US-BIP Q-04-13: +3,2 (Vj). Konsum durch Entsparen.

Wie immer in den USA ist es das Wachstum des vierten Quartals hochgerechnet auf ein Jahr. Eigentlich sind die gemeldeten 3,2% Jahresplus ein Plus von etwa 0,8% gegenüber dem dritten Quartal 2013, was dann auf ein Jahr hochgerechnet wird.

Das Wachstum fiel besser aus erwartet, was aber zum großen Teil daran liegt, dass die Preissteigerung sehr niedrig errechnet wurde. Der Preisdeflator lag nur bei 1,3% (und damit deutlich unter der Inflationsrate). Das Brutto-BIP wuchs also um 4,6%, was deutlich weniger war als im Quartal zuvor. Damals ging es netto um 4,1% (jetzt 3,2%) und brutto um 6,2% (jetzt 4,6%) nach oben.

Die Details sind zwar eigentlich so volatil, dass man sie in der ersten Schätzung nicht weiter unter die Lupe nehmen muss, aber ok, ich mach es trotzdem: 2,3 Prozentpunkte des Wachstums kamen aus dem privaten Konsum, 0,6 Prozentpunkte durch Investitionen, 0,4 Pp durch Lageraufbau und satte 1,3 Pp aus der Handelsbilanz (+1,48 PP aus dem wachsenden Export). Gedrückt wurde das BIP durch sinkende Staatsausgaben, was das BIP-Wachstum um 0,9 Prozentpunkte senkte. Das alles (wie auch die Gesamtzahl) kann bei der nächsten Veröffentlichung schon wieder ganz anders aussehen.

Kein gutes Zeichen ist übrigens, dass die Einkommen der Haushalte real nur um 0,8% gewachsen sind, also deutlich weniger als die Wirtschaft. Dass der private Konsum trotzdem so stark steigen konnte liegt vor allem daran, dass die Sparquote von 4,9% auf 4,3% gesunken ist. Mehr konsumieren können die US-Haushalte im Moment also nur, wenn sie weniger sparen.

Ob dass langfristig gesund ist, wage ich zu bezweifeln ... Zwar ist die Sparrate noch lange nicht zurück auf die ungesunden Level der Boomjahre gefallen (damals teilweise unter drei Prozent), aber seit der Rezession ist die Sparquote schon wieder von gut 6 auf nun gut 4 Prozent gesunken ....





http://www.bea.gov/newsreleases/national/gdp/2014/pdf/gdp4q13_adv.pdf

Griechenland: Inflation 12/13: -1,8% Vj, aber +0,8 Vm. Weiter stabil in der Deflation.

Damit hat sich die Deflation gegenüber dem November etwas abgeschwächt, wo die Verbraucherpreise noch mit 2,9% im Jahresvergleich sanken (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9%).

Die Schrumpfung der Jahresrate geht auf den Preisanstieg von 0,8% im Dezember zurück.
Ich würde aber diesen einen Monatswert nicht überbewerten, der Trend zeigt weiterhin klar nach unten.

In den Subindizes gibt es einen extrem kräftigen Anstieg der Kleidungspreise. Im Dezember stiegen dieser Subindex von 100,09 auf 109,48. Das ist ein Preisanstieg von mehr als 9 Prozent in einem Monat. Das ist schon auffällig. Aber auch in den Kategorien "Haltbare Güter" (+1,3%) und Transport (+0,4%) gab es im Monatsvergleich Preisanstiege. Die meisten Preise sinken aber weiterhin mehr oder weniger stark.

Zum ersten Mal habe ich in der Veröffentlichung Zahlen gesehen, die meine schon länger geäußerte Vermutung belegen, dass Griechenland ohne Steuererhöhungen schon deutlich früher in die Deflation gerutscht wäre. Nach der normalen Berechnung inklusive Steuererhöhungen war der März 2013 der erste Monat mit sinkenden Preisen im Jahresvergleich (SO. JETZT STECKT GRIECHENLAND IN DER DEFLATION. SH!T.), rechnet man die Preissteigerungen durch Steuererhöhungen heraus, sanken bereits im Mai 2012 die Preise im Jahresvergleich, also 10 Monate früher.

Aktuell ist die Jahresrate unter Herausrechnung der Steueränderungen übrigens kleiner als die "normale" Inflationsrate. Das griechische Statistikamt gibt diese mit -0,9% an. Das wäre die Hälfte der normalen Rate. Das müsste im Umkehrschluss bedeuten, dass Steuern gesenkt wurden. Davon habe ich zwar nix mitbekommen, aber das wird wohl stimmen.

