US-BIP Q01-14 auf -2,9%(!!!) korrigiert. Analysten komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Das US-BIP für's erste Quartal 2014 wurde heute in der endgültigen Berechnung bekannt gegeben. Danach ist die US-Wirtschaft mit einer auf's Jahr hochgerechneten Rate von 2,9% geschrumpft. Dieser Einbruch (der stärkste seit der Krise vor 5 Jahren) geht vor allem auf den extrem kalten und schneereichen Winter im Osten der USA zurück. Der Konjunktureinbruch dürfte daher zum ganz überwiegenden Teil einmalig sein; ein Großteil des Einbruchs sollte im laufenden und den kommenden Quartalen wieder wettgemacht werden.

USA: BIP Q01-2014 Wachstumseinbruch auf 0,1% - egghat's not so micro blog

Ich würde das nicht überbewerten. Viel spannender finde ich, wie weit die hoch bezahlten Volkswirte und Analysten der Banken mit ihren BIP-Schätzungen daneben lagen. Schon bei der ersten Schätzung (Vorabschätzung im Statistikerjargon) lag die offizielle Zahl deutlich unter den Schätzungen. Die Analysten erwarteten ein Plus von etwa einem Prozent, gemeldet wurde ein Mini-Plus von 0,1%. Diese Verfehlung war zwar groß, aber nicht so ungewöhnlich. Die Quartals-BIP-Wachstumsrate in den USA errechnet sich aus dem Vergleich des Quartals mit dem Vorquartal. Diese Plus wird dann auf ein Jahr hochgerechnet wird (also quasi mal vier genommen). Daher reicht es schon, wenn man das Quartalsplus auf 0,2 statt 0,4% schätzt und schon liegt man in der Jahresrate fast einen ganzen Prozentpunkt daneben.

Trotzdem bleiben die Abweichungen der Schätzungen und die anschließenden Korrekturen extrem. Gleich nach der ersten Schätzung senkten einige Analysten ihre Prognose massiv. Hatten sie vor der Bekanntgabe der Zahlen noch auf plus 1,0% geschätzt, korrigierten sie den Wert sofort auf -0,8%. Der überraschende Faktor war der Lagerabbau. Man hatte wohl darauf getippt, dass die Unternehmen trotz des schlechten Wetters weiter produzieren, aber nicht ausliefern (können), also die Waren auf "Halde" legen. Lageraufbau ist nicht schädlich für das BIP, weil die zwischengelagerten Waren wie verkaufte zählen (Wachstum auf Halde ist qualitativ natürlich kein gutes Wachstum (weil man mittelfristig nicht nur über Lageraufbau wachsen kann), aber es ist trotzdem Wachstum). Mit dieser Einschätzung lagen die Analysten aber weit daneben. Statt eines Lageraufbaus gab es einen Lagerabbau, folglich konnten die Analysten quasi sofort ihre Schätzungen anpassen.

Allerdings reichte auch diese schnelle Korrektur nicht. Der Lagerabbau wurde in der zweiten Schätzung gegenüber der ersten Schätzung noch einmal etwa verdreifacht, das Gesamt-BIP im ersten Quartal wurde nun bei -1,0% gesehen. Unruhig wurden die Analysten aber weiterhin nicht, denn der Lagerabbau des einen Quartals ist oft genug der Lageraufbau des folgenden Quartals. Außerdem blieb der wichtigste Faktor des Wirtschaftswachstum der USA, der private Konsum stabil und trug auch in der zweiten Schätzung gut 2,0 Prozentpunkte zum BIP-"Plus" bei.

Nun kam aber heute die dritte Schätzung. Danach haben die privaten Konsumausgaben nur noch 0,7 Prozentpunkte zum BIP beigetragen, also weniger als halb so viel wie in den beiden Schätzungen zuvor. Da außerdem der negative Effekt aus den schrumpfenden Exporten (-1,2 Pp) und dem Lagerabbau (-1,7 Pp) ebenfalls stärker wurde, kam die Gesamtschätzung heute mit -2,9%. Das war noch mal deutlich schlechter als die zweite offizielle Schätzung und lag auch deutlich unter den aktuellen Erwartungen der Analysten, die heute morgen noch bei -1,5% lagen. Auch die Abweichung von den Analystenschätzungen von vor zwei Monaten (+1,0%) ist extrem.

