Apple und Payment. Was kommt. Und was nicht. Oder vielleicht doch.

Mir lief in der letzten Woche ein ganz interessanter Tweets über den Weg:



Die Diskussion, die sich an diesem Tweet entzündete, war ganz interessant, litt aber auch an den Defiziten von Twitter. Bei vier Leuten, die mitdiskutieren, bleiben nur noch 100 Zeichen für die Aussage und das ist verdammt wenig (IMHO zu wenig, aber ihr glaubt mir ja alle nicht, dass APP.NET eigentlich viel besser ist, allein schon weil die Mentions keinen Platz der (ebenfalls großzügigeren) 256 Zeichen fressen und es Clients gibt, die ein brauchbares Threading der Diskussion haben und man sieht, wer auf was geantwortet hat ...). Daher habe ich angekündigt, dass ich meine Gedanken noch mal im Blog zusammenfasse. Was hiermit geschehen sei.

Der verlinkte Artikel Mobile Payment – Warum auch Apple nicht die Payment-Welt im Sturm erobern wird | Mobilegeeks.de | Smartphones ist skeptisch, ob Apple den Konten durchschlagen kann, an dem die Durchsetzung von modernen Payment-Methoden im Handel bisher scheiterte. Das Problem sei komplex (Regulierung), durch die Menge an Altlasten (alte Lesegeräte) sei Innovation kaum möglich. (Und nicht zu vergessen: Viele Beobachter halten e-Payment für eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Die Kombination aus Bargeld und Kreditkarte (und in Deutschland EC-Karte), löse quasi alle vorhandenen Bezahlprobleme).

Optimistischer ist Ralf Keuper bei Bankstil: Bankstil: Verhilft Apple Mobile Payments zum Durchbruch?. Er verweist auf die hohe Anzahl von Konten, die Apple bereits hat (800 Millionen). Das sind 800 Millionen Kunden, die Apple bereits vertrauen und über Apple bereits Zahlungen für Musik, Filme und Software abwickeln. Außerdem habe Apple bereits einige Male bewiesen, dass man Innovationen am Markt durchsetzen könne.

Geradezu herbeigesehnt wie ein Einstieg Apples in die Paymentwelt bei Netzwertig: Mobiles Bezahlen: Apple, bitte erlöse uns | netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung

OK, ich fasse meine Überlegungen und Einschätzungen mal zusammen; am Ende des Artikels auch noch mal mit der von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit zusammengefasst:

Was wird Apple machen?

Macht Apple überhaupt Payment?

Ich habe die Frage ein paar Mal (u.a.) mit Dirk Elsner diskutiert. Das Thema taucht vor der diesjährigen Produktvorstellung nicht zum ersten Mal auf, Apple hat sich schon vor einiger Zeit ein paar Patente zu einer Zahlungsabwicklung(-verwaltung) namens iWallet gesichert (siehe Update Apple Patente für eine iWallet und Co.). Ich war immer skeptisch, weil Bezahlung ein Geschäft ist, das nur relativ geringe Margen abwirft, gleichzeitig aber viel Verwaltungsaufwand gegenüber dem Kunden produziert. Fast noch schlimmer sind die mannigfaltigen gesetzlichen Vorschriften, die dann um es weiter zu komplizieren auch von Land zu Land unterschiedlich sind. Eigentlich ist eine solche Gemengelage aus niedrigen Margen und hohem Verwaltungsaufwand nichts was Apple interessiert und auch nichts was Apple besonders gut könnte. Daher glaube ich nicht, dass Apple ein komplett eigenes Payment entwickelt hat, sondern die Dienstleistung mit Partnern zusammen umsetzen wird. Inzwischen haben sich die Gerüchte so verdichtet, dass ich irgendwas in Richtung iPayment für wahrscheinlich halte. In welcher Ausprägung auch immer. (Am Ende ist Payment aufgrund der Menge von Geld, das täglich durch die Welt geht, auch bei niedrigen Margen spannend. Der Ebay-Tochter Paypal und auch die Kreditkartengesellschaften und Banken verdienen eine Menge Geld damit. Und vielleicht ist Apple unter der Führung von Tim Cook für solche öde Verwaltungsarbeit auch geeignet, geeigneter auf jeden Fall als unter dem Kreativling Jobs).

