Bill Gross soll 2013 290 Mio. $ Bonus bekommen haben, sein CEO 230 Mio.

Als Chef eines Fonds, der schon seit einiger Zeit Underperformer war und spätestens seit Sommer 2013 massive Mittelabflüsse zu verkraften hatte.

Lebt sich scheinbar ganz gut als lebende Investmentlegende ...

Pimcos CEO El-Erian bekam übrigens satte 230 Mio. Bonus.

Guess How Much Money Bill Gross Made Last Year? - Bloomberg View

Das sind nicht nur in absoluten Beträgen hohe Summen, sondern auch wenn man das auf den Gewinn der Firma umrechnet. In einer Präsentation der Allianz findet man einen operativen Gewinn (also vor Steuern) einen Pimco Gewinn von 2,74 Mrd. Dollar für 2013 (https://www.allianz.com/v_1393480817000/media/investor_relations/en/results/2013_fy/fy13_analyst_presentation.pdf). Gross hat sich also etwa 10% des Gesamtgewinns (vor Steuern) eingesteckt.

Da wirken die Gehälter der DAX Vorstände geradezu armselig. Man stelle sich vor, der Chef von BMW würde sich 700 Mio. einstecken ... Real dürften es etwa ein Hunderstel davon sein, sprich etwa 1 Promille des Firmengewinns. Und selbst das ist für Otto N. unvorstellbar viel Geld. Trotzdem gibt es in der Finanzbranche Gehälter, die um den Faktor EINHUNDERT absurder sind.

USA: Arbeitslosenquote 10/14: 5,8% (-0,1 Vm, -1,4 Vj), 214.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (Obwohl ihr mich so zurückhaltend geflattert habt wie lange nicht mehr :( Was ist los?).

Für den Oktober 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel als erwartet und auch (ohne die Erwartungen heranzuziehen) durchaus gut ist.

Zu den offiziellen Zahlen des September 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -267.000 auf 8,995 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +683.000 auf 147,283 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,8% (-0,1 zum Vormonat; -1,4 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt (und nochmal ein weniger ausgeprägter als im Vormonat).

Das sieht doch gut aus: deutlich mehr Arbeitsplätze, weniger Arbeitslose, beide Werte gut, passt. Und im Oktober trübt auch die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) den guten Eindruck nicht: 206.000 AmerikanerInnen weniger wurden in die NILFs gebucht. Die Anzahl der Amerikaner, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, ist um über 400.000 gestiegen.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese spiegelt die positive Entwicklung wider und stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 59,2%, was 1,0 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Damit löst sich die Erwerbstätigenquotelangsam langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Werte ist auch der beste seit August 2009.



Auf Sicht eines Jahres entwickeln sich Arbeitslosenquote (-1,4%) und Erwerbstätigenquote (+1,0%) somit zum ersten Mal seit langer Zeit halbwegs parallel.

Langfristig sieht das schlechter aus: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,8% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber gerade einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur zögerlich. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur etwas mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Oktober etwas schwächer als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +214.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,680 Millionen. Zum Plus von 209.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 5.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 214.000 lag leicht unter den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lagen (etwa 230.000).

Gut wurde der September-Report erst, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als bisher errechnet haben. Das August-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 23.000 auf plus 203.000, das September-Plus ebenfalls leicht um 8.000 auf 256.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 31.000. Rechnet man die Korrekturen ein, waren auch die Zahl der neuen Stellen besser als erwartet.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg wie im Vormonat von 34,5 auf 34,6 Stunden (was bedeutet, dass das Plus im Vormonat wieder wegkorrigiert wurde). Die Zahl der Überstunden sank leicht auf 3,5 Stunden. Damit verharren beide Werte, die im letzten Monat den Ausbruch aus der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden geprobt haben, weiterhin am oberen Rand. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst, aber ein Boom sieht (immer noch) anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Die U-6 sank erneut um 0,3 Prozentpunkte auf 11,5%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich erneut ein schöner Rückgang um 2,2 Prozentpunkte, der auch noch größer ist als der Rückgang im Vormonat. Diese Quote verbessert sich weiterhin schneller als die des Gesamtmarkts und die Geschwindigkeit wieder immer höher; beides gute Zeichen.