Man kann das in der Grafik von Zerohedge ganz schön erkennen:


Ich bin gespannt, wie sich die blaue Kurve jetzt weiter entwickelt. Die aktuell erwartete Jahresrate von 2,2% für das Gesamtjahr 2014 dürfte noch um einiges nach unten korrigiert werden ...

GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2014 (THIRD ESTIMATE) (PDF)

Was ich mich jetzt frage: Warum haben die Analysten so weit daneben gelegen? Das Wetter war ja kein Geheimnis. Ist das in den hochkomplexen Modellen nicht drin? Sind unter den vielen Indikatoren, die die Analysten beobachten und die auch monatlich (sprich ziemlich aktuell) geliefert werden, keine, die einen solchen Einbruch vorhersagen? Weder den Einbruch des Lagerbestands, den Einbruch der Exporte oder den Einbruch des privaten Konsums konnte man sehen? Sollten nicht die monatlichen Einzelhandelsumsätze einen frühen Hinweis auf einen schwächelnden Konsum geben? Oder die Verbraucherstimmung? Sollten nicht die Umsätze aus der Logistikbranche Hinweise auch für die Entwicklung des Exports geben? Lässt sich aus sinkenden Charterraten für Schiffe nichts ableiten? Irgendwas? Warum beobachtet man überhaupt diese ganzen zweit- und drittklassigen Indikatoren, wenn man einen Einbruch wie den aktuellen dann doch verpasst?
Wir haben ja immerhin Mitte Juni, d.h. das erste Quartal ist schon etwas länger vorbei. Da sollte es doch für die Analysten inzwischen ausreichend viele Zahlen geben, um nicht dermaßen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden; die Abweichung bei der Schätzung von heute war ja noch größer als bei der ersten Schätzung (damals 0,9 Prozentpunkte (0,1 offiziell vs. 1,0 geschätzt), heute 1,4 Pp (-2,9% offiziell vs -1,5% geschätzt).

Fragen über Fragen.

Der dänische Physiker Niels Bohr sagte einmal "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen". Das wird oft einfach als "Prognosen für die Zukunft sind schwierig" verstanden, aber Bohr hatte schon vollständig Recht: Auch Prognosen für die Vergangenheit scheinen schwierig zu sein. Insbesondere wenn es um die Wirtschaft geht ...

BuLi-Tippspiel 2013/14. The Winner is ... (inklusive Einladung zum WM-Tippspiel)

So wird Zeit für die Abrechnung. Auch wenn mir gestern beim Weltuntergang am Niederrhein der Keller vollgelaufen ist und ich daher einen Haufen Extra-Arbeit am Bein habe, auf die ich nicht wirklich vorbereitet war ... Aber es sind nur noch zwei Tage bevor es los geht ...

Zuerst mal die Abrechnungen für das Gewinnspiel der letzten Saison (siehe
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesliga-Tippspiel 2013/2014. Los geht's.
):

Das Tabellentippspiel ging in der Saison 2013/14 an die FAZ mit minus 9 Punkten. Hooray (Denglisch im Zusammenhang mit der FAZ ist immer angemessen ;) ). Die FAZ hat ziemlich verdient gewonnen, weil sie die ersten 6 Plätze und auch alle drei Absteiger (inkl. Fastabsteiger HSV) richtig vorhergesagt hat und die meisten Pluspunkte geholt hat. Aber auch bei den Minuspunkten, die sich aus der Abweichung der echten mit der prognostizierten Platzierung ergibt, gab es den ersten Platz. Respekt! Auf Platz 2 und 3 kommen der @haucap (-14) und ich (-17). Der Vorsprung auf das breite Mittelfeld dahinter ist aber relativ klein. Vom Mittelfeld konnte sich der @haucap vor allem durch den HSV Tipp auf Platz 16 absetzen. Ob da allerdings wirkliche Überzeugung oder nur der Wunsch des St.Pauli-Fans dahintersteckt, bleibt offen ;) Ich habe bei den Platztipps (die ersten 6 und 2 der 3 Absteiger) etwas Abstand aufgebaut.