Wegen der hohen Komplexität wird Apple IMHO den Payment-Markt nicht "disrupten", also nicht die bestehenden Funktionen und Abläufe vollständig über den Haufen werfen. Auch in Zukunft werden die Menschen eine Kreditkarte als Basis für iPayment benötigen, das iPhone wird tendenziell eher sowas wie eine "virtuelle Kopie" der Kreditkarte. Man müsste nur beim Bezahlen nicht mehr das Portmonee zücken, sondern nur noch das iPhone. Für viele Leute mag das in etwa gleich viel Arbeit bedeuten, für mich wäre es in vielen Fällen einfacher, weil ich das iPhone halt griffbereiter habe (lest ihr etwa keine Tweets in der Warteschlange an der Tanke ;) ).

Apple hat darüber hinaus eine Reihe Möglichkeiten, das Payment fundamental besser zu machen. Der Bezahlvorgang könnte z.B. deutlich schneller abgewickelt werden. Nur als Idee: In den meisten Fällen dürften die wenigen notwendigen Datenpakete schneller über das Mobilfunknetz geschickt sein als über die komischen Leitungen, über die viele Supermärkte und Tankstellen angeschlossen sind, denn die Leitungen punkten mit Übertragungsgeschwindigkeiten, die kurz nach dem 2. Weltkrieg üblich waren. Außerdem ist eine Verwaltung der Quittungen sinnvoll, die direkt beim Bezahl-Vorgang in einer Quittungsverwaltung-App auf dem iPhone abgelegt werden, im Prinzip ähnlich wie Flugtickets in der Passport-App von Apple landen. Drittsoftware könnte diese Quittungen dann lesen und aufbereiten (wofür habe ich mein Geld ausgegeben? Wann habe ich wo getankt für die Abrechnung mit der Firma). Hier wären auch eine Kopplung an Kundenbindungsprogramme (Rabatte beim 10. Kauf) oder Systeme wie Payback denkbar (diese sind sicherlich nicht amused, wenn sich Apple in diesen Markt einmischt, aber nun gut, was dagegen machen können sie auch nicht, also dürften sie lieber mit Apple kooperieren als untergehen).

Viele Kommentatoren fragen sich, inwieweit für die Kreditkartengesellschaften eine Kooperation mit Apple sinnvoll ist. Erstens ist TouchID tendenziell sicherer als die althergebrachte Kreditkarte, die im Wesentlichen noch immer über die Unterschrift abgesichert ist. Gerade online versagt diese "Sicherheit" vollständig. Die Kreditkartengesellschaften könnten also mit weniger Betrugsfällen belohnt werden. Zweitens könnte Apple eine Drohkulisse aufbauen und entweder ein eigenes Payment-System androhen (mit eigener Wallet inkl. Bargeldersatz) oder das technologische Framework auf allen iOS Geräten bereitstellen, mit dem quasi jedermann seine eigene Bezahllösung mit TouchID-Integration bauen kann. Das könnte für bereits existierende Dienstleister wie Payback interessant sei. Auch Disruptoren z.B. aus der Bitcoin-Welt dürften sich die Finger nach einer solche Plattform lecken. Die Drohkulisse ist dabei klar: Wenn ihr Kreidtkartengesellschafte die Revolution nicht mitmacht, macht sie jemand anderes. Daher macht es lieber zusammen mit dem starken Partner Apple, ansonsten machen wir es selber und suchen uns andere Partner.

Ein paar technische Fragen:

NFC oder Bluetooth Low Energy (BLE)?

