Ex-BayernLB Chef Schmidt bekommt für HGAA Kauf 18 Monate auf Bewährung

Der Deal, durch den es zu diesem Urteil kam: Schmidt musste die Bestechung von Haider bestehen (2,5 Mio. Sponsoring für das Stadion in Klagenfurt), dafür ließ das Gericht den Vorwurf der Untreue bei der HGAA-Übernahme fallen.

Tja, so ist das beim Vorwurf der Untreue. Egal wie desaströs der Deal ist, den ein Manager einstielt hast, (im Fall der Hypo Group Alpe Adria ein paar Milliarden Euro für eine wertlose Bank in den Sand gesetzt), Untreue ist das noch lange nicht. Zumindest ist die Untreue nie einfach nachzuweisen. Und einen so großen Kauf wie den der HGAA führt ein Vorstand nicht durch, ohne sich Wertgutachten besorgt zu haben. Wenn die Gutachten dann nichts taugen, zuckt der Vorstand mit den Schultern: Nun gut, wenn die Experten das nicht sehen, wie soll ich das sehen? Dass dann der Richter gegen dieses Experten-Gutachten ein Urteil fällt, ist nahezu ausgeschlossen. Am Ende klaffen die Einschätzungen bei jeder Unternehmensbewertung immer weit auseinander, selbst bei einer solchen Fehleinschätzung wie beim Wert der HGAA fällt es auf die Frage zurück: Waren die Risiken in der Bilanz 2007 sichtbar? Und der Beweis dafür ist kaum zu führen, 2007 steckten in quasi allen Bankbilanzen Milliardenrisiken, die niemand sehen wollte ...

Generell bleibt zu sagen, dass man mal wieder feststellen muss, dass Chancen und Risiken zwischen Vorständen und Anteilseignern (in diesem Fall dem Land Bayern) sehr ungerecht verteilt sind. Die Anteilseigner leiden unter dem Murks, den die Vorstände produzieren, mit bis zu 100% ihres Einsatzes; die Vorstände verlieren maximal ihren Job (oft noch mit Abschlusszahlung ...), aber im Normalfall haften sie nicht für die Fehler oder gefährden ihre Altersvorsorge. Geht es der Firma hingegen gut, profitieren die Vorstände fleißig über Boni mit ... Ziemlich asymmetrische Risikoverteilung ...

BayernLB: Bewährungsstrafe für Ex-Chef Schmidt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Bei der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria habe ich persönlich mit deutlich härteren als den bisher bekannten Strafen gerechnet. Mit der Bestechung von Haider, mit der totalen Fehleinschätzung der Bank, dem obskuren Vorabkauf von HGAA Anteilen einiger reicher Investoren (HGAA-Kauf: BayernLB machte reiche Investoren reicher - SPIEGEL ONLINE) und dem Formel-1 Deal stinkt die ganze BayernLB-HGAA-Gruppe zum Himmel, egal aus welcher Richtung man daneben steht. Ebenfalls nicht zu vergessen, dass die HGAA eine Bank war, die auf dem Balkan sehr komische Geschäfte mit seeeeehr komischen Leute getätigt hat. Aber bis auf die Formel 1 - BayernLB - Geschichte um Gribkowsky und Ecclestone ist im Hinblick auf Bestrafung kaum etwas passiert. Und selbst Gribkowsky ist (IIRC) bisher "nur" wegen der Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Die andere Strafe in der Formel-1-Geschichte (nämlich die für Ecclestone) war schon ein Desaster für das Rechtsempfinden: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ecclestone kauft sich mit 100 Mio.$ frei. Ein Desaster für das Rechtsempfinden.. Wenn ich die Gesamtlage und die Höhe der bisher aufgelaufenen Strafen anschaue, fällt das Gesamturteil genauso schlecht aus.

Wer die BayernLB Geschichte nicht mehr im Kopf hat: Auch wenn die Dokumentation 4 Jahre alt ist, kann man das noch ganz gut ansehen:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: TV Tipp: Doku zur BayernLB Hypo Group Alpe Adria

Man müsste die Beteiligten und die Strafen aus den diversen Verfahren eigentlich mal sammeln. Aber mich bezahlt für sowas leider niemand ... (Nehme Linkhinweise auf die Urteile in den Kommentaren aber trotzdem gerne entgegen).

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