Auf Platz 4 folgt Joha (-18), auf Platz 5 Ariane (-19) und das Handelsblatt(-19). Alle drei schlagen noch den Tipp der Wettbörse BWIN (-20), die auf Platz 7 genau in der Mitte des Felds liegt. Für die Wette, die angeblich alle Informationen enthält und allgemein als die beste gilt, kein Ruhmesblatt.

Interessant, dass die "algorithmischen" Tipps dieses Mal ziemlich schwach waren. Sowohl die Vorhersage von Goalimpact (Drittletzter; das hatte ich aufgrund der extrem stark eingestuften Aufsteiger aber fast schon befürchtet) als auch die Vorhersage nach Marktwerten von Transfermarkt (Letzter!) waren deutlich schlechter als der Durchschnitt der menschlichen Prognosen

Dann zum Tippspiel, bei dem alle Einzelspiele getippt wurden.


Der Gewinner ist Megapol mit 448 Punkten! Er lag von Anfang an in der Spitzengruppe, ab Spieltag 25/26 war mehr oder weniger klar, dass er nicht mehr einzuholen ist. Am Ende dahinter ynz (438 Punkte), der eine zeitlang nur knapp vor mir lag. Mit einem ungewöhnlichen Tipp gegen die Wettquoten habe ich am vorletzten Spieltag noch versucht ynz zu überholen. Das ging jedoch völlig in die Hose, der von mir als ausreichend eingeschätzte Abstand nach hinten löste sich in Luft auf und hilti und FlowFX zogen an mir vorbei. Am letzten Spieltag tippte ich vergleichsweise normal, sackte aber noch einen Platz ab. defoe76 rundete die Top5 ab, ich landete auf 6. (Immerhin habe ich mit 3,33 Spieltagssiegen einen ersten Platz geholt).

Und weil ich finde, dass Gewinnspiele nicht nur Gewinner(innen), sondern auch Gewinne brauchen, gibt es dieses Jahr das WM-Buch des immer empfehlenswerten Horst Evers. Megapol: Her mit deiner Adresse!

Ich habe übrigens mit einer kleinen Verzögerung von etwa einem Jahr die letzte Ausgabe der FTD erhalten, die ich im letzten Jahr als Preis ausgelobt hatte, aber selber nie bekommen habe. Glücklicherweise hat Christian Kirchner noch eine Quelle aufgetan und sie mir auf die Republica14 mitgebracht. Also an den Gewinner der Saison 12/13: Ebenfalls her mit der Adresse, dann gibt's die Final Times, inzwischen hoch begehrt.

Ich würde auch bei dieser WM wieder gerne zwei Tippspiele machen. Erstens ein "Tabellentippspiel", bei dem man alle Platzierungen vor dem Turnierstart bestimmen muss. Da es eigentlich nur um die KO-Phase geht, wird auch nur diese getippt. Damit es lange spannend bleibt, gibt es für die Ergebnisse ansteigende Punktzahl, wobei die Summe der Punkte pro Runde konstant bei 16 bleibt. Für die 16 Achtelfinalteilnehmer gibt es jeweils 1 Punkt, für die 8 Viertelfinalteilnehmer jeweils 2 Punkte, für die 4 Halbfinalteilnehmer jeweils 4 Punkte, für die beiden Finalteilnehmer 8, für den Weltmeister noch mal 16 weitere Punkte. Tippabgabe bis Turnierbeginn am Donnerstagabend.

Ihr könnt eure Mannschaften in die Kommentare schreiben. Ich mache das auch noch, allerdings wohl eher erst morgen. Am einfachsten schreibt ihr die Mannschaften von der Spitze weg auf, also in etwa so:

Weltmeister D,
Vize: ESP,
HF: ITA, BRA, (die anderen zwei Manschaften ergeben sich ja)
VF: URU, BEL, FRA, ARG
AF: ENG, NL, POR, CHL, SKO, NIG, RUS, BOS

(Achtung, das ist nicht mein Tipp, ich hab die Mannschaften einfach so runter geschrieben, es kann gut sein, dass drei davon aus einer Gruppe sind und das eigentlich gar nicht geht ...)

Ich werde in das Tippspiel auch noch einige der Expertentipps einarbeiten, mal schauen, ob meine Leser die Experten auch in diesem Turnier wieder schlagen können.