Beides. Die Kreditkartengesellschaften setzen bereits auf NFC. Ich glaube, Apple hat eingesehen, dass NFC hier der Weg ist, den man gehen muss. Einen eigenen Standard zusätzlich in die Millionen weltweiter Lesegeräte zu bringen, dürfte vielleicht noch in den USA funktionieren, im Rest der Welt dürfte der Marktanteil von Apple schlicht zu niedrig sein, um Standards zu setzen. Außerdem ist NFC auch außerhalb der Anwendung Payment interessant. Es gibt eine Reihe Regionen auf der Welt, wo ein iPhone ohne NFC ein echtes Ärgernis ist, weil z.B. das Ticketing im Nahverkehr, der Zugang zu öffentlichen Gebäuden, etc. pp. über NFC läuft (NFC kann noch viel mehr z.B. Pairing von Zusatzgeräten, etc. pp. iPhone 6's NFC chip may do far more than just mobile payments | VentureBeat | Mobile | by Mark Sullivan). Daher bin ich mir sicher, dass Apple einen NFC-Chip einbauen wird; wie @m106 würde ich sogar darauf wetten, dass NFC kommt. Zu sehr geringen Baukosten öffnet sich eine ganze Menge neuer Einsatzgebiete, unter denen Payment nur einer ist. (Wer jetzt sagt, Apple setze auf BLE und werde dabei bleiben, weil der Laden stur ist: Nope, es gibt auch USB in Macs, obwohl Firewire früher gut war. Irgendwann war USB so billig, dass Apple darauf nicht mehr verzichten konnte und wollte).

Kommt iPayment in die iWatch?

Am Wochenende gab es entsprechende Gerüchte in diese Richtung. Wäre cool, macht Sinn. Am Chip (bzw. Kosten oder Akkulaufzeit) wird es nicht haken. Ob TouchID in die iWatch passt, weiss ich nicht. Das scheint mir jedoch eher schwierig zu sein. Eventuell gibt es für Kleinzahlungen den Ablauf ohne TouchID, für größere muss man das iPhone zücken, um die Zahlung per TouchID zusätzlich abzusichern. Eventuell reicht Apple aber auch das zweite Gerät in der Nähe (Jackentasche über BLE oder auch Auto über GPS), um sicher zu sein, dass hier niemand mit einer gestohlenen iWatch auf fremde Kosten einkaufen geht. Dass beide Geräte gleichzeitig gestohlen werden (ohne dass der Besitzer dies bemerkt und die Payment-Option sperren lässt), ist ja relativ unwahrscheinlich.

Was könnte Apple bei Online-Bezahlungen besser machen?

Wer jetzt bis hierhin durchgehalten hat, wundert sich vielleicht, dass ich mir quasi ausschließlich Gedanken zum Payment im Real Life gemacht habe. Das liegt auch daran, dass ich mir in der Kombination PC und iPhone keine wirkliche Verbesserung des Ablaufs vorstellen kann. Wenn man seine Kundendaten einmal bei seinem Onlinehändler hinterlegt hat, kann man eigentlich kaum Sachen besser machen. Etwas Verbesserungspotential gäbe sich beim Einkaufen direkt auf dem iPhone bzw. iPad, wo Apple die Daten für die Bezahlung (halb)automatisch an den Händler schicken könnte. Theoretisch könnte man sich auch sowas wie Handover (Übergabe von Daten von Mac auf iPhone) auch für die Bezahlung vorstellen: Die Daten werden auf den Mac geschickt, der schickt die Daten zum iPhone; dort bestätigt man die Zahlung per TouchID und fertig. Denkbar wären auch Lösungen wie die von Yapital, bei der ein QR-Code angezeigt wird, den man mit dem iPhone fotografiert wird, und auf dem die weitere Abwicklung dann stattfindet (Mobile-Payment-Technologien: Welche führt zum Erfolg? | Yapital Blog); ich finde das jedoch nicht so schön, wie es sein könnte bzw. sollte. Im ersten Schritt erwarte ich für Online-Bezahlungen nicht so wahnsinnig viel Aufregendes von Apple ...

Micropayments? Macht Apple gleich zwei Schritte auf einmal?

