4,8 Vj). (Disclaimer zur Aussagekraft dieser Zahl).

Der Trend der letzten Monate setzt sich fort: Die Geschwindigkeit des Anstiegs nimmt ab, es scheint sich langsam ein Plateau zu bilden.

Das leider auf einem erschreckend hohem Niveau, das einer Volkswirtschaft nicht gut tun kann.

LABOUR FORCE SURVEY: September 2013

Inzwischen sollte man meiner Meinung nach nicht mehr allein die Arbeitslosenquote als Konjunktur- bzw. Krisenindikator heranziehen, sondern zusätzlich das breit sinkende Lohnniveau berücksichtigen. Die Summe Geld, die in der Volkswirtschaft ankommt, kann sich ja aus zwei Gründen ändern:

a) Die Anzahl der Beschäftigten ändert sich
b) Die Höhe der Löhne ändert sich
(OK, zusätzlich kann der Staat noch die Besteuerung ändern).

In Griechenland war der maßgebliche Effekt in den ersten Jahren der Krise der Rückgang der Beschäftigtenzahl (umgekehrt die Arbeitslosenquote). Zwischen September 2009 und 2013 sank die Anzahl der Beschäftigen von 4,5 auf 3,6 Millionen. Die kräftigsten Rückgänge gab es dabei 2011 und 2012. Zwar wurde dieser Rückgang in den letzten Monate schwächer, dafür sinken jetzt aber die Löhne stärker. Im ersten Quartal sanken die Löhne im Jahresvergleich um 10,2%, im zweiten Quartal um 7,5%.

Man sieht schön, dass die sich stabilisierende Arbeitslosenquote nur die halbe Wahrheit ist. Solange die Löhne weiter so stark sinken, kann es kaum zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Wirtschaft in Griechenland kommen.

Elstat: INDEX OF WAGES OF THE WHOLE ECONOMY: 2006 – 2nd quarter 2013 (PDF)

Update (13:30):

Zur Stabilisierungsthese vielleicht noch ein Lesehinweis:

Jens Bastian – Trendwende am griechischen Arbeitsmarkt? |

Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9%

Das ist heftig. Nach den neuesten Zahlen aus dem November sind in Griechenland die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um fast 3 Prozent gefallen.

Weil Deflation eine ziemlich eklige Sache ist, wenn man hohe Schulden hat, habe ich ziemlich früh darauf hingewiesen:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation (Herbst 2012)
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t. (Frühling 2013)

Deflation bedeutet, dass die Preise sinken, sprich Geld mehr wert wird. Hört sich erst mal gut an. Wenn man allerdings Schulden hat, bedeutet das aber auch, dass die Schulden mehr wert werden. Und das ist etwas, was Griechenland überhaupt nicht gebrauchen kann.

Ein kleines Beispiel: Wenn 2012 das BIP mit 6% gesunken ist und die Inflation 1% betrug, sank das Brutto-BIP (das für die Messung des Schuldenstand in Prozent des BIPs relevant ist) um 5%. Sinkt dieses Jahr das BIP nur um 3%, hört sich das auf den ersten Blick wie eine klare Verbesserung an. Kommen aber 3% Preisrückgang dazu, wäre das Netto-BIP 2013 um 6% gesunken, also sogar stärker als 2012. (Ich habe die 2012er-Zahlen nicht herausgesucht, sie dienen nur der Illustration). Man könnte es auch anders betrachen: Um 3% Preisrückgang auszugleichen, bräuchte man 3% Wirtschaftswachstum (die natürlich für Griechenland nicht in Sicht sind).

Der starke Rückgang der Preise in Griechenland im Oktober und November dürfte auf das Auslaufen der Effekte von Steuererhöhungen im Vorjahr zurückgehen. Bis auf die Preise für Tabak und Alkohol sinken alle Teilindizes (bei Tabak und Alkohol wirkt wahrscheinlich noch eine Steuererhöhung aus den letzten 12 Monaten). Dass die Preis auf so breiter Front sinken, ist etwas überraschend, denn im Rest Europas stiegen die Verbraucherpreise im November um 1,0% im Jahresvergleich und damit auch etwas stärker als im Oktober (+0,7%).

Ich befürchte, dass der Preisrückgang in Griechenland kein einmaliger Ausreißer ist, sondern sich jetzt das allgemein sinkende Lohnniveau (siehe GR: Lohnsumme Q01-13: -10,1% (Vj) - egghat's not so micro blog) langsam in den Preisen widerspiegelt. Wenn alle weniger mehr Geld verdienen, senkt halt auch die Frisör irgendwann seinen Preis. Besser einen Euro weniger pro Haarschnitt als gar kein Geld mehr ...

Das Doofe daran: Eine solche Abwärtsspirale ist nur schwierig aufzuhalten. Bei einer Arbeitslosenquote von etwa 27% wird der Druck auf die Löhne weiter anhalten. Die Löhne sinken, die Einkommen sinken, und damit auch die Preise, die die Dienstleister verlangen können. Und das kann noch einige Zeit so weiter gehen ...

Elstat: HARMONIZED INDEX OF CONSUMER PRICES: November 2013

Die eigentlich gute Nachricht, dass der griechische BIP im dritten Quartal "nur noch" um 3,0% gesunken ist, ist somit keine. Denn auf den Rückgang des BIPs kommt noch der Preisrückgang oben drauf. Das Brutto-BIP im dritten Quartal ist somit um 5,9% gesunken und das ist nur etwas besser als im Vorjahr (-7,1%). Würde man das preisbereinigte Netto-BIP nehmen, wäre das Schrumpfen von -6,7% auf -3,0% durchaus eine positive Schlagzeile wert ...

Elstat: QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 3rd Quarter 2013 (Provisional)

P.S.: Selbst wenn Griechenland keinen einzigen Euro neue Schulden macht, steigt der Schuldenstand bei einem (angenommenen) Wert von 150% des BIPs bei einem Rückgang des Netto-BIPs um 6% um fast 10 Prozentpunkte auf 160%/BIPs. Es wird deutlich: So viel und so schnell kann Griechenland gar nicht sparen, um die Auswirkungen der Deflation zu korrigieren. Vor allem nicht, weil jede Sparmaßnahme die Deflation zusätzlich anheizt ...

Update (13:22):

Der Preisrückgang ist übrigens der größte, seit die Statistik berechnet wird (1960).

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