USA: Arbeitslosenquote 12/13: 6,7% (-0,3 Vm, -1,2 Vj), nur 74.000 neue Jobs.

Für den letzten Monat des Vorjahres veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Dezember 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -490.000 auf 10,351 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +143.000 auf 144,586 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,7% (-0,3 zum Vormonat; -1,2 (!) zum Vorjahresmonat).

Das ist der zweite Rückgang um 0,3 Prozentpunkte in Folge, damit steigt die Jahresrate des Rückgangs auf 1,2. Das ist die kräftigste Rückgang seit Ende der Krise.

Der extreme Rückgang der Anzahl der Arbeitslosen bei nur wenig steigender Anzahl der Arbeitenden deutet schon an, dass sich bei der "Einordnung" der Beschäftigen massive Änderungen erfolgt sein müssen. Das spiegelt sich im Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) wider. Diese stieg kräftig um 525.000. Um das Ausmaß dieser Umbuchung zu verdeutlichen: Hätte (hätte Fahrradkette) man diese NILFs auf die Arbeitslosen aufaddiert, wäre die Arbeitslosenquote mit 7,0% stabil geblieben.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese zeigte dann auch keinerlei Verbesserung. Sie blieb mit 58,6% auf dem Niveau des Vor- und des Vorjahresmonats. Sie liegt damit nur minimal über dem Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober (Im November war der Trend umgekehrt, damals sanken die NILFs und die Erwerbstätigenquote stieg). Schon beeindruckend: Eine Arbeitslosenquote, die um 1,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, die sich aber in der Erwerbstätigenquote überhaupt nicht widerspiegelt.
Das Urteil aus den letzten Berichten bleibt daher weiterhin gültig (auch wenn das angesichts des neuen Rekordtiefs inzwischen als optimistische Einschätzung gelten muss):
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Dezember eher neutral.

Anzahl der Jobs: +74.000 gegenüber dem Vormonat auf 136,877 Millionen. Das Plus von 87.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 13.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich Spätsommer noch überrascht hatte, könnte damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im Dezember-Report positiv. Das Oktober-Plus blieb bei 200.000, das November-Plus wurde um 38.000 auf 241.000 nach oben korrigiert.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche fiel minimal auf 34,4 Stunden. Das war ein Minus von 0,1 gegenüber dem Vor- wie auch Vorjahresmonat. Die Zahl der Überstunden stieg minimal um 0,1 auf 3,5 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese blieb bei 13,1%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 1,3 Prozentpunkte. Der schöne Rückgang im Jahresvergleich lag am kräftigen Rückgang im November (13,7 -> 13,1%). Es mag sein, dass ein Teil die "Halbbeschäftigten" ganz aufgegeben haben und jetzt als NILFs gezählt werden)

Zusammenfassend: Ein - trotz des kräftigen Rückgangs der Arbeitslosenquote - eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt.
Der Bericht ist aber schwierig zu beurteilen, weil die beiden Teile des Berichts ziemlich widersprüchlich sind. Die Arbeitslosenquote ging kräftig zurück, was aber nur an einer kräftigen Umbuchung von Arbeitskräften in die NILFs lag. Die Anzahl der neuen Arbeitsplätze hingegen war enttäuschend, die weiterhin niedrige Erwerbstätigenquote zeigt an, dass der Arbeitsmarkt unter der Oberfläche immer noch nicht gut aussieht

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — DECEMBER 2013  (PDF)

Spannend wird jetzt natürlich die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Da sind wir nun bald angekommen. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank langsam den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, steckt der US-Arbeitsmarkt weiterhin tief in der Rezession ...



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