Das 2. Tippspiel wäre das normale bei Kicktipp. Darin werden alle Partien getippt  und ein paar Sonderfragen (Gruppenerste, Halbfinalisten, Weltmeister, ..). Es zählt jeweils der Endstand, also im Zweifelsfall auch nach Elfmeterschießen. Ich habe die Punkteregeln leicht angepasst: Statt 2,3 bzw. 4 Punkte (Tendenz, Tordifferenz, ganz richtig) im Bundesliga-Tippspiel gibt es 3,4 bzw. 5 Punkte; die Tendenz wird also stärker gewichtet, was ich im Hinblick auf die entscheidenden KO-Spiele wichtig finde.

Weil ich mit der Tippankündigung sehr spät dran bin, habe ich die Sonderfragen hinter den ersten Spieltag geschoben, ihr habt also noch etwas Zeit.

Ich hoffe, das ist gut erklärt. Bei Fragen --> Kommentar.

Irgendwas gibt es auch zu gewinnen. Ich weiss nur noch nicht was ... Im Zweifelsfall gibt es ein Glas heilendes Holundergelee aus meinem Druidenkeller; die hat auch schon den totkranken @TeraEuro geheilt ;)

Dann bin ich ja bekennender Panini-Sammler, okay nicht ganz so fanatisch wie mein Sohn (bestes Panini-Alter ;) ). Die Tauschgeschäfte lassen sich so erfolgreich an, dass das Album bis auf 12(?) Sticker schon voll ist. Da im Reallebenumfeld nun nahezu alles abgegrast ist, würde ich gerne eine Panini-Tausch-"Brieffreundschaft" anregen. Man packt einfach 100 Doppelte in einen Briefumschlag und schickt sie dem jeweils anderen zu. Ich lasse mich auch auf kleinere Pakete ein. Ein direktes Austauschen der fehlenden Sticker finde ich blöd (u.a. weil zu aufwändig zu koordinieren), das kann man im Realleben machen. Hier fände ich es netter, wenn man einfach einen Brief aufreißt und den Haufen Sticker dann nach fehlenden durchsuchen muss. Hat darauf jemand Lust?

(Zum Thema auch: Panini: Das große teure Kleben | ZEIT ONLINE  The Economist explains: The economics of Panini football stickers | The Economist   Panini Sticker für WM 2014: Verdacht auf ungleiche Verteilung - SPIEGEL ONLINE)

Wer jetzt noch nicht weiß, was er tippen soll oder Angst hat, sich zu blamieren:

a) Für die Ängstlichen:  Fußball-WM-Tipprunden: Zu viel Fachwissen schadet nur - Fußball-WM - FAZ

b) Für den Rest:

WM-Tipp nach Marktwerten: Das Turnier in Brasilien im Schnelldurchlauf - Fußball - Sport - Handelsblatt
(Leider fiese Klickstrecke, daher für Euch durchgeklickt:
Weltmeister: ESP
VIZE: DEU
HF: BRA, ARG
VF: ENG, FRA, ITA, BEL
AF: NL, COL, KRO, CIV, BOS, RUS, CH, POR). Man sollte bedenken, dass beim Tabellentipp die Marktwertmethode den drittletzten Platz gemacht hat ...

World Cup 2014: Stephen Hawking calculates England's odds of success - Telegraph
(Ein paar recht sinnfreie Berechnungen von Stephen Hawking, u.a. die Statistik, dass das englische Team nur 1/3 ihrer Partien gewinnt, wenn der Schiri nicht aus Europa ist, aber satte 2/3, wenn der Schiri Europäer ist)

Ökonomen wetten auf Brasilien als Fußball-Weltmeister « WirtschaftsBlatt.at
Die italienische Großbank Unicredit tippt auf das Finale Brasilien gegen Argentinien. Auch Goldman Sachs sieht das gleiche Finale. Interessant  die Aussagen von Unicredit, die versucht haben, bestimmte volkswirtschaftliche Zahlen in die Prognose einzubauen (z.B. Anzahl der Männer zwischen 20 und 29). Diese Zahlen haben sich aber alle nicht als relevant herausgestellt, daher setzte man auf die Ergebnisse der Vergangenheit insbesondere auch auf die Ergebnisse der Nachwuchsmannschaften. Unicredit zufolge fliegt in der deutschen Gruppe übrigens Portugal in der Vorrunde raus.