Elstat: Consumer Prices December 2013 (PDF)

USA: Arbeitslosenquote 12/13: 6,7% (-0,3 Vm, -1,2 Vj), nur 74.000 neue Jobs.

Für den letzten Monat des Vorjahres veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Dezember 2013:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -490.000 auf 10,351 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +143.000 auf 144,586 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,7% (-0,3 zum Vormonat; -1,2 (!) zum Vorjahresmonat).

Das ist der zweite Rückgang um 0,3 Prozentpunkte in Folge, damit steigt die Jahresrate des Rückgangs auf 1,2. Das ist die kräftigste Rückgang seit Ende der Krise.

Der extreme Rückgang der Anzahl der Arbeitslosen bei nur wenig steigender Anzahl der Arbeitenden deutet schon an, dass sich bei der "Einordnung" der Beschäftigen massive Änderungen erfolgt sein müssen. Das spiegelt sich im Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) wider. Diese stieg kräftig um 525.000. Um das Ausmaß dieser Umbuchung zu verdeutlichen: Hätte (hätte Fahrradkette) man diese NILFs auf die Arbeitslosen aufaddiert, wäre die Arbeitslosenquote mit 7,0% stabil geblieben.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese zeigte dann auch keinerlei Verbesserung. Sie blieb mit 58,6% auf dem Niveau des Vor- und des Vorjahresmonats. Sie liegt damit nur minimal über dem Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober (Im November war der Trend umgekehrt, damals sanken die NILFs und die Erwerbstätigenquote stieg). Schon beeindruckend: Eine Arbeitslosenquote, die um 1,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, die sich aber in der Erwerbstätigenquote überhaupt nicht widerspiegelt.
Das Urteil aus den letzten Berichten bleibt daher weiterhin gültig (auch wenn das angesichts des neuen Rekordtiefs inzwischen als optimistische Einschätzung gelten muss):
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Dezember eher neutral.

Anzahl der Jobs: +74.000 gegenüber dem Vormonat auf 136,877 Millionen. Das Plus von 87.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 13.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich Spätsommer noch überrascht hatte, könnte damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im Dezember-Report positiv. Das Oktober-Plus blieb bei 200.000, das November-Plus wurde um 38.000 auf 241.000 nach oben korrigiert.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche fiel minimal auf 34,4 Stunden. Das war ein Minus von 0,1 gegenüber dem Vor- wie auch Vorjahresmonat. Die Zahl der Überstunden stieg minimal um 0,1 auf 3,5 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese blieb bei 13,1%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 1,3 Prozentpunkte. Der schöne Rückgang im Jahresvergleich lag am kräftigen Rückgang im November (13,7 -> 13,1%). Es mag sein, dass ein Teil die "Halbbeschäftigten" ganz aufgegeben haben und jetzt als NILFs gezählt werden)

Zusammenfassend: Ein - trotz des kräftigen Rückgangs der Arbeitslosenquote - eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt.
Der Bericht ist aber schwierig zu beurteilen, weil die beiden Teile des Berichts ziemlich widersprüchlich sind. Die Arbeitslosenquote ging kräftig zurück, was aber nur an einer kräftigen Umbuchung von Arbeitskräften in die NILFs lag. Die Anzahl der neuen Arbeitsplätze hingegen war enttäuschend, die weiterhin niedrige Erwerbstätigenquote zeigt an, dass der Arbeitsmarkt unter der Oberfläche immer noch nicht gut aussieht

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — DECEMBER 2013  (PDF)

Spannend wird jetzt natürlich die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Da sind wir nun bald angekommen. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank langsam den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, steckt der US-Arbeitsmarkt weiterhin tief in der Rezession ...



Meine Prognosen für 2014

Am besten ich zitiere die beste Vorhersage für 2014 einfach:

Here are my forecasts for 2014, guaranteed to not be wrong:
CategoryForecast
Dow Jones IndustrialsNo idea
S&P500WTF are you asking me for?
10 Year BondCould not fathom a guess
Emerging MarketsWho knows?
Fed Fund RatesHaven’t a clue
US Housing MarketThat’s a really good question
InflationNot a clue
GDPYes, we will probably have a GDP
UnemploymentThhhhpppptttt?
ECB Rates$%^&*!
Growth in ChinaXXXX
European Sovereign DebtHmmm, interesting . . .
2014 Election outcomeHTF should I know?
Abenomics & JapanDomo Arigato
Possibility of Recession in 2014Possibility & Probability are 2 different things

That’s the most honest set of predictions you will read this season.
Quelle: My Annual Predictions for the Coming Year, 2014 Edition

Etwas ernsthafter und lesenswert:

Ist die Zukunft vorhersagbar? - Wostkinder

Daraus:
"Die Ökonomen reduzieren menschliches Verhalten auf ihre (im Vergleich zum Menschen) rudimentären Modelle. Solch eine Reduktion menschlichen Verhaltens unterliegt mindestens diverser Folgewirkungen. Zum einen der Reduktion selbst, die Eigenschaften, Absichten, Marktmacht, Handlungsfähigkeit oder Hemmschwellen (etc.) des oder der (einzelnen) Menschen nicht berücksichtigt."

