Krautreporter-Crowdfunding. Langsamer Start, aber abgerechnet wird zum Schluss.

Wer es nicht kennt: Krautreporter ist eine neue Plattform, die vorab 900.000 Euro einsammeln möchte, um damit ein Online-Magazin auf die Beine zu stellen. Das Magazin soll themenmäßig relativ breit aufgestellt sein, ohne Werbung auskommen und sich allein durch Abogelder finanzieren. Von den 900.000 Euro soll ein Stamm von Journalisten für ein Jahr bezahlt werden.

Die Crowdfunding-Geldsammel-Phase läuft jetzt seit 8 Tagen und läuft noch weitere 22. Es müssen 15.000 Abonnenten zusammen kommen, die jeweils 60 Euro zahlen. Nach 8 Tagen liegt die Anzahl der Abonnenten leicht über dem rechnerischen Durchschnitt, der allerdings nur begrenzt weiter hilft, weil Crowdfunding-Projekte die Peaks der neuen Unterstützer immer am Anfang und am Ende der Finanzierungsphase haben.

Der Peak am Anfang ist da, man sieht aber auch, wie stark die Dynamik danach nachgelassen hat:

(Grafik via lorz auf Twitter)

Alexander Merz hat die Finanzierung auf Google+ für gescheitert erklärt (kann den Eintrag glaube ich nicht verlinken, weil der innerhalb einer Community gepostet wurde). Die These ist: Der Peak am Anfang war zu niedrig, als dass man noch eine erfolgreiche Finanzierung erwarten könnte.

Darauf mein Kommentar:

Ich bin nicht so skeptisch (wenn auch weit weg von euphorisch). Denn es gibt immer einen Peak am Anfang und einen am Ende (wenn es knapp wird). Ich versuche zu erläutern, warum ich glaube, dass durch die gewählte Konstruktion beim Krautreporter-Crowdfunding der Peak am Beginn kleiner, dafür der Peak am Ende größer sein wird als normal.

Dieses Crowdfunding unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass man das Produkt auch ohne Beteiligung bekommen kann (wenn es erfolgreich finanziert wird). Es soll ja alles frei zu lesen sein. Daher ist "Abwarten" für einen potenziell Interessierten eine durchaus sinnvolle Strategie. Das ist bei anderen crowdgefundeten Projekten anders, denn da bekomme ich das Produkt *nicht*, wenn ich nicht mitmache. Bei den meisten anderen Crowdfunding Projekten muss ich eh mitmachen und bezahlen, wenn ich das Produkt bekommen möchte. Und ich bekomme es auch nur, wenn bezahle. Kurz: Ich muss eh mitmachen und bezahlen.

Dabei ist es egal, ob ich früh oder spät finanziere. Das Risiko bei einem frühen Einstieg niedrig; platzt das Funding, gibt's das Geld zurück. Bei den Krautreportern finanziere ich hingegen ein Projekt vor und wenn es ohne mich auch geklappt hätte, hätte ich mir das Geld auch sparen können (rein ökonomische Sichtweise). Kurz: Abwarten macht Sinn. Daher glaube ich, dass der zweite Peak am Ende der Crowdfunding-Phase *höher* ausfallen wird als üblich.

Bei vielen Projekten bekomme ich als Frühfinanzierer sogar noch einen Rabatt (die ersten 5.000 für 50 Euro, die nächsten 5.000 für 60, der Normalpreis dann 70), der Anreiz besonders früh dabei zu sein, ist also hoch. Diesen gängigen Zusatzanreiz gibt es bei den Krautreportern nicht, daher glaube ich, dass der Start-Peak bei den Krautreportern *niedriger* ausfallen musste als bei anderen Crowdfunding-Projekten.

Zusammengefasst ist die wirtschaftliche Entscheidungslogik hinter dem Krautreporter-Crowdfunding IMHO eine andere als bei den meisten anderen Crowdfunding-Projekten.

