Zalando IPO Zahlen sind raus. Bewertung bis zu 5,5 Milliarden Euro.

Achtung, viele Zahlen ;)

Es gibt aktuell etwa 220 Millionen Zalando-Aktien. Gut 24,4 Millionen Aktien kommen hinzu, die für die neuen Aktionäre gedacht sind. Macht zusammen 242 Millionen Aktien.

Die Preisspanne beträgt 18 bis 22,50 Euro pro Aktie. Am unteren Ende beträgt die Bewertung knapp 4,4 Milliarden Euro, am oberen Ende knapp 5,5 Milliarden Euro.

Zu den 24 Millionen neuen Aktien kommen für den Börsengang bei hoher Nachfrage noch 3,6 Millionen Aktien aus dem Altbestand. Das Emissionsvolumen könnte also bis 630 Millionen Euro betragen. Die Bookbuildingspanne beginnt am Donnerstag, die erste Börsennotiz soll am 1. Oktober stattfinden.

Den Zahlen für den Börsengang muss man ein paar Geschäftszahlen gegenüber stellen.

Zalando meldet für die 12 Monate von Juli 2013 bis Juni 2014 2 Milliarden Euro Umsatz von 13,7 Millionen Kunden.
Damit haben wir ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 3, ein Kunde wird mit ziemlich genau 400 Euro bewertet.

Amazon ist mit etwa 120 Mrd. Euro bewertet und machte im Zeitraum wie oben etwa 65 Mrd. Euro Umsatz. KUV also knapp 2. Amazon hat etwa 250 Millionen Kunden, ein Kunde ist also etwa 480 Euro wert. Wenn man die Anzahl der aktiven Kunden nimmt (ein Kauf im letzten Monat) gibt es etwa 150 Millionen Kunden, errechnen sich etwa 800 Euro pro Kunde. Man sieht schon, wie stark dieser Wert von Definition des Begriffs "aktiver Kunde" abhängt.

Eine Bewertung beider Firmen anhand des Gewinns ist quasi nicht möglich. Die Gewinne bei Amazon sind weiterhin äußerst mager, die Firma investiert weiter in neue Technologien, Märkte und Länder. Bei Zalando wird es noch unmöglicher, denn die Firma hat gerade zum ersten Mal ein positives EBIT gemeldet, als einen Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das ist noch ein ganzes Stückchen weg von einem normalen Gewinn. Für die nächsten Monate darf man zwar durchaus eine Verbesserung des operativen Ergebnisses erwarten, aber zuerst werden die Kosten für den Börsengang und auch für aktienbasierte Entlohnung des Managements die Kosten in die Höhe treiben.

Nimmt man diese Zahlen und vergleicht mal etwas langfristiger die Chancen und Risiken, bleiben zwei große Fragen:

a) Kann Zalando nachhaltig profitabel werden? Händler (sowohl off- wie auch online) sind im Normalfall nicht sonderlich profitabel (selbst bei Walmart bleiben nur 3,5 Cent Gewinn je Dollar Umsatz über). Kurs-Umsatz-Verhältnisse über 1 (Amazon 2, Zalando 3) sieht man bei Händlern quasi nie, gerade offline sind die KUVs viel niedriger; gute Unternehmen wie Walmart weisen gerade einmal KUVs von 0,4 oder 0,5 auf, schlechte (sprich margenarme) wie die Metro liegen etwa bei der Hälfte. Sind Online-Händler diesen Aufpreis wert? Im Vergleich zur Metro reden wir immerhin um den Faktor 15, den Zalando teurer ist. OK, auf der anderen Seite ist das Wachstum bei Online-Händlern viel höher und liegt eher bei 20 oder 30% statt 2 oder 3% im Offline-Markt....

b) Die andere Frage ist: Kann man Zalando mit Amazon vergleichen? Ist Amazon mit seiner weltweiten Ausrichtung, mit dem umfangreichen Angebot und vor allem auch der Expansion in margenträchtigere Bereiche (Medien, Content) überhaupt vergleichbar mit einem reinen Modehändler wie Zalando? Hat Amazon u.a. über die IT-Infrastruktur nicht einen gigantischen Wettbewerbsvorteil?

Schwer zu sagen. Ich persönlich würde dem Jungspund Zalando nicht die gleiche hohe Bewertung wie Amazon zugestehen. Vor allem auch, weil Zalando auch nicht unbedingt mit viel höherem Wachstum als Amazon beeindrucken kann.

Mal schauen, ob ich morgen noch mal Zahlen für Alibaba raussuche. Wobei Alibaba viel mehr als ein reiner Online-Händler ist und damit gemischter und schlecht vergleichbar ist.