WM-Finale: Prognose lautet Spanien gegen Deutschland - SPIEGEL ONLINE
Der Spiegel zitiert eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW. Dort wird auf eine Finalpaarung zwischen Deutschland und Spanien getippt. Das DIW nutzt dabei auch die Marktwertmethode.

WM-Prognosen mit der Präzision von Ökonomen « WirtschaftsBlatt.at
Darin die Danske Bank, die mit volkswirtschaftlichen Daten arbeitet und u.a. Wachstum in die Prognose einbaut und daher Chile und Uruguay stärker als Spanien und Italien sieht (gewagt, gewagt). Finale soll Braslien gegen Argentinien werden.

FiveThirtyEight’s World Cup Predictions | FiveThirtyEight
Eine sehr schöne Darstellung, die die Klickstrecke des Handelsblatts um Jahre schlägt. Und eine sehr ausführliche Einführung in die Methode der Berechnung namens Soccer Power Index. Dieser sieht Brasilien klar vorne, dahinter Argentinien, Deutschland und Spanien (übrigens auch Belgien vor den Niederlanden und Italien nicht in den Top-16 ...). Leider ist die Darstellung der KO-Runde schlecht, so dass ich hier nicht klar sagen kann, welche Mannschaft wann ausscheidet.

Blicklog WM Vorhersage: Brasilien gewinnt Finale gegen Argentinien, Deutschland mit Glück Platz 3
Dirk Elsner vom Blicklog hat die Wettquoten von BWIN, Betfair und betdaq gesammelt und gemittelt. Daraus ergibt sich eine Gewinnwahrscheinlichkeit von etwa 23% für Brasilien, 18% für Argentinien, 13% für Deutschland und Spanien. Der große Geheimfavorit Belgien liegt auf Platz 5 (4,2%), dahinter folgen Italien, England und Frankreich.

Goalimpact: World Cup Prediction
Beim Bundesligatippspiel war das Ergebnis suboptimal, was aber zum großen Teil an den Platzierungen der Aufsteiger lag. Die Nationalmannschaften sollten besser zu beurteilen sein. Ich finde diese Methode über die Stärke der Spieler zu gehen, bei einer WM ziemlich interessant. Die Spielstärke der einzelnen Spieler beeinflusst die Stärke einer Mannschaft sicherlich stärker als irgendwelche Partien vor 20 Jahren. Und Goalimpact stützt sich auf alle Partien in den jeweiligen Ligen plus Europa- und Champions-League. Da es gerade zwischen den Kontinenten keine Spiele gibt, in denen es um etwas geht, sind solche Spiele nicht sehr aussagekräftig. Wenn man sich auf Tausende von Spielen stützt, bekommt man das Datenmaterial, das bei direkten Partien fehlt. Nur dann kann man vernünftig mit den Daten arbeiten.

Außerdem gefällt mir das Ergebnis, dass Deutschland Favorit ist, ausgesprochen gut ;) Auf eine Wahrscheinlichkeit von 12,6% taxiert das Modell den Weltmeistertitel für Deutschland vor Brasilien (8,9%), Spanien (5,7%) Belgien (!) 4,8%, Portugal 4,4% und Argentinien (4,0%). Basis sind jeweils die besten 16 Feldspieler + Torwart (bei 23 Spielern führt Spanien). Die Ausfälle von Ribéry und Reuss sind bereits eingearbeitet. Der Spielplan wurde ebenfalls berücksichtigt, <

Und für alle, denen das bisher genannte zu doof, kompliziert oder wasweissichnicht ist, habe ich die mit Abstand schönste Visualisierung bis zum Schluss aufbewahrt.

