Dank massiver Subventionen ist jedes fünfte Auto in Norwegen ein Elektro-Auto. Ist das gut?

Technology Review: E-Autos auf dem Weg zur Normalität

tl;dr des TR Artikels: Marktanteil von Elektroautos in Norwegen: 20%. Credo: Seht her, es geht.

Der Artikel lässt leider unter den Tisch fallen, wie massiv Norwegen E-Autos fördert.

a) Keine Mehrwertsteuer auf Elektroautos (ich glaube, Norwegen hat sogar noch eine Luxussteuer für teurer Autos, die ebenfalls wegfällt).
b) Keine Maut für Elektroautos (in Oslo gibt es eine Citymaut, die für Pendler 1.000 Euro im Jahr übersteigen kann).
c) kostenlose Fähren für E-Autos (für die vielen Bewohner der Inseln noch wesentlich teurer als die City-Maut).
d) vergünstigter (wohl teilweise sogar kostenloser) Strom für E-Autos.

Dazu kommen noch nicht-monetäre Anreize wie gesonderte Fahrspuren für E-Autos, Extra-Parkplätze, etc. pp.

Das Problem an vielen dieser Maßnahmen: Es sind klare Subventionen (dem Staat entgehen Steuereinnahmen). Noch wichtiger: es ist unklar, wie es weiter gehen soll, wenn erst einmal 50% oder 80% der Autos mit Strom fahren. Verzichtet der Staat dann weiterhin auf die Mehrwertsteuer auf Autos? Auf die Mauteinnahmen? Wer finanziert die Fähren, wenn nur noch 20% der Autos auf den Fähren bezahlen müssen?

Das wird wohl alles nicht passieren, denn der Staat braucht ja die Steuern,  die Mautgesellschaft die Maut, und Fährgesellschaften und  Stromkonzerne zahlende Kunden. Eine solch massive Förderung wie in Norwegen kann also nur aufrecht erhalten werden, so lange nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung die Vorteile nutzt. Wird der Marktanteil der E-Autos zu hoch, werden Maut, Steuern, etc. irgendwann wieder erhoben werden müssen. Und dann stellt sich die entscheidende Frage: Sind die Preise für die E-Autos in der Zwischenzeit so weit gesunken, dass die E-Autos dann - ohne Förderung! - mit den Verbrennern mithalten können? Oder muss man auf alle Ewigkeit weiter subventionieren? Oder die Verbrenner auf alle Ewigkeit weiter bestrafen? Oder vielleicht sogar beides? Und/oder hat man am Ende das Autofahren nur noch einmal massiv verteuert?

Anders gesagt: Es sollte bei solchen Subventionen eigentlich nur darum gehen, eine neue Technologie wettbewerbsfähig zu machen. Also darum, eine alte Technologie abzulösen und durch eine bessere (aber im besten Fall nicht teurere) Technologie zu ersetzen. Um die Subventionen dann wieder einstellen zu können.

Das hat Deutschland im Fall der Photovoltaiksubventionen "vergessen" und mir scheint, Norwegen macht den gleichen Fehler gerade bei E-Autos. Wohlgemerkt, ich will nicht sagen, dass diese beiden Ziele falsch ist, ich schätze nur, dass man in beiden Fällen mit zu massiver Förderung zu früh in eine noch unreife Technologie eingestiegen ist. Gut, Norwegen kann sich das dank der Ölmilliarden aus der Nordsee locker erlauben. Die Frage muss allerdings erlaubt sein, ob es nicht etwas schizophren ist, wenn man durch die Förderung von CO2-Öl sein eigenes gutes Gewissen finanziert ... (Man könnte das Öl schließlich auch einfach in der Nordsee liegen lassen, das ergäbe es auch eine spürbare CO2-Einsparung).

Die Re-Investition der Ölmilliarden für die Förderung der E-Mobilität ist natürlich (aus weltweiter Sicht) sofort sinnvoll, wenn es gelänge, mit einem überschaubaren Einsatz von (norwegischem) Geld die Elektro-Autos so viel besser und billiger zu machen, dass sie auch in vielen anderen Ländern (ohne große Subventionen) wettbewerbsfähig werden. Dann hätte diese Investition einen Hebel entfaltet und Sinn ergeben. Ich befürchte nur, dass Norwegen und seine Politiker mehr an das gute Gewissen und den Wohlfühlfaktor denken als an den "Hebel" und die mittelfristige Markttauglichkeit der Produkte ...

