USA: Arbeitslosenquote 02/15: 5,5% (-0,2 Vm, -1,1 Vj), 295.000 neue Jobs. Aber dicke NILF Umbuchung.

Hier (nach der Kurzversion im Januar) mein gewohnter US-Arbeitsmarktbericht:

Für den Februar 2015 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der unter der Oberfläche nicht so aussieht, wie es die beiden wichtigen Zahlen (die beide gut ausfielen) nahelegen. Die wichtige Zahl aus dem ersten Teil (Arbeitslosenquote aus der Household-Data) verbesserte sich nur durch eine kräftige Umbuchung in die NILFs (not in labor force). Der zweite Teil hingegen fiel durch die Korrekturen der Vormonate sogar noch besser als die wichtige Zahl (Anzahl neuer Arbeitsplätze) andeutet.

Zu den offiziellen Zahlen des Februar 2015:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -274.000 auf 8,705 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +96.000 auf 148,297 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,5% (-0,2 zum Vormonat; -1,2 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Nur relativ wenige neue Arbeitsplätze, dagegen ein deutlicher Rückgang der Zahl der Arbeitslosen. Wenn man weiss, dass die Bevölkerung in den USA wächst, ahnt man schon Böses ... Die gesunkene Arbeitslosenquote und die zurückgehende Zahl der Arbeitslosen ging nämlich nur auf die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) zurück: 354.000 AmerikanerInnen wurden zusätzlich in die NILF-Schublade umgebucht. Ohne diese Umbuchung wäre sowohl die Anzahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote gestiegen.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese zeigte dann auch keine Verbesserung und blieb im Monatsvergleich unverändert bei 59,3%, was 0,5 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Damit löst sich die Erwerbstätigenquote langsam langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Wert bleibt der beste seit August 2009. Die Erholung bleibt in letzter Zeit aber verhalten, seit August kamen nur noch magere 0,3 Prozentpunkte hinzu.

Im Spätsommer hatte ich darauf hingewiesen, dass sich damals die Arbeitslosenquote (-1,4 zum Vorjahr) und die Erwerbstätigenquote (+1,0 zum Vj) endlich halbwegs sauber spiegelbildlich entwickeln. Kaum sprach ich es aus, wurde der Zusammenhang wieder schwächer: im Februar stieg die Erwerbstätigenquote im Jahresvergleich mit +0,5 Prozentpunkten deutlich langsamer als die Arbeitslosenquote mit -1,2 Prozentpunkten im Gegenzug sank. Der Rückgang der Arbeitslosenquote geht als nur zur Hälfte auf eine Verbesserung der Beschäftigungslage zurück, die andere Hälfte entsteht durch das Ausscheiden von Leuten aus dem Arbeitsmarkt.

Langfristig ist dieser (Nicht-) Zusammenhang weiterhin ernüchternd: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,5% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber gerade einmal um 1,1 Prozentpunkte gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur zögerlich. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur geringfügig mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren im Februar sehr positiv.

Anzahl der Jobs: +295.000 gegenüber dem Vormonat auf 141,126 Millionen. Zum Plus von 288.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 7.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus lag deutlich über den Erwartungen der Analysten und auch über dem Durchschnittswert des letzten halben Jahres.

Etwas getrübt wird der Februar-Report durch die Abwärtskorrektur der Zahlen für den Januar. Das Dezember-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze blieb bei sehr guten 329.000, das Januar-Plus wurde um 18.000 auf 239.000 nach unten korrigiert. Das sind eher kleine Korrekturen, die keinen wesentlichen Einfluss auf die Einschätzung haben.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,6 Stunden. Die Zahl der Überstunden sank von 3,5 auf 3,4 Stunden. Beide Werte bleiben damit am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Die Beschäftigung wächst zwar, aber ein breiter Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc.). Die U-6 sank im Februar leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 11,0%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich damit ein Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Der Sinkgeschwindigkeit hat sich damit gegenüber dem Dezember wieder erhöht (damals nur -0,9 Prozentpunkte). Damit sinkt die Quote bei der breiter gefassten Arbeitslosigkeit zwar schneller als die Arbeitslosenquote in der engeren Definition, wenn man aber berücksichtigt, dass die Arbeitslosenquote dort doppelt so hoch ist (11,0 vs. 5,5%), sollte die Arbeitslosenquote dort auch etwa doppelt so schnell sinken. Das tut sie aber leider nicht, der Rückgang um 1,6 Prozentpunkte bei U-6 ist nur etwas mehr als die 1,2 Prozentpunkte bei der Arbeitslosigkeit in der engen Definition.

Zusammenfassend: Der Februar-Bericht vom US-Arbeitsmarkt fiel gut aus. Die Household-Data war allerdings nur dank der Umbuchung von gut 350.000 Arbeitnehmer in die NILFs nur an der Oberfläche (Rückgang der Arbeitslosenquote) gut. Unter der Decke steckte eine negative Überraschung. Da die Daten aus der Establishment-Umfrage aber als genauer gelten (und die Abwärtskorrekturen klein blieben), würde ich den überraschend großen Zuwachs an Arbeitsplätzen höher gewichten und dem Job-Report noch ein knappes "Gut" verleihen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — February 2015  (PDF)

Eine Zahl, die in letzter Zeit leichte Sorgen bereitete : Der durchschnittliche Stundenlohn stieg auf 24,78$. Die Jahresrate liegt bei 2,0%. Das ist noch nicht toll, aber besser als der extrem magere Lohnanstieg von 1,7%, der im Dezember gemeldet wurde. Für eine Entwarnung ist es zu früh, für Jubel erst recht.

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