USA: Arbeitslosenquote 08/14: 6,1% (-0,1 Vm, -1,2 Vj), aber nur 142.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (nach der inzwischen ebenfalls gewohnten Pause; ich gelobe Besserung, wenn ihr fleißig flattert ;) ).

Für den August 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der trotz der gesunkenen Arbeitslosenquote eher enttäuschend war.

Zu den offiziellen Zahlen des Augusts 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -80.000 auf 9,591 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +16.000 auf 146,468 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,1% (-0,1 zum Vormonat; -1,1 zum Vorjahresmonat). Trotz der relativ schwachen Zahlen im August ist der positive Trend auf Jahresbasis weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Nur 16.000 neue Arbeitsplätze, obwohl die Anzahl der Arbeitslosen um 80.000 gesunken ist? Was machen die restlichen 64.000 nun? Keine Lust mehr auf Arbeit? Exakt! Der Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) spiegelt das (und die steigende Bevölkerungszahl in den USA) wider: 268.000 AmerikanerInnen wurden im August auf dieses Konto gebucht. Ansonsten wäre die Arbeitslosenquote auch nicht gesunken.

Trotzdem schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 59,0%, was 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,1 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,4) nicht wirklich wider.

Auch langfristig ist das ähnlich: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 6,1% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber nicht einmal um einen Prozentpunkt. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur minimal mehr, als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig ist, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demographie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im August positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +142.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,118 Millionen. Zum Plus von 134.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 8.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 142.000 blieb deutlich unter den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs erwarteten, der in etwa auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lag (+226.000).

Im August-Report errechneten die Statistiker für die Korrekturen der Vormonate leicht negative Werte. Das Juni-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 31.000 auf plus 267.000 gesenkt, das Juli-Plus minimal von 209.000 auf 212.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Minus von 28.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden änderte sich ebenfalls nicht (3,4 Stunden). Damit sind beide Werte am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber ein Boom sieht anders aus (wenngleich beide Werte auch kein Grund für Pessimismus sind).

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,2 Prozentpunkte auf 12,0%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Diese Quote verbessert sich also schneller als die des Gesamtmarkts. Und das auch schon stabil seit vielen Monaten, ein gutes Zeichen.

Zusammenfassend: Der August-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist trotz der Rückgangs der Arbeitslosenquote eher schwach ausgefallen. Aus den Household-Daten errechnet sich eine minimal bessere Arbeitslosenquote, was aber fast ausschließlich auf die gestiegene Anzahl von NILFs zurückgeht. Die Establishment-Daten (+142.000 neue Jobs) waren im Vergleich zu den Household-Daten etwas besser. Spätestens wenn man die Korrekturen der Vormonate (-28.000 Arbeitsplätze) mit einrechnet, blieben sie aber deutlich unter den Erwartungen der Analysten und ebenfalls unter dem Durchschnitt der letzten Monate (+226.000). Weil der Trend aber weiterhin stabil ist, gibt es für Schwarzmalerei aber noch keinerlei Anlass.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — August 2014  (PDF)

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