Zusammenfassend: Der Oktober-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist gut ausgefallen. Alle vier entscheidenden Werte haben sich verbessert: Aus den Household-Daten errechnet sich eine sinkende Arbeitslosenquote (1), die sowohl auf mehr Arbeitsplätze (2) als auch auf weniger Arbeitslosen (3) basiert. Auch die Zahl der NILFs sank. Die Establishment-Daten (+214.000 neue Jobs (4)) waren auf den ersten Blick eine kleine Enttäuschung, rechnet man aber die Korrekturen der Vormonate (+31.000 Arbeitsplätze) ein, sind die Zahlen doch über den Erwartungen der Analysten und ebenfalls über dem Durchschnitt der letzten Monate (etwa +230.000) ausgefallen. Nach dem (zuerst) etwas enttäuschenden August-Bericht hat der US-Arbeitsmarkt mit den September- und Oktober-Berichten die gute Entwicklung der Vormonate wieder aufgenommen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — October 2014  (PDF)

Konzerne sparen Milliarden durch Steuerkonstruktionen in Luxemburg. Dank EU-Chef Juncker.

Allerdings sind viele der Steuersparmodelle schon länger bekannt.

1) Dass Luxemburg einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz für digitale Güter hat, dürfte jeder wissen, der schonmal die iTunes oder Amazon-eBook-Rechnung aus der Niederlassung Luxemburg bekommen hat. Als Bonus dazu kommt noch ein absurd niedriger Steuersatz auf Gewinne, die aus solchen digitalen Gütern stammen: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar. Im Ergebnis bekommt man für den Verkauf von digitalen Eigentumsrechten einen Traum-Steuersatz von 5% statt der üblichen 30%.

2)Wer sich mal mit Anleihen beschäftigt hat, dem ist bestimmt schon mal aufgefallen, dass viele europäische Konzerne ihre Anleihen über die Niederlande begeben (Firmenkürzel z.B. Daimler International Finance BV). Das liegt an einer besonderen Steuersparmöglichkeit, die im Kern darauf beruht, dass die deutsche Zentrale sich das Geld bei der Tochter in Holland leiht. Die Zentrale in Deutschland kann diese Zinsen als Kosten absetzen, die holländische Tochter die Zinsen an die Anleger am Kapitalmarkt ebenfalls, wohingegen die niederländische Tochter die Zinseinnahmen der deutschen Zentrale aber nicht als Einnahmen versteuern muss. Defakto kann der Konzern so seine Zinsen *zweimal* als Kosten geltend machen. (Für das Modell wirbt die Niederlande offensiv, auf dem Cover Neelie Kroes ... (hab ich in Bastian Brinkmanns Steueroasenbuch gelesen)). Luxemburg hat das niederländische Modell wegen der großen Erfolgs flugs kopiert.

Daneben scheint Luxemburg einen Haufen Spezialdeals eingefädelt zu haben, die über diese bereits bekannten Modelle hinausgehen. Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt (mit WDR und einigen anderen) riesige Stapel Papiere geleakt, in denen man sich die Details dieser Deals anschauen kann:

Luxemburg-Leaks: Fragwürdige Steuerpraktiken enthüllt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Das ist leider nicht sonderlich gut lesbar (Juristen-Finanz-Fachsprache), in der Summe dürften Steuern im Wert von einigen Milliarden über diese Deals gespart werden. Pro Jahr.

Diese Details sind wohl auch gar nicht so wichtig, spannender scheint mir die schiere Menge der Deals und Steuersparkonstruktionen zu sein. Und der Hinweis, dass Jean-Claude Juncker, der heutige Chef der EU-Kommission, ab 1989 in Luxemburg Finanzminister, ab 2005 auch Premierminister war. Ein großer Teil der Steuerspar-Gesetze dürften also auf seine Initiative zurückgehen. Wenn nun Irland mit sehr langen Übergangsregeln sein altes Steuerschlupfloch schließt (und übrigens gleichzeitig ein neues öffnet ...) ist das kaum mehr als Scheinaktivität. Der effektive Steuersatz für Microsoft, Apple, Google und Co. wird in Irland auch nach dem Auslaufen des alten Modell wohl einstellig bleiben. Und wenn man einen so niedrigen Steuersatz mit Irland alleine nicht hinbekommt, muss man eben die Steueroasen Niederlande und Luxemburg in seine Firmenkonstruktionen einbauen. Macht das Ganze etwas aufwändiger, aber die Beraterbranche freut sich und verdient sich weiterhin eine goldene Nase.

Grundsätzlich was ändern würde sich nur, wenn man die Steuergesetzgebung in Europa richtig ändert. Also so RICHTIG viel ändert. Und diese ganzen Niedrigsteuersätze für Spezialkonstruktion xy abschafft. Aber mit einem Politiker an der EU-Spitze, der fast ein Vierteljahrzehnt aktiv beim Schnitzen von Steuerschlupflöchern geholfen hat, ist meine Hoffnung klein. Ungefähr so klein wie die Steuersätze der Konzerne ...

Update (22:25):

Unbedingt empfehlenswert auch das Blog zum Thema von Bastian Brinkmann:
Steuerflucht.tumblr.com

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