USA: Arbeitslosenquote 12/14: 5,6% (-0,2 Vm, -1,1 Vj), 252.000 neue Jobs. Aber dicke NILF Umbuchung.

Hier mein gewohnter US-Arbeitsmarktbericht:

Für den Dezember 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der unter der Oberfläche nicht so aussieht, wie es die beiden wichtigen Zahlen (die beide gut ausfielen) nahelegen. Die wichtige Zahl aus dem ersten Teil (Arbeitslosenquote aus der Household-Data) verbesserte sich nur durch eine kräftige Umbuchung in die NILFs (not in labor force). Der zweite Teil hingegen fiel durch die Korrekturen der Vormonate sogar noch besser als die wichtige Zahl (Anzahl neuer Arbeitsplätze) andeutet.

Zu den offiziellen Zahlen des Dezember 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -383.000 auf 8,688 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +111.000 auf 147,442 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,6% (-0,2 zum Vormonat; -1,1 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Nur relativ wenige neue Arbeitsplätze, dagegen ein deutlicher Rückgang der Zahl der Arbeitslosen. Wenn man weiss, dass die Bevölkerung in den USA wächst, ahnt man schon Böses ... Die gesunkene Arbeitslosenquote und die zurückgehende Zahl der Arbeitslosen ging nämlich nur auf die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) zurück: 456.000 AmerikanerInnen wurden zusätzlich in die NILF-Schublade umgebucht. Ohne diese Umbuchung wäre sowohl die Anzahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote gestiegen.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese zeigte dann auch keine Verbesserung und blieb im Monatsvergleich unverändert bei 59,2%, was 0,6 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Damit löst sich die Erwerbstätigenquote langsam langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Wert bleibt der beste seit August 2009. Die Erholung bleibt in letzter Zeit aber verhalten, seit August kamen nur noch magere 0,2 Prozentpunkte hinzu.

Im Spätsommer hatte ich darauf hingewiesen, dass sich damals die Arbeitslosenquote (-1,4 zum Vorjahr) und die Erwerbstätigenquote (+1,0 zum Vj) endlich halbwegs sauber spiegelbildlich entwickeln. Kaum sprach ich es aus, wurde der Zusammenhang wieder schwächer: im Dezember stieg die Erwerbstätigenquote im Jahresvergleich mit +0,6 Prozentpunkten deutlich langsamer als die Arbeitslosenquote mit -1,1 Prozentpunkten im Gegenzug sank.

Langfristig ist dieser (Nicht-) Zusammenhang weiterhin ernüchternd: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,6% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber gerade einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur zögerlich. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur geringfügig mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren im Dezember zwar positiv, aber nicht so außergewöhnlich gut wie im November.

Anzahl der Jobs: +252.000 gegenüber dem Vormonat auf 140,347 Millionen. Zum Plus von 240.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 12.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 252.000 lag im Rahmen der Erwartungen der Analysten und auch in etwa auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate.

Überdurchschnittlich gut wurde der Dezember-Report, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als zuvor errechnet haben. Das Oktober-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 18.000 auf plus 261.000, das November-Plus noch stärker um 32.000 auf 353.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 50.000. Rechnet man die Korrekturen ein, wird der Dezember zu einem klar überdurchschnittlichen Monat.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,6 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg von 3,5 auf 3,6 Stunden. Beide Werte bleiben damit am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Die Beschäftigung wächst zwar, aber ein breiter Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc.). Die U-6 sank im Dezember nur noch leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 11,2%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich damit nur noch ein Rückgang um 0,9 Prozentpunkte. Die Jahresrate sank aber auch schon mal deutlich schneller, im Oktober fiel die Jahresrate noch mit 2,2, im November mit 1,7 Prozentpunkten. Damit sinkt U-6 zum ersten Mal seit der Wende am US-Arbeitsmarkt nicht mehr schneller als die Arbeitslosenquote in der engeren Definition.

Zusammenfassend: Der Dezember-Bericht vom US-Arbeitsmarkt fiel überwiegend gut aus, inklusive der Korrekturen der Vormonate in den Establishment Data würde ich ihn sogar unter "sehr gut" verbuchen. Die Household-Data war aber dank der relativ großen Umbuchung von fast einer halben Millionen Arbeitnehmer in die NILFs nur an der Oberfläche (Rückgang der Arbeitslosenquote) gut. Unter der Decke steckte eine negative Überraschung. Mal schauen, was der erste Bericht für 2015 bringt, darin gibt es turnusgemäß eine vollständige Überarbeitung der Daten für 2014.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — December 2014  (PDF)

Update (15:34):

Eine Zahl, auf die ich sonst nicht schaue, sticht noch heraus: Der durchschnittliche Stundenlohn ist von 24,62$ auf 24,57$ gesunken. Die Jahresrate liegt bei vergleichsweise mageren 1,7%. Der Rückgang ist - trotz der eh schon schwachen Jahresrate - ein Warnzeichen. Gut, der Dezember mag durch Sondereffekte gekennzeichnet sein. So mag es einen Zuwachs an relativ niedrig qualifizierter Saisonarbeit (Amazon Paketpacker) gegeben haben, andererseits könnte es auch geringere Jahresboni gegeben haben. Zumindest die letztere These passt aber nicht wirklich zu Rekordgewinnen bei den Unternehmen ...

Update 2 (23:44):

Eines sollte vielleicht noch erwähnt werden: 2014 war das beste Jahr am US-Arbeitsmarkt. Noch nie wurden so viele neue Stellen geschaffen. Ich muss das mal erwähnen, weil man sonst denken könnte, ich würde das zu negativ beurteilen.

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