Ergebnisse des EZB Bankenstresstest sind da

25 Banken hatten Probleme, 12 davon haben ihr Kapital inzwischen erhöht, so dass in der Spalte ganz rechts nur noch eine Eigenkapitallücke von 0,0% steht. Die anderen Banken in der Liste müssen ihr Kapital noch erhöhen und haben dafür knappe 2 Wochen Zeit ...

Deutsche Banken sind nicht betroffen, in Italien und Griechenland hingegen einige ... (Wenig überraschend)



Update (13:27):

Es ist mit der Münchener Hypothekenbank übrigens doch eine deutsche Bank betroffen gewesen. Sie hat das Eigenkapital aber inzwischen erhöht und hat in der rechten Spalte die 0,00% stehen.

Generell ist das Ergebnis überraschend unkritisch. Nach den Kapitalerhöhungen fehlen den Banken weniger als 10 Milliarden Euro. Bis auf die Monte Pasche die Siena und die griechische Eurobank sind die aufzubringenden Summen überschaubar. Allerdings müsste man das in Relation zum Wert der Bank setzen. Für manch kleinere Bank könnten auch 500 Millionen Euro zu viel sein.

Interessant übrigens auch, wie die neue Bewertungsmethode der EZB den Wert der Assets geändert hat. Die Banken (alle 130, nicht auf Basis der durchgefallenen) mussten ihre Wertgegenstände um 47,5 Mrd. Euro reduzieren, weil die Bewertungsrichtlinien AQR der EZB strenger sind als die bisher gültigen Richtlinien. (An den neuen Richtlinien, die aus mehr als 100 Bewertungsmodellen bestehen, haben in der Spitze übrigens mehr als 6.000 Experten mitgearbeitet, was einen schönen Einblick in die (IMHO viel zu große) Komplexität des Finanzwesens gibt ...)

Die Neubewertung der Assets führte zur Verringerung der Vermögensgegenstände der italienischen Banken um 12 Mrd. Euro, dahinter die griechischen Banken mit 7,6 Mrd. und die deutschen mit 6,7 Mrd. Rechnet man das auf die Bilanzsumme um, macht das auf die deutschen Banken betrachtet aber "nur" knapp 0,5%, in Italien hingegen schon knapp 1% der Bilanzsumme aus. Die griechischen Banken hingegen toppen mit knapp 4% der Vermögensgegenstände selbst die zypriotischen Banken, die bei etwa 2,5% liegen. Sehr beruhigend übrigens, dass die Banken in Spanien mit nur 3 Mrd. Reduktion oder gut 0,2% prozentual am geringsten betroffen sind. Dort scheinen die Banken inzwischen ziemlich konservativ zu bilanzieren.

Das gesamte PDF kann ich nun endlich auch verlinken, weil die Website der ECB wieder funktioniert ... AGGREGATE REPORT ON THE COMPREHENSIVE ASSESSMENT


Update 2 (15:28):

Die Eigenkapitalquoten einiger ausgewählter deutscher Banken im Überblick (zuerst strenges Szenario, das als Ausgleich aber nur 5,5% EK-Quote als Mindesthöhe verlangt, dann "lockeres" Szenario, das 8,0& EK-Quote verlangt):

Deutsche Bank: 8,8% - 12,5%
Commerzbank: 8,0% - 11,7%
IKB 6,5% - 8,8%
HSH Nordbank 6,1% - 9,4%
DZ Bank: 6,0% - 8,7%
Münchener Hypothekenbank 2,9% - 5,8% (das wurde aber über eine Kapitalerhöhung ausgeglichen)
Aareal Bank: 11,8% - 16,4%

LBBW 11,2% - 14,5%
Helaba: 8,2% - 11,6%
NordLB: 9,2% - 12,9%
BayernLB: 9,4% - 12,4%
DekaBank: 8,0% - 12,3%
HRE: 10,8% - 21,2%
WGZ Bank: 7,3% - 9,7%
Wüstenrot Bank: 6,5% - 8,0%


Die Quoten sind übrigens immer die im prognostizierten für das Jahr 2016, wenn die Annahmen des jeweiligen Szenarios eintreffen sollten ...


Update 3 (17.10.14):

Auffällig, dass die spanischen Banken mit nur einem Wackelkandidaten VIEL besser abschneiden als die italienischen Banken (9 Wackelkandidaten). Skeptiker fragen sich hier direkt, wie das sein kann.

Eine andere Zahl, an der sich Pessimisten hochziehen, ist das Volumen der faulen Kredite, die die EZB nun bei 880 Milliarden Euro sieht. Wenn man das noch hochrechnet auf die gesamte Bankenbranche (es wurden ja mit den 130 Banken "nur" etwa 80% der Bilanzsumme der europäischen Banken unter die Lupe genommen), kommt man deutlich über die 1 Billion ... Schon ne Nummer ...

Generell halte ich den Stresstest für valider als alle zuvor. Man bedenke, dass der letzte Stresstest die inzwischen untergegangene Banco Espirito Santo aus Portugal durchgewunken hat.

Die zwei größten Probleme am Stresstest sind IMHO erstens die immer noch extreme Intransparenz der Bankbilanzen (im Fall der Banco Espirito Santo waren die Aufsichtsbehörden komplett blind Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: ESFG ist Pleite. Was haben eigentlich die Aufsichtsbehörden gemacht?) und zweitens die Annahmen des Tests, die sich weiter maximal auf eine Rezession und einen Immobilienpreisrückgang konzentrieren. Den Immobilienpreisrückgang haben wir IMHO zum größten Teil hinter uns (sprich der Test kümmert sich um eine Gefahr, die ich nicht mehr sehe), der Test lässt hingegen die große Gefahr einer längeren Rezession in Kombination mit einer Deflation außen vor. Selbst im "harten" Szenario nimmt die EZB noch (wenn auch niedrige) Inflation an (+1,0 2014, +0,6% 2015 und +0,3% 2016)

"Furthermore, while the adverse scenario does not strictly embody a prolonged deflationary
environment, it does entail material downward pressures on inflation. Thus, the scenario leads
to annual inflation rates for the euro area below the baseline rates by 0.1 percentage points in
2014, by 0.6 percentage points in 2015, and by 1.3 percentage points in 2016. The implied
adverse inflation rates amount to 1.0% in 2014, 0.6% in 2015 and 0.3% in 2016" (Seite 37)

Das sind für einen Stresstest eher optimistische Annahmen ...

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore