USA: Arbeitslosenquote 09/14: 5,9% (-0,2 Vm, -1,3 Vj), 248.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (Heute ist Feiertag, das mach ich nur noch mal, wenn ihr fleißig flattert ;) ).

Für den September 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel als erwartet und auch objektiv durchaus gut ist. Mit einer (altbekannten) Einschränkung.

Zu den offiziellen Zahlen des September 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -329.000 auf 9,262 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +232.000 auf 146,600 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,9% (-0,2 zum Vormonat; -1,3 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt (und auch ausgeprägter als im Vormonat).

Das sieht doch gut aus: Mehr Arbeitsplätze, weniger Arbeitslose, beide Werte gut, passt. Trotzdem gibt es einen auffälligen Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer): 315.000 AmerikanerInnen wurden in die NILFs umgebucht, was dazu führt, dass die Anzahl der Amerikaner, die einen Job suchen oder haben (ergo dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen), gefallen ist. Was ziemlich selten ist, weil die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den USA wächst und zwar um etwa 200.000 bis 250.000 pro Monat (diesen Monat um 217.000).

Schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 59,0%, was 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,3 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,4) nicht wirklich wider.

Auch langfristig ist das ähnlich: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,9% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber nicht einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur minimal mehr, als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig ist, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demographie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im September positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +248.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,435 Millionen. Zum Plus von 236.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 12.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 248.000 lag leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lagen (etwa 220.000).

Gut wurde der September-Report erst, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als bisher errechnet haben. Das Juli-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 31.000 auf plus 243.000 erhöht, das August-Plus ebenfalls kräftig um 38.000 auf 180.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 69.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,6 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg ebenfalls leicht auf 3,6 Stunden. Damit sind beide Werte zum ersten Mal über den oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden gestiegen. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst, aber ein Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank erneut um 0,2 Prozentpunkte auf 11,8%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,8 Prozentpunkte, der auch noch etwas größer ist als das Rückgang im Vormonat. Diese Quote verbessert sich weiterhin schneller als die des Gesamtmarkts. Und das auch schon stabil seit vielen Monaten, beides gute Zeichen.

Zusammenfassend: Der September-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist trotz der gestiegenen Zahl der NILFs gut ausgefallen. Alle vier entscheidenden Werte haben sich verbessert: Aus den Household-Daten errechnet sich eine sinkende Arbeitslosenquote (1), die sowohl auf mehr Arbeitsplätze (2) als auch auf weniger Arbeitslosen (3) basiert. Etwas getrübt wird das Bild durch die gestiegene Zahl von NILFs. Die Establishment-Daten (+248.000 neue Jobs (4)) waren im Vergleich zu den Household-Daten etwas besser. Spätestens wenn man die Korrekturen der Vormonate (+69.000 Arbeitsplätze) mit einrechnet, sind die Zahlen deutlich über den Erwartungen der Analysten und ebenfalls über dem Durchschnitt der letzten Monate (etwa +220.000). Nach dem etwas enttäuschenden August-Bericht hat der US-Arbeitsmarkt mit dem September-Bericht die gute Entwicklung der Vormonate wieder aufgenommen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — September 2014  (PDF)

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