USA: Arbeitslosenquote 04/14: 6,3% (-0,4 Vm, -1,2 Vj), 288.000 neue Jobs. Whopping! But caveat NILF ...

Nach dem Schwänzen des März hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA.


Für den April 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen Arbeitsmarktbericht, der von einer gewissen Aufholbewegung nach den harten Wintermonaten geprägt war. Die beiden schlagzeilenträchtigen Zahlen überraschten dabei deutlich in die richtige Richtung.

Zu den offiziellen Zahlen des Aprils 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -773.000 auf 9,753 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: -73.000 auf 145,669 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,3% (-0,4 zum Vormonat; -1,0 zum Vorjahresmonat).

Sinkende Arbeitsplätzezahl und sinkende Arbeitslosenzahl? Der Kenner weiss was nun kommt: Ein massiver Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer). Fast 1 Millionen AmerikanerInnen (988.000) mehr als im Vormonat fielen in diese Kategorie. Damit ist der Trend, der das Jahr 2013 geprägt hatte, plötzlich wieder da (im ersten Quartal machte der Trend noch Pause ...) ... Da diese Million aber etwa im "passenden" Verhältnis der Arbeitslosenquote auf Arbeitende und Arbeitslose verteilt wurden, bleiben große Verzerrungen aus.

Trotzdem schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 58,9%, was 0,3 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,3) nicht wirklich wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im April positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +288.000 gegenüber dem Vormonat auf 138,252 Millionen. Zum Plus von 273.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Damit gab es zum dritte Mal in Folge wieder einen leichten Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im April-Report positiv. Das Februar-Plus wurde von 197.000 auf 222.000, das März-Plus von 192.000 auf 203.000 nach oben korrigiert, zusammen also 36.000. Beruhigend, dass der Trend so stabil ist.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb 3,5 Stunden. Damit sind beide Werte am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber ein Boom sieht anders aus (wenngleich beide Werte den stabiler werdenden Trend durchaus unterstreichen).

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,4 Prozentpunkte auf 12,3%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Diese Quote verbessert sich also schneller als die des Gesamtmarkts.

Zusammenfassend: Ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der überwiegend positiv ist. Die Household-Daten waren in der Arbeitslosenquote super, die massiv gestiegene Anzahl von NILFs verunsichert bei der Interpretation aber etwas. Die Establishment-Daten waren besser, wenn man man die Korrektur der Vormonate (+36.000 Arbeitsplätze) einrechnet sogar deutlich besser als erwartet.

Konnte man nach den BIP Zahlen am Dienstag eine gewisse Sorge um die US-Konjunktur haben, dürften sich diese Sorgen nun etwas abgeschwächt haben. Der Arbeitsmarkt bleibt leicht positiv, wobei vor allem die Stabilität des Arbeitsplatzaufbaus Mut macht. Ganz als wolle man meine Aussage aus den letzten Arbeitsmarktberichten unterstreichen: Leichtes Wachstum ja, Boom nein.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — April 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ursprünglich ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Das haben wir nun erreicht. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, geht es dem US-Arbeitsmarkt kaum besser als mitten in der Rezession ...

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