Damit mir jetzt keine zu große Skepsis in Bezug auf E-Mobilität unterstellt wird, möchte ich auch noch kurz skizzieren, wie man sinnvoller fördern könnte. E-Autos sind mit der beschränkten Reichweite, den hohen Kosten für die Akkus, und der eingeschränkten Lebensdauer der Akkus entscheidenden Einschränkungen unterworfen (zumindest so lange das Aufladen noch länger als ein paar Minuten dauert). Man will (auch aus Gewichtsgründen) keine Autos mit Akkus für 600 Kilometer Reichweite bauen, wenn die Akkus 800 Kilos wiegen und 40.000 Euro kosten (und man die hohe Reichweite nur zweimal im Jahr benötigt). Ein Auto mit einem Akkusatz für 60 Kilometer Reichweite und 4.000 Euro kommt für die meisten Leute ebenfalls nicht in Frage, weil die Reichweite zu klein ist. Um eine möglichst hohe CO2-Ersparnis zu erreichen, sollte der Akku möglichst gleichmäßig und häufig genutzt werden.

Was man also suchen sollte, sind Autos, die jeden Tag (und zwar das ganze Jahr ohne Ausnahme) die gleiche Reichweite benötigen. Das kann der Zweitwagen für Pendler sein (für lange Strecken wird dann weiter das Erst-Auto mit Verbrenner genutzt), das kann das Car-Sharing Auto sein, das nur innerstädtisch genutzt wird, das kann aber auch (und hier würde ich ansetzen) der Lieferwagen des Paketdiensts sein.

Die Fahrwege von Lieferwagen sind jeden Tag die selben, die Wagen stehen jeden Tag (genauer jede Nacht) an der gleichen Stelle (dahin baut man die Ladesäule), das Auto ist ausreichend groß auch für größere Akkusätze und aus dem Einsatz der Elektroautos könnte man noch eine nette Werbekampagne machen (das Modell Elektro-Lieferwagen muss sich nicht allein aus monetärer Sicht komplett rechnen, der Imageeffekt aus dem E-Lieferwagen kommt hinzu; Privatleute können sich vom Imagegewinn übrigens nichts kaufen).

Okay, als Erster hatte ich die Idee nicht: Streetscooter, ein Spin-Off der TH Aachen bemüht sich genau darum: Elektro-Lieferwagen bauen. Und wurde Ende letzten Jahres von DHL gekauft. Ihr könntet also möglicherweise bald per DHL-Stromer beliefert werden. Wenn die Politik mitgeholfen hätte, wäre das vielleicht schon zwei, drei oder vier Jahre früher passiert. Diese "gute" Subvention und gezielte Marktanschieberei hat unsere Politik also mal wieder grandios verpennt (außer sie schiebt jetzt doch noch was nach). Wahrscheinlich bekommen wir stattdessen aber wieder einmal eine Subvention mit der Gießkanne. Es wird  einen Haufen Geld auf ein Problem gekippt. Und wenn das nichts bewirkt, kippen wir einfach noch mehr Geld darauf. Die grundsätzliche Denke "lass uns einen Teilmarkt suchen, wo wir mit so wenig Geld wie möglich möglichst viel Wirkung erreichen" scheint der Politik zu fehlen, zumindest kann ich mich spontan an keine Subvention erinnern, die mich in dieser Hinsicht überzeugt hätte.

Der zweite Markt, den ich nach guten Erfahrungen mit den E-Lieferwagen anschieben würde, wäre das Elektro-Auto-Carsharing; das könnte man auch unter Posten "ÖPNV Zuschuss" verbuchen. Und erst danach würde ich über PKWs für Privatleute nachdenken. Aber auch da nicht per Gießkanne, sondern ganz gezielt den Elektro-Zweitwagen mit geringer Reichweite (von mir aus am Anfang nur mit 50km Reichweite) für Pendler adressieren. Das sollten dann (aus Kosten-, Gewichts- und Innovationsgründen) Autos ganz ohne Verbrenner sein. Sinken die Kosten und steigt die Leistungsfähigkeit der Akkus dann wie gewünscht, kann die Politik nach und nach auch größere Reichweiten (eventuell dann auch Hybrids) in die Förderung aufnehmen.

So würde ich es machen. Was meint ihr?

