Die Hälfte des Gelbe-Sack-Mülls wird verbrannt. Sortieren sinnlos.

Genau: 50,1%.

Das sagte das Bundesumweltministerium auf eine Anfrage von Bärbel Höhn (Grüne, Oberhausen, muss erwähnt werden ;) ).

Grund: Es wird so viel verbrannt, weil Verbrennen so billig ist. Denn es gibt massive Überkapazitäten in der Müllverbrennung, die (Markt-) Preise sind komplett im Keller.

(Kleiner Einschub: Weil Müllverbrennungsanlagen sehr hohe Fixkosten aber ziemlich niedrige variable Kosten), kaufen die Betreiber zu Spottpreisen zusätzlichen Müll an, teilweise bis runter nach Süditalien. Es gibt dabei irre Mischkalkulationen: In Oberhausen zahlt der Bürger etwa 200 Euro pro Tonne Hausmüll (über die Gebühr für den den Mülleimer), am Markt liegt der Preis bei einem Drittel bis einem Viertel (!) dieser Summe. Der Betreiber deckt über die Müllgebühr seine fixen Kosten mehr oder weniger vollständig ab, jede zusätzliche Tonne ist nahezu Reingewinn. Daher ist fast jeder noch so niedrige Preis für diese zusätzlichen Tonnen Müll OK, was den Marktpreis für "zusätzliche Tonnen" auf ein derart niedriges Niveau gesenkt hat).

Sinn der ganzen Sortiererei ist die Verbrennung natürlich nicht. Allerdings werden jetzt die Ökos schreien, dass man Plastik natürlich recyceln sollte. Was aber auch nicht stimmt, den Kunststoff ist quasi immer downcycling. Man kann zwar noch etwas raus herstellen, aber das ist quasi nie qualitativ so gut wie das Ausgangsmaterial (was bei Papier ähnlich ist, bei Glas aber nicht).

Daher ist eine Verbrennung von Kunststoff in modernen Müllverbrennungsanlagen mit angeschlossener Stromerzeugung UND Fernwärme eine Idee, die gar nicht so doof ist. Es gibt sogar einen Haufen Leute die sagen, es ist die sinnvollste Verwendung. Es ist einfach und man nützt einen spürbaren Teil der Energie, die im Kunststoff steckt. (Ganz nebenbei würden Müllverbrennungsanlagen ohne Kunststoffabfälle auch gar nicht mehr brennen, denn wenn man Papier, Biomüll und Kunststoffmüll gesondert sammelt und nicht in die Müllverbrennungsanlage wirft, bleibt nichts mehr übrig, was brennt. Und dann funktioniert die Verbrennung halt auch nicht).

Diese Rechnung ist natürlich eine andere, wenn der Müll nicht in einer Müllverbrennungsanlage, sondern auf einer Deponie landet. Und wahrscheinlich auch schon, wenn die Anlage nicht auch gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt.

Am besten wäre natürlich Abfallvermeidung.

(Übrigens ist nicht einmal die Diskussion Plastikflasche vs. Glasflasche eindeutig geklärt. Denn sobald der Transportweg zu weit wird, verliert die Glasflasche gegenüber der PET-Flasche aufgrund ihres höheren Gewichts (Spritverbrauch beim Transport)).

Die Hälfte des Recycling-Mülls wird verbrannt | WAZ.de

Update (27.05.14):

Es gibt sogar einen passenden Dilbert dazu:



via Dilbert comic strip for 05/27/2014 from the official Dilbert comic strips archive.

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