Diese Mechanik hat +Alexander Merz nicht berücksichtigt. Auf der anderen Seite haben die Krautreporter das Crowdfunding-Spiel auch nicht wirklich verstanden. Erfolgreiche Crowdfunder spielen dieses Spiel besser; alles für 60 Euro fix zu verkaufen ist marketingtechnisch das Dümmste, was man machen kann. Wo ist das limitierte Early Bird Bundle für 50 Euro mit Badge ("Krautreporter-Supporter"), mit dem ich auf der nächsten Republica angeben kann? Wo ist das limitierte Bundle mit Aufkleber? Oder ein Bundle mit einem Jahresrückblick-Buch mit den besten Artikeln für 100€? Das Studenten- bzw Schülerabo?

Ich stimme +Alexander Merz aber insofern zu, als dass der Start ziemlich langsam ist und nicht allzuviel Hoffnung auf eine erfolgreiche Finanzierung macht. Von einem Scheitern zu sprechen, wäre mir aber zu früh, weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass aufgrund der Konstruktion des Crowdfundings der Schlusspeak höher wird als der Startpeak (was bei Crowdfunding selten ist).
Und ich stimme Alexander Merz übrigens ganz besonders dolle zu, wenn ich mir das Fehlen jeglicher viraler Effekte anschaue.

Aus Marketingsicht (insbesondere unter dem Crowdfunding-Aspekt) ist das Projekt Krautreporter leider ziemlich ideenarm. Ich hoffe, dass der Journalismus, der am Ende herauskommt (wenn es denn gefundet wird), mehr interessante Ideen bringen wird ...
Aber gut, man merkt halt irgendwie, dass das Projekt von Journalisten stammt. Und nicht von Marketingmenschen mit Crowdfunding-Erfahrung.

(Zum Projekt: Wünsche denen viel Erfolg, weil ich mir wünsche, dass mehr Schreiber von frei verfügbaren Texten im Internet leben können. Halte die konkrete Ausgestaltung der Idee aber in einigen Punkten für "optimierungsfähig":

Abo trotz freier Verfügbarkeit,
komische Crowdfunding-Konstruktion,
keine innovativen Magazinformen erkennbar (Kindle, Leser-Interaktion),
Vorfinanzierung für satte 12 Monate ohne "Geld-Zurück-Garantie",
Vorfinanzierung einer Blackbox.

Zusammengefasst muss der Leser *eine Menge* guten Willen mitbringen, er geht quasi fast vollständig allein ins Risiko.

Daher habe ich (noch?) kein Geld gegeben. Mir wäre ein Modell wie Flattr eh lieber. Da packt der Schüler 2 Euro pro Monat rein, der Student 5 Euro, der Arbeiter 15, der besserverdienende Professor 50 Euro pro Monat, und verteilt das Geld mit einem simplen Klick an seine Lieblingsartikel, Podcasts, Softwareprojekte und e.V.s um. Nachdem er den Artikel gelesen, den Podcast gehört oder die Software heruntergeladen hat. Bei Gefallen. Und nicht als Blackbox ins Blinde hinein.

Aber so wie Flattr bisher in der Blogger- und Podcaster-Bubble stecken geblieben ist, könnten die Krautreporter in der Journalisten/Medien-Bubble stecken bleiben. Einen Ansturm von "normalen" Lesern vermag ich bisher nicht zu erkennen. Weder bei Krautreporter noch bei Flattr.

Update 1 (27.05.14):

Wir sind jetzt 5 Tage weiter. Der Zähler steht jetzt bei 5.601 von 15.000 Unterstützern, das ist inzwischen deutlich unter dem benötigten Schnitt (etwa 1.000 weniger als bei einem gleichmäßigem Anstieg notwendig wären). In den letzten 5 Tagen sind damit keine 1.000 neue Unterstützer zusammengekommen (also klar unter 200 Neulinge), benötigt wären jedoch etwa 500 pro Tag. Mal schauen, ob meine Prognose auf einen höheren Schlusspeak aufgeht und ob es die Finanzierung noch rettet.