2014 Fifa World Cup Predictions - And the Winner is... | Visual.ly mit einem Making of: FWC prediction methodology

Skeptiker.ch: Was den Erfolg an der Fussball-WM ausmacht

Zum Schluss noch was für die Fußball-Skeptiker, auch wenn mir etwas unklar ist, wieso die bisher gelesen haben sollten ;)

Kritik auf lustig von John Oliver:



Kritik auf sachlich (wird ein Dreiteiler):

Schafft die Fifa ab! (1/3) | NachDenkSeiten – Die kritische Website
Schafft die Fifa ab! (2/3) | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Die FIFA in Zahlen:

Die Fifa und das liebe Geld | Datenblog

Update (11.06.14):

Die Süddeutsche probiert eine neue Version der Vorhersage. Dabei wird nicht der Gewinner einzeln abgefragt, sondern man fragt in einem Schwall von Fragen nach dem Gewinner von zufälligen Partien. Dadurch, dass ganz viele Leser für ganz viele Paarungen den Sieger vorhersagen, soll sich eine sinnvolle Prognose ableiten lassen. Nach gut 11.000 Partien führt Spanien mit 95 Punkten vor Brasilien mit 93, Deutschland mit 91, Argentinien mit 86 und Italien mit 83. Dahinter NL (78), POR (77), URU (70), FRA (67) BEL (66) und England (60).

Faire Fußball-Abstimmung - Wer ist Ihr wirklicher WM-Favorit? - Sport - Süddeutsche.de

Update 2 (12.06.14):

Hier gibt es übrigens einen Spielplan, der die Partien der KO-Runde in einem übersichtlichen Format bereitstellt:

RAN WM Spielplan (PDF!)

Supermario kassiert. Erstmals negativer Einlagezins in der Eurozone. Aber wird das wirken?

Spannend. Die EZB wagt das große Experiment.

Sie hat alle Zinsen gesenkt. Der Leitzins sinkt von 0,25 auf 0,15%, viel spannender aber der Einlagezins, der mit 0,1% nun zum ersten Mal negativ wird.

Joah, negativer Einlagezins. Die Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, bekommen bei Übernachtgeschäften am nächsten Morgen weniger Geld zurück als sie am Abend bei der EZB geparkt haben. Das macht natürlich keinen Sinn für die Banken, aber das ist ja auch das Ziel. Die Banken sollen das Geld in die Wirtschaft stecken und nicht bei der EZB parken. Die EZB möchte damit eine höhere Kreditvergabe erreichen. Ob das alles klappt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Denn es gibt eine Reihe negativer Rückkopplungseffekte, die verhindern könnten, dass selbst ein negativer Einlagezins nicht für mehr Unternehmenskredite sorgt.

a) Mit dem Leitzins sinkt auch der Sparzins. Normale Bankkunden könnten in Zukunft darauf verzichten, Geld bei ihrer Bank oder Sparkasse anzulegen. Dann würde den Banken aber ein Teil des Geldes fehlen, das ihnen ansonsten zur Weiterverleihung an Unternehmen zur Verfügung steht. Frances Coppola hat auf dieses Problem schon früh hingewiesen. In Dänemark gibt es schon eine Zeit lang negative Zinsen und dort ist genau dieser negative Effekt eingetreten:


(Why Negative Rates Won't Work In The Eurozone - Forbes)

Man sieht schön, wie ab der senkrechten Strichellinie (Einführung des negativen Zentralbankzins) die Einlagen bei den Banken sanken und diese auch die Kreditvergabe reduzieren mussten.

Es ist natürlich absolut unklar, wie sich die europäischen Sparer verhalten. Wird der Effekt der Spargeldflucht klein oder groß oder sogar so groß, dass der ursprünglich beabsichtige Effekt sogar überkompensiert wird? Sprich: Die Banken verleihen zwar jetzt ehemaliges "EZB-Park-Geld" an Unternehmen, die Sparer ziehen aber so große Mengen Geld ab, dass die Banken daraufhin die Kreditvergabe noch stärker wieder einschränken müssen.

b) Die Banken haben Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Einer der Gründe, warum Banken so massiv deutsche Staatsanleihen gekauft haben, liegt genau hierin: Für deutsche Staatsanleihen müssen die Banken am wenigsten Eigenkapital "hinterlegen", weil Bundesanleihen als absolut erstklassig gelten. Kleinunternehmen in Italien hingegen haben ein deutlich höheres Risiko und dafür brauchen die Banken pro Kredit deutlich mehr Eigenkapital. Eigenkapital war, ist und bleibt aber bei den Banken knapp. Die Deutsche Bank gibt gerade neue Aktien heraus, um die durch Basel III erhöhten Eigenkapitalrichtlinien zu erfüllen. Die Banken stehen bei der Kreditvergabe also nicht nur auf der Bremse, weil sie nicht wollen, sondern zum Teil auch, weil sie nicht können.