Darüber hinaus gibt es online aber immer noch das ungelöste Problem der Micropayments, der schnellen Bezahlung von kleinen Beträgen im Centbereich z.B. für einen Zeitungsartikel. Ich glaube nicht unbedingt, dass Apple hier einsteigen wird, weil das ein noch schwierigeres Marktsegment ist, das potenziell noch geringerer Margen abwirft als Payment an sich. Aber eventuell steckt hier doch eine Möglichkeit für einen zweiten Schritt von Apple. Apple bietet im zweiten Schritt doch eine eigene Wallet an. Diese Wallet wird mit dem Konto/Kreditkarte/etc. verbunden und gesammelt abgerechnet. Sprich: Es wird nicht aus jeder kleinen Zahlung eine Buchung (die Geld kostet), sondern es wird gesammelt, bis 10 Euro angesammelt sind und erst dann abgebucht. Oder man muss im Vorfeld Geld auf die Karte laden, wie man das mit den iTunes-Karten machen kann. Die Wallet für Kleinbeträge wird also wie eine Prepaid-Karte im Handy.

Den Kreditkartengesellschaften wird eine solche Einmischung zwar nicht unbedingt gefallen, aber eventuell ist eine solche Kooperation für die Kreditkartengesellschaften trotzdem sinnvoll, wenn Apple nur kleine Zahlungen über den Apple-eigenen Bargeldersatz abwickelt, während die Kreditkartengesellschaften wie gehabt die größeren Beträge übernehmen. Die Kreditkartengesellschaften würden sicherlich auch gerne Kleinzahlungen selber abwickeln, waren damit bisher allerdings wenig erfolgreich. Die Gebührenstruktur der Kreditkartengesellschaften passt auch nicht wirklich dazu; die Fixkosten pro Zahlung sind zu hoch. Schon in der Realwelt ist vielen Gastronomen die Zahlung eines Cappuccinos mit der Kreditkarte zu aufwändig, online haben solche kleinen Payments über Kreditkarte gar keinen Erfolg, dieses Geschäft geht vorrangig an Paypal (übrigens einer der Player, der unabhängig ist und damit zumindest potenziell und in wilden Spekulationen auch ein Kooperationspartner von Apple werden könnte).

Am Ende könnte ich mit meiner Spekulation, dass Apple im ersten Schritt die wesentlichen Schritte des Paymentprozesses nicht selber machen wird, sondern Partner ins Boot nimmt, auch kräftig daneben liegen. Zumindest gibt es Gerüchte, dass Apple bereits mit den Banken verhandelt und "tiefe Discounts" herausgeschlagen habe: Apple Said to Negotiate Deep Payments Discounts from Big Banks | Bank Innovation. Ich halte das für eher unwahrscheinlich, aber nun ja, vielleicht ist Apple ja mal wieder richtig innovativ und macht nicht nur den oben diskutierten ersten Schritt, sondern gleich auch den den zweiten und bringt eine eigene Wallet als Kreditkartenersatz.

Wie würde ich die Wahrscheinlichkeiten einschätzen (gaanz grob über den Daumen)?

iPayment: 90%
NFC spielt die Hauptrolle: 85%
BLE spielt irgendwie eine Rolle: 50%
Apple kooperiert und das iPhone wird eine virtuelle Kopie der existierenden (und weiterhin obligatorischen) Kreditkarte: 70%.
Apple macht gleich den 2. Schritt, bringt eine eigene Wallet und wird defakto zum Konkurrenten der Kreditkartengesellschaften: 15%.


So genug spekuliert und prognostiziert, jetzt schnell die Bullshit-Bingo-Karten zur Keynote ausdrucken ...

Update (9.9.14):

"To be successful, Apple’s wallet must have a compelling merchant value proposition – like lowering a merchant’s operational costs or helping to drive more revenue – in order to win merchant acceptance and preference at checkout. The good news is that Apple is uniquely positioned to do just that."

Gut, das war aber schon immer so. Neben den beiden Punkten "billiger" und "interessante, zahlungskräftige Kunden", die Apple bieten könnte, würde ich auch unbedingt meine Spekulation von oben aufgreifen und Bonus- und Rabattsysteme für die Kunden nennen. Hier bieten sich mit der Integration von Passbook und iPayment spannende Optionen (wenn Apple die Integration denn erlaubt).

Merchants Will Decide The Fate of Apple's Mobile Wallet

Update 2 (10.9.14):

So, jetzt ist es raus, die Payment Lösung von Apple heisst Apple Pay. Und meine Spekulationen sind im Wesentlichen aufgegangen, sprich, die Dinge, die ich für wahrscheinlich gehalten habe (Payment, NFC, Kreditkarten-Kopie) sind aufgegangen, die Sachen, die ich für unwahrscheinlich gehalten habe (Apple wird selber Kreditkartengesellschaft) sind nicht gekommen.

