USA: Arbeitslosenquote 01/14: 6,6% (-0,1 Vm, -1,3 Vj), nur 113.000 neue Jobs.

Für den ersten Monat 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -115.000 auf 10,236 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +638.000 auf 145,224 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,6% (-0,1 zum Vormonat; -1,3 (!) zum Vorjahresmonat).

Das ist erneut ein (dieses Mal leichter) Rückgang; die Jahresrate des Rückgangs steigt weiter auf 1,3 Prozentpunkte. Das ist die kräftigste Rückgang seit Ende der Krise.

Die Zahlen sind schwierig zu vergleichen, weil mit den Zahlen für den Januar auch die Zahlen für das gesamte Jahr 2013 rückwirkend korrigiert wurden. Diese Korrekturen sorgten im letzten Monat des Jahres 2013 für 509.000 mehr Arbeitsplätze. Die große Änderung von 638.000 neuen Arbeitsplätzen geht also zum größten Teil auf statistische Anpassungen für 2013 zurück. Wenn man davon ausgeht, dass die neuen Schätzungen besser sind als die alten, ist das trotzdem eine gute Nachricht. Immerhin sind die Arbeitsplätze ja (mutmaßlich) da.

Der Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) setzte sich - auch durch die statistischen Korrekturen - nicht fort. Diese fiel kräftig um 353.000. Das Bureau of Labor Statistics meldete im Januar also endlich mal wieder eine sinkende Arbeitslosenquote, die auch einhergeht mit einer sinkenden Zahl von Arbeitslosen und einer steigenden Zahl von Arbeitenden.

Auch im Januar gilt: Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese stieg auf 58,8%, jeweils 0,2 Punkte mehr als im Vor- und im Vorjahresmonats. Sie liegt damit zwar immer noch in der Nähe des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber immerhin ist eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber dabei: Die Arbeitslosenquote, die um 1,3 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,2) kaum wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Januar eher auf der schwachen Seite.

Anzahl der Jobs: +113.000 gegenüber dem Vormonat auf 137,449 Millionen. Das Plus von 142.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 29.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich Spätsommer noch überrascht hatte, scheint damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im ersten 2014er-Report positiv. Das November-Plus wurde nochmal um 33.000 auf 274.000, das Dezember-Plus minimal von 74.000 auf 75.000 nach oben korrigiert.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,4 Stunden. Die Zahl der Überstunden fiel wieder minimal um 0,1 auf 3,4 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,4 Prozentpunkte auf 12,7%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,7 Prozentpunkte.

Zusammenfassend: Ein eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt, wenn man mit den korrigierten Werten des Dezembers vergleicht. Wenn man allerdings die gute halbe Millionen Arbeitsplätze aus den statistischen Überarbeitungen für 2013 berücksichtigt, sind die Zahlen gar nicht so schlecht. Eine halbe Millionen Arbeitsplätze sind schon ein Wort. Und der Rückgang der NILFs eben auch.

Der Januar-Bericht ist wegen der ganzen Überarbeitungen des Vorjahrs aber immer schwierig zu beurteilen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — JANUARY 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Davon sind wir nur noch ein mageres Prozentpünktchen entfernt. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, steckt der US-Arbeitsmarkt weiterhin in der Rezession ...


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