Ich habe daher schon mit Dirk Elsner vom Blicklog darüber diskutiert, ob die EZB nicht an den Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen was ändern müsste. Also einen temporär niedrigeren Sicherheitsabschlag auf Unternehmenskredite verlangen könnte. Aber es ist - wie bei jeder Maßnahme, die diskutiert wird - sehr sehr eindeutig, dass hier versucht wird, mit Geld- bzw. Zinspolitik der EZB ein Problem zu lösen, dass viel sinnvoller von der EU (sprich der Politik) gelöst werden sollte. Bei jeder Maßnahme, die die EZB wählt, ergeben sich nämlich Auswirkungen auf die *gesamte* Eurozone. Diese ist aber nicht einheitlich und die gerade gültigen Zinsen sind so gut wie nirgendwo passend. Für Griechenland sind die Zinsen weiterhin zu hoch, für Deutschland deutlich zu niedrig. In Deutschland gibt es nicht einmal im Ansatz eine Kreditklemme, in Italien oder Griechenland sind mangelnde Kredite für Immobilien oder neue Fabriken aber ein Riesenproblem. Die Politik könnte hier viel zielgenauer eingreifen.

Ein mögliches Mittel wären staatliche Bürgschaften für Investitionen, damit das Risiko für die Banken sinkt. Wenn der Staat für 60 oder 80% einer Investition die Sicherheiten liefert, wäre nur noch ein Bruchteil des Kredits risikoreich und nur für diesen risikoreichen Teil müsste Eigenkapital hinterlegt werden. Anders gesagt: Die Banken könnten mit der gleichen Menge Eigenkapital viel mehr Unternehmenskredite bereitstellen. Man würde die Politik also ändern: Von dem Versuch die Kreditvergabe zu erhöhen, indem man Übernachteinlagen bei der EZB bestraft, könnte man auf eine Belohnungsmodell wechseln, über das die Kreditvergabe an Unternehmen gefördert wird, indem der Staat Bürgschaften vergibt und das Risiko der Banken senkt.

Aber nun gut, die europäische Politik kommt schon seit 5 Jahren nicht aus dem Kraut und lässt die Notenbank die Drecksarbeit machen.

(Es kann übrigens auch gut sein, dass die EZB diese oben geschilderten Effekte gar nicht so wichtig findet, sondern vorrangig den Euro schwächen will. Denn ein schwacher Euro würde zuverlässig für mehr Inflation sorgen, was ein probates Mittel gegen die drohende Deflation wäre. Und die europäische Wirtschaft auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger machen würde).

Ich schau mal, was heute noch so passiert. Wen das Thema interessiert: Dirk macht heute Abend um 20:00 Uhr zusammen mit dem Wirtschaftswurm und Eric Bonse einen Google Hangout zum Thema:

Ökonomen Hangout

Update (23:47):

Habe leider erst jetzt Zeit gefunden ein "Detail" nachzureichen.

Die EZB hat auch wie oben angesprochenen Richtlinien geändert. Allerdings auf eine etwas komische Art. Die EZB hat eine neue sehr langfristige Geldspritze geschaffen, die ähnlich zu den "Dicken Bertas" der Vergangenheit. Die EZB stellt den Banken also Extraliquidität zur Verfügung. Das Programm heißt dieses Mal "targeted longer-term refinancing operations" TLTRO, neu ist das "T" für targeted. Darunter versteht die EZB, dass die Banken dieses Geld nur bekommen, wenn es a) nicht in den Finanzsektor geht und b) nicht für private Immobilienverkäufe verwendet wird. Das Ziel ist klar: Das Geld soll in der Wirtschaft landen. Mal schauen, ob das funktioniert ...

ECB: ECB announces monetary policy measures to enhance the functioning of the monetary policy transmission mechanism

Update 2 (06.06.14):

Hier den Hangout zum Nachschauen:

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