Aber ich fasse mal kurz zusammen, was Apple Pay macht.

Apple wickelt die Zahlungen über NFC mit den neuen 6er-iPhones ab, authentisiert wird dabei über TouchID. Finger auf den TouchID-Sensor, iPhone an das Lesegerät halten. Fertig. Die Gegenstellen sind handelsübliche drahtlose NFC-Bezahlterminals, wie es sie in den USA bereits an 220.000 Verkaufsstellen gibt. Apple kooperiert mit den Kreditkartengesellschaften und legte (wie von mir erwartet) eine Kopie der Kreditkarte an. Dabei geht Apple ziemlich weit und kopiert nicht einfach die Kreditkarten-Daten (Nummer, Name, etc.) und speichert sie im iPhone, sondern erzeugt zusammen mit der Kreditkartengesellschaft einen eindeutigen Schlüssel, in dem die Kreditkartendaten UND die iPhone-Daten verschlüsselt erhalten sind. Dadurch gehen beim Diebstahl des iPhones nie die Kreditkarteninformationen verloren, man kann die (physische) Kreditkarte weiter nutzen und muss nur das iPhone alleine aus dem Bezahlprozess nehmen (das sollte man auch über FindMyiPhone schleunigst tun, auch wenn über TouchID ne Menge Sicherheit im Bezahlprozess eingebaut ist).

Apple treibt die "Virtualisierung" der Kreditkarte noch weiter. Jede Bezahl-Transaktion bekommt eine eindeutige ID und wird über die bestehenden Banking-Partner abgewickelt und das nahezu anonym: Der Händler sieht die Daten des Käufers nicht (sondern bekommt nur das Geld), Apple auf der anderen Seite sieht nicht, wer wann wo für wie viel Geld eingekauft hat. Beide Punkte sind ziemlich interessant, denn viele der bisherigen "modernen" Bezahlsysteme haben genau auf dieser Datenspeicherei ihre Geschäftsmodelle aufgebaut. Und das hält durchaus einige Nutzer davon ab, diese Systeme zu nutzen. Es ist auch aus dem Punkt der Sicherheit interessant, denn keine Daten bei Apple, heisst auch, dass man dort keine Daten klauen kann. Die Daten liegen ausschließlich in einem "Secure Element" auf den neuen iPhone-6-Modellen.

Was macht Apple Pay online? Auf iOSGeräten ist die Integration bis in die App hinein ziemlich cool; wir werden eine Menge Shop-Apps sehen, die bald einen Apple-Pay-Button zum direkten Zahlen bekommen werden. Für die Integration zum Mac oder PC habe ich nichts gesehen. Eine Zahlung über das iPhone für Käufe im Desktop Browser habe ich nicht gesehen. Es ist nicht auszuschließen, dass das möglich ist. Denkbar wäre zum Beispiel: Wenn du die App des Online-Händlers hast und Amazon das weiss, könnte man Ende des Payment-Prozesses eine Push-Nachricht auf das iPhone schicken, das die Bezahldaten enthält. Man klickt auf die Push-Nachricht, das öffnet die App auf dem iPhone, dort bestätigt man nur noch mit TouchID. Bingo. Wurde aber nicht gezeigt, und ist evtl. aufgrund irgendwelcher Sicherheitsmechanismen nicht möglich. Würde mich aber wundern, wenn in Schritt 2 von Apple Pay nicht mehr in die Online-Richtung kommen würde.