Kommentare :

  1. Ihre Argumentation ähnelt leider stark Merkels perfider " Brückentechnologie - Kernkraft " Argumentation Linie. Veraltete Technologie wird noch gebraucht da " Die Neuen " " noch nicht so weit sind ". Förderung nur mit "Augenmaß" um "Die Armen Steuerzahler" nicht zu stark zu belasten und dabei die Jahrzehnte geflossenen Milliarden direkten und indirekten Subventionen der Veralteten Technik, vom Klimawandel ganz zu schweigen, natürlich unter den Tisch fallen lassen. Ihre vermeintliche " eigentlich für E-Autos ABER..." Haltung ist leider nur eine Chimäre.
    Eigentlich habe ich nichts gegen Immigranten (E-Autos) - ABER nur solange sie : Nicht zuviel Staatsleistungen (Subventionen) in Anspruch nehmen, sich integrieren (nicht zu Disruptiv) und generell mindesten 150 Prozent “deutscher“ werden (Reichweite) , um die Anmaßung ihrer Existenz abzumildern. Das ist sehr stark zugespitzt aber es veranschaulicht die reaktionären Standart Denkmuster und die Implizite Verachtung welche bequemen mit dem Political Correctness (Eigentlich dafür ABER) Feigenblatt bedeckt wird.

    430.000 Europäer sterben, laut EU Studie, jährlich an Feinstaub aus Autoabgasen, nur einer der vielen „Unwesentlichen“ Punkte zum Thema die sie in ihrem Artikel vernachlässigt haben.

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    1. Puh, der Vergleich mit "ich habe nichts gegen Migranten" tut schon weh und erinnert an einen Trollversuch .. Ich antworte trotzdem mal ...

      Nee, lass es doch ... Weil mein Punkt: "Zielgerechte Förderung" nicht angekommen ist und scheinbar das Kippen großer Mengen Geld auf das richtige Problem für eine gute Idee gehalten wird. und es auch keine bessere gibt. Machen wir es wie bei der Solarenergie: Hauptsache viel Solarenergie. Erstmal 100 Mrd. draufkippen und dann fragen wir uns plötzlich, wie man den Strom von A nach B bekommt und wie man den Strom für die Nacht speichert. Und dann schüttet man halt noch mal 200 Mrd. hinterher ...

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  2. Zielgerechte Förderung klingt ja gut, aber was genau ist das Ziel. Geht es darum eine Technologie weiterzuentwickeln oder geht es darum eine große, langfristige Nachfrage aufzubauen um größere Firmen dazu zu bringen in diesen Markt zu investieren. Das ist meines Erachtens ein Zielkonflikt, der hier vorliegt und den aufzulösen ist verdammt schwierig. Ich gebe Dir Recht, dass man bei der Förderung erneuerbarer Energien zu sehr auf Photovoltaiksubventionen gesetzt hat anstatt das Gesamtsystem ausgewogener zu fördern (also auch intelligentere Netze, andere Energieformen, etc). Andererseits ist weder Photovoltaik noch Windturbinen eine wirklich neue Technologie und ohne massive Förderung der Nachfrage wären diese Segmente wohl dauerhaft vor sich hingedümpelt.

    Bei E-Autos sehe ich das ähnlich. Laut bcs - Pressemitteilung vom 16.3.15 gab es Stand Januar 2015 insgesamt 15.400 Car-Sharing-Fahrzeuge. Da kamen in einem Jahr gut 1.500 dazu. Das ist nicht wirklich ein interessanter Markt und ich bezweifle, dass ne Förderung in diesem Bereich dazu führt, dass Hersteller investieren, v.a. weil man ja (ähnlich wie bei Photovoltaik damals) keinen Anreiz hat, in die Weiterentwicklung zu investieren (die Reichweite passt ja). Bei Lieferfahrzeugen wird der Markt wohl etwas besser aussehen, aber wenn da die Reichweite passt, warum sollte man da mehr Geld hineinstecken?
    Und man sollte ja auch nicht vergessen, dass man da die dementsprechende Infrstruktur aufbauen muss (Stromtankstellen, Werkstätten, Ersatzteilverfügbarkeit, etc) und das rentiert sich halt erst ab einer gewissen Größe (oder man ist ein kalifornisches Start-Up-Unternehmen, das mit Geld zugeschissen wird).

    Man bräuchte da ein System, wo man auf der einen Seite eine nennenswerte Nachfrage schafft und auf der anderen Seite zugleich Anreize für die Weiterentwicklung. Vielleicht etwas in der Art: Man gibt ein langfristiges Förderprogramm bekannt, das man in jährliche Lose aufteilt und gleichzeitig von Jahr zu Jahr die Förderung und die technischen Mindeststandards erhöht. Nur bestimmte Formen, wie Car-Sharing-Autos oder Lieferwägen zu fördern ist mE zu wenig um den Markt in Schwung zu bekommen.

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