Update 2 (03.06.14):

Wir sind nun wieder 7 Tage weiter. Der Zähler steht nun bei 6.497, macht etwa 900 neue Abos. Also etwa 130 neues Abos pro Tag. Viel zu wenig, um über die Markt zu springen. Die Marketing-Maschine springt zwar langsam wieder an, aber so richtig zieht das noch nicht. Den Krautreportern fehlen definitiv die-Leute-dadraußen™, und die bekommen es nicht mit, und wenn doch, geben sie ihr Geld schlicht nicht her. Gibt halt auch so genug zu lesen.

Langsam muss der Schlusspeak mal anfangen, aber ehrlich gesagt sehe ich ohne einen großen (bisher geheimen) Unterstützer nur noch wenig Chancen. Vielleicht findet sich der aber noch ...

Update 3 (05.06.14):

Die Krautreporter akzeptieren jetzt auch Zahlungen per Paypal.

Ab sofort: Krautreporter per Paypal unterstützen! | KRAUTREPORTER Blog

Mal schauen, ob sich dadurch was ändert. Der Zähler steht bei 7.095 Abos. Damit hat die Geschwindigkeit wieder etwas zugelegt, es dürften so etwa 250 pro Tag gewesen sein. Das ist aber weit weg von den jetzt 1.000 pro Tag, die die Krautreporter jetzt brauchen. Es sind nur noch 8 Tage und mittendrin liegt ein langes Wochenende ...

Update 4 (10.06.14):

Es gibt jetzt auch 200er-Pakete (55€ pro Abo) und 1000er Pakete (50€ je Abo).

Die Unterstützerzahlen ziehen leicht an. Der Zähler steht jetzt bei gut 8.500 Abos. Trotz der Hitze und des langen Pfingstwochenendes gab es also knapp 300 Abos am Tag. Dreieinhalb Tage verbleiben noch, es sind also nun etwa 2.000 Abos pro Tag notwendig. So viel hatte das Projekt allerdings selbst am ersten Tag nicht.

Es wird eng. Um es mal optimistisch zu formulieren. Ich kann mir ohne großen bisher geheimen Unterstützer kein erfolgreiches Funding mehr vorstellen.

Ich wollte hier zwar eigentlich nur über den Crowdfunding-Aspekt schreiben und nicht über das Projekt an sich, aber folgender Link fasst meine Skepsis so gut zusammen wie keiner bisher. Dabei geht es nicht um Simpel-Aspekte wie "zu wenig Frauen", sondern um etwas Grundlegenderes:

1. Grund für meinen Wunsch: Ihr wirkt auf mich wie eine Gruppe freier Journalisten, die darauf hoffen, angestellt zu werden - und nicht wie eine Gruppe von Entrepreneuren, die um jeden Preis eine journalistische Vision verwirklichen wollen.

2. Grund: Ihr habt nicht nur keine Vision des neuen Journalismus - sondern Ihr findet das auch noch gut so.

3. Grund: Ihr stilisiert die Idee der Krautreporter zum Sein-oder-Nichtsein des neuen Online-Journalismus. Und das ist fatal.

Kommentar von Dr. Ankowitsch: Warum ich die Krautreporter nicht nur NICHT unterstütze, sondern hoffe, dass das ganze Projekt vorerst produktiv scheitert*. Offener Brief an Sebastian Esser, einen der Gründer.

So gerne ich einen unabhängigen Online-Journalismus unterstützen würde, so sehr erschüttert mich die Mut- und Ideenlosigkeit des Projekts. Online erscheint das Dingen doch nur, weil online billiger ist als Print (nicht weil online besser ist). Und Mut bewies das Projekt nur einmal: Indem die Finanzierungsschwelle ziemlich hoch bei 900.000 Euro angesetzt wurde.