Wie sind die Marktchancen von Apple Pay? In den USA auf jeden Fall gut: Apple hat hinreichend hohe Marktanteile bei den Smartphones. Die Bezahlung per NFC ist im Lesegerät relativ gängig, wenn auch noch nicht so häufig benutzt. Kreditkarten hat zwar jeder, aber nur wenige sind bereits mit Chip und NFC versehen. Die Anwender in den USA dürften am wenigsten bremsen, traditionell stehen sie auf solche Lösungen, die in Old Europe eher für Schnickschnack gehalten werden. Ein Teil der Verbraucher wird die quasi anonyme Zahlung lieben. Für die Händler ist es ebenfalls spannend, weil beim Einsatz von TouchID das Sicherheitsniveau deutlich höher ist als bei normalen Kreditkarten. Auch dürfte der extrem schnelle Zahlvorgang für die Händler hochinteressant sein (die Zeitdauer für den Kassiervorgang ist ein entscheidender Kostenfaktor). Ob das im Barzahlerland Deutschland ähnlich ist, muss man abwarten. Hier dürften aber einige auf die Privacy- und Sicherheitsaspekte anspringen.

Die Apple Watch wird am Anfang nichts zum Durchbruch von Apple Pay beitragen. Erstens wird es sie erst nächstes Jahr geben, zweitens wird sie sich wohl viel langsamer verbreiten als das iPhone.

Zum Schluss noch ein paar Links aus der weiten Welt der Wirtschaft:

Ziemlich interessant, wie lange Apple laut "Lets Talk Payments" bereits an einer Payment-Lösung arbeiten soll und mit wie vielen Partnern verhandelt werden musste. Nach all diesen Verhandlungen führt Apple ApplePay in Kürze in den USA ein. Und zwar vorerst nur in den USA. Weil die Verhandlungen so aufwändig waren, wird die Einführung in Europa noch dauern, wahrscheinlich benötigt Apple in Europa auch eine Banklizenz (bin mir aber nicht sicher). Ich würde sogar fast wetten, dass wir eher die Apple Watch in Version 2 sehen als eine Einführung von Apple Pay in Deutschland.

What is Apple Pay and why is it important? - Lets Talk Payments

Sehr guter Artikel, der Apple Pay beschreibt und gut Vor- und Nachteile und Marktchancen abwägt. Interessant dabei auch die Info, das aus anderen Gründen in den nächsten 12 Monaten eine Menge alter Lesegeräte ausgetauscht werden müssen und daher eine gewisse Möglichkeit besteht, dass gleich auf (für NFC passende) Lesegeräte aufgerüstet wird:

Is Apple Pay a Banking Trojan Horse?

Noch zwei Einschätzungen aus Deutschland von der FAZ:

Apple Pay: Zahlen mit Handy und Uhr
Bezahlen mit dem Handy: Apple bittet zur Kasse - Unternehmen - FAZ

Und zum Schluss ein Link für Programmierer und Entwickler (und andere, die wirklich was über die Details wissen wollen (oder müssen)): Clover Developers Blog: How Apple Pay works and why it matters for developers

Update 2 (23:02):

Noch eine Einschätzung des WSJ. Dort ist man skeptisch, nur jede zehnte Akzeptanzstelle in den USA sei NFC-fähig. Werden sich Händler auf Apple Pay einlassen? - WSJ.de

NFC: Apple Pay könnte sich auszahlen - Golem.de

Apple Pay: Vorerst gefahrlos für Banken - WSJ.de

Update 3 (16.09.14):

Kleiner Nachtrag, der nicht direkt mit Apple Pay zu tun hat: Der NFC Chip soll nur für Apple Pay genutzt werden. App-Entwickler bekommen keinen Zugriff auf den Chip. Was aber irgendwie komisch ist, denn Apple hat selber gezeigt, dass man damit auch Hoteltüren aufschließen können soll.

Apple bestätigt, dass der NFC Chip nur für Apple Pay da ist

Update 3 (21:40):

Neunetz meint, Apple könne mit Apple Pay das schaffen, was Google mit Google Maps geschaffen habe: Eine Plattform schaffen, auf der andere aufsetzen können. Keins der Teile von Google Maps war neu, aber das Angebot als Basis hinzustellen, ermöglichte vielen anderen, darauf Dienste aufzubauen, die es sonst nicht gekonnt hätten. So wie bei Google Maps Kartendienste für Webdienste ermöglicht wurden, ermöglicht Apple Pay jetzt einfache Payment-Optionen auf der iOS-Plattform.

Apple Pay ist für Payments was Google Maps für Karten war

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