Zalando kündigt Börsengang an (pdf)

Zalando: Pressemitteilung zur Preisspanne (pdf)

Zalandos Börsenprospekt (PDF)

Oder eine Kurzversion:
Zalando Factsheet (pdf)

Update (19.09.14):

Vorbörsliche Kurse gibt es bei Tradegate und der ist aktuell mit 25 bis 26 Euro deutlich über der Spanne von 18 bis 22,50. Es scheint also eine hohe Nachfrage zu geben (oder die Emissionsbanken sorgen erfolgreich für gute Stimmung ...):


Tradegate Exchange


Update 2 (29.09.14):

Zalando kommt zu 21,50€. Bewertung zu diesem Kurs knapp 5,3 Milliarden Euro.

Der Kurs ist im Vergleich zu den vorbörslichen Kursen überraschend niedrig, vorbörslich wurden quasi nie weniger als 25 Euro gezahlt, teilweise waren es sogar mehr als 34 Euro:



Da will Zalando wohl einen niedrigen Kurs, um einen schönen Zeichnungsgewinn (und entsprechende positive Schlagzeilen) zu schaffen. Das er ist nun nahezu garantiert, denn die Aktien waren zehnfach überzeichnet (Zehnmal mehr Nachfrage als Angebot). Der erste Handel am Donnerstag wird spannend ...

Zalando-Aktie wird 21,50 Euro kosten - WSJ.de

Update 3 (01.10.14):

Ein sehr guter Versuch, die Firma zu analysieren, bei Kassenzone.de. Spannend insbesondere das direkte Ausfiltern des Bullshot-Bingos im Börsenprospekt.

Zalando: Next Big Thing oder Next Karstadt? | Kassenzone

Kommentare :

  1. Bei Händlern sollte man die Kostenseite untersuchen, bevor man sich an den steigen den Umsätzen oder gar den Kundenzahlen berauscht. Es sind ja keine "uniquen" Kunden, sondern vermutlich kaufen die alle auch bei Amzon, Otto und anderen Shops im Internet. Das ist eine ganze andere Qualität als z.B. ein Mobilfunkkunde - ein Abo bei Zaando hat niemand.
    Umsätze bei Händlern - sagen Sie ja schon - auch eher zweitrangig, weil das Geschäft nur zu einem geringen Teil skaliert. Die Verwaltungskosten haben sich bei Zalando z.B. seit 2011 circa vervierfacht, der Umsatz ist langsamer gestiegen. Dabei sind ja Umsätze zu einem großen Teil durchlaufende Kosten, das Geld geht weiter an die Hersteller.
    Man sieht ja schon bei Amazon, dass das Geschäftsmodell E-Shop verlockend aussieht, aber schwer in die Profitabilität zu bringen ist. Amazon tut einiges dafür, wenigstens in einigen Segmenten Kundenbeziehungen quasi in "Besitz zu bringen", z.B. mit eigenen Lese-Geräten. Zalando kann da gar nichts machen, könnte nur Wiederkehrer-Rabatte machen oder so etwas.
    Entscheidend wäre doch das KGV und da sieht es eben mau aus.
    Schließlich muss man fragen: Warum eigentlich wollt ihr an die Börse? Povlson ist mit "Bestseller" nicht an der Börse. Die Vermutung liegt nahe, dass über die Börse künftig entweder weiteres Kapital beschafft werden soll, also die Aktien verwässert werden, oder aber die Frühinvestoren dort nach und nach abladen werden.
    Mal ehrlich, man muss sehr viel Phantasie investieren, um zu glauben, dass die Zalando-Story gut ausgeht. Es gibt viel Konkurrenz, viel Preistransparenz und wenig Vorteile durch Hochskalieren (sicherlich beim Einkauf). Ich weiß umgekehrt gar nicht, wo der Vorsprung oder das Einzigartige von Zalando liegen sollte. Der Kauf der Aktien ist eine Wette auf das Management, dass es besser ist als andere. Glaube ich vielleicht, aber für wie lange?

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    1. Man sollte den Einkaufsvorteil nicht unterschätzen. Die Einkaufsstraßen sind genau aus diesem Grund überall voll mit den ewig gleichen Firmen.

      Ansonsten bin ich ebenfalls eher skeptisch. Die Kundenbindung ist relativ niedrig (obwohl Kunden erfahrungsgemäß kein Shop-Hopping machen). Auf der positiven Seite sehe ich einen noch ziemlich unbeackerten Markt und ein mögliches Wachstum in andere Bereiche (Parfüm, Drogerie). Die Marge in einem schon länger existierenden Markt ist mit 5% bei Zalando nicht so schlecht (und die Offline Konkurrenz bekommt bisher wenig auf die Reihe).

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