Update 5 (11.06.14; 13:00):

Zählerstand : 9.416, etwa 1.000 neue Abos in den letzten 24 Stunden. Die Geschwindigkeit zieht spürbar an, es reicht aber weiterhin nicht aus. Es müssten jetzt etwas über 2.000 pro Tag sein. Ich rechne zwar immer noch mit weiter anziehender Geschwindigkeit.

Update 6 (12.06.14; 13:30):

Zählerstand: 10.655, etwa 1.200 neue Abos in den letzten 24 Stunden. Die Geschwindigkeit steigt weiter an, wenn auch relativ langsam. Meine Prognose, dass der Schlusspeak größer wird als der Startpeak, dürfte wohl aufgehen. Reichen wird es für die 15.000 aber wohl trotzdem nicht. Meine Krautreporterwette vor ein paar Tagen lag bei 12.121. Diese wird wohl übertroffen, aber für die 15.000 bräuchte es einen sensationellen Schlussspurt ...

Update 7 (12.06.14; 23:30):

Zählerstand: 12.602, etwa 2.000 neue Abos in nur 10 Stunden. Die Geschwindigkeit hat *deutlich* angezogen. Heute dürften es etwa 2.500 gewesen sein. Kurz: Noch ein Tag auf dem Niveau und es klappt doch noch. Es sind aber auch 1.000 aus einem Paketkauf drin.



Update 8 (13.06.14; 9:33):

Zählerstand: 13.609, also 1.000 über Nacht. Jetzt fehlen nur noch 10% und da die stärkste Phase (tagsüber) noch läuft, wird es wohl hinhauen.

Update 9 (13.06.14; 13:37):

Das Funding hat geklappt. Die 15.000 sind voll. Ich habe zwar früh einen großen Schlusspeak vorhergesagt (s.o.), aber dass er dermaßen hoch wird (ca. 4.500 Abos in 48 Stunden bzw 5.500 in 72 Stunden (Für die ersten 5.500 Abos hat es etwa 2 Wochen gebraucht)) ist dann auch für mich eine Überraschung. Zwischendurch hatte ich die Hoffnung ja schon fast aufgegeben. Glückwunsch an die Krautreporter. Jetzt bin ich mal gespannt auf das Produkt. Und trotzdem: Für das nächste Projekt würde ich mir einen Experten für Crowdfunding dazuholen. Die Spannung hätte es bei einem ordentlich konstruierten Crowdfunding nicht geben müssen. Und: Für das zweite Jahr braucht ihr unbedingt mehr Leute von draußen (aka normale Leser), ihr seid aus der Journalisten-Medien-Bubble nur in Ansätzen rausgekommen.

USA: Arbeitslosenquote 04/14: 6,3% (-0,4 Vm, -1,2 Vj), 288.000 neue Jobs. Whopping! But caveat NILF ...

Nach dem Schwänzen des März hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA.


Für den April 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen Arbeitsmarktbericht, der von einer gewissen Aufholbewegung nach den harten Wintermonaten geprägt war. Die beiden schlagzeilenträchtigen Zahlen überraschten dabei deutlich in die richtige Richtung.

Zu den offiziellen Zahlen des Aprils 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -773.000 auf 9,753 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: -73.000 auf 145,669 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,3% (-0,4 zum Vormonat; -1,0 zum Vorjahresmonat).

Sinkende Arbeitsplätzezahl und sinkende Arbeitslosenzahl? Der Kenner weiss was nun kommt: Ein massiver Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer). Fast 1 Millionen AmerikanerInnen (988.000) mehr als im Vormonat fielen in diese Kategorie. Damit ist der Trend, der das Jahr 2013 geprägt hatte, plötzlich wieder da (im ersten Quartal machte der Trend noch Pause ...) ... Da diese Million aber etwa im "passenden" Verhältnis der Arbeitslosenquote auf Arbeitende und Arbeitslose verteilt wurden, bleiben große Verzerrungen aus.