Das Lustigste an Vorhersagen von Ökonomen ist aber meiner Meinung nach, dass nicht nur die Prognosen kaum mehr als Kaffeesatzleserei sind, die Berechnungen im Nachhinein sind ebenfalls nicht ansatzweise exakt. Es hapert in der Ökonomie also nicht nur an der Vorhersage der Zukunft, sondern auch an der Erfassung der Vergangenheit.

Anhand der Entwicklung des BIPs in den USA (die wahrscheinlich wichtigste einzelne Zahl aus dem Bereich Wirtschaft weltweit) kann man das schön sehen. In der Grafik sind in den Spalten die einzelnen Quartale des BIPs eingetragen, jeweils von der ersten Vorabschätzung bis zur aktuell gültigen Version (die sich aber auch noch ändern kann, manchmal werden die BIPs bis weit in die Vergangenheit, siehe z.B. hier Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Gleich gibt's ein Wirtschaftswunder in den USA). Abweichungen von mehr als 100% wie am Tief der Krise 2008 (positivste Schätzung knapp 4% Minus, negativste über minus 8%) sind zwar die Ausnahme und mögen mit der Extremsituation erklärbar sein, aber auch in normalen Zeiten kommt das BIP gerne mit Abweichungen von deutlich mehr als einem Prozentpunkt, häufig dürften es eher zwei Prozentpunkte sein:




Das ist natürlich schon extrem. Bei einem Prozent Wirtschaftswachstum sinkt die Anzahl der Beschäftigten in den USA. Bei zwei Prozent Wachstum steigt die Anzahl der Arbeitsplätze in etwa so schnell wie die Bevölkerung wächst. Bei drei Prozent Wachstum entstehen so viele neue Arbeitsplätze, dass auch die Erwerbstätigenquote wieder steigen kann (Zahlen nur so grob über den Daumen gepeilt, um zu verdeutlichen, wie groß die Auswirkungen zwischen 1 und 3% Wachstum sind, die aus den Berechnungen über die Zeitdauer so rausfallen).

OK, der Ökonom, der seine Zunft verteidigen möchte, wird nun argumentieren, dass die Abweichungen in längeren Zeiträumen kleiner ausfallen, also dass ein BIP für ein ganzes Jahr nicht so stark vom wahren Wert abweicht wie ein Quartal. Das ist sicherlich wahr.
Die Frage ist nur, ob mir diese Berechnungen als Politiker oder Zentralbanker noch etwas nutzen, wenn ich den Zahlen erst dann vertrauen kann, wenn sie mindestens ein Jahr alt sind und mindestens 1 Jahr umfassen? Wie soll ich auf dieser Basis als Politiker eine vorausschauende Fiskalpolitik machen (wo auch immer diese schon einmal gesichtet worden sein soll ...) oder als Zentralbanker früh genug die Zinsen erhöhen bzw. senken? Das ist doch praktisch unmöglich. Und damit wahrlich kein Ruhmesblatt für die Ökonomen.

Ich schließe daher mit meiner Prognose für 2014:

Das Jahr wird voraussichtlich 365 Tage haben. Und wir werden wieder viel Schwachsinn lesen und hören ...

Ach. Eine Prognose noch für das US-BIP Wachstum 2014? 0 bis 4 Prozent Plus. Auf eine engere Spanne von 2 Prozentpunkten lasse ich mich dann erst Anfang 2015 festlegen ;)

Update (02.01.14):

Ein zum Thema passender, wenn auch schon älterer Artikel in der FAZ:

Wachstumsprognosen - Das Versagen der Ökonomen.

"Wenn Wirtschaftsforscher Wachstumsprognosen abgeben, ist das Quatsch. Sie können nicht in die Zukunft blicken. Wie sie es trotzdem versuchen und was sie stattdessen tun sollten."

"Wer den Finanzmarkt nicht im Modell hat, kann eine Finanzkrise nicht kommen sehen."

Kann man bei dieser Gelegenheit ruhig lesen.

Update 2 (03.01.13):

Noch ein Artikel aus der FAZ:

Prognose-Hokuspokus auf den Finanzmärkten - Warum glauben wir Analysten, wenn sie doch fast immer falsch liegen?

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