Ach Bild :( Die bösen Griechen-Milliardäre zahlen keine Steuern für ihre Schiffe?

Die deutschen Reeder etwa?

Kleiner Hinweis:

Tonnagegewinnermittlung – Wikipedia

Hinter dieser Sondersteuer, unter dem Namen "Tonnagesteuer" etwas bekannter, versteckt sich eine Gewinnermittlung nach einer speziellen Methode, die dazu führt, dass quasi kein Gewinn anfällt. Dieser Minigewinn wird dann zwar normal mit dem Einkommenssteuersatz versteuert, aber da aus steuerlicher Sicht nahezu kein Gewinn anfällt, bleibt auf den eigentlich erzielten Gewinn gerechnet der effektive Steuersatz lächerlich gering.

Dazu kommt noch:

"Wegen der Steuerbefreiungen in § 4 Nr. 2 UStG und § 27 Abs. 1 Nr. 1 EnergieStG ist der Schiffsverkehr praktisch von Umsatzsteuer und Energiesteuer befreit." (Wikipedia, Link oben)

Keine Umsatzsteuer. Keine Mineralölsteuer. Und wie gesagt dank der Sonderregelung quasi keine Gewinne, die man versteuern muss.

Definiere Steuerparadies .... Wohlgemerkt: Alles oben genannte bezieht sich auf Deutschland (und dürfte in Griechenland ziemlich ähnlich sein).

Schiffsfonds für betuchte Anleger in Deutschland werben seit Menschengedenken konsequenterweise damit, dass die Einnahmen der Schiffe "nahezu steuerfrei" kassiert werden können, siehe auch:

Milliarden-Subventionen ohne Gegenleistung | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Übrigens ist es ziemlich lustig, aber klassische Bild-Tradition, dass von den griechischen Reederei-Milliardären ausgehend ganz schnell unzulässig verallgemeinert wird und daraus ein:

"Griechen-Milliardäre zahlen keine Steuern!"

wird. Es wird auch jemand genannt, der Yachten baut. Warum dieser mit seiner Werft unter die Reederei-Spezialsteuern fallen sollte : Keine Erklärung.

Genau wie die Bild in irgendeiner Weise nicht im Ansatz belegt, dass die namentlich genannten und an den Pranger gestellten Milliardäre wirklich keine Steuern zahlen. Kennt die Bild deren Steuererklärung?

(Wobei "keine Steuern" gleich die nächste Ungenauigkeit ist, wenn überhaupt dürften es "wenig" Steuern sein).

Ähnlich lustig (okay, anders kann man die Bild nicht nehmen) ist das vorsichtige Eingeständnis, dass der "neue Griechen-Premier Alexis Tsipras (40) die Reeder stärker zur Kasse bitten will. Doch der Koalitionspartner mauert. Politiker von CDU/CSU erhöhen nun den Druck" (die von der SPD anscheinend nicht, oder hat Bild die "vergessen" zu fragen?). Ok, laut Bild erhöhen DIE Politiker, die ähnliche Steuergesetze in Deutschland für normal halten, jetzt also den Druck. Die Griechen sollen doch endlich mal die Reeder rannehmen und die Steuern kassieren, die Deutschland selber auch nicht kassiert … Klingt logisch ;/

Nee, ganz ehrlich Bild: IMHO dürften die linken Tsipras und Varoufakis den reichen Griechenreedern eher an den Kragen gehen als ihr einen vernünftigen, ausgewogenen Artikel über Griechenland hinbekommt … (oder Schäuble-Merkel den deutschen Reedern endlich vernünftige Steuern abknüpft)

Tolles Beispiel für einen Bild-Artikel, der bei der Nennung einer einzigen zusätzlichen Tatsache (Deutschland macht das gleiche) völlig in sich zusammenbricht.

P.S. Wann schreibt ihr einen Artikel über die deutschen Reeder, die keine Steuern zahlen?

Update (15:59):

Oh, den Link auf die Bild vergessen ... Ich Depp ...

Warum zahlt ihr superreichen Griechen keine Steuern? - Politik Ausland - Bild.de

Update 2 (16:02):

Und dann vielleicht noch eine Ergänzung:

George Papadopoulos auf Twitter: "@luebberding @egghat @KaiDiekmann Nicht zu vergessen, dass die v. 'Bild' genannten Reeder ihren Sitz in der Schweiz oder Argentinien haben"

Das stimmt nicht so ganz, der Hinweis ist trotzdem gut:

George Economou wohnt in Griechenland und seine wertvollste Firma hat auch dort seinen Sitz.

Bei Latsis hingegen stimmt es, er hat seinen Wohnsitz in Monaco (davor Genf),

Theodore Angelopoulos wohnt in der Schweiz.

Und beim Reichsten in der Bild-Liste genannten Griechen Stavros Niarchos ist mir völlig unklar, wo der lebt. Scheint mit Business nicht viel am Hut zu haben, eher hiermit
...

Ganz nebenbei scheint mir als würde das Milliarden-Vermögen auch nicht ihm persönlich, sondern einer Stiftung zu gehören. Damit ist der ganze Fall eh ein anderer.

Aber egal, für Bild sind das alles nur lästige Details ... Griechischer Name --> Besteuern. Selbst wenn die Familie schon seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr dort lebt ...

Update (22:58):

Uh, das ist ja noch übler. Die einzige verbliebene deutsche Wirtschaftszeitung (neben der Nische Börsenzeitung) hat daraus ne Klickstrecke gebastelt .

Griechische Milliardäre: Reederei steuerfrei - International - Politik - Handelsblatt

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