Trotzdem schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 58,9%, was 0,3 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,3) nicht wirklich wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im April positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +288.000 gegenüber dem Vormonat auf 138,252 Millionen. Zum Plus von 273.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Damit gab es zum dritte Mal in Folge wieder einen leichten Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im April-Report positiv. Das Februar-Plus wurde von 197.000 auf 222.000, das März-Plus von 192.000 auf 203.000 nach oben korrigiert, zusammen also 36.000. Beruhigend, dass der Trend so stabil ist.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb 3,5 Stunden. Damit sind beide Werte am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber ein Boom sieht anders aus (wenngleich beide Werte den stabiler werdenden Trend durchaus unterstreichen).

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,4 Prozentpunkte auf 12,3%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Diese Quote verbessert sich also schneller als die des Gesamtmarkts.

Zusammenfassend: Ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der überwiegend positiv ist. Die Household-Daten waren in der Arbeitslosenquote super, die massiv gestiegene Anzahl von NILFs verunsichert bei der Interpretation aber etwas. Die Establishment-Daten waren besser, wenn man man die Korrektur der Vormonate (+36.000 Arbeitsplätze) einrechnet sogar deutlich besser als erwartet.

Konnte man nach den BIP Zahlen am Dienstag eine gewisse Sorge um die US-Konjunktur haben, dürften sich diese Sorgen nun etwas abgeschwächt haben. Der Arbeitsmarkt bleibt leicht positiv, wobei vor allem die Stabilität des Arbeitsplatzaufbaus Mut macht. Ganz als wolle man meine Aussage aus den letzten Arbeitsmarktberichten unterstreichen: Leichtes Wachstum ja, Boom nein.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — April 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ursprünglich ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Das haben wir nun erreicht. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, geht es dem US-Arbeitsmarkt kaum besser als mitten in der Rezession ...

Warum Twitter laggt (und Facebook floriert)

Schöner Artikel (danke an Doener für den Hinweis. Mein Lieblingsquote daraus:

"Something is wrong on Twitter. And people are noticing."

"People are still using Twitter, but they’re not hanging out there."

Lesen:

A Eulogy for Twitter - Adrienne LaFrance and Robinson Meyer - The Atlantic

Ich beleuchte das Thema auch noch aus meiner Sicht:

a) als Update zu meinem alten Rant:

Dear Twitter: Get your f*cking act together - egghat's not so micro blog

b) Außerdem hatte ich mich beim Börsengang mit Twitter und Facebook beschäftigt:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Twitter: Ein paar Gedanken zur Bewertung. Kaufen oder Nichtkaufen?

Daher ist aus meiner Sicht ein kleiner Vergleich von Twitter und Facebook mal wieder angebracht.

Twitter hat sich mit dem Ökosystem angelegt. Das Ökosystem hat aber die Neuerungen in das Netzwerk eingebracht. Das Ökosystem hat nun aber Angst, teilweise mussten Clients schon ihr Geschäft einstellen, weil sie keinen weiteren Zugriff auf die Twitter-Programmierschnittstellen mehr bekamen.

Das fördert die Innovation im Ökosystem von Twitter natürlich nicht. Und somit steht der Laden defakto still. Twitter Music war ein Flop, auch der Gag mit den Aktiensymbolen hat nie abgehoben. Dazu hat Twitter das Direct Messaging sogar noch verschlechtert (keine Links). Das einzige, was Twitter eingekauft hat, war ein Analysetool nach dem anderen. Aber nichts davon war an den User gerichtet, sondern nur an den Anzeigekunden. Nun gut, diese kaufen vorsichtig mehr Werbung ein. Und ein paar zielgerichtete Tweets, die über einen E-Mail-Abgleich mit Händlern generiert werden. Aber das interessiert den User natürlich eigentlich nicht.

Diese negative Entwicklung waren mit dem Weggang der Twitter-Gründer und die Fokussierung auf den Börsengang abzusehen und ich habe meine Mikrobloggingaktivitäten daher auf APP.NET gehedged. Technisch ist das auch heute noch das bessere Netzwerk (allein die 256 Zeichen, der integrierte Dateispeicher und das Private Messaging (2048 Zeichen!) sind Gold wert), aber leider stagniert die Nutzerzahl genau wie bei Twitter und da die Nutzeranzahl dort viel niedriger ist, merkt man das auf APP.NET noch stärker. (ich werde die Stelle trotzdem nutzen Euch einzuladen). Und ADN kümmert sich in den letzten Monaten auch nur um komische Features (Crowdfunding, Broadcasts...), statt den Kern des Netzes besser zu machen (z.B. über Listen).

Vielleicht ist die Idee aber auch tot. Brauchen die Leutedadraußen™ sowas wie Twitter oder ADN überhaupt? Reicht denen vielleicht etwas richtig Privates wie WhatsApp (bzw. Threema, etc) plus etwas (teil)öffentliches wie Facebook?

Wenn man Facebook und Twitter vergleicht, wird richtig offensichtlich, wie Nutzer (und Nutzen) orientiert Facebook ist. Sowohl was die auf der F8 neu vorgestellten Features angeht (anonymes bzw. teilanoymes Login bei anderen Diensten) als auch was die Zukäufe (WhatsApp) angeht. Das geht Twitter leider komplett ab.

Wie Twitter wieder Wachstum generieren könnte? Ganz einfach: Nehmt das, was ihr aktuell habt (USER USER USER) und strickt alles an eure Plattform dran, was APP.NET (und deren Ökosystem) schon vorgemacht hat. Also zum Beispiel einen Dateispeicher und stellt diesen (ohne Einschränkungen) über eine unbeschränkte Programmierschnittstelle den Entwicklern und den Kunden zur Verfügung.

Im Endeffekt glaube ich, dass auch Facebook genau aus diesem Grund lebt, wächst und floriert: Die Programmierschnittstelle ist offen und daher denken sich Programmierer immer neue Sachen auf Facebook aus.

Am Ende gewinnt mMn im Bereich von sozialen Netzen immer der, der offen ist, derjenige, der eine Plattform zur Verfügung stellt. Und nicht der, der die Plattform dicht macht. Daher wächst Facebook weiter (50 Mio neuer Nutzer im letzten Quartal), obwohl es bereits so groß ist und viel eher an Wachstumsgrenzen stoßen könnte. Und Twitter wächst nicht so stark wie prognostiziert, obwohl Twitter eigentlich viel mehr Luft für Wachstum hätte (nur 14 Mio. neue Nutzer). Am Ende spiegelt sich das alles in den Zahlen wider. Und die waren bei Facebook gut und bei Twitter schwach.

Twitter: Von enttäuschenden Nutzeraktivitäten und einem Chef mit guter Laune | heise online

Schwerer Kurseinbruch: Geht Twitter die Puste aus? - IT Medien - Unternehmen - Handelsblatt

(Der Handelsblatt-Artikel enthält übrigens noch einen interessanten Hinweis auf die Geschäftsergebnisse von Twitter, die an die Berichterstattung aus der Hightech-Blase um die Jahrtausendwende erinnert: Die Ergebnisse werden ohne die hohen Kosten für Mitarbeitervergütung gemeldet. Denn inklusive dieser Kosten sind die Geschäftszahlen von Twitter richtig übel und die möchte Twitter nicht betonen).

Noch ne andere pessimistische Einschätzung zu Twitter:

Twitter hat fast alles verspielt - Digital Twin

Sehe ich Twitter zu pessimistisch? Und Facebook zu optimistisch? Oder ist APP.NET doch unser